Sexualisierung des öffentlichen Raumes durch Frauen

Sobald die Sonne etwas wärmt, fallen viele Hüllen. Die dicken Wintermäntel werden dankbar abgeworfen. Aber das hat nicht nur eine praktische Seite. Vielmehr eröffnet die Wärme auch die Möglichkeit, zu zeigen, was man hat. Da locken dann gewagte Dekolletés und derzeit zusätzlich hautenge Leggins oder Pantalons (oder wie dieses Kleidungsstück genau heißt). Ein Beinkleid, das mehr ent- als verhüllt. Dünner Stoff, der Bein und Po deutlich hervorhebt. Das gewährt dem Manne einen schönen Anblick, sorgt aber auch für Pressionen. Es ist also auch kritikwürdig, meiner Meinung nach. Auch wenn ich mich damit auf dünnes Eis begebe.

Dünnes Eis, weil diese Diskussion oft missverstanden wird. Daher vorweg: Ich lehne Vergewaltigung komplett ab. Es ist ein Verbrechen, schon auch deswegen, weil wir davon ausgehen dürfen, dass erwachsene Männer dank freien Willen entscheiden können, ob sie ihrem Trieb nachgehen oder nicht. Daher lehnen wir eine gewaltsame Bemächtigung auch zu Recht ab. Es gibt dafür auch keine Rechtfertigung irgendeiner Art.

Mein Punkt ist ein anderer: Ich meine, dass die so engbehosten Damen den öffentlichen Raum sexualisieren. Normalerweise wird dies den Männern vorgeworfen: Mit ihrem Begehren sexualisieren sie Frauen, machen sie zu Lustobjekten und das schlage sich dann auch in entsprechenden Frauendarstellungen nieder. Wo Frauen aber – in meinen Augen – recht gewagte Kleidung in der Öffentlichkeit tragen, sexualisieren sie sich und den öffentlichen Raum von sich aus, ohne Not und aufgrund einer freien Entscheidung, mag sie auch nicht darauf ausgerichtet gewesen sein, Männer anzumachen.

Ich glaube, wir müssen nicht darüber streiten, dass der Sexualtrieb existiert und keine soziale Konstruktion ist. Er ist ein Fakt. Wir können ihn beherrschen, aber wir können ihn nicht abschaffen. Wir reagieren auf erotische Signale und diese Reaktion unterliegt nicht unserer willentlichen Kontrolle. Wir entscheiden lediglich, ob wir der aufkommenden Erotisierung im Handeln folgen wollen oder nicht.

Das erzeugt immer dann Spannung, wenn die Triebbefriedigung nicht erlaubt ist. Das ist zunächst kein Problem. Diese Spannung wird es immer geben in der Gesellschaft, da eine ungehemmte Triebbefriedigung ein utopisches wie unrealistisches Ideal ist. Sexualität ist immer reguliert. Grundsätzlich müssen erwachsene Menschen diese Spannung aushalten. Aber man kann damit freilich auch sensibler umgehen. Man darf nämlich die Frage stellen, ob es gut ist, diese Spannung zusätzlich zu schüren. Hautenge Kleidung tut dies, weil die erotischen Signale, die Schlüsselreize ins Auge springen.

Für gewöhnlich wird eine Klage darüber als männliches Mimimi abgetan. Die ach so bedauernswerten Männer! Sodann aber wird weiblicherseits gerne beklagt, dass Männer besser gucken könnten als denken und dass ihnen hinterhergepfiffen wird. Ja, das Pfeifen ist wahrlich prollig, keine Frage. Aber die beklagte Übergriffigkeit des Mannes, der seine Augen darauf richtet, was er angesichts mancher Kleidung kaum übersehen kann, ist bigott. Im Grunde spielen solche Frauen – vielleicht unbewusst – ein perfides Spiel. Sie stellen ihre Reize zur Schau, sie ahnen, dass das bei Männern etwas auslöst, aber erwarten dann, dass der Mann sich beherrscht. Beherrscht er sich nicht, lässt er seinen Blick zu lange auf ihrem Dekolleté ruhen, hat er verloren. Er ist einer von denen, die immer nur “Das Eine” wollen und Frauen objektifizieren.

Radikale Feministinnen starten dann gerne einen #aufschrei und bitten die Gesellschaft um Hilfe, um die ihnen lästigen Männer abzuwehren. Es genügt nicht mehr, dass sie selber den Korb verteilen. Die Gesellschaft soll sie dabei unterstützen. Nicht zuletzt wird der Abgewiesene auch noch dafür haftbar gemacht, dass er den Reizen einer Frau erlag: Es sei Sexismus, darauf zu reagieren, es zeige die Bösartigkeit der männlichen Herrschaft, es ist unanständig, Frauen zu zeigen, dass Mann gefällt, was sie ihm zeigte. Das, was sie ihm nicht hätte zeigen müssen. Was sie in freier Entscheidung zeigte, indem sie bewusst ihre Kleidung auswählte.

