Mann mit Kamera im Park – das kann nur ein Pädo sein111!!!111

Ein zufälliges Fundstück, via Telepolis-Forum:

Schließlich hörte ich einen Hubschrauber, wohl im Zusammenhang mit dem Pokalfinale in Berlin. Kamera gezückt und Fotos gemacht. Im Hintergrund war auch noch eine Wolkenformation, und gestern erst verbloggte ich 3 Baukräne vor düster-wolkigem Hintergrund, der aber hineinmontiert war und mich ermahnte mehr Hintergrundwolkenformationen zu sammeln, aber diese hier war klein und hell, hob sich kaum vom Hintergrund ab, und wird wohl kaum zum Einsatz kommen, aber es kostet ja auch nichts 2, 3 Fotos zu viel zu haben.

Da trat eine Frau auf mich zu, was ich da fotografiere, ob sie mal sehen dürfe. Ich fragte wieso.

Nun, sie habe gesehen dass ich ihre Kinder fotografiere.

I: Nein.

F: Dann soll ich ihr die Fotos zeigen, oder die letzten Fotos löschen.

Ich erkläre ihr, dass ich erstens ihre Kinder nicht fotografiert habe. Dass ich ihr zweitens keine Rechenschaft schuldig bin und ihr keineswegs zeige, was ich fotografiert habe. Und löschen werde ich gleich gar nichts. Was bildet die sich ein?

Der Leser wird vielleicht mit mir die Erfahrung teilen der Mittelpunkt der Welt zu sein. Heute wollen wir mal der Mittelpunkt einer Analoguhr sein. Die Frau mit ihrer Clique, mehrere Erwachsene und Kinder saßen weniger als 10 m vor mir im Gras auf 12 bis 2 Uhr, während ich ganz leicht erhoben auf dem Fahrdamm auf der Bank saß. Der Hubschrauber, als ich ihn erstmalig hörte war auf 11-12 Uhr, aber ganz in der Luft und flog nach links, auf 9 Uhr zu. Auf 9 bis 10 Uhr war auch die Wolke, die ich fotografiert hatte. Die Kinder waren allenfalls in der Bewegung der Kamera auf das Ziel zu im Fokus.

Da es taghell war löste der Blitz nicht aus, so dass es für die Frau auch kaum möglich gewesen sein wird zu sehen, wann ich den Auslöser betätigt habe. Aber ein Mann solo mit Fotoapparat in der Nähe von Kindern genügt wohl schon Horrorszenarien in ihrem Kopf auszulösen.

Sogleich eilte  ihr auch ein junger Mann aus der Gruppe als ritterlicher Helfer zur Seite. Wieso ich denn, wenn ich nichts zu verbergen hätte, die Fotos nicht zeige.[…]

In der Folge versuchte der Blogger vergeblich, den Leuten klar zu machen, dass diese kein Recht haben, seine Bilder zu sehen. Aber lest selbst.

Letzten Sommer am See ist mir ähnliches passiert, auch wenn es nicht so eskalierte. Ich wurde heftig von einer Mutter angepampt, ob ich etwa ihre Kinder fotografieren würde. Ich war sowohl von ihrer Aggressivität als auch der Frage an sich ziemlich geschockt. Und fühlte mich schuldig. Obwohl mich Kinderfotos nur interessieren, wenn es um meinen eigenen Nachwuchs geht. Aber bei mir sitzt die Angst sehr tief, man könnte mich der Pädophilie verdächtigen, so dass ich schon vorauseilend das Bedürfnis habe, mich zu rechtfertigen. Und dann mache ich mir Sorgen, ob mich dieses Verhalten nicht eher noch verdächtiger macht.

Kurz: Da schnippelt schon ganz ordentlich die Schere im Kopf herum.

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Flirten heute: Authentizitätskult und der Verlust der Handlungssicherheit

Flirten ist kompliziert. Man weiß nicht, wie man es anstellen soll. Die Angst vor dem Korb ist groß. Kein Wunder, dass Techniken wie PickUp populär geworden sind. PickUp, so meine These, ist aber eine Reaktion auf den Verlust von konventionellen Flirtritualen. Die vom Zeitgeist geforderte unbedingte Authentizität im Umgang miteinander untergräbt die Möglichkeiten des Flirts als kooperatives Handeln von Mann und Frau. Die Folge ist Handlungsunsicherheit. PickUp soll die Handlungssicherheit wieder herstellen. Anders als die Konventionen können Frauen die Regeln dieses Spiels dieses Mal nicht mitbestimmen.

