Kommunikationsneurosen des Lillifee-Feminismus

Schoppe hat einen spannenden Artikel geschrieben über einen aktuellen Vorfall in Berlin. Dort haben Aktivisten eine Apotheke mit Farbbeuteln beschmissen und die Scheiben eingeworfen, weil diese die “Pille danach” aus religiösen Gründen nicht verkaufen mag.

Vorab: Ich bin FÜR die Pille danach. Ich finde den Umgang etwa der CDU damit ziemlich daneben. Die Aktion gegen die Apotheke finde ich dagegen vollkommen falsch, weil hier Leute ihre Meinung mit Gewalt durchzusetzen versuchen. Zweitens ist die Apotheke ein Strohmann, denn der Apotheker ist nicht an politischen Beschlüssen zur Rezeptpflicht der Pille danach beteiligt. Man schlägt auf die Kleinen ein, während die Großen ungestört weitermachen. Drittens ist diese Aktion auch propagandistisch strunzdumm, denn die Aktivisten machen sich außerhalb ihrer kleinen Szene nur Feinde und schaden ihrem Anliegen damit.

Der wirklich spannendste Satz von Schoppes Artikel ist der hier:
“Eben das ist wohl für die Neuköllner Apothekenstürmer und ihre Claquere eine unerträgliche Provokation: dass ihre eigenen Rechte nur dann realisiert werden können, wenn andere Menschen das mit ihren Leistungen ermöglichen – und dass diese anderen Menschen dabei möglicherweise nicht unbeteiligt bleiben und mit eigenen Rechten, Empfindungen und vielleicht auch Nöten involviert sind. ”

In der Tat können diese Rechte eben immer nur in Beziehungen verwirklicht werden. Normalerweise erzwingt das ein Aushandeln. Niemand kann seine eigenen Rechte umstandslos durchsetzen, wenn dabei die Rechte der Anderen verletzt werden. Das geht nur in Herrschafts- und Ausbeutungsverhältnissen. So “links”, wie das jetzt klingt: Wer “gedient” hat, weiß, was ein Herrschaftsverhältnis ist. Der Apotheker aus Neukölln ist aber wohl kaum der Inhaber einer Macht, mit der er andere zwingen kann, ihm zu willen zu sein.

Der Kern der Sache ist aber die grundsätzliche Anti-Sozialität dieses Lillifee-Feminismus der attraktiven, jungen Frauen aus der Aufschrei- und Femen-Riege. Antisozial meint, dass sie nicht sehen, dass sie in Beziehungen stecken und dass ihr Tun sich auf Beziehungen auswirkt und dass man eben in Sozialbeziehungen miteinander aushandelt, was geht und was nicht.

Der Artikel zitiert ein Beispiel des angewandten Definitionsmachtkonzeptes, nämlich einen Tweet der Aufschreifrau Wiezcorek:

„sorry, aber: als jmd, der vermutlich noch nicht wegen sowas diskriminiert wurde, sag mir bitte nicht, was hier scheiße ist.“

Das Definitionsmachtkonzept ist in diesem Sinne antisozial, denn es fordert die uneingeschränkte Anerkennung einer individuellen Definition einer in Beziehungen entstandenen Sachlage. Der Grundsatz audiatur et altera pars wird vollkommen außer Kraft gesetzt. Es gilt nur noch, was das Opfer sagt. Kommunikation umfasst aber stets mehrere Personen, die auch miteinander aushandeln müssen, was sie sagen, also was das Gesagte bedeutet. Wenn eine Person sich diskriminiert FÜHLT, heißt das noch lange nicht, dass der Andere sie auch hat diskriminieren wollen.

Im Grunde müssen die Definitionsmacht-Vertreter ja auch anerkennen, dass sie sich an Kommunikationspartner wenden und deren Anerkennung brauchen. Nur wollen sie sie per Dekret verordnen. Sie wollen kein Selbstgespräch führen, sondern jemandem mitteilen, dass sie sich “diskriminiert” sehen. Aber das Risiko der Ablehnung einer Kommunikation wollen sie nicht eingehen, indem sie die Reaktion des Botschaftsempfängers vorschreiben. Er soll zustimmen oder die Klappe halten.

Das müsste eigentlich die Folge haben, dass beim Klappe halten eine gewisse Einsamkeit eintritt: Die Kommunikation ist misslungen, weil keiner antwortet, was aber beabsichtigt ist. Und wenn der Partner nach Wunsch antwortet, müsste sich das Misstrauen einstellen, dass der nur die Diskriminierung bestätigt, weil er sagt, was das “Opfer” hören möchte. Schließlich hat das “Opfer” eben diese Bestätigung mit Androhung von Sanktionen durchgesetzt als Verpflichtung. Das Misstrauen dürfte schließlich zu einer argwöhnischen Beobachtung des Partners führen, um zu überprüfen, wo er doch mal authentisch erscheint und seinen “wahren” Standpunkt enthüllt. Noch die kleinsten Indizien für eine denkbare Enthüllung seines in “Wahrheit” doch abweichenden Standpunktes dürften dann zu heftigen Vorwürfen und zum Versuch der Korrektur einladen. In Alltagsbeziehungen führt das zur Neurose, in der Politik zu einem diktatorischem Überwachungsstaat.