Fast automatisch kommt dann der Einwand, dass Frauen sich doch nur für sich anzögen. Weil es eben Mode ist. Weil man sich wohlfühlt, wenn man sich schön fühlt. Das mag durchaus so sein. Aber das enthebt Frauen nicht der Verantwortung, die sie ja wie selbstverständlich auch von Männern erwarten. Erwachsene Frauen wissen, dass Männer auf körperliche Reize reagieren. Sie wissen, dass das Begehren weckt. Sie sind also in der Lage – theoretisch- zu wissen, dass ein tiefes Dekolleté oder eben die hautengen Beinkleider Konsequenzen haben, etwas bewirken. Solche Kleidung ist nicht neutral, auch wenn nicht wenige Frauen oft so tun, als sei sie es. Zumindest wollen sie das glauben machen, sie glaubten wirklich an die Unschuld solcher Kleidung. Aber man darf von Frauen erwarten, dass sie darüber nachdenken, was sie mit ihren erotischen Reizen auslösen. Ich sage es an dieser Stelle noch einmal: Nein, aufreizende Kleidung ist nie eine Rechtfertigung für Vergewaltigung. Bitte die Diskussion nicht auf diese Schiene umlenken. Es geht um etwas anderes. Erotische Kleidung lädt den öffentlichen Raum erotisch auf. Diese Aufladung zwingt Männer dazu, die aufkommenden Wünsche, gegen die sie sich nicht wehren können, zu unterdrücken. Die dadurch entstehende Spannung ist unangenehm. Das muss nicht sein. Ich wünschte mir schon Orte, die entsexualisiert sind, etwa der Arbeitsplatz, der Nahverkehr, die Öffentlichkeit ganz allgemein. Es gibt eben viele Momente des Alltages, wo man froh ist, dass sich nicht alles um Sexualität dreht.

Manchmal glaube ich, dass Frauen Männer dafür verachten, dass sie so “triebgesteuert” sind (und wenn sie dann altern, schreiben sie wie Bascha Mika lange Klagebücher, dass sie nicht mehr Auslöser des erotischen Begehrens sind – und machen wiederum die Männer dafür verantwortlich). Es ist eine stehende Redewendung, vom “schwanzgesteuerten Mann” zu sprechen. Es gibt sicher etliche Gründe dafür, das auch so negativ zu sehen. Nur grundsätzlich sind wir Menschen nun einmal sexuelle Wesen und können den Trieb nicht wegdefinieren. Er ist da. Er ist stark. Er ist ein Teil von uns, auch wenn wir oft lieber reine Kopf- und Kulturwesen wären. Erotische Kleidung ist daher auch nie unschuldig und neutral. Frauen sollten deshalb öfter mal darüber nachdenken, wie sie sich zeigen und was sie damit bewirken. Und sie sollten dann, wenn das Folgen zeigt (nein, nochmals nein, es geht nicht um Vergewaltigung!), auch anerkennen, dass es ihre freie Entscheidung war, solche Folgen zu verursachen.

 

 

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43 Responses to Sexualisierung des öffentlichen Raumes durch Frauen

  1. Adrian says:

    Ach herrjeh. Männer sexualisieren den öffentlichen Raum auch. Frag mich mal, der im Sommer mit Dauerständer an all den hübschen, luftug bekleideten Männern vorbeigeht. Darüber beklage ich mich aber nicht. Habe ich doch zwei gesunde Hände, mit denen ich Abhilfe schaffen kann. Probier es mal aus 🙂

    • suwasu says:

      Ich glaube, ich kenne dieses Mittel 😉

      Adrian, Du bist uns Heten da natürlich einen Schritt voraus. Unsereins hat nämlich kaum eine Vorstellung davon, ob man als Mann in irgendeiner Weise auf jemanden wirkt. Es kann natürlich sein, dass wir noch viel naiver sind als die dekolletierten Frauen. ^^

      Da muss ich wohl mal meine Privilegien checken und mehr Awareness zeigen. 😉

      • Adrian says:

        “Du bist uns Heten da natürlich einen Schritt voraus. Unsereins hat nämlich kaum eine Vorstellung davon, ob man als Mann in irgendeiner Weise auf jemanden wirkt. ”

        Ja, ihr habt das große “Glück”, dass Frauen nicht auf Männer stehen.

        Du solltest übrigens nicht dem Mythos auf den Leim gehen, das Frauen sich wegen der Männer so anziehen. Natürlich sind sie sich ihrer Wirkung auf Männer bewusst, aber das ist nicht mehr als ein Nebeneffekt, der Hundekuchen dem man in der Handtasche für Bello bereithält, damit er brav Männchen macht.

        Frauen kleiden sich, um Aufmerksamkeit bei Frauen zu erregen. Mode ist ihre Form des Wettbewerbs. Eine Frau lebt für weibliche Komplimente, das ist das Höchste, weil die schwer zu bekommen sind. Wie halt fast ihr gesamtes Leben um Frauen und weibliche Bedürfnisse kreist.

      • suwasu says:

        “Eine Frau lebt für weibliche Komplimente, das ist das Höchste, weil die schwer zu bekommen sind. Wie halt fast ihr gesamtes Leben um Frauen und weibliche Bedürfnisse kreist.”

        Dass weibliche Komplimente den Frauen wichtig sind, würde ich bestätigen. Ansonsten ist das eine starke These. Worauf beruht diese Deine Einschätzung? Ich meine, manchmal habe ich diesen Eindruck durchaus auch. Nur kann ich nicht sagen, ob das wirklich so verallgemeinerbar ist.