Flirtrituale = Handlungssicherheit

Anne kommentiert einen Artikel zum PickUp:

Leider hat Pickup ein sehr negatives Image à la “Manipulation, um Frauen ins Bett zu bringen”.

Und weiter sagt sie:

Ich kenne auch einige Männer, denen z.B. einfach das Wissen fehlt, wie man mit Frauen überhaupt mal ins Gespräch kommt. Für diejenigen ist eine Frau eine Black Box.
Da kann Pickup gute Dienste zum Verständnis leisten, und praktikable Anleitungen geben.

Die ganze Sache verweist auf ein tieferliegendes kulturelles Problem. In der Gegenwart fehlt es an Ritualen der Kontaktaufnahme. Solche Rituale hat es wohl früher gegeben und die haben dem Einzelnen den Kontakt erleichtert. Man hatte Handlungssicherheit, weil es eben rituelle Abläufe für die Kontaktanbahnung gab. Man wusste dadurch, was man wie zu tun hatte. Man nehme als Beispiel den Tanz: Der Tanz bildet an sich ein konventionelles Gefüge insofern, als es vorgeschriebene Tanzschritte und eine klare Rollenbeschreibung der Tänzer gibt. Gleichzeitig gab es Konventionen, wie man eine Dame zum Tanz auffordert und wie die Dame diese Aufforderung annehmen oder ablehnen kann. Alle Aktionen rund um die Tanzveranstaltung entstammten einem überschaubarem Repertoire von Konventionen. Jeder wusste, wie er sich zu verhalten hatte und konnte sich auf bewährte Routinen stützen.

Solche Rituale fehlen heute. Es gibt keine gesellschaftsweit funktionierenden Konventionen mehr. Sie sind abgelöst worden von den je eigenen Verhaltensweisen von Subkulturen.

“Mehr Originalität bitte”

Aber darüber hinaus werden Rituale auch oft an sich abgelehnt. Konventionelles Verhalten gilt als Maskierung, als Versteckspiel, als Unehrlichkeit. Man wünscht sich unbeschränkte Authentizität. Der Kontaktanbahner soll ganz er selbst sein, wenn er eine Frau anspricht. Und umgekehrt soll seine Flirttaktik auf die Individualität der Frau angepasst sein. Ein Flirt nach Schema F empfinden Frauen oft als Beleidigung. Auf Datingportalen liest man sehr, sehr oft die Forderung nach Originalität: Männer mögen sich bitte Mühe geben, wenn sie eine Mail schreiben, sie mögen bitte auf Konventionen verzichten und stattdessen etwas formulieren, was sich abhebt. Das induziert dann einen Originalitätswettbewerb, dessen Sieger dann mit dem Preis einer Antwort auf seine Mail “geehrt” wird.

Kontaktanbahnung ohne Konvention ist schwierig

Eine Kontaktanbahnung durch Originalität und Authentizität ist aber gar nicht so einfach. Schließlich kennt man die angeflirtete Frau noch gar nicht und kann nicht auf ihre individuellen Eigenheiten eingehen. Man weiß auch nicht, sich diese Frau dafür interessiert, was einem selbst durch den Kopf geht. Das kann man eigentlich auch erst herausfinden durch einen längeren Kontakt. Aber dazu muss man diesen Kontakt erst stiften. Der Kontakt ist aber eine Form der Kooperation. Das Gespräch ist ein gemeinsames, aufeinander abgestimmtes Handeln der flirtenden Personen. Diese Kooperation gelingt aber nicht ohne Gemeinsamkeiten. Konkret heißt das: Mann und Frau brauchen zunächst ein gemeinsames Gesprächsthema, damit sie bei lockerer Plauderei einander besser kennenlernen und “abtasten” können. Ein solches Gesprächsthema muss etwas sein, was beide Parteien irgendwie interessiert, eben eine Gemeinsamkeit.