Es wäre mal interessant, diese Form des Feminismus auf diesen Widerspruch hin zu prüfen: Einerseits die Kommunikation zu suchen, andererseits sie sofort zu blocken, wo ein Widerwort zu erwarten ist.

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7 Responses to Kommunikationsneurosen des Lillifee-Feminismus

  1. petpanther says:

    Schön und treffend beschrieben.

    Eigentlich ist das doch ganz banal die Projektion einer Narzisstin auf das jeweilige Gegenüber. Jede Abgrenzung vom jeweiligen Gegenüber gegen das Verlangen das eigene Bedürfnis zu stillen und das Gegenüber dazu beliebig zu kontrollieren und zu beherrschen wird als Diskriminierung erlebt.

    Es ist wohl auch mit die Grundlage aller diktatorischen Personae und des diktatorischen Überwachungsstaates, der auch indoktrinierend und bei Widerstand konzentriert erziehen oder beseitigen möchte.

    Kleine Kinder sind anfangs so, ja müssen so im Anspruch an Erwachsene sein, um zu überleben. Dies muß sich aber sozial im Laufe der Entwicklung ändern. Und sie versuchen i.d.R. relativ smart mit allerlei Tricks – sprich auch mit Versuchen sich als Opfer zu inszenieren oder erlernte Werte zu instrumentalisieren – das zu umgehen.

    Die feministische Ideologie macht eigentlich nichts anderes als bereits labilen und zu neurotischem Verhalten tendierenden Frauen eine legitimierte narzisstischen Befriedigung (Einvernahme der Definitionsmacht, Bessermensch-Schlechtermensch, Opferstilisierung) durch entmenschlichendes Beherrschen und Ausbeuten anderer zu sichern, die dann auch noch wundersam immer zu Unterdrückern mutieren.

    Konsequenz und Verantwortungsübernahme für eigenes Handeln, Ehrlichkeit, … etc. haben darin keinen Platz. Diskussionen und tatsächliches Interesse eines achtenden Miteinanders auch nicht. Es ist letztendlich wohl auch eine Gewaltform, die sich auch sichtbar und merkbar häufig ausdrückt (eben z.B. der Vorgang mit dem Apotheker), aber seltsamer Weise immer ignoriert wird. Auffällig ist auch die Häufung solcher Charaktere in radikalen Kreisen. Das vermeintlich Politische ist da nur eine Maske.

    Eine Gesellschaft, die dies nicht zu erkennen vermag ist wohl auch selbst nicht ganz ok. Siehe Genderismus, bevormundender Liberalismus, Kommunismus, … etc. Es stellt sich auch die Frage in wieweit diese jungen Frauen zuviel Freiheit zu diesem anti-sozialem Verhalten haben und keine Restriktion durch die sie umgebenden sozialen Gruppen (Familie, Schule, …) bekommen oder bekommen haben. Hier kommen wohl auch sich andienende oder ausweichende Männer ins Spiel.

    petpanther

    • suwasu says:

      ” Es stellt sich auch die Frage in wieweit diese jungen Frauen zuviel Freiheit zu diesem anti-sozialem Verhalten haben und keine Restriktion durch die sie umgebenden sozialen Gruppen (Familie, Schule, …) bekommen oder bekommen haben.”

      Da sehe ich wenigstens ein Phänomen. Ein Bekannter von mir sagte mal, gegenwärtig würde man dem Sender einer Botschaft alle Verantwortung für selbige übertragen. Der Sender muss darauf achten, dass seine Äußerung nicht beleidigt, diskriminiert, Gefühle verletzt. Dem Empfänger und damit Interpreten der Botschaft wird dagegen alle Verantwortung abgenommen. Seine Interpretation wird nicht in Frage gestellt, sondern sie wird als gegeben hingenommen. Ist der Empfänger also beleidigt, liegt es allein am Sender. Die Frage, ob der Empfänger missversteht oder überinterpretiert, wird nicht mehr gestellt.

      Und das findet sich wohl in mehreren Bereichen der Gesellschaft. Es geht los mit den Kreisen, die stark darauf achten, dass man Minderheiten, Frauen usw. nicht beleidigt oder diskriminiert. Möglicherweise ist dies aber auch bereits ins Gutachterwesen im Bereich des Familienrechts eingewandert. Besonders interessant finde ich das auch immer im Zusammenhang mit irgendwelchen Hitlerwitzen oder Nazi-Vergleichen. Diese werden zu einem großen Skandal aufgeblasen, ungeachtet der Person, die so etwas geäußert hat. Es wird nicht gefragt, ob diese Person witzelt, sich unglücklich äußert, ob ihre Biografie eigentlich nicht ausschließt, eine ernstzunehmende Nazi-Gesinnung zu haben. Es gibt diesbezüglich keinen “Ausrutscher” oder keinen “Witz”, sondern die Äußerung ist einfach ein Problem an sich. Dabei geht man eben nur vom Wortlaut aus und von dem Empfinden des Interpreten, während man die Rechtfertigungen des Senders nicht gelten lässt.