        Ich glaube übrigens nicht unbedingt, dass sich die Frauen für die Männer so anziehen. Ich meine nur, dass sie nicht naiv tun sollen, weil sie wissen können, dass diese Klamotten bei Männern etwas auslösen. Das gilt auch, wenn sie ihre erotischen Reize nicht mit Absicht den Männern zeigen. Faktisch zeigen sie sie trotzdem. Deshalb sehe ich sie da auch in der Verantwortung.

      • HansG says:

        Du solltest übrigens nicht dem Mythos auf den Leim gehen, das Frauen sich wegen der Männer so anziehen. […] Frauen kleiden sich, um Aufmerksamkeit bei Frauen zu erregen. Mode ist ihre Form des Wettbewerbs.

        Das kann man garnicht oft genug wiederholen.

        Ich meine nur, dass sie nicht naiv tun sollen, weil sie wissen können, dass diese Klamotten bei Männern etwas auslösen. Das gilt auch, wenn sie ihre erotischen Reize nicht mit Absicht den Männern zeigen.

        Das ist ein Nebeneffekt der billigend in Kauf genommen wird. Ich bin der Meinung, dass Frauen vorrangig miteinander konkurrieren und da auch die Wirkung auf Männer einfließt. Die mit den meisten Bewerbern zeigt anderen Frauen gegenüber einen hohen Wert.

      • suwasu says:

        Also diese MEINUNG finde ich ja auch plausibel. Doch worauf stützt sie sich oder anders gefragt: Welche Indizien sprechen für diese Meinung?

      • Adrian says:

        “Worauf beruht diese Deine Einschätzung?”

        Auf dem freien Blick, der sich ergibt, wenn man an Frauen kein Interesse hat; wenn man “alleine” in einer Welt voller Heteros lebt. Dann fallen einem die Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Interessen durchaus auf.

        “Ich meine, manchmal habe ich diesen Eindruck durchaus auch. Nur kann ich nicht sagen, ob das wirklich so verallgemeinerbar ist.”

        Was heißt schon “verallgemeinerbar”? Ausnahmen gibt es immer.

        “Ich meine nur, dass sie nicht naiv tun sollen, weil sie wissen können, dass diese Klamotten bei Männern etwas auslösen.”

        Sie wissen es, aber sie können es sich schwer vorstellen, wie stark sowas auf Männer wirkt, weil sie selbst kaum von Männer sexuell erregt werden.

        “Deshalb sehe ich sie da auch in der Verantwortung.”

        Da möchte ich Dir widersprechen. Du hast die Verantwortung, Deine Triebe in den Griff zu bekommen, niemand sonst. Oder würdest Du mir die Verantwortung absprechen, wenn ich wildfremden Männen in den Schritt fasse, weil die nun mal so scharf aussehen?

      • suwasu says:

        Ja, ich muss meinen Trieb beherrschen. Ich verantworte es aber, wenn ich Deinen Trieb provoziere durch erotische Signale. Weil ich wissen kann, dass es solche Reaktionen gibt.

      • Adrian says:

        “Ich verantworte es aber, wenn ich Deinen Trieb provoziere durch erotische Signale. Weil ich wissen kann, dass es solche Reaktionen gibt.

        Ich würde Dich und alle Männer dennoch darum bitten, Euch weiterhin so sexuelle attraktiv wie möglich zu kleiden. Mich stört es nicht, mich stört auch erotische Anziehung nicht, ich liebe es 🙂

      • Adrian says:

        “Doch worauf stützt sie sich oder anders gefragt: Welche Indizien sprechen für diese Meinung? ”

        Nimm Pick Up. PU ist im wesentlichen ein Konzept, das nur darauf beruht, was Männer alles tun müssen, damit Frauen überhaupt auf sie aufmerksam werden.
        Frauen benötigen kein PU. Warum? Weil Männer sich für von Natur aus für Frauen interessieren.

      • suwasu says:

        Das ist wohl wahr. Zumindest das Gros der Frauen. Wobei es auch die Einsamen und Unbeachteten gibt. Die könnten PU auch gebrauchen. Ich glaube, das Problem wird gerne übersehen. Und dann gibt es jene, die langsam älter werden. Mein Eindruck ist, dass diese dann durch offensive Bereitschaft Interesse zu erzeugen versuchen.

        Aber tendenziell ist es wohl so. Daraus kann man schon ableiten, dass Frauen nicht wirklich auf Männer stehen, so wie Männer auf Frauen stehen.

      • HansG says:

        Welche Indizien sprechen für diese Meinung?

        Wenn du damit mich gemeint hast:

        Wenn du beobachtest wie Frauen auf eine andere, neu hinzugekommene, hübsche Frau reagieren wird schnell klar, dass man es mit einer Konkurrenzsituation zu tun hat. Man kann böse Blicke beobachten. Die Köpfe werden zusammen gesteckt und es wird getuschellt. Es fallen Bemerkungen in der Art: »Kuck dir mal *die* an! Für wen hält die sich?«

        Wenn dann im weiteren Verlauf der Veranstalltung/Party die Frau entsprechende »Satteliten« einsammelt steigert sich die Abwertung: »So eine Schlampe. An jedem Finger zwei Kerle.« Dabei spielt es keine Rolle ob es sich wirklich um zehn oder nur um zwei Anhängsel handelt.

