Wenn der Moral-Mob tobt

Kürzlich ist der CEO von Firefox zurückgetreten, weil seine schwulenfeindliche Haltung skandalisiert worden war. Fefe spricht hier von einem “Heugabel-Mob”, der im Grunde pseudopolitisch handelt. Ich will mal versuchen, mit müdem Montags-Kopf zu analysieren, was diese Art von Moralpolitik eigentlich ist. Da dieser Blog aus programmatischen Gründen “Offene Flanke” heißt, handelt es sich um Ideen  im Frühstadium und nicht um die Verkündigung der “Wahrheit”.

Das Bild des “Heugabel-Mobs” bringt auf den Punkt, was mich an der Sache bewegt. Es geht um Empörung. Brandon Eichs Haltung wird als “homophob” eingestuft und das ist für viele ein Skandal. In Skandalen geht es um Moral, vor allem um Verstöße gegen die “guten Sitten”. Skandale beruhen auf kollektiver Empörung über derartige Grenzüberschreitungen. Das kann man an politischen Skandalen beobachten: Es ist zunächst gleichgültig, ob der Politikerskandal auch wirklich justiziabel ist. Wichtig ist, dass ein bestimmtes Verhalten von der “Bevölkerung” nicht akzeptiert wird. Sprachrohr dieser Bevölkerung sind die Medien bzw. im Falle von Brandon Eich das Internet, die sozialen Medien.

Moral ist eine Frage der alltäglichen Lebensführung. Darin unterscheidet sie sich vom Gesetz. Moral kann zu einem Gesetz werden. Aber nicht jedes Gesetz ist moralisch und nicht jede Moral ist juristisch kodiert. Moral zielt ab auf die Haltung einer Person: Welche Werte vertritt sie und nach welchen Werten handelt sie? Gefragt wird also nach einer individuellen Haltung, nach dem, wovon eine Person überzeugt ist. Diese Überzeugungen beziehen sich auf die Unterscheidung von Gut und Böse. Eine moralische Diskussion wird darum sehr persönlich. Es wird mithin diskutiert über die Persönlichkeit eines Menschen. Und natürlich wird diese Persönlichkeit bewertet auf der Basis der je eigenen Moral. Der “Heugabel-Mob” meint auch zu wissen, wann eine Einstellung falsch ist. Jemand, der die falsche Moral hat, muss bekämpft werden.

Das setzt aber auch den Glauben voraus, dass die eigenen moralischen Maßstäbe fraglos richtig sind. Man muss “wissen”, dass man zu den Guten gehört, nur dann kann man mit Verve alle bekämpfen, deren Moral man für “falsch” hält. Selbstzweifel würden eine solche Kampagne bremsen. Der “Heugabel-Mob” zweifelt aber nicht. Er tritt in Aktion, getragen von der eigenen Empörung. Empörung ist ein Gefühlsausbruch. Dieser wird aber als gerechtfertigt angesehen. Nicht nur das: Er ist ein Indiz dafür, dass die Moral dessen, der die Empörung auslöste, falsch sein muss. Diese Empörung rechtfertigt sich durch das Gerechtigkeitsempfinden. Dieses ist verletzt. Nur deshalb schafft sich der Ärger Luft. Das Gerechtigkeitsempfinden wird aber offensichtlich vom “Heugabel-Mob” nicht weiter problematisiert. Was man als gerecht oder ungerecht empfindet, ist auch so. Das Empfinden steht für Wahrheit. Daher ist keine Distanz zu den eigenen Emotionen notwendig.

Das ist etwas seltsam, da wir in vielen anderen Kontexten eigentlich dazu neigen, unseren Emotionen zu misstrauen. Wir halten sie für schlechte Ratgeber. In einem Streit, so der Rat, solle man erst einmal den Raum verlassen, um wieder “kühlen Kopf” zu gewinnen. Man solle eine Nacht über Entscheidungen schlafen. Manche Erregung, Angst oder Freude, wird als trügerisch empfunden, weiteres Nachdenken und Informieren wird empfohlen. Aber im Falle des “Heugabel-Mobs” wird die Empörung gar begrüßt. Niemand verlangt, dass man Abstand zu seinen Emotionen gewinnt und dass man kritisch prüft, ob das von der Emotion gezeichnete Bild einer nüchternen Reflektion standhalten würde. Der Mob schlägt daher los, getrieben von der Emotion. Er ist Argumenten nicht zugänglich, weil er das auch nicht will. Dafür müsste er den Empörungsmodus beenden und die eigenen Gefühle zurückstellen. Der Mob gibt den Gegenargumenten von vornherein keinen Raum.

