Fundstück: Prominent geworden, Freund ausgetauscht

Auf SZ-Online habe ich gerade einen Beitrag gefunden, der einige Beispiele von prominent gewordenen jungen Frauen bringt, die nach ihrem Erfolg sich von ihren Freunden getrennt und mittlerweile einen zum neu erworbenen Status passenden Partner haben. Und so drückt es der Teaser des Beitrags aus:

Wenn junge Frauen durch Casting-Shows prominent werden, beteuern sie gern, wie wichtig genau jetzt ihr langjähriger Freund sei. Und kurz darauf sind sie mit einem älteren, ebenso (halb-)prominenten Mann zusammen. Ein trauriges Naturgesetz der Liebe.

Der Beitrag unterlässt freilich jede Recherche. Wie man das also zu bewerten hat, ist nicht am grünen Tisch einfach zu entscheiden. Auf dem ersten Blick wirkt es jedenfalls so, als seien diese Damen auch in Fragen der Partnerwahl vor allem statusinteressiert. Wobei ihre Teilnahme an Castingshows und dergleichen ohnehin ein gewisses Statusinteresse signalisiert und diese Damen insofern vielleicht nicht repräsentativ sind für junge Frauen allgemein.

Bedenken muss man wohl ebenso das jugendliche Alter der im Beitrag zitierten Damen. In dieser frühen Jugend sind Partnerwechsel recht wahrscheinlich. Sodann haben sich durch den Starruhm auch die Lebensverhältnisse dieser Frauen verändert, vermutlich sogar gravierend. Sie bewegen sich jetzt in anderen Kreisen, verlassen darum auch die Kreise ihrer Herkunft. Ihr gegenwärtiger Umgang legt es dann auch nahe, dass sie prominente Männer kennenlernen, eher jedenfalls als “Kevin von nebenan”. Schließlich werden sich die Neu-Prominenten nunmehr auf den sicher auch geschäftlich bedeutsamen Promi-Events mehr aufhalten als in den Kneipen und Diskos ihrer einstigen Jugend.

Die Veränderung von Lebensverhältnissen und die damit zusammenhängende Veränderung des Horizonts einer Person führt nach meiner Erfahrung oft zu Partnerwechseln. So habe ich es nicht selten beobachtet, dass Jugendlieben etwa am Studium eines Partners zerbrochen sind. Er oder sie tritt mit Studienbeginn ein in eine völlig neue Welt, lernt ganz andere Dinge kennen und befindet sich womöglich auch das erste Mal in einer Stadt, weit weg vom Alltag zu Hause. Unter diesen Umständen differenzieren sich Wünsche und Interessen schneller heraus, die sich bei unveränderten Lebensläufen erst in einigen Jahren gezeigt hätten. Ich kann mich erinnern, dass diese Beziehungsdramen begleitet waren von der Klage, dass der daheim gebliebene Partner sich nicht weiterentwickelt habe.

Es ist also denkbar, dass auch im Falle der Popstars und Supermodels weniger der genetisch verankerte Blick auf den Alpha-Mann, sondern ein entwicklungsfördernder Bruch im Leben der jungen Menschen den Partnerwechsel beschleunigt hat.

Die Suche nach dem Alphamann als Motiv kann man freilich auch nicht so ohne weiteres ausschließen. Beide Standpunkte bieten also schönen Diskussionsstoff…

 

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12 Responses to Fundstück: Prominent geworden, Freund ausgetauscht

  1. Graublau says:

    Interessant, dass Du folgenden Punkt gar nicht ansprichst: Was passiert, wenn ein Mann seine Frau/Freundin wechselt? Etwa der Fall Johnny Depp.

    Äußerst fair die Feststellung, dass man sich in jungen Jahren stark verändert, insbesondere bei neuen Lebensabschnitten (Ende der Schulzeit, Ende des Studiums). So kann ich es aus meinem eigenen Bekanntenkreis bestätigen.

    • suwasu says:

      Der Fall Depp war mir so gar nicht bekannt.

      Ja, fair ist das. Ich zweifle halt gerne an einfachen Erklärungen. Der SZ-Beitrag steuert die Assoziationen ja hin zur evolutionären Erklärung. Aber ich mag gerne Haare in der Suppe suchen und siehe da, es gibt zumindest einige, die Zweifel erlauben. Sie sind zumindest bedenkenswert. Ob eine solche Interpretation wahrer ist als die der Evolutionstheorie, kann ich natürlich auch nicht beantworten.

  2. Aus meiner Sicht liegt es daran, dass Status immer relativ zum erlebten Umfeld bewertet wird. Zuhause im umbekannten erschien der Wert des Freundes insofern höher, aber im Vergleich zur Prominentenwelt ist er plötzlich kleiner.

    Eigentlich ein gutes Thema für einen Artikel.

    Bei der Uni kommt hinzu, dass es meist mit einem Umzug verbunden ist und man andere Leute kennenlernt und gerade bei größerer räumlicher Entfernung leicht eine Entfremdung eintritt

    • Graublau says:

      Ich führe es einfach darauf zurück, dass man in kurzer Zeit doch sehr viel Neues kennenlernt und einen Entwicklungsschub macht. Außerdem übernimmt man eine neue Rolle.

      Ich habe auch Beziehungen auseinanderbrechen sehen, bei denen die Leute vor Ort studiert haben und sich damit keine räumliche Entfernung eingestellt hat. Es waren einfach stark veränderte Lebensumstände. Nach dem Studium kommt natürlich oft die Frage, wie die Lebensplanung aussieht, und wenn dann einer nicht bald heiraten will, kann’s das auch gewesen sein.

      • suwasu says:

        Das halte ich eben auch für möglich. Es handelt sich um junge Menschen, die sich noch entwickeln. Möglicherweise hätten Frauen zwischen 30 und 40 ihren Partner behalten, auch wenn sie erfolgreich sind.

        Im Rückblick habe ich immer den Eindruck, dass man in Jugendjahren im Freundeskreis doch recht undifferenziert war, also sozial gesehen. Weder haben sich sämtliche politischen Differenzen noch die der präferierten Lebensführung gezeigt. Zumindest solange man gemeinsam Schüler oder Student war, ließ sich die Illusion einer weitestgehenden Gleichheit gut aufrecht erhalten. Später gabeln sich die Wege stark. Diese Illusion der Gleichheit dürfte auch Jugendlieben vordergründig zusammenhalten, bis eben ein differenzierendes Moment hinzutritt, nämlich die Konfrontation eines Partners mit ganz anderen Lebensumständen und Themen.

    • LoMi says:

      Dachte ich mir auch, Christian, dass das guter Stoff für Allesevolution sein könnte.

  3. Pingback: Neuer Partner nach Statuszuwachs bei Frauen | Alles Evolution

  4. nomadenseele says:

    Leider habe ich keine Kontaktmöglichkeit gefunden, daher den Kommentar einfach löschen. Ich dachte nur, dass diese Diskussion vielleicht interessant sein könnte: http://www.zeit.de/lebensart/partnerschaft/2014-04/generation-maenner-bindungsscheu

    • suwasu says:

      Na, ich finde es ja grandios, dass jetzt irgendwelche Journalistinnen ihre Männergeschichten in den Medien durchhecheln. Mit den üblichen Stereotypen. Sollte man einfach nicht tun, das ist kindisch.

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