        Man merkt einfach hier und da den Neid der Frauen entgegen gebracht wird die augenscheinlich wählen können.

      • HansG says:

        Mich stört es nicht, mich stört auch erotische Anziehung nicht, ich liebe es 🙂

        Typisch Mann! 😀

        Eine Frau lebt für weibliche Komplimente, das ist das Höchste, weil die schwer zu bekommen sind.

        Der Gedanke ist eigentlich sogar zutiefst logisch. Empfinde ich ein Kompliment zu meinem Aussehen von einem Mann auch deutlich höherwertiger als eines von einer Frau.

      • suwasu says:

        Ich gebe zu, dass mir die Komplimente von Frauen da erheblich wichtiger sind. Heterosexuellen Männern spreche ich ab, dass sie das Aussehen eines Mannes fair beurteilen. Es ist leider oft so, dass Männer diesen Gedanken schon absurd finden. Sie bringen das mit “schwul” in Verbindung. Es wundern sich sogar einige, dass ich als Hobbyfotograf auch Männerakte mache. Ich glaube, Männer haben diesbezüglich kulturellen Nachholebedarf, was die Anerkennung von Schönheit angeht.

      • HansG says:

        Es ist leider oft so, dass Männer diesen Gedanken schon absurd finden. Sie bringen das mit “schwul” in Verbindung.

        Ich meine ja keine Komplimente zum geilen Knackarsch. Eher anerkennende Worte zur coolen Frissur oder der neuen hammer Hose.

      • suwasu says:

        Auch da wären mir persönlich Frauenkommentare wichtiger.
        Aber ich sehe den Unterschied. Und ich sehe auch die Relevanz. Modefragen können Männer natürlich gut beantworten und im Zweifel sogar auch besser als Frauen. Nicht, weil Männer Mode besser können, sondern weil sie Männergeschmack besser können.

      • Matze says:

        Hab gerade mal schnell das hier durchgelesen:

        http://geschlechterallerlei.wordpress.com/2014/04/10/335/comment-page-1/#comment-1248

        Aus dem Blogpost von breakpoint:

        “Es ist nicht üblich, sich zu schminken, was wieder einmal ein Indiz dafür ist, dass Frauen sich nicht für Männer (meiner Erfahrung nach mögen die meisten Männer – zumindest die Männer, mit denen ich zusammen war – geschminkte Frauen auch gar nicht so), sondern gegen andere Frauen schminken.”

        (sondern GEGEN andere Frauen, lol)
        und aus den Kommentaren:

        “Aber schau mal in einen Unihörsaal.
        Studienfach mit hohem Frauenanteil: fast alle geschminkt
        Mit niedrigem Frauenanteil: praktisch niemand geschminkt

        Wenn Frauen sich für Männer schminken würden, wäre das doch eher umgekehrt, oder?”

        Als Maschinenbau-Ing. kann ich das nicht bestätigen, da der Frauenanteil in Vorlesungen immer unter 10% lag. Es war zudem noch eine TU, eine Vorlesung mit mehr Frauen als Männer gab es, glaube ich, gar nicht (obwohl eine Gender Studies-Institut gab es auch). Mir fehlt also einfach der Vergleich. Aber das von breakpoint würde Adrains Aussage dann ja bestätigen.

      • suwasu says:

        Ich werde mal darauf achten. Gewiss kann man die Gründe fürs Schminken nicht immer so über einen Leisten schlagen. Aber immerhin, es ist eine interessante These, die was für sich hat.

      • nomadenseele says:

        Frauen kleiden sich, um Aufmerksamkeit bei Frauen zu erregen. Mode ist ihre Form des Wettbewerbs. Eine Frau lebt für weibliche Komplimente, das ist das Höchste, weil die schwer zu bekommen sind.

        – Das ist ein Mythos, der nicht dadurch richtiger wird, dass man ihn ständig wiederholt. Mein Ansehen bei Frauen ist mir weitestgehend egal.

      • nomadenseele says:

        “Aber schau mal in einen Unihörsaal.
        Studienfach mit hohem Frauenanteil: fast alle geschminkt
        Mit niedrigem Frauenanteil: praktisch niemand geschminkt

        Wenn Frauen sich für Männer schminken würden, wäre das doch eher umgekehrt, oder?”

        Das dürfte ganz einfach daran liegen, dass unterschiedliche Studienfächer unterschiedliche Typen von Frauen (und natürlich auch Männern) anziehen.

  2. tom174 says:

    Ich mag das ja. Ich habe keinen Schmerz damit. Im Gegenteil. Ich habs da mit Barney Stinson und trauere im Herbst den Sommerkleidern nach. Wer Dinge aber ins Schaufenster stellt, sollte sich nicht darüber ärgern, dass sich Leute das auch anschauen. Das gilt für Männlein wie Weiblein.

    • suwasu says:

      Spätestens im Seminarraum im Sommersemester finde ich das nicht mehr lustig. Vielleicht bin ich in diesem Punkt auch einfach nur konservativ. Aber dort stören mich diese Dinge.