Diese Gemeinsamkeiten sind, bevor man sich tatsächlich kennt, eben Gemeinsamkeiten auf eher konventioneller Ebene. Es sind Gemeinsamkeiten, die man mit einer größeren Gruppe teilt. Persönliche Vorlieben und Themen kann man nicht zu Beginn der Kontaktaufnahme in den Vordergrund rücken. Man kennt einander nicht, weiß nicht, wie der andere auf die persönlichen Themen reagiert und kann daher nicht vorhersagen, ob dieses Thema dem Gegenüber die Möglichkeit gibt, das Gespräch fortzuführen. Denkbar ist peinliches Schweigen oder ein Dissens, was den Flirt beendet. Möglicherweise geht man so sogar konflikthaft wieder auseinander.

Es ist also nicht weiter verwunderlich, dass diese denkbaren Misserfolge verunsichern. Nicht zuletzt fehlt es auch an einem Ritual der Ablehnung, das für beide Seiten gesichtswahrend wirkt. Die Forderung nach Authentizität und Ehrlichkeit hat dagegen die Tendenz, dem anderen deutlich zu signalisieren, dass man ihn persönlich nicht mag. Auch das hat großes Verletzungspotenzial und hemmt den Flirt.

Aber zurück zu den “technischen” Problemen. Man muss in jeder Kommunikation mit neuen Leuten erst Gesprächsthemen schaffen, damit man eine Basis für einen Austausch bekommt. Das gelingt nie auf Anhieb, sondern muss erst schrittweise aufgebaut werden. Der erste Schritt ist nicht selten der Griff zu konventionellen Floskeln, beispielhaft: Das Wetter als allgemein zugängliches Gesprächsthema. Konventionelle Themen (also: Allgemeinplätze) helfen, einen Gesprächseinstieg zu finden. Man hat überhaupt erst einmal ein gemeinsames Thema und man ist handlungssicher, weil es zu diesen Themen bewährte Gesprächsroutinen gibt. Allgemeinplätze versammeln um sich auch recht konventionelle Meinungsbilder.

PickUp als systemischer Effekt

Mit Hilfe der Konvention ist der erste Schritt gemeistert und die Unsicherheit überwunden und sogar schnell ein Gespräch in Gang gesetzt als gemeinsames Handeln. Aber genau das wird eben im Geiste der Authentizität heute gerne abgelehnt, verpönt, als “unoriginell” verdammt. Diese Kultur der Authentizität könnte aber genau der Grund sein, warum es Pickup gibt. Pickup bietet ein Repertoire an Techniken, die Handlungssicherheit verleihen können. Pickup ist gewissermaßen ein Ersatz für Flirtkonventionen. Zum Nachteil der Frauen. Denn die altehrwürdigen Konventionen waren ein Spiel, dass beide Geschlechter zu spielen wussten und dessen Regeln alle kannten. Vor allem wussten alle, DASS es nach Regeln gespielt wird. Solche Regelhaftigkeit wird heute im Namen der Authentizität abgelehnt. Das begünstigt die Entwicklung von Pickup, welches die Regelhaftigkeit und das “technische” geschickt verbirgt, um den Anschein von Authentizität zu erzeugen. Frauen beklagen das als “Manipulation”, aber es ist eigentlich ein systemischer Effekt, hervorgerufen durch die Überbetonung von Originalität und Individualität.

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Stalking = Disziplinierung unbotmäßiger Frauen?

Ich bin ein paar Tage unterwegs. Keine Zeit für posts und Kommentare. Aber ich hinterlasse den Mutigen unter uns noch eine schöne Quelle für allerlei feministische Thesen. Hier geht es um Stalking. Es wird wohl niemanden wirklich überraschen, dass Stalking dort als Strategie des Patriarchats dargestellt wird, um die Frauen zurück nach Heim und Herd zu zwingen – indem man ihnen Angst einjagt. Doch lest selbst:

