I am the opressor? Am I?

Vor kurzen fand ich das im Netz:

  • you cannot be sexist toward men simply because males are the dominant gender
  • you cannot be racist toward white people simply because white people are the dominant race
  • you cannot be heterophobic simply because heteronormativity is the dominant culture
  • i’m not saying you cannot be prejudice/discriminant of these groups of people but simply that sexism, racism, homophobia, ect are oppressive systems; you can’t be oppressive toward the oppressor

Ich muss sagen, solche Thesen kotzen mich an. Kurz und apodiktisch wie die 10 Gebote werden hier Glaubenssätze geäußert, die letztlich darin münden, mir als Mann eine Teilschuld am Elend der Welt zuzuschieben. Einfach, weil ich ein Mann bin. Beweise für die hier behauptete systematische und allumfassende Vorherrschaft DER Männer fehlen. Aber man scheint im Feminismus keine Angst vor solch gewaltigen Behauptungen zu haben. Da werden die Männer als einziges Großkollektiv beschrieben, dessen Eigenschaften sich klar mit “dominant” beschreiben ließe. Das ist ausgesprochen mutig angesichts der vielfältigen Hierarchien in unserer Gesellschaft, in denen die Rollenverteilung von Herrscher und Opfer keineswegs ausschließlich nach Geschlecht verteilt sind.

Mit einem Federstrich geradezu wird außerdem behauptet, dass Männer keineswegs die Beherrschten sein könnten. Sie mögen Unbill erleiden durch Vorurteile gegen sie, aber Sexismus, eine Abwertung oder Benachteiligung qua Geschlecht könne sie nicht betreffen. Wer aber hat das alles so genau untersucht, wer kennt die Machtverhältnisse unserer Gesellschaf(en) wirklich so genau, um zu wissen, dass es immer und überall so ist? Ich stelle mir gerade eine Sklavengaleere vor, wo der Antreiber den Ruderern aufmunternd zuruft, dass auch sie noch als Männer Anteil an der allgemeinen Herrschaft haben über das weibliche Geschlecht. ^^ Das hätten die sicherlich sehr witzig gefunden. Auf die Gegenwart übertragen, mag man sich eben die mit Männern gefüllten Gefängnisse vorstellen oder der Trupp Arbeiter, der in Fukushima den Müll beräumen muss.

Ich bin derzeit zu verärgert, um mich argumentativ wirklich daran abarbeiten zu können. Bei Man-Tau gibt es aber einige gute Einwände gegen diese Pauschalannahme des male white privilege.

Persönlich bin ich freilich mit diesem Schuldkomplex aufgewachsen. Irgendwie war es in meiner Kindheit unstrittig, dass dies ein Planet der Männer ist und Männer Kriege, Krisen und Hungersnöte verursachen und somit für den Unfrieden verantwortlich sind. Ich habe keine Ahnung, auf welche Weise diese Männersicht sich in meine Seele gebohrt hat. Aber sie ist da und sie hat sich als ein langanhaltendes schlechtes Gewissen dort eingenistet. Irgendwie sind wir Männer eben schuld. Und wenn wir diese Schuldzuweisung ablehnen, so der Trick des Feminismus, dann ist das schlicht eine Abwehrreaktion, weil… … ja, weil wir Männer irgendwie um unsere Vorteile fürchten und verunsichert seien. Dazu müsste ich natürlich erst einmal irgendwelche typisch männlichen Vorteile gehabt haben, die sich zu verteidigen lohnen. Ich sehe sie so nicht. Ich glaube zwar, dass es Frauen hier und da auch nicht leicht haben. Aber ich finde den Gedanken einer Gesellschaft, in der Geschlechterstereotype BEIDEN Geschlechtern das Leben schwermachen, keinesfalls so absurd, sondern vielmehr zutreffender als die Annahme, nur Frauen würden leiden, während das Leben für Männer ein immerwährendes Fest ist. Irgendwann einmal gab es auf Telepolis einen feministischen Artikel zu Pornografie. Ein User kommentierte diese Ausführungen mit dem Hinweis, dass Pornofilme doch eher heftige Probleme der Männer mit ihrem Selbstbewusstsein offenbaren würden: Würden sie sonst stundenlang diese stumpfsinnigen und unglaubwürdigen Zurufe der Damen a la “Du bist so ein toller Hengst, Du besorgst es mir so gut” hinnehmen oder gar freiwillig sehen wollen? Ich fand diesen Kommentar sehr treffend. Nach meiner ganz persönlichen Erfahrung ist das Bett ein Ort, wo Mann sehr verunsichert sein kann und sich aber auch sehr gefordert fühlt seitens der Damen. Mag sein, dass es auch nur gefühlt ist – aber irgendwie hat sich in meinem Kopf dieses Bild verfestigt, dass man als Mann dort etwas zu machen und zu leisten hat.

Ich wage nun mal ebenfalls eine wilde These ohne jeden Beleg: Ich habe Frauen unterschiedlich erlebt, viele jedenfalls entsprachen null und gar nicht dem Klischee der sensiblen Zuhörerin. Vielmehr haben sie wie die Wasserfälle geredet, nur von sich und ihrer kleinen Welt. Solche Leute nehmen die Probleme von anderen, eben auch von Männern gar nicht zur Kenntnis. Und DESHALB kommen sie auf die absurde Idee, dass Männer problemlos durchs Leben gleiten, etwa gar keine Mühe damit haben können, dass ihnen die Medien permanent Superhelden präsentiert werden, die vom Normalmann soweit entfernt sind wie die Sonne von der Erde. Nur für Frauen akzeptiert der Feminismus, dass Barbies und rosa Plüsch sie angesichts überzogener Ideale Minderwertigkeitskomplexe auslösen. Aber Männer, so glauben diese Damen, haben solche Beschwerden nicht? Das mediale Männerbild ist ja alles andere als positiv: Als “toll” gelten eben nur Helden wie Clooney oder im Modelbereich Muskelmänner mit ebenmäßigen Gesichtszügen. Der normale Mann, der auch mal einen Bauchansatz hat, dient doch meistens der Erzeugung von Lachern auf seine Kosten. Aber vielleicht gehört das ja auch zu meinen Privilegien, die ich nur noch nicht verstanden habe.

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