      • tom174 says:

        kommt halt immer drauf an, die grenzen sind da fliessend. Aber gegen ein bisschen dekoltee und einen kurzen rock habe ich nix einzuwenden. Aber es gibt da dann auch dinge, die einfach nicht angemessen sind. Hängt immer etwas von der situation ab…

      • suwasu says:

        Gut, mein Text ist ein wenig unlocker und ziemlich auf “Awareness” gepolt. Ein bisschen auch mit Absicht. Awareness wäre nötig jenen gegenüber, denen das sexuelle Begehren eine Last ist, z.B. weil sie es schwer haben, einen Partner zu finden. Und in einem Seminarraum stört es die Konzentration. Mitunter wäre es überhaupt besser, dass sich das Geschlecht des Gegenübers nicht zu stark aufdrängt bzw. dass die sexuelle Seite dessen ausgeblendet wird. Gerade in professionellen Zusammenhängen.

        Aber weil ich ja gerade mit “Awareness” ein wenig Selbstironie betrieben habe: Letztlich will ich gar nicht, dass da irgendjemand eingreift. Mir wäre es lieber, wenn die Damen einfach zu den Konsequenzen ihres Handelns stünden, anstatt Männer dafür runterzumachen, dass sie dann halt auch gucken, wenn es was zu gucken gibt.

    • HansG says:

      Warum den auch nicht? Der Genußmensch steckt in uns allen. Hier bei uns gibt es einen Spruch: Von einem schönen Teller isst keiner alleine.

      Damit ist weniger gemeint, dass schöne Menschen per se untreu wären. Der Gedanke ist einfach. dass das Interesse deutlich größer ist als bei einem »angeschlagenen Stück Porzellan«.

  3. ” Frauen kleiden sich, um Aufmerksamkeit bei Frauen zu erregen. Mode ist ihre Form des Wettbewerbs. Eine Frau lebt für weibliche Komplimente, das ist das Höchste, weil die schwer zu bekommen sind. ”

    Ich stimme Adrian voll zu. Seine Idee erklärt, warum Frauen keinen Widerspruch darin sehen, sich bei Männer über ihr sexuelles Interesse zu beschweren: Ihrer Ansicht nach kommunizieren sie via Kleidung mit Frauen – Männer sind nicht gemeint, sie sind die falschen Adressaten.

    • suwasu says:

      Den Schluss hatte ich auch gezogen, dass aus Frauensicht dann die Reaktion der Männer eine Kommunikationspanne ist – der Männer. Denn diese fühlen sich angesprochen, obwohl sie gar nicht adressiert worden sind. Was wollen die jetzt? Verwirrung und Ärger bei den Damen, wie es auch Verwirrung und Ärger bei jedem geben würde, der eine Person A anspricht, aber von B ungebten eine Antwort erhält.

      Wie es wohl wäre, wenn Frauen sich gegenseitig und ohne vorheriges Kennen sich bekomplimentieren würden für ihre Figur? “hey, geiler Ar…” 😉 Spannendes Experiment, sollte man mal durchführen.

  4. Aurelie says:

    Manchmal glaube ich, dass Frauen Männer dafür verachten, dass sie so “triebgesteuert” sind.

    Beobachte ich auch. Finde ich ebenfalls nicht gut. Genauso wie die ständige Betonung, Frauenkörper seien schöner als Männerkörper. (Kann ich als Heterofrau für mich nicht bestätigen.)

    Ich wünschte mir schon Orte, die entsexualisiert sind, etwa der Arbeitsplatz, der Nahverkehr, die Öffentlichkeit ganz allgemein.

    Es gibt da diese Länder … mit so einer Religion … ziemlich unbedeutend … ach, Mensch … wie heißen diese Länder? Ach ja: Arabische Länder 🙂

    In deiner gesamten Argument setzt du einen gewissen Punkt voraus: Der Trieb, so wie wir ihn kennen, ist gottgegeben. Jeder hat ihn. Sich zu wehren erfordert Willenskraft.
    Gehen wir mal ein paar hundert Jahre zurück als das Zeigen von Fußfesseln oder Armgelenken bereits als erotischer Affront galt. Oder wechseln wir mal zu einigen indigenen Völkern nach Afrika, bei denen Frauen ausschließlich nackt sind und sich daran niemand stört oder dieses Verhalten als sexuelle Provokation wertet.
    Das, was wir als sexuell provokant wahrnehmen, ist zu nicht unbedeutenden Teilen auch kulturell determiniert.

    Wo ziehst du denn die Grenze? Was ist okay, was ist nicht okay? Welche Reaktionen auf welche Kleidungsstücke sind erlaubt und welche nicht? Ab welcher Rocklänge darf man pfeifen und ab welcher Länge darf man ungeniert nach der Telefonnummer fragen? Hängt das nicht vom Individuum ab? Ein Freund von mir dreht fast durch vor Geilheit, wenn er rot lackierte Nägel sieht. Sollten sich Frauen in seinem Umfeld deshalb keine roten Nägel mehr lackieren? Um ihn nicht zu provozieren und den Freundeskreis nicht zu sehr sexuell aufzuladen?
    Den einen Vorgesetzten lässt ein enges T-Shirt völlig kalt, der andere Vorgsetzte kann sich bei diesem Anblick kaum konzentrieren. Ist es dann meine Aufgabe als Angestellte, all diese “Risikofaktoren” abzuklopfen, um bloß nicht als “sexualisierend” rüberzukommen?
    Wie ist es in der Sauna, wo alle nackt sind und quasi der komplette Bereich sexualisiert ist? Ist es dort dann okay, einem Mann/einer Frau permanent zwischen die Beine zu starren? Schließlich hätte er/sie ja ein Handtuch über sein/ihr Geschlecht legen können. Darf ich dem Typ mit dem geilen Arsch denn wenigstens hinterher pfeifen?

