Hartzreise

Ja, ich bin eine Lebensform vom Planeten Hartz IV, einem Klasse-M-Planeten. Er trägt Humanoiden, die dem Erdenmenschen verblüffend ähnlich sehen. Aber dieser Planet hat es nie in die Zivilisation geschafft, weil dessen Ureinwohner alle ihre Ressourcen sofort verprassen. Aus ihren Kindern kann auch nichts werden, weil die entweder den ganzen Tag vor einer riesigen Plasma-Glotze hocken oder von ihren Eltern grün und blau geschlagen werden. Es versteht sich von selbst, dass ein Außenteam eines menschlichen Raumschiffes hier in allergrößter Gefahr schwebt. Captain, Sie haben Glück, dass Sie nie raus dürfen. Für den Schutz Ihrer Gesundheit gäbe es den Phaser -freilich auf Betäubung eingestellt. Aber Ihre Moral würde leiden und Sie könnten sich des heiligen Zornes nicht erwehren, der Sie überkäme, würden Sie uns armselige Hartz-Bewohnern begegnen. All diese Verschwendung von Material und Geist wäre für einen ehrlich arbeitenden Flottenangestellten für Sie nicht zu ertragen.

Überlassen Sie den Außendienst daher lieber den schreckensgewohnten und routinierten Schwadronen der BILD-Flotte. Sie wissen, dass gegen die Hartzer nur die Schmutzkanone hilft und daher haben sie sie auch stets schussbereit. Die beste Medizin für alle Erdenmenschen ist die gerechte Empörung ob des anstrengungslosen Wohlstandes auf Hartz IV. Nur so kann sich das Immunsystem der irdischen Arbeitsmoral gegen den Bazillus der Verschwendung und des hängemattenträgen Hedonismus dieses Planeten schützen. Wer unsere Welt betritt, riskiert, vom Glauben abzufallen, denn keine himmlische Gerechtigkeit könnte eine solche Klasse von Schmarotzern ungestraft das Blut der ehrlichen Arbeiter von der Erde aussaugen lassen. So schlecht kann unser Universum doch nicht beschaffen sein? Leider doch und daher hilft eben nur ein Realitätsverzerrungsfeld, um sich dieser Tatsache nicht ohne schwere seelische Beeinträchtigungen auszusetzen. Unterdessen wagen sich todesmutige Missionare zu uns Höhlenwesen, um uns den Arbeitsethos und die Scham zu predigen. Wir, die wir frech von der Hände Arbeit Anderer leben, sollen lernen, uns selbst für diesen Frevel zu verachten und ich darf Ihnen sagen, dass diese Mission außerordentliche Fortschritte macht.

In der Tat kann ich mir kaum noch beim Rasieren in die Augen schauen. Es ist mir nur noch nicht gelungen, meine körperlichen Gelüste soweit zu bezwingen, dass ich auf jegliche Nahrung verzichte, da ich sie doch nicht verdient habe durch meiner Hände Arbeit. Hier zeigt sich eben erst recht, wie verworfen ich bin, weil ich für die Konsequenzen zu feige bin. Ich beuge dankbar mein Haupt, dass Ihr Erdlinge Gnade vor Recht ergehen lasst. Denn eigentlich hättet Ihr den Hartz-Planeten längst pulverisieren müssen, wo wir doch nie um eine Ausrede verlegen sind, wenn wir uns davor drücken wollen, endlich mal für uns selbst zu sorgen. Nur die Großherzigkeit der Menschen erhält unsere unwürdige Existenz noch am Leben. So schäme ich mich denn auch für mein unverdientes Leben und ich schäme mich auch dafür, gar nicht zu wissen, wie ich dem Hartz-Planeten tatsächlich den Rücken kehren könnte. Denn dieses Unwissen, ist, wie Sie sicher ahnen, nichts mehr als nur eine weitere Ausrede, die mir mein verkommenes Unterbewusstsein diktiert hat. 

Advertisements
This entry was posted in Uncategorized and tagged . Bookmark the permalink.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s