Die wachsende Zahl von Stalkingfällen mit einer immens hohen Dunkelziffer zeigt, dass eine steigende Zahl von Männern mit dem Selbstbewusstsein von Frauen ein Problem haben: Sie stören sich daran, dass Frauen das Recht haben, sie ungestraft zurück zu weisen, ja glatt ihr Leben ohne einen Mann leben oder beruflich sogar erfolgreicher sind als Männer. Der Lebensweg solcher Frauen rüttelt an den Machtverhältnissen im Patriarchat und weil niemand mehr ernsthaft erwarten kann, dass Recht und Gesetz sie in ihre Schranken weisen werden, nehmen das immer mehr Männer eben in die eigenen Hände. Stalking bleibt dabei genau in jenem Graubereich, der genügt, um ein Opfer zu zermürben, aber nicht ausreicht, um den Täter dingfest zu machen; das perfekte Instrument, um Frauen terrorisieren und alle jene zu verunsichern, die von Stalking in der Presse oder in Serien hören. Stalking kann also als ein Symptom sozialen Umbruchs verstanden sein, durch das versucht wird, bereits überkommene Machtverhältnisse zwischen den Geschlechtern wieder zu restaurieren. Stalking als Phänomen zu überwinden erfordert ein Umdenken in der Gesellschaft, die Stärkung von Frauen, konsequenten Kampf gegen Sexismus und vor allem den Schutz von Opfern. Ein Stalker ist nicht zwangsläufig “psychisch gestört”, wie es immer so schön heißt. Um ein Stalker zu werden, genügt es, eine ganz normale männliche Sozialisation im Patriarchat zu durchlaufen. Genau da müssen wir ansetzen.

Dieser Blog ist insgesamt eine reichhaltige Fundgrube feministischen Behauptens. Zwang, Männermacht und Männergewalt allerorten. Man braucht einen starken Magen für die Lektüre. In diesem Sinne: Viel “Vergnügen”😉

Irgendwie bin ich auch froh, mal ein paar Tage an andere Dinge zu denken…

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Hornscheidt hat Recht!

Es ist wirklich schlimm! Sagt Herr Detje:

Heute tobt die Schlussstrichdebatte Feminismus. Ende: nicht abzusehen. Alternde Männer an vorderster Front. Hoher Unterhaltungswert, aber auch anschwellender Ekelfaktor.

[…]

In jüngster Zeit vor allem Opfer von Professx Lann Hornscheidt, die keine Frau mehr, sondern nur noch X sein möchte.

Herr Detje ist Journalx* bei der Wochentextbedrucktespapier* “Die Zeit”. Dort hat er einen Arttextikl* geschrieben, in dem er Feminismuskritik kriti**+fantasier_meinxt*. Sein Text kommt ohne Argumx* aus. Es ist eine Kolumne. Man darf sich fragen, ob das noch Journalsismix* ist. Aber gut, wir wollen nicht so sein und uns des Problems der Sprache annehmen. Schließlich sind unsere Begriffe wohl zu unscharf, die realen Sachverhalte genau abzubilden. Das gilt gerade  für den Journalsismix*. Die traditionelle Sprache kann längst nicht mehr beschreiben, womit wir es heute zu tun haben. Das spottet nämlich jeder Beschreibung.

(Ein Sternchen* soll hier deutlich machen, dass es mehr gibt als “Journalist”, “Zeitung”, “Artikel” oder “Journalismus” und dass die binäre Unterscheidung zwischen Journalist/Nicht-Journalist die Variationsbreite bezahlten Schreibens nicht mehr hinreichend abbilden kann.)

😉

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Definitionsmacht – wandert sie in das Strafrecht ein?

Auf Nicht-Feminist wurde behauptet, die von Justizminister Heiko Maas geplante Veränderung des Strafrechts sei letztlich die Einführung der “Definitionsmacht” ins Gesetz. Es geht darum, dass der Tatbestand der Vergewaltigung ausgeweitet werden soll, so dass ein schlichtes “Nein” reicht. Wer dieses “Nein” nicht akzeptiert, kann dann auch belangt werden.

In den Kommentaren hat EvoChris bestritten, dass hier Definitionsmacht im Spiele sei: Es handele sich allein um die Ausweitung eines Tatbestandes, aber der Staat bliebe in der Beweispflicht.

Juristisch gesehen hat er damit wohl recht. Aber das Problem liegt eher in der politischen Intention. Man darf nicht vergessen: Lobbyisten haben einen langen Atmen, sie bringen die von ihnen gewünschten Änderungen von Gesetzen scheibchenweise durch. Und mit Lobbyismus haben wir es hier zu tun: Die Gesetzesveränderung ist auch durch Drängen von Opferverbänden und von weiblichen Länderjustizministern angestrengt worden.

“Definitionsmacht” kommt nun ins Spiel, falls diese Lobbygruppen und Personen letztlich im Feminismus verankerte Ziele vertreten oder feministischen Lehren zum Thema Gewalt verfolgen. Das müsste man im Einzelnen noch nachprüfen. Ich halte es jedenfalls für hochwahrscheinlich.