Damit unterlässt er nicht nur die Distanzierung von sich selbst, er räumt auch jede Distanz zum Gegner beiseite. Diesen konfrontiert er mit der ganzen Wucht seiner Empörung. Der Mob schreit ihm seine Wut ins Gesicht. Er ist übergriffig, weil er sich nicht darum schert, ob er damit in die persönliche Sphäre des Gegners eindringt. Der Mob hält es für berechtigt, den Gegner hart anzugreifen und ihm tendenziell in jeden Schutzwinkel zu folgen. Dass der Mob seinem Gegner nicht zuhören will, ist zugleich eine Form der Bedrängung dessen. Dieser steht mit dem Rücken zur Wand. Fragen an ihn haben nur rhetorischen Charakter, denn seine Rechtfertigungen werden tendenziell niedergeschrien.

Der Mob agiert ad hominem. Er führt keine Sachdiskussion. Das heißt, dass er nicht abstrakt Begriffe diskutiert, sondern er diskutiert Personen und deren Verhalten. Der Kern des Problems ist nicht ein falscher Moralbegriff, den der Gegner hat. Es ist seine Persönlichkeit, die falsch ist. Nicht sein Argument ist problematisch, sondern das Wesen der skandalisierten Person. Folglich erscheint es auch gerechtfertigt, diese Person als solche auch anzugreifen.

Das ist nicht nur im Fall Brandon Eich zu beobachten. Man sieht es auch in anderen Zusammenhängen. Ein Streit in der Maskulisten-Filterbubble zeigt dies. Auch da werden derzeit gerne Personen als Hauptfehler angesehen. Entsprechend konzentrieren sich die Auseinandersetzungen auf persönliche Angriffe und thematisieren die vermeintlichen Charakterfehler des jeweils Anderen. Die Dämonisierung des Gegenübers hat wiederum den Effekt, die eigenen Emotionen zu rechtfertigen. Da der Gegenüber “böse” ist, sind die durch ihn ausgelösten Gefühle ein Abbild der Wahrheit. Sie entstehen, weil der Andere “böse” ist. Sie sind lediglich Ausdruck von dessen Bosheit. Damit sind diese Gefühle nicht mehr ein Teil der eigenen komplexen Persönlichkeit, die man im Kontext der eigenen Biografie lesen könnte. Sie werden gewissermaßen komplett von außen induziert wahrgenommen. Und deshalb kann das Gefühl kein Irrtum sein, deshalb wird der Verdacht der emotionalen Verzerrung der eigenen Sicht suspendiert.

Um die Maskulistenszene mal zu entlasten: Das gilt freilich auch für #aufschreie. Auch dort wird dank des Definitionsmachtkonzeptes jede Distanzierung von den eigenen Emotionen aufgehoben. Was ich empfinde, ist rein und wahr. Also muss der Auslöser ein Schuft sein, wenn die Begegnung mit ihm in mir Wut erzeugt. Deshalb ist es auch richtig, ihn der Wut auszusetzen.

Eine solche Empörungs”politik” ist im Grunde keine. Politik ist eben nicht nur Werthaltung, sondern auch die Überlegung, wie man einen Willen in Gesetz und Struktur übersetzt. Das beinhaltet zugleich sachliche Überlegungen: Informationen über den zu regelnden Gegenstand sowie modellhafte Lösungen. Zugleich muss demokratische Politik auch anerkennen, dass es Rechte Anderer gibt. Anstelle diktatorischer Durchsetzung muss es zur Aushandlung kommen, um ein Modell zu finden, dass allen Raum gibt, auch denen, deren Werthaltung man nicht teilt. In der modernen Gesellschaft ist Moral immer plural, weil es einen einheitlichen Wertekanon nicht geben kann. Ideologien, Wissenschaften und Religionen können keine hinreichende Orientierungssicherheit bieten, wie man richtig leben solle. Der “Heugabel-Mob” lebt dagegen von der Illusion moralischer Homogenität, egal ob er von rechts oder links aus agiert. Damit ist er auch antimodern.

Siehe zu dem Thema auch Hans.

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23 Responses to Wenn der Moral-Mob tobt

  1. nomadenseele says:

    Der eigentlich Skandal ist für mich an solchen Fällen, wie eng die erlaubte Meinungsbreite inzwischen ist.

    Ich weiß nicht, warum man gegen Dinge ist und dagegen Geld spendet, wenn sie einen überhaupt nicht betreffen, wie in dem Fall Homosexualität. Ich verstehe allerdings auch den Aufschrei nicht, wenn jemand diese Meinung vertritt.