    Fragen über Fragen …

    • suwasu says:

      OK. Ich räume ein, dass die Grenzziehung sicherlich schwierig ist. Ich bin auch nicht für Restriktion. Ich würde nicht wirklich wollen, dass es hierfür irgendwelche Bestimmungen geben sollte. Unsere Kultur sollte frei bleiben, auch was die Kleidung angeht. Ein Dekolleté sollte kein Stein des Anstoßes sein.

      Wichtig wäre mir eher ein Aufgeben gewisser weiblicher Doppelmoral: Das sich Empören, wenn ein erotisches Signal beantwortet wird. Ja, nicht jede Antwort ist wirklich toll. Wobei es auch hier Unterschiede gibt, was als Antwort toll oder belästigend empfunden wird.

      Zentral ist für freilich, dass frau ein wenig bewusster damit umgeht, anstatt in die bequeme Männerverurteilung zu flüchten, wenn der Falsche reagiert.

      Allerdings haben hier einige Kommentatoren ja die Meinung vertreten, dass nicht Männer, sondern Frauen adressiert werden mit der sexy Kleidung. Dann gibt es wirklich ein permanentes Missverständnis.

      Fragen über Fragen. Ja. Eine “offene Flanke” ist eine Schwachstelle. Definitive Antworten überlasse ich der Kirche. Hier darf man eben auch Unfertiges erwarten 😉

      • Aurelie says:

        Unsere Kultur sollte frei bleiben, auch was die Kleidung angeht.

        Guter Punkt! Wie jede andere Art von Freiheit, hat auch diese Freiheit ihren Preis.

        … wenn ein erotisches Signal beantwortet wird.

        Welche Art von “Antwort” meinst du denn? Hinschauen, pfeifen, ansprechen?

        Allerdings haben hier einige Kommentatoren ja die Meinung vertreten, dass nicht Männer, sondern Frauen adressiert werden mit der sexy Kleidung.

        Ja, die haben vielleicht ein bisschen zu viel in evolutionsbiologischen Gefilden gesurft 🙂 Intrasexuelle Konkurrenz unter Frauen und so. Mode, Schminke und jegliche Art äußerlicher Modifikation erfüllen ganz unterschiedliche Aufgaben. Eine Kompononte davon ist natürlich, für den Partner (oder potenzielle Partner) attraktiv zu sein. Ich denke, dass die Nachwehen des Feminismus (v.a. in Deutschland) noch nicht ganz verarbeitet sind. Einerseits gibt es das äußerliche (fast schon aggressive) Diktat von Schönheit, andererseits möchten Frauen nicht nur aufgrund dessen wahrgenommen werden (z.B. im Beruf). In vielen Frauen herrscht so eine Art Lücke, was das angeht. Orientierungslosigkeit vielleicht. (Hört man umgekehrt ja auch von Männern … Macho, Weichei, Hausmann, Alleinverdiener … was ist denn bitte nun richtig?)
        Diese Orientierungslosigkeit zeigt sich u.a. darin, dass frau nicht mehr weiß, wie sie auf ein Kompliment reagiert, und man(n) nicht mehr weiß, wie und ob man Komplimente macht. Diese Lücke zu füllen und neue (vielfältigere) Bilder vom Mann- und Frausein zu entwickeln, ist wohl die größte Herausforderung, die der Feminismus hinterlassen hat. Daran zu arbeiten finde ich trotzdem spannend 🙂 Deshalb auch die Frage: Was definierst du persönlich denn als sexy oder fraulich oder übertrieben zurecht gemacht?

      • suwasu says:

        “Diese Orientierungslosigkeit zeigt sich u.a. darin, dass frau nicht mehr weiß, wie sie auf ein Kompliment reagiert, und man(n) nicht mehr weiß, wie und ob man Komplimente macht. Diese Lücke zu füllen und neue (vielfältigere) Bilder vom Mann- und Frausein zu entwickeln, ist wohl die größte Herausforderung, die der Feminismus hinterlassen hat. Daran zu arbeiten finde ich trotzdem spannend :-)”

        Das würde ich voll und ganz unterschreiben und ebenso auch den liberalen Hintergedanken daran: dass man das erst einmal aushalten muss und dass man neue Wege finden muss, damit positiv umzugehen und dass man es nicht zum Skandal machen sollte. So interpretiere ich Dich jetzt.

        “Deshalb auch die Frage: Was definierst du persönlich denn als sexy oder fraulich oder übertrieben zurecht gemacht?”

        Ich selber ganz persönlich reagiere auf zwei Signale: auf das Dekolleté und auf die hautengen “Hosen” (wie heißen die Dinger wirklich: Leggins?). Gerade letztere stechen mir ungemein ins Auge – sagt vielleicht mehr über meinen Geschmack aus als über alles andere. Für mich sind das jedenfalls Signale oder Erscheinungsformen, die in mir Spannung auslösen oder wenigstens die Gedanken in Richtung Erotik ziehen. Und in der Tat möchte ich nicht immer an dergleichen denken. Was zunächst mein ganz persönliches Problem ist. Es muss anderen ja nicht so gehen.