Um mal eine Kostprobe zu geben:

Dieses in den meisten Gesellschaften in der Welt vorherrschende System der Geschlechterhierarchie gilt weitgehend als quasi natürlich und suggeriert eine Selbstverständlichkeit der Verfügung von Männern über Frauen, die sich in alltäglichen Formen der Unterdrückung, Entwertung und Funktionalisierung bis hin zu Übergriffen und massiver Gewalt niederschlägt (vgl.Bericht.. 1995). […].
Die alltäglichen Formen der Männergewalt sind es, die das Verhalten aller Frauen steuern, aber sie stehen auf dem Hintergrund der Angst vor brutaleren Formen der (insbesondere sexuellen) Gewalt (vgl. Brownmiller 1978). Die Duldung der alltäglichen Formen der Gewalt auf der Seite der Frauen dient u.a. der Hoffnung, schlimmeren Formen der Gewalt zu entgehen. Bagatellisierung oder Leugnung von Männergewalt durch Frauen selbst kann daher als Unterwerfung und Angstvermeidung interpretiert werden: Täterschutz soll Selbstschutz erzielen.


Das stammt von Anita Heiliger, die die Münchner “Kampagne gegen Männergewalt” entworfen hat, die offenbar auch durch Steuergelder unterstützt wird. #

Der Opferverband “Wildwasser” bot eine Autorin namens Oppenheimer auf, die sich unter anderem so äußerte:

Unter Gewalt sei im Geschlechterverhältnis »jede Verletzung der körperlichen oder seelischen Integrität eines Menschen durch einen anderen […], die mit der Geschlechtlichkeit des Opfers wie des Täters zusammenhängt […] [und C.O.] unter Ausnutzung eines strukturell vorgegebenen Machtverhältnisses stattfindet, zu verstehen20«. Die Erscheinungsformen dieser Gewalt sind vielgestaltig. Wesentlich aus feministischer Sicht ist die Notwendigkeit, gewaltbetroffenen Frauen die Definitionsmacht über sexuell erlittene Gewalt zuzubilligen, um auch symbolische Gewaltformen –d.h. soziokulturelle Varianten, die sich durch Sozialisation und geschlechterhierarchische Machtverteilung bedingenerfassen zu können. Somit erhält ein subjektbezogener Gewaltbegriff –im Gegensatz zu denGeboten wissenschaftlicher Objektivität- in der feministischen Gewaltanalyse zentrale Bedeutung.

Und hier sagt sie in der selben Quelle etwas zur Gewalt, die sie ähnlich wie Heiliger als Effekt der patriarchalen Herrschaft ansieht. Gewalt ist quasi nur der Ausdruck der Männerherrschaft:

Gewalt spielt eine zentrale Rolle zur kulturellen Entwaffnung von Frauen und zur Dominanzsicherung der Männer. Um Ursachen, Motive und auch Akzeptanz dieser (sexualisierten)
Gewalt zu verstehen, vor allem aber auch deren Fortschreibung, ist es notwendig, die Geschlechterhierarchie als  Herrschaftsverhältnis, d.h. asymmetrisches, nicht-reziprokes
Anerkennungsverhältnis, zu verstehen.

Ich habe noch nicht nachvollzogen, wie die personellen und organisatorischen Verbindungen zwischen solchen Geistern, den Opferverbänden, den Länderjustizministerinnen und der Bundespolitik sind. Ich denke, das wäre mal ein sinnvolles Projekt.

Meine Vermutung: Auch wenn im Moment die “Definitionsmacht” noch nicht im Recht verankert werden soll, so ist dies doch das langfristige Ziel und die jetzige Verschärfung ist bloß ein Schritt dahin.

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Feministische Dauerkritik als Konsequenz negativer Freiheiten

Graublau hat heute einen längeren Text zur Hollaback-Kampagne geschrieben.

Er zeigt, dass diese Kampagne letztlich auf eine Verschärfung des Sexualstrafrechts zielt. Ich sehe darin letztlich ein Symptom für die Schwäche des Denkens in ausschließlich negativen Freiheiten.

Das Beispiel zeigt, dass das Freiheitsthema sehr wichtig ist. Schoppe und Leszek haben auf meinem Blog darauf hingewiesen, dass die Definition positiver Freiheiten Gefahren berge und dass die liberale Denktradition deshalb eher negative Freiheiten formuliere.