    Es ist keiner zu schaden gekommen, niemand wurde bedroht und sonst in seiner Lebensqualität eingeschränkt. Sieht man von demjenigen ab, der eine abweichende Haltung als die offiziell erlaubte vertrat. Das ist für mich das wahre Armutszeugnis unserer Gesellschaft.

    • suwasu says:

      Na, erlaubt ist noch jede Meinung. Gesetzlich. Fakt ist allerdings, dass solche Moral-Aktivitäten der Versuch sind, eine ganz bestimmte Moral zur Norm zu machen. Und das ist problematisch.

      Andererseits gibt es da keine einheitliche Tendenz. Es gibt viele Moralen und entsprechend auch ganz unterschiedliche Moral-Unternehmer.

      • nomadenseele says:

        Wenn eine Meinung gesetzlich erlaubt ist, aber faktisch dazu führt, dass jemand seine Arbeit verliert, dann herrscht für mich ganz offiziell keine Meinungsfreiheit mehr. Für eine Einschränkung der Meinungsfreiheit müssen nicht unbedingt die Jungs mit den handschellen kommen 😉 .

      • suwasu says:

        Das teile ich so nicht.
        Es gibt einen ganz fundamentalen Unterschied, ob der Staat mit seiner Macht eingreift oder ob ein Unternehmen aufgrund des Druckes seiner Kundengruppe eine Person rauswirft. Der Staat neigt nämlich dazu, den Unliebsamen einzusperren. Das macht das Unternehmen nicht. Genau darauf bezieht sich auch Meinungsfreiheit, auf ein Abwehrrecht gegen den Staat. Der Staat setzt nämlich eine Gewalt ein, gegen die sich der Bürger an sich nicht wehren kann.

      • nomadenseele says:

        Du weißt aber nicht, welche Folgen dieser öffentliche Rauswurf für den Betreffenden hat.
        Finazielle auf jeden Fall und wenn wenn es ganz dumm läuft, kann das den finanziellen Ruin bedeuten.

        Und das alles, weil jemand eine Meinung hat, die offziell nicht erwünscht ist und niemanden weh tut? Er hat schließlich nicht gefordert, dass alle Homosexuellen getötet werden sollten und sondern es kam durch eine Spende nur heraus, dass er sie nicht mag.

        Und mal ehrlich: Irgendeine Gruppe oder Meinung, die sich nicht mit den gesellschaftlichen Forderungen deckt, hat doch jeder. Das bedeutet aber auch, dass jedem ein Strick gedreht werden kann. Und das führt zu einem Verhalten, welches in dem Buch Tod eines Investmentbankers: Eine Sittengeschichte der Finanzbranche oder – wenn ich es richtig in Erinnerung habe- in diesem Trailer über Master of the Universe gesagt wird: Man darf gar keine Meinung mehr äußern, muss absolut keimfrei bleiben. Das langfristige Ziel ist anscheinend eine keimfreie Gesellschaft, die keine Widersprüche mehr aufweist.

        Wobei ich zu wenig über den Hintergrund des CEO weiß, die amerikanische christliche Rechte ist teilweise schon recht fragwürdig.

      • suwasu says:

        Ich finde es ja auch nicht gut, dass er rausgeflogen ist. Andererseits ist das keine zwingende Entscheidung gewesen. Mozilla hätte auch anders handeln können. Aber man hat sich eben zugunsten der Kunden entschieden. Das ist halt Kapitalismus. Der sorgt freilich auch für keimfreies Personal.

        Ich würde diese Meinung der Gegner des CEO von Mozilla auch nicht offiziell nennen. Sie ist ja keine Staatsdoktrin, sondern die Meinung einer bestimmten Interessengruppe.

      • nomadenseele says:

        Aber man hat sich eben zugunsten der Kunden entschieden.

        Ich würde diese Meinung der Gegner des CEO von Mozilla auch nicht offiziell nennen. Sie ist ja keine Staatsdoktrin, sondern die Meinung einer bestimmten Interessengruppe.

        Die Interessensgruppen suhlen sich auch gerne in Selbstgerechtigkeit: Endlich kann man man öffentlich bekanntgeben, was für ein aufgeklärter, politisch-korrekter Mensch man ist.

        Ich erinnere an die Kündigungswelle, die die Ergo-Versicherung nach dem Sex-Skandal zu verkraften hatte. Das eine hat doch mit mir als Kunden gar nichts zu tun. Sie sollen zügig zahlen und das machen sie auch. Was die Versicherung mit meinen Beiträgen macht, ist mir egal. Genau wie ich mit Firefox zufrieden bin und der CEO spenden kann, wofür er möchte. Das erhöht oder verringert nicht mehr Zufreidenheit.

