Fordern und Fordern

In dem bescheidenen Ausschnitt der Wirklichkeit, in dem ich zu Hause bin, erlebe ich öfter folgendes: Eine Frau äußert einen Wunsch. Sie fordert dessen Erfüllung. Wenn derjenige, der ihn erfüllen soll, es nicht tut, wird sie aggressiv und verschärft ihre Forderungen. Dabei argumentiert sie nicht, sondern verlangt. Sie wirbt nicht, sondern gibt sich hart und unnachgiebig und kündigt so Ärger an, falls der Wunsch verweigert wird.

Diese Erlebnisse sind nicht repräsentativ. Sie beschränken sich auf eine kleine Zahl von Personen. Ich kann nicht beurteilen, wie alle Frauen dieser Welt sich verhalten. Aber die, die ich kenne, verhalten sich leider oft so.

Was mir an diesem Verhalten auffällt, ist die massive Überzeugung der Damen, im Recht zu sein. In ihrer kompromisslosen Haltung signalisieren sie, dass es an diesem Anspruch nichts zu kritisieren gibt. Der Anspruch muss nicht mehr überdacht werden. Er ist vollends berechtigt. Frau muss ihn nicht mehr überdenken oder gar aushandeln mit ihrem Gegenüber. Umso härter trifft den sich verweigendern Wunscherfüller ihre Wut.

Ich sehe das bei Ehefrauen und insbesondere Müttern, die genau zu wissen meinen, was richtig ist und was falsch. Sie verlangen von den Vätern dann eine widerspruchslose Anerkennung ihrer mütterlichen Erziehungskompetenz.

Aber auch in anderen Bereichen des Alltages ist mir ein derartiges Verhalten aufgefallen. Gerade auch in beruflichen Zusammenhängen habe ich es erlebt, dass gewisse Personen ungebremst emotional und fordernd auftraten. Es erinnert zuweilen auch an Kinder und deren “Quengeln” als Mittel, den Erwachsenen unter Druck zu setzen. Die Wunschverweigerung wird als emotionales Problem inszeniert. Die Dame ist wütend, sie ist aufgewühlt und diese Emotionen lässt sie auch offen ausbrechen. Kein Zurückstecken. Im Arbeitsalltag werden Verhandlungen damit sehr erschwert.

Wenn ich dies hier schreibe, ist das keine “Gesellschaftswissenschaft”. Ich kann nur aus meinem Erleben berichten. Zweitens ist dieses Erleben durch mich schon vorinterpretiert. Ich nehme es in einer gewissen Weise wahr, nämlich aus meiner eigenen Schwäche im Umgang mit Machtansprüchen. Dort neige ich dazu, defensiv zu sein. Mir fehlt dieses Selbstbewusstsein, meine eigenen Ansprüche, Wünsche und Maßstäbe für uneingeschränkt richtig zu halten. Mir gelingt es nicht, den Selbstzweifel auszuschalten. Und das hat natürlich etwas damit zu tun, dass ich oft von Anderen bestätigt werden möchte, dass ich es richtig mache. Das könnte freilich auch ein Männerproblem sein, insofern ich mich gerade als Mann immer erst durch Frauenurteil bestätigt oder angezweifelt sehe. Ich mache die Dinge so, dass Frauen es möglichst als positiv einstufen.

Die Machtsituation ist deshalb dramatisch. Die fordernde Frau droht offen mit dem negativen Urteil. Sie peilt meine offene Flanke an. Vielleicht weiß sie es nicht, aber sie erzielt genau damit Wirkung, dass ich eigentlich von ihr anerkannt werden möchte und daher ihre Ablehnung fürchte wie den Tod. Die Machtsituation ist für mich freilich zwiespältig, denn irgendwo habe ich ja doch eine Überzeugung und das Gefühl, dass die Forderung meines Gegenübers sowohl unangemessen als auch falsch ist. Um meiner selbst willen müsste ich meine Überzeugungen verteidigen. Aber das wäre ein Schritt ins Alleinsein, eine Emanzipation von der – womöglich sehr trügerischen – Geborgenheit in einer Gruppe durch die Anerkennung der Anderen.

Da zeigt sich offenbar ein Problem mit dem Alleinsein. In einer Beziehung zu einer Frau suche ich offenbar auch die Zugehörigkeit, das Zu-Hause-Sein. Mit der Verteidigung meiner Grenzen und meiner Überzeugungen wächst das Risiko, dass die “Differenzen unüberbrückbar” werden, um mal die gängige Promi-Scheidungs-Begründung zu zitieren.