Aber hier gibt es auch eine Gefahr: Negative Freiheiten führen letztlich auch zu Normenkatalogen und können in der Konsequenz zu Freiheitseinschränkungen führen. Der Feminismus, so wie er in Hollaback zum Ausdruck kommt, formuliert im wesentlichen negative Freiheiten. Er möchte eine Freiheit von etwas, etwa der Freiheit davon, belästigt zu werden. Passend dazu ist der Feminismus wesentlich eine Form der Kritik, also der Fehlersuche. Feminismus geht prinzipiell davon aus, dass es Normen gibt, die einschränken. Daher sucht er überall nach diesen Einschränkungen. Was man positiv wollen und sein kann, kann und will der Feminismus nicht sagen, dies wäre ja wiederum eine Norm. Worüber er sich quantitativ aber am meisten auslässt, sind Missstände, vermeintliche Herrschaftsverhältnisse, unterdrückende Normen, von denen  man sich befreien muss – all dies ist stets und ständig das Beschwören einer negativen Freiheit, einer Forderung nach Abschaffung von Zumutungen, von denen man immer wieder neue findet.

Wir wir bei Hollaback, deren Anliegen der VErschärfung des Strafrechts bis hin zu Heiko Maas sehen, münden diese negativen Freiheiten in einem umfassenden Normenkatalog. Ich habe gestern einige Kampagnenseiten zum Thema Definitionsmacht gelesen. Diese entwickeln umfassende Verhaltensnormen, die alle dazu dienen, etwas von Personen wegzuhalten, ihnen Zumutungen zu ersparen, also negative Freiheiten zu beschreiben.

All das ist mit dem liberalen Denken offenbar sehr gut vereinbar, weil es sich auf nur negative Freiheitsverständnisse kapriziert, ohne zu reflektieren, wie normensetzend negative Freiheiten sind. Jede Maßnahme zur Abwehr von Zumutungen ist letztlich ein Eingriff, der normensetzend und begrenzend wirkt. Kurz: Die Realisierung von negativen Freiheiten schafft wiederum Normen, die man (insbesondere: Mann) dann wiederum als Zumutung erfährt, so dass man im Grunde hier wiederum negative Freiheiten einfordern müsste.

Diese Art des Denkens vermag es offenbar nicht, die Normensetzungswut im Zaume zu halten, was gewiss auch daran liegt, dass ihm eine positive Vorstellung davon fehlt, was ein Mensch sein kann und sein will. Es kennt nur die Devise, dass jeder machen können soll ohne Zwang.

Ich sehe das Problem einer positiven Freiheitsbestimmung, aber ohne eine solche wird man die Radikalisierung der Normensetzung durch negative Freiheiten nicht bremsen können. Das hat sogar eine psychologische Komponente. Der Feminismus kritisiert hauptsächlich, beschreibt vermeintlich unhaltbare Zustände, er hält sich nahezu ausschließlich damit auf, Schlechtigkeiten darzustellen. Dem Rezipienten bleibt da nur die Erkenntnis, in einer äußerst feindlichen Welt zu leben, für deren Probleme es eigentlich kaum Rezepte gibt. Diese kennt der Feminismus nämlich nicht, weil er letztlich in ein vollkommen abstraktes und komplett unbestimmtes Bild des Individuums flüchtet, das eigentlich allein dadurch bestimmt ist, dass es nicht durch Normen zu etwas gezwungen wird. Eine solche Sichtweise, letztlich die Konsequenz des Denkens in negativen Freiheiten, bietet keine Orientierung, aber viel Anlass, alles schlecht zu finden, sich permanent bedroht zu fühlen. Sie kann nichts positives bilanzieren. Schließlich würde ja jede positive Beschreibung wiederum normieren und somit letztlich auch wieder ein Zwang werden.

Wahrscheinlich ist der Maskulismus auch deshalb so sprachlos gegenüber den permanenten Forderungen nach strengeren Verhaltensnormen für Männer. Der Wert der Emanzipation erscheint unstrittig und richtig und niemand kann da etwas gegen haben. Doch jede Emanzipation muss sich in einer realen Umwelt in realen Aktionen ausdrücken und sie braucht darum auch Handlungsmodelle, die wiederum natürlich auch normiert sind, regelhaft, weil Rezepte nun einmal regelhaft sind. Hier kann man dann streiten, welches konkrete Modell etwas taugt oder wünschenswert ist. Der “Trick” des Feminismus ist es aber, auf einen komplett unbestimmten und damit kaum kritisierbaren Emanzipationsbegriff zu rekurrieren, der dann aber eine permanente Forderung nach neuen negativen Freiheiten nach sich zieht. Denn in seiner Unbestimmtheit bietet dieser BEgriff kein Kriterium, wann Emanzipation als Forderung erfüllt sein kann. Insofern ist er eine permanente Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für feministische Moralunternehmer und zugleich die Falle für Männerrechtler.

