Ein Mann wehrt sich – und schießt übers Ziel hinaus

Es gibt Formen der Feminismuskritik oder des Umgangs mit dem Thema “Sexismus” bzw. “sexueller Belästigung”, wo auch  Männer deutlich über das Ziel hinaus schießen. Das ist immer dann der Fall, wenn sie spiegelbildlich zum Feminismus bestimmte Handlungen oder Worte zum Skandal machen und somit dazu beitragen, solche Worte und Taten moralisch aufzuladen. Die moralische Aufladung hat zur Folge, dass sich Instanzen bilden, die skandalöse Verstöße gegen die guten Sitten kodifizieren, kontrollieren und sanktionieren. Die Skandalisierung von allem und jedem füllt die Welt mit Awarenessteams, die ermächtigt werden, die Ordnung durch Sanktionen wieder herzustellen.Was richtig oder falsch ist, entscheiden die Menschen nicht mehr selber in der Aushandlung mit anderen, sondern das Awarenessteam (respektive der Staat), dessen Entscheidung man nurmehr hinnehmen muss. Es ist daher unklug, sich der eigentlich feministischen Skandalisierungs-Strategie zu bedienen, die aus der Mücke Elefanten macht, die dann von Gesetzes- oder Tugendwächtern erlegt werden sollen.

Doch mancher Mann sieht in seinem Stolze diese Konsequenzen nicht. Dies scheint auch auf einen Uni-Professor zuzutreffen, der den Spieß umdrehte, indem er eine Studentin anzeigte.

Das Skandalmedium “Bild.de” machte mit der Nachricht auf, ein Potsdamer Jura-Professor habe eine seiner Studentinnen angezeigt. Die Blöd-Zeitungs-Schreiber gaben dem Ereignis das Etikett “Sex-Mobbing” und zitierten, was die Studentin auf das leere Klausurblatt geschrieben hatte:

Doch statt sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, schrieb die junge Frau ihrem Professor in den Klausurbogen: „Ich möchte mich hiermit bei Ihnen bedanken, dass Sie mich so sehr in den Ar… gef… haben.“

Schließlich ließ die Dame den Herrn Professor noch wissen:

„Falls wir uns dann in irgendeinem Puff wiedersehen, wissen Sie warum.“

In dem Artikel erfährt man, dass der Professor die Studentin wegen Verleumdung angezeigt habe. Denn diese erhob den Vorwurf, dass das Klausurthema nur am Rande behandelt worden sei. Doch die Bild.de-Macher fanden das natürlich zu schlicht und konstruierten daraus einen Fall sexueller Belästigung:

DER HERR PROFESSOR FÜHLT SICH SEXUELL ANGEFASST!

Tatsächlich? Einen entsprechenden knackigen O-Ton kann Bild.de nicht vorweisen. Der Professor selbst spricht von Beleidigung. Worauf diese sich genau bezieht, ist nicht ganz klar. Vielleicht hat auch der Prof hier keine klare Linie. Nach meinem Empfinden dürfte er sich einerseits absichern wollen gegen eine Klage, dass er den Misserfolg dieser Studentin zu verantworten habe. Schließlich hieß es in dem Artikel auch, es ginge um “Verleumdung”. Aber andererseits wird der Prof zitiert mit den Worten:

Prof. Belling: „Ich möchte nicht, dass eine Frau auf diese Weise beleidigt wird, ich will aber auch nicht, dass ein Mann auf diese Weise beleidigt wird. (…) Wehret den Anfängen.“

Da ist plötzlich viel Pathos im Spiel. Wehret den Anfängen. Wenn eine Studentin jetzt so etwas schreibt, wer weiß, was noch passieren könnte, wenn man dem nicht entschieden entgegenträte. Aber welche Gefahr besteht denn hier eigentlich? Hier hat eine Studentin wenig gute Kinderstube gezeigt und sich verbal aufs Papier erbrochen. Dass sie aber die Tür aufstieß für die Dämonen der sexistischen Beleidigung von Männern, das kann ich nicht sehen. Schließlich hat sie lediglich ein Klausurblatt beschrieben und den Professor nicht öffentlich beleidigt oder ihm öffentlich die Schuld an ihrem Scheitern angehängt. Er ist daher nur ihr selber gegenüber im Rechtfertigungszwang, wobei er mit Hinweis auf die Wortwahl der Studentin vermutlich eine Erklärung verweigern kann, bis diese sich entschuldigt.