Was mich freilich immer wieder wundert, ist dieses Selbstbewusstsein von Frauen. Meines ist sicherlich nicht beispielhaft in seiner Außenleitung. Etwas mehr täte mir gut. Aber die radikale Haltung der von mir beobachteten Frauen kann ich dennoch nicht verstehen. Warum zweifeln sie nicht? Warum glauben sie, dass sie sich auf Biegen und Brechen durchsetzen müssen?

Falls es hier einen link zur Frauenbewegung gibt bzw. zu einer Art feministischen Kultur, besteht der wohl in der unreifen Ethik. Im Dienste des Empowerment gibt es eine Menge eher pathetischer Anfeuerungen für Frauen. 1990 gab es in der DDR ein Plakat der Frauenbewegung: “Frauen sind mutig, stark und schön”. Genau diese holzschnittartige Feier des Frauseins hat womöglich den Selbstzweifel bei Frauen diskreditiert. Es gibt gleichartige Parolen schließlich heute noch. Vieles, was Frauen tun oder tun wollen, wird als mutiger Schritt der Befreiung gefeiert, man denke nur an die “Feuchtgebiete”. Alles ist ein Revolutionsymbol. Doch der Kindlichkeit des Zorns über die verweigerte Wunscherfüllung entspricht hier auch das überschwengliche Lob, welches man als Eltern gerne auch Kindern macht. Derlei Pathos ist im Grunde eine Form des in Watte packens. Schließlich müssten auch Frauen einsehen, dass sie nicht immer “schön” sind. Die ungerechte Natur hat um sie keinen Bogen gemacht. Nur Kindern redet man ein, dass es gar keine Defizite und Hindernisse gibt. Möglicherweise neigt unsere Kultur also in dieser Hinsicht zu einer Infantilisierung von Frauen und vielleicht ist das auch der Grund, warum dann auch eher fragwürdige Dinge wie Globuli mit großer Vehemenz als Wahrheiten vertreten worden – ohne dass die Verfechterinnen dieser Heilkunde auch nur eine einzige Studie je gelesen hätten.

 

Advertisements
This entry was posted in Uncategorized. Bookmark the permalink.

5 Responses to Fordern und Fordern

  1. yacv says:

    “Falls es hier einen link zur Frauenbewegung gibt”

    Ich musste bei diesem Artikel an “The Importance of Being Earnest” denken. Die Frauen dort verhalten sich ebenso. Aunt Agatha ist der Inbegriff von “Es gibt keine Wahrheit außer meiner und Fakten habe damit nichts zu tun.”
    Allerdings gab es Ende des 19. Jh. auch schon eine Frauenbewegung, wenn auch mit anderer Propaganda.

    Ich würde die Begründung eher in einer Mischung sehen aus dem Bewusstsein von Frauen, in sozialen Fragen (wer gehört dazu, wer wird verbannt?) de facto am längeren Hebel zu sitzen auf der einen Seite und einem Shit-Test auf der anderen Seite, dem libidinösen Wunsch, endlich einen Mann zu treffen, der nicht kuscht.

  2. Dummerjan says:

    Suche mal nach shit test.
    Das ist es.

    • suwasu says:

      Auf dem ersten Blick erscheint mir diese Shit-Test-Theorie allzu selbstimmunisierend. Keine Ahnung, ob das schon eine Erklärung ist.

      • LoMi says:

        Um mal mein Unbehagen deutlicher zu machen: Ich glaube irgendwie nicht, dass der Shit Test erklärt, warum das in stabilen Beziehungen immer wieder vorkommt oder warum manche Kollegin so reagiert. In einer Ehe hat sich ja der Shit Test eigentlich erledigt, wenn beide Partner an der Beziehung festhalten über Jahre.

        Mir scheint die Unterstellung des Shit Test auch zu behaupten, dass er eine rationale Strategie sei. Wer rational handelt, könnte sich auch umentscheiden. Der müsste in anderen, z. B. beruflichen Situationen etwa auf Argumentation und Überzeugung umstellen. Denn hier nutzt der Shit Test oft nichts. Daher neige ich doch eher zu gesellschaftlichen Erklärungen. Das eine ist die Neigung, immer nur zu fordern (was Männer und Frauen gleichermaßen haben), das andere ist ein Umfeld, in dem diesen Forderungen genügt wird und es gutgeheißen wird, tritt frau selbstbewusst auf. Schließlich könnte ja jedem und jeder, der/ die zu lautstark fordert, auch Grenzen setzen und das passiert faktisch auch. Der fordernde Mann etwa wird schnell als Macho “enttarnt” oder als “Sexist” (wenn er fordernd ist in der Kontaktaufnahme). Die fordernde Frau wird womöglich eher als positives Ideal gesehen.

  3. Pingback: Fundstück: LoMi und die Pauschalisten | Geschlechterallerlei

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s