        Ein etwas weniger starkes Hervorheben gewisser Rundungen wäre mir dann manchmal lieber.

        Damenhafte Eleganz dagegen finde ich gut. Sogar Hosenanzüge oder Kostüm. Die finde ich sogar bei vielen Frauen ungemein feminin, wahrscheinlich schon wegen der Taillierung der Jacke. Aber das ist nur ein Beispiel. Ich bin – vermutlich modisch etwas konservativ – auch ein Freund von Kleidern. Die wirken weiblich, betonen gewisse weibliche Eigenschaften (Taille, Becken), schaffen aber auch noch Geheimnis. Vielleicht ist die Körperbetonung da etwas abstrakter und nicht so vordergründig wie bei den Leggins.

      • petpanther says:

        @Aurelie

        “Unsere Kultur sollte frei bleiben, auch was die Kleidung angeht.

        Guter Punkt! Wie jede andere Art von Freiheit, hat auch diese Freiheit ihren Preis.

        … wenn ein erotisches Signal beantwortet wird.”

        Genau.

        Es m.E. hat etwas mit Ehrlichkeit zu tun.

        Frauen, die sich bewusst erotisierend kleiden wissen, dass das Männer anspricht. Es stärkt so ihr Selbstbewusstsein. Und das ist auch ok, da das vermögen auf Männer anziehend zu wirken ein wohl doch nicht unwesentlicher Teil ihrer Identität ist. Sie benutzen und objektifizieren damit aber auch die männliche Sexualität und Männer. Und sie setzen es als manipulatives Instrument zur ihrem Vorteil auf allen Ebenen ein. Diese wesentliche Komponente bleibt immer außen vor und wird geflissentlich geleugnet, als ginge es um Leben und Tod. Auf diese Weise sexualisieren sie und benutzen Männer. Das reicht vom öffentlichen Umfeld, übers Berufsumfeld bis hinein in die Pornoindustrie.

        Leugnung ist aber auch bei anderen “Dingen” sehr stark vertreten, und diese scheinheilige Doppelmoral fängt an mehr und mehr an ein spürbares Odeur zu entwickeln. Diese Art weiblichen Verhaltens bedingt u.a. auch ihre gegenwärtige soziale Stärke, da Männer sich dagegen nicht wirklich abgrenzen, sondern sich gegenseitig noch gern hintertreiben um … jeder weiß eigentlich warum.

        Bisher haben es die Frauen geschafft, sich immer als Objektifizierungsopfer hinzustellen. Das sind sie nicht. Und jeder der das ehrlich anschaut, weiß das auch. Ein großes gesellschaftliches Tabu.

        Soll man daraus den Schluss ziehen, wie es in der moslimischen Welt üblich ist? Möchte ich eigentlich nicht. Nur ein ehrlicherer Umgang damit, auch von weiblicher Seite her wäre schon wünschenswert. Das wäre dann für alle entspannter, freier und nicht so diskognitiv unehrlich politisch korrekt.

      • suwasu says:

        “Sie benutzen und objektifizieren damit aber auch die männliche Sexualität und Männer”

        Stimmt. In dem Moment, wo ich bloß der Spiegel für ihre Attraktivität bin und ich sonst der Dame egal bin, bin ich für sie ein Objekt. Das ist in der Tat nicht so der Skandal. Anstrengend ist es halt nur, dass das nicht ehrlich eingestanden wird. Genau diese Doppelmoral ist wirklich ärgerlich. An sich wird man es kaum vermeiden können, dass hier und da jemand eher zum Objekt gemacht wird.

        Im Übrigen scheint das ein viktorianisches Erbe zu sein. Frauen nutzen das althergebrachte Bild der Frau als Tugendhafte. Sie sind selbst dann noch unschuldig, wenn sie fast alles zeigen. Seltsamerweise klappt dieses Spiel in unserer Kultur. Ob dieses Bild zu tief in unseren Köpfen steckt?

      • Aurelie says:

        @Petpanther

        Frauen, die sich bewusst erotisierend kleiden wissen, dass das Männer anspricht.

        An der Stelle frage ich wieder: Was ist “erotisierend”? Wer bestimmt darüber und wo liegen die Grenzen? Suwasu fühlt sich durch Leggings “bedrängt”, der nächste Mann durch einen Rock und jemand ganz anderem ist beides egal! Mir wird teilweise in meinen hässlichsten Jogging-Klamotten, mit ungemachten Haaren und ungeschminkten Gesicht hinterher gepfiffen. Was soll ich denn tun, um nicht als “erotisierend” wahrgenommen zu werden? Wie soll ich mich verhalten, um nicht objektifiziert zu werden? Gib mal ganz konkrete Handlungs- und Kleidungsanweisungen.
        Außerdem kannst du nie wissen, an wen “erotisierende Kleidung” adressiert ist. Ja, vielleicht will die Single-Frau jemanden kennenlernen. Vielleicht ist sie aber auch verheiratet und trifft sich gleich mit ihrem Mann zu einem schönen Abendessen.

        Und sie setzen es als manipulatives Instrument zur ihrem Vorteil auf allen Ebenen ein. Diese wesentliche Komponente bleibt immer außen vor und wird geflissentlich geleugnet, als ginge es um Leben und Tod.