      Ein derart vermurkstes Kommunikationsmodell als gelebte Praxis gibt natürlich auch den Neurotikern immer wieder recht, scheinbar.

      Aus soziologischer (=meiner) Sicht ist das aber Nonsens, denn jede Kommunikation baut sich in der Beziehung auf: Es wird etwas mitgeteilt, das Mitgeteilte wird interpretiert, es erfolgt eine Reaktion des Empfängers und diese wird wiederum interpretiert. Es gibt keine Kommunikationsinhalte, die Alleinbesitz einer einzigen Person sind.

  2. Kai V says:

    Hallo LoMi, ich habe Dir auf Man-Tau geantwortet. Finde ich zwar treffen was Du geschrieben hast, es reicht aber ein Satz.

    Sie ist eine Egoistin, die in ihrem narzistischen Weltbild nicht mal ansatzweise über andere Menschen, deren Gefühle und Einstellungen oder Meinungen nachdenken möchte. Prinzessin Lillifee halt…

    Das Schwesig solche Leute einläd, warum nicht? Nachdem Schröder Putin einen Lupenreinen Demokraten nannte, ist wohl jeder Damm gebrochen…

  3. petpanther says:

    Ja, da hat sich etwas “eingeschlichen” und das beschriebene ” vermurkste Kommunikationsmodell” gehört wohl auch dazu.

    Ich nehme das als eine Art Selbstbetrug und gesellschaftlich akzeptierte aber unlautere Vorteilsnahme an anderen wahr. Es ist offenbar z.Zt. möglich dies ohne Konsequenz auf dem kleinen individuellen wie auch großen gesellschaftlichen Bogen zu veranstalten.

    So z.B. auch die Überbetonung von sog. Softskills in der Wirtschaft, wo bei näherer Betrachtung oft ein Mangel an Hardskills, d.h. tatsächlichem Können und KnowHow, vorhanden ist. Oder im schulischen Bereich pädagogische Überbetonung des es “muß nur richtig kommuniziert werden”, was dann suggeriert es wäre nicht mehr notwendig eigenes dazu zu leisten, um Komplexeres zu verstehen und mit weiterhin bestehenden Ambivalenzen umzugehen. Man stelle sich jemanden vor der Sportler werden will und sich so um das harte Training für den 100m Lauf drücken möchte. So gibt es eine Bottom-Line wo jeder tatsächlich eigenen Beitrag und Verantwortung bringen muß und es nicht auf “Kommunikation” oder das Gegenüber schieben kann.

    Eine sich durch alles ziehende bigot-scheinheilige Dekandenzerscheinung, die sich oft mit hehrem Anliegen drapiert, aber auf Kosten anderer geht und bevormunden möchte? Ausweichmanöver der menschlichen Psyche vor unbequemen Realitäten? Verlust an gegenseitige Achtung (kein diktatorisch verlogenes “keine Toleranz der Intoleranz”) und Selbstverantwortung einfordernden sozialen Disziplinierungsmechanismen? Feminismus, Genderismus, Gynozentrismus, Kreationismus … als Ausdruck einer entstehenden nicht mehr (er)schaffenden narzisstisch-neurotischen (Selbst)Betrugs- und Ausbeutungskultur?

    Vielleicht etwas dramatisiert?

    • petpanther says:

      @suwasu War als Antwort gedacht.

    • suwasu says:

      “So z.B. auch die Überbetonung von sog. Softskills in der Wirtschaft, wo bei näherer Betrachtung oft ein Mangel an Hardskills, d.h. tatsächlichem Können und KnowHow, vorhanden ist.”

      Das kann ich schwer einschätzen. Soft skills sind durchaus notwendig, aber ich empfinde es auch oft als Überbetonung bzw. als Vernachlässigung echten Know hows. Und dabei bin ich ja eher der Soft-Skills-Typ. Aber mir scheint, es gibt viele Sachthemen, die ohne echte Kenntnis der Materie nicht behandelt werden können und die darum mit Meinung allein zu keiner Lösung kommen. Das ist dann eine Art Widerstand der wirklichen Welt, mit dem man sich eben auseinandersetzen muss. Technische Probleme, aber auch gesellschaftliche Probleme brauchen Fachwissen, was zuweilen eben dazu führt, dass man für sich selbst feststellen muss, dass man nicht mitreden kann. Das ist natürlich nicht schön fürs Ego, aber vermutlich nicht zu verhindern und spätestens, wenn das Auto rauchend auf der Strecke bleibt, wird es auch ganz praktisch relevant.

  4. Pingback: Fundstück: LoMi und die Pauschalisten | Geschlechterallerlei

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