Ja, ärgerlich ist das, was die Studentin da geäußert hat. Aber welchen Schaden hat der Professor dadurch, dass er gleich zur Anzeige greifen muss? Ist er wirklich so schwach, dass ihn der starke Arm des Gesetzes nur beschützen kann vor solchen ruppigen Worten? Ich meine, dass diese Anzeige komplett übertrieben ist.

Unflätige Kommentare und Beleidigungen kommen vor. Wer Auto fährt, hört dergleichen sicher häufiger. Es ist nicht sinnvoll, jedes Mal Institutionen, Staatsanwälte und Gleichstellungsbeauftragte hinzuzuziehen, wenn das passiert. Nicht selten bekommt der Bürger, der nach gesetzlicher Sanktion ruft, eben auch genau das. Nur kann es ihn beizeiten auch selber wieder treffen, wenn er unbedachte Worte äußert.

Ich selber möchte mich von solcher Form des Umgangs mit dem Thema distanzieren. Feminismuskritik oder Maskulismus, die Skandalisierungsrhetorik des Feminismus kapert, ist nicht meine Sache. Ich halte eine solche Strategie in der Konsequenz für illiberal.

Advertisements
This entry was posted in Uncategorized and tagged . Bookmark the permalink.

4 Responses to Ein Mann wehrt sich – und schießt übers Ziel hinaus

  1. Leser says:

    Mir scheint eher so, dass dieser “Bericht” in der Blöd von einer der vielen Feministenschreiber*_/xTM\*/-*/Innen verbockt wurde. Der Stil erinnert stark daran.

  2. yacv says:

    “Nur kann es ihn beizeiten auch selber wieder treffen, wenn er unbedachte Worte äußert.”

    So ist der Satz richtig.
    Aber in der Form “Nur kann es sie beizeiten auch selber wieder treffen, wenn sie unbedachte Worte äußert.” ist der Satz heutzutage sehr viel unwahrscheinlicher.

    Und das ist das Problem, das dieser Artikel nicht recht behandelt.

    Der Status Quo ist, dass der Feminismus nach immer mehr Gedankenpolizei ruft und Stück für Stück auch bekommt, selbst aber nicht recht Opfer davon wird.
    #aufschrei geht nur gegen Männer.
    Eine Frau riskiert nicht ihre Freiheit, wenn sie ein Zweiermeeting mit einem Mann hinter geschlossener Tür hat.
    Die Forderungen nach immer mehr Möglichkeiten, wie man Feminismus-Feinde bekämpfen kann, werden nicht weniger werden.

    Wie soll man an die Vernunft appellieren, wenn keine Vernunft zu sehen ist? Braucht es da nicht eher etwas, was die Unvernünftigen wieder zur Vernunft bringt? Indem sie ihre eigene Medizin zu schmecken kriegen?

    Damit will ich nicht mehr Position beziehen, als dass ich den Prof und seine Motivation verstehe.
    Ob sie mehr Gutes oder mehr Schlechtes bewirken wird, das mag ich nicht beurteilen.

    • suwasu says:

      “Der Status Quo ist, dass der Feminismus nach immer mehr Gedankenpolizei ruft und Stück für Stück auch bekommt, selbst aber nicht recht Opfer davon wird.”

      Da stimme ich Dir zu und Deine Korrektur meines Satzes trifft in der Tat den Punkt. Wenn Männer eine solche Skandalisierung betreiben, werden sie damit nicht die Frauen treffen, sondern sich selbst. Schließlich bestätigen sie letztlich, dass man solche Worte, wie die der Studentin, ernst nehmen müsse, dass sie ein Politikum seien, dass man hier disziplinierend eingreifen müsse. Eine bessere Lösung wäre, solche “Awareness”-Mechanismen zu durchbrechen. Ich selber hätte mich zwar geärgert über solche Beleidigungen, aber ich hätte das nicht an die große Glocke gehängt. Angenommen, es würde die Studentin treffen und sie bekäme tatsächlich Ärger wegen “sexueller Belästigung”: In diesem Fall verstärkt sich die Tendenz, dass jedwege annähernd sexuell gefärbte Äußerung zum Problem erklärt wird. Es wird dann immer schwerer, einfach mal einen Witz (#donglegate) zu machen.

      “Braucht es da nicht eher etwas, was die Unvernünftigen wieder zur Vernunft bringt?”
      Da wäre ich auch für. Aber ich sehe selber keinen Weg.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s