      • suwasu says:

        Da gehe ich mit. Es geht mich nichts an, was der CEO privat macht und welche Politik er unterstützt. Andererseits ist es ja auch nicht ungesetzlich, Firefox dann nicht mehr zu nutzen, es also zu “boykottieren”. Wirklicher Zwang war es nicht. Nur die Geisteshaltung solcher Bewegungen ist seltsam, weil es an der Politik nichts ändert, sondern nur eine Person abstraft. Das halte ich für falsch.

      • nomadenseele says:

        Ich habe gerade so überlegt: Wenn ich eine 68erin wäre, würde ich angesichts dieser Entwicklung das große Reihern kiegen.

        Alles, wofür man sich aufgerieben hat, geht seit gut 10 Jahren wieder den Bach runter.

      • nomadenseele says:

        Die Stelle ab 4:00 im Video.

    • HansG says:

      Ich finde es ja auch nicht gut, dass er rausgeflogen ist.

      Ist er nicht: https://blog.mozilla.org/blog/2014/04/05/faq-on-ceo-resignation/

      Das langfristige Ziel ist anscheinend eine keimfreie Gesellschaft, die keine Widersprüche mehr aufweist.

      Die Frage ist nur: Was ist keimfrei?
      Ich habe das Gefühl, dass sich insbesondere jüdische aber auch islamistische Interessensgruppen Forderungen herausnehmen, die in Deutschland niemand von einer katholischen oder evangelischen Gruppierung akzeptieren würde.

      Wenn ich zum Beispiel gegen den Bau einer Mosche in der Nachbarschaft bin bedeutet das noch nicht zwangsläufig, dass ich den Bau einer Kirche befürworten würde. Im ersten Fall kann ich aber mit diversen moralischen Vorwürfen rechnen.

      Wenn Meinungen also stigmatisiert werden ist damit zu rechnen, dass sich keiner mehr traut etwas zu sagen wenn »geschütze« Forderungen schlicht überzogen sind. Von keimfrei kann da dann aber auch keine Rede mehr sein.

      • suwasu says:

        Spannendes Experiment: Protestiere mal gegen den Bau einer Kirche in der Nachbarschaft.

        Wobei ich einräume, es wäre nicht so hochmoralisch aufgeladen, weil dann das Thema Ausländerfeindlichkeit nicht mitschwingen würde.

      • HansG says:

        Den Fall habe ich schon erlebt. Letzendlich wurde die Kirche gebaut mit der Auflage das Bimmeln zum Gottesdienst innerhalb der Ruhezeiten zu unterlassen.

        Letztendlich kommt es auch stark auf die Gegend an und welche Menschen in direkter Nachbarschaft wohnen.

      • suwasu says:

        Wie gesagt, da fehlt ja noch das Minderheiten-Mehrheiten-Thema, um so richtig skandalfähig zu sein.

        Im Moment habe ich gerade ein Wahrnehmungsproblem, was jetzt nichts mit Dir und Deinen Kommentaren, aber mit dem Thema zu tun hat. Verkämpfen sich die ganzen Männerrechtlerblogs in Skandälchen? Der wesentliche Tenor scheint mir das Beklagen irgendwelcher Moralverletzungen zu sein. Was ich oft genug auch goutiere, zugegeben. Aber in der Masse ist es oft eher anstrengend.

      • HansG says:

        Die Moralkeule ist schon ein recht effektives Hilfsmittel um die eigenen Ansichten zu befördern. In den meisten Fällen sind es auch nur einfache ad hominem Argumente.

        Inwiefern glaubst du ein Wahrnehmungsproblem zu haben?

      • suwasu says:

        Mein Wahrnehmungsproblem könnte ein Filterbubble-Problem sein. Im Moment lese ich halt die “Patriarchats”-Blogs oder die Diskussionen bei Christian usw. und dadurch entsteht der Eindruck, es ginge nur um Moral, hier natürlich vorrangig um Moralverstöße von Frauen oder dem Feminismus. Da ist viel Empörung unterwegs.

        Es kann einfach sein, dass es jenseits dieser Bloggergemeinde ganz andere Themen gibt. Bzw. dass die hier behandelten Vorkommnisse in der “realen Welt” weniger Bedeutung haben.

