Die flexible Familie – warum das Modell “Hausfrau” auch im Sinne der Wirtschaft sein kann

Wenn Frauen einem Beruf nachgehen, ist das in Deutschland nichts Selbstverständliches. Ja, es hindert niemand Frauen daran, das zu tun. Aber es ist heftig umstritten, ob Frauen arbeiten sollten oder ob die Frauenerwerbstätigkeit nicht doch eine Illusion des Feminismus ist oder gar ein trojanisches Pferd des Turbokapitalismus. Nicht wenige Feminismuskritiker meinen letzteres und einer von ihnen schreibt:

Es wird ja heute fast jede Frau scheel angesehen, die sich dafür entscheidet, ein paar Jahre nur bei ihren Kindern zu bleiben. Dabei steht außer Zweifel, dass diese Kinder letztlich einen signifikant besseren Bildungs- und Erziehungs-Hintergrund haben, wenn sich in den ersten Jahren die Mütter ihnen widmen. Da diese – eigentlich großartige – Leistung gesellschaftlich immer weniger anerkannt wird, da Wirtschaft wie Feministinnen und ihre dümmlichen männlichen Gefolgsleute die Entscheidung für den Primat der Kindererziehung als Fehler denunzieren, tun sich immer mehr Frauen die doppelte Belastung an und gehen rasch wieder arbeiten.

Es stimmt wohl, dass kaum etwas mehr umstritten ist als die Frage, ob eine Frau Hausfrau und Mutter sein oder doch lieber arbeiten gehen solle. Feminismuskritiker scheinen nun oft zu meinen, dass die Frauenerwerbstätigkeit eigentlich bloß den Arbeitskräftehunger der Wirtschaft bediene. Linke Kritiker, aber auch Konservative stellen dann fest, der Feminismus sei in diesem Falle bloß das Vehikel ökonomischer Interessen.

Dieses Urteil erscheint mir zu einseitig. Es mag wohl sein, dass Frauenerwerbstätigkeit das Arbeitskräftereservoir erhöht und am Ende die Unternehmen davon profitieren. Aber auf der anderen Seite sorgen die arbeitenden Frauen auch wieder für Hemmnisse in der Wirtschaft. Das gilt vor allem dann, wenn diese Frauen in einer Beziehung leben. Denn wenn beide Partner arbeiten, werden sie als Paar oder als Familie insgesamt unflexibel.Sie vergrößern die Zahl der verfügbaren Arbeitnehmer. Aber sie tun es nur an dem Ort, an dem sie aktuell leben. Weil beide arbeiten, kann kein Partner schnell und unkompliziert den Ort wechseln, um dem Arbeitskräftebedarf in einer anderen Region des Landes zu stillen. Das ginge nur, wenn einer der beiden Partner zugunsten dieses Ortswechsels seinen Job aufgibt, ohne wirklich Gewissheit zu haben, dass er am neuen Ort wieder Arbeit finden wird. Also zögern beide Partner, sie vermeiden jeden Ortswechsel. Für die suchenden Unternehmen in anderen Orten wird es schwieriger. Sie können nur auf junge ungebundene Leute setzen. Sie können auch ihre verpartnerten oder verheirateten Mitarbeiter nicht einfach in ihren Filialbetrieben einsetzen, wie sie sie brauchen. Der sich einrichtende Familienmensch wird sesshaft, gerade auch deshalb, weil beide ihren Job nicht aufgeben wollen.

Die traditionelle Familie, in der die Frau Hausfrau ist, ist diesbezüglich erheblich flexibler. Sie kann müheloser den Ort wechseln. Die Hausfrau gibt nur wenig auf dafür. Sie folgt ihrem Mann dahin, wo dieser gebraucht wird.

Ich weiß nicht, in welchem Maße Ortswechsel von Arbeitskräften für die heutige Wirtschaft wichtig sind. Falls sie bedeutsam sind, dann hätte die traditionelle Geschlechterarbeitsteilung durchaus Vorteile für die Unternehmen. Und dann könnte man auch den Bewahrern dieser Arbeitsteilung vorwerfen, sie würden letztlich nur den Bedürfnissen eines flexibilisierten, globalen Kapitalismus dienen. Genauso werfen diese es jenen vor, die für die Frauenerwerbstätigkeit als erstrebenswertes Modell eintreten.

Unter dem Strich kann ich für mich nur feststellen, dass es eben nicht so einfach ist. Die Interessen der Unternehmen lassen sich nicht immer auf den einen einzigen Nenner bringen. Sie haben je nach Situation und Geschäftsfeld gewiss unterschiedliche “Bedürfnisse”. Deshalb erscheint mir die allfällige Verurteilung der Frauenerwerbstätigkeit als zu kurz gegriffen. Entweder ist die Feminismuskritik in dieser Frage noch zu unterdifferenziert. Oder sie geht jenen Konservativen auf den Leim, die die traditionelle Familie für die einzig richtige Lebensweise halten. Die Lösung kann eigentlich nur ein Votum für die individuelle Freiheit jeder Frau sein, sich für den Lebensweg zu entscheiden, der ihr am besten gefällt.

Wer übrigens in dem Hausfrauenmodell die Lösung des Problems von Vereinbarkeit von Familie und Beruf sieht, vergisst allzuschnell, dass Väter von dieser Lösung ausgeschlossen sind. Sie wissen ihre Kinder zwar durch die Hausfrau wohl versorgt. Aber sie selber haben nur wenig Zeit, die sie ihren Kindern widmen können. Deshalb ist das Hausfrauenmodell  keine wirklich tragfähige Antwort.

 

 

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