Edit: Graublau wies darauf hin, dass zumindest Hollaback keine Verschärfung des Strafrechts anstrebt.

Letztlich sehen wir aber aktuell mit der Neufassung des Vergewaltigungsparagrafen, dass es schon feministische Lobbygruppen gibt, die den Weg der Strafrechtsverschärfung gehen. Wahrscheinlich ist das für das Thema nicht so wichtig. Verhaltensnormen können via Gesetz oder via Hausordnung (z.B. in Unis) durchgesetzt werden. Wer sich ein Bild von der Rigorosität solcher Normen machen möchte, schaue hier:

Zustimmung bedeutet immer wieder und jedes einzelne Mal und für jede sexuelle Handlung zu fragen, also zum Beispiel, ob es einer Person angenehm ist, wenn ihr euch küsst, umarmt, streichelt, du ihr den Rücken kraulst…

http://defma.blogsport.de/2008/12/23/nein-heisst-nein-oder-antisexismus-muss-praxis-werden-das-zustimmungskonzept/

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Fundstück: Szeneinterne Kritik am Definitionsmacht-Konzept

Weil es gerade passt, hier mal ein Google-Treffer zum Thema Definitionsmacht, gefunden in der linken Zeitung “Jungle World”. Ich würde lange nicht alles unterschreiben, was in diesem Artikel steht. Die Radikale Linke ist mir sehr, sehr fern. Aber manche Kritikpunkte, die hier geäußert werden, decken sich mit unseren. Außerdem zeigt folgende Passage gleichzeitig, in welche absurde Richtung sich die Idee der “Definitionsmacht” offenbar entwickelt hat (Hervorhebungen von mir):

Die Aufzählung der »Nein heißt Nein«-Plakate, was als »Nein« zu akzeptieren sei, umfasst auch Stille oder die berühmten drei Pünktchen, die der Phantasie keine Grenzen setzen. In einer Solidaritätserklärung der »antisexist contact and awareness group« heißt es: »Schweigen, Wegdrehen, ›Ich weiß nicht‹, ›Ich bin müde‹ heißt Nein, und wer ein Nein nicht akzeptiert, ist ein Vergewaltiger!« (25) Wie soll es sich in die Praxis umsetzen lassen, selbst Stille grundsätzlich und beziehungslos als endgültige Ablehnung zu begreifen? Müssen Frauen nun unentwegt beim Sex plappern, um ihrer Zustimmung Ausdruck zu verleihen? Soll man niemals beim Wort nehmen, was Frauen sagen, weil »Vielleicht später« nie einfach nur »Vielleicht später« bedeuten darf? Ist die Löffelchenstellung ab sofort tabu, weil die Frau sich dabei wegdreht? Heißt »Ein Blick wird dann anzüglich, wenn er als solches (sic) empfunden wird« (26), dass man sich eigentlich gar nicht mehr anschauen darf? Zugleich wird deutlich gemacht, dass man sich auch auf ein »Ja« kein bisschen verlassen kann: »Auch wenn jemand vielleicht ›Ja‹ gesagt hat, dann aber ›Nein‹ empfunden« habe, gelte dies als Nein (27). Allein die Aussage, wer ein Nein nicht akzeptiere, sei ein Vergewaltiger, ist so abstrakt, dass sich für das konkrete Verhalten die Frage stellt: Was bedeutet das überhaupt, ein Nein zu akzeptieren, und wie lässt sich das beim Flirten oder im Bett umsetzen? Dass man lieber eine andere Berührung versucht? Oder sofort die Hände von der Person lässt und auf dem schnellsten Weg nach Hause geht? Dass man sich der Person nie wieder annähert? Oder dass man zwei Wochen wartet? Oder eine halbe Stunde? So sinnvoll es ist, rücksichtsloses sexuelles Verhalten zu kritisieren, so wenig helfen derart abstrakte Forderungen, ihm angemessen zu begegnen.

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