      • HansG says:

        In der Welt außerhalb der Filterbubble spielen viele Themen der Blogs keine Rolle. Zum Beispiel die Frauenquote dürfte nur die wenigsten tatsächlich interessieren. Schließlich betrifft es auch nur einen ganz kleinen Teil der Menschen. Über Gender-Sprache düften sich auch nur die wenigsten Gedanken machen. Die lesen das und denken sich: »So ein Quatsch.« Oder häusliche Gewalt gegen Männer. Nicht Betroffene glauben vermutlich wirklich, dass es sowas nicht gibt.

        Das sind natürlich, auch moralische, Probleme. Gerade wenn man sich intensiver damit beschäftigt gehört es auch dazu mal auf den Tisch zu haun und einfach »Schweinerei!« zu schrein. Ein Problem des Alltags ist es, dass viele Menschen irgendwann aufwachen und keine Ahnung haben wie das Alles passieren konnte.

        Das betrifft aber aber praktische alle Themen. Im Moment hört und liest man in vielen Medien, dass ganz überraschend der Euroraum in eine Deflation schlittert. Für mich ist das wenig überraschend und meiner Meinung nach eine logische Konsequenz auf die Maßnahmen seit 2008. Allerdings nehme ich die Worthülsen unserer Kanzlerin auch nicht ernst.

      • nomadenseele says:

        Du hast das wesentlich schöner ausgedrückt als ich. Um bei deinem Beispiel zu bleiben: Bloß weil man den Moscheebau oder auch unschöne Erfahrung nicht mehr thematisieren darf ohne in die rechtsradikale Ecke gestellt zu werden, verändern sich die Probleme nicht. Im Gegenteil, insgeheim wächst die Wut immer mehr.

        Wir sollten Sarrazin dankbar sein, dass er als Blitzableiter fungiert hat. Noch ein Beispiel für die nicht existierende Meinungsfreiheit, denn auch ihm drohte ein Parteiausschluß und seinen Job los.

        Und erinnert sich noch jemand an Eva Herrmann? Ruiniert, weil sie postulierte, dass Mütter zuhause bei ihren Kindern bleiben sollten.

      • nomadenseele says:

        Letztendlich sehe ich das für mich persönlich so:

        Wenn jemand mich nur wegen einer Meinung ablehnt, dann war die wie auch immer geartete Beziehung ohnehin nicht sehr tragfähig.

  2. Novalis says:

    Ich glaube, es ist weniger ein Problem der Meinungsfreiheit. Die ist gegeben. Artikel, Fernsehauftritte, Interviews usw. Woran sich eine gewisse Heuchelei feststellen lässt, ist vielmehr die unterschiedliche Reaktion auf das, was gesagt worden ist. Hier werden die Maßstäbe durch den Zeitgeist geeicht und je nachdem, wie man zu diesem Zeitgeist steht, empfindet man die Reaktionen gerechtfertigt oder nicht.

    • suwasu says:

      Das sehe ich ähnlich. Meinungsfreiheit ist nicht in Frage gestellt. Es ist ein Moraldiskurs, wo es zunächst um Dinge geht, die nicht gesetzlich geregelt sind. Interessant daran ist halt aus meiner Sicht, dass sich diese “Mobs” gegen Personen richten, dass sie dann aber nicht politisch aktiv werden etwa in Form einer Bürgerinitiative oder eines organisierten Lobbyismus. Es ist eine Form von Ersatzhandlung, die an der Lage an sich nichts ändert.

      • Novalis says:

        Meiner Meinung nach ist es nicht einmal ein Moraldiskurs, denn Diskurs setzt Argumentieren und die Bereitschaft, andere Argumente als ein Gegenüber wahrzunehmen und ernst zu nehmen, voraus. Hier sind Rationalität, Logik und ein gewisses Maß an Offenheit erforderlich. So etwas ist mit affektgeladenen Emotionen nicht möglich, auch nicht erwünscht. Die Empörung steigert sich, kann durch das Internet auch wunderbar kanalisiert werden, und drängt zu einer Art – s.v.v. – Moralbefriedigung, die aber nicht lange anhält und zum nächsten Empörungstreffen animiert. Dieses Nomadisieren ist ein beständiger Zick-Zack-Lauf inerhalb der eigenen Moralvorstellungen, Ressentiments und Befindlichkeiten. Das Ganze ist deshalb weniger ein politisches als vielmehr ein psychologisches Phänomen.

      • nomadenseele says:

        Meinungsfreiheit ist nicht in Frage gestellt.

        – Wenn jemand durch eine Meinung gesellschaftlich geächtet wird, dann steht für mich durchaus das Prinzip der Meinungsfreiheit in Frage.

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