        Weißt du, wie man im geschäftlichen Bereich mit Frauen umgeht, die sich betont weiblich kleiden? Richtig, man belächelt sie. Vielleicht genießen sie im ersten Moment einige Vorteile, das bestreite ich nicht: man hört ihnen zu, lächelt sie an, ist gerne in ihrer Gegenwart. Wenn es dann um die wirklich wichtigen Themen geht, wird (so meine Erfahrung) über sie hinweg gesehen. Weil viele Männer genau denselben Denkfehler wie du machen: Wer einen Rock anzieht, will manipulieren und männlich gepolte Aufmerksamkeit zum eigenen Vorteil nutzen. Mit solchen Frauen verhandelt man deshalb nicht. Wenn du als Frau als potenzielle Sexpartnerin identifiziert wurdest, dann bist du vor allem eins: Raus aus der Kompetenz-Schiene!
        Gegenteiliges Verhalten, bzw. stark männlich angelehnte Kleidung, führt dann zu “Kampflesben”-Vorwürfen und dem gerne geäußerten Satz “die Frauen von heute sind auch keine richtigen [sic!] Frauen mehr”.
        Ein Kampf gegen Windmühlen. (Nein, das ist kein Mimimi. Soll nur ein bisschen an der Doppelmoral kratzen.)

      • suwasu says:

        Diese Frauenbilder gibt es und sie sind auch eine Falle. Keine Frage. Wobei ich, ehrlich gesagt, mit vielen kompetenten Frauen zusammenarbeite und die tragen weder Rock noch Kombi, sondern einfach Jeans usw. Auch wieder eine Wahrnehmungsfrage. Grundsätzlich aber denke ich, stimmt es, die Gefahr ist da, dass beides falsch interpretiert wird.

        Aber nicht vergessen, es ging mir um wirklich knall-haut-enge Leggins, die den Körper ganz massiv betonen. Das ist schon ein klitzekleiner Unterschied zu einfach nur “Leggins”. Und ich meine damit nicht einfach nur “Bein”, sondern mehr. Wenn das kein erotisches Signal ist, was dann? Also in unserer Kultur könnte man es schon als eines interpretieren.

        Ein bisschen geht diese Argumentation mit unterschiedlichen Reizen je Kultur und Person auch fehl. Ich möchte schon behaupten, dass es gewisse Schlüsselreize gibt, die generell als erotisch empfunden werden. Kulturell mag man unterschiedlich mit dieser Körperpartie umgehen. Daran hängt dann auch, was wir als außergewöhnliche Enthüllung ansehen. Aber letztlich gibt es diese Reize und sie wirken und können deshalb auch eingesetzt werden. Und ein tiefes Dekolleté ist in der Regel ein erotischer Reiz für viele Männer und viele Frauen wissen, dass Männer dann neugierig werden und schauen. Das kann man nun wahrlich all den nicht immer freundlichen Witzeleien entnehmen, die etwa so gehen: “Ich habe auch Augen, Du Arsch” (T-Shirt-Aufdruck). Es gibt diesbezüglich jede Menge Kommentare zu Blicken auf den Busen usw. Daher scheint es mir falsch zu sein, das überzudifferenzieren und damit letztlich als quasi inexistent zu behaupten. Auch lohnt ein Blick in einen Dessous-Laden, um herauszufinden, was eine relevante Gruppe als erotische Signale ansieht. Mag sein, dass das kulturabhängig ist. Aber es ist zumindest in unseren Breiten schon so, dass man es als “typisch”, weil häufig ansehen kann.

      • petpanther says:

        @Aurelie

        “Frauen, die sich bewusst erotisierend kleiden wissen, dass das Männer anspricht.

        An der Stelle frage ich wieder: Was ist “erotisierend”? Wer bestimmt darüber und wo liegen die Grenzen?”

        In dem Moment wo etwas Privates sehr Persönliches von außen ungewünscht berührt – auch im Sinne von verbal oder optisch – wird und das Gegenüber weiß, dass es so ist und es auch so gewollt (obwohl unerwünscht) ist, liegt eine gewollte Grenzverletzung vor. Es so ist ein Vorführen, eine Machtdemonstration, ein soziales Erniedrigen. Frauen kennen das Gefühl, wenn Männer das mit ihnen auf ihre Art machen und beschweren sich darüber dann wohl auch zurecht. Aber sie sind sich selten bewusst wie ebenfalls heftig sie an dieser Stelle auf ihre Art sein können. Beides löst dann eine legitime Abgrenzreaktion des oder der Betroffenen aus.

        Die angesprochene Grenze hat wohl auch etwas damit zu tun, wie diese Situation vom Umfeld wahrgenommen wird. Aber nicht nur, dennoch in bedingter Weise bestimmt das die Toleranzgrenze mit, da es den sozialen “Platz” berührt.

        In unseren männlichen Platz – die entfernteren oder sozialen, aber auch den unmittelbaren, die persönliche 50cm Aura z.B. – wird seit einiger Zeit immer weiter von weiblicher Seite her eingedrungen. Zunächst steht man drüber, häuft es sich aber, nervt es, und dann stellt man Aggression fest, die normalerweise ein emotionaler (Schutz-) Handlungsanreizmechanismus von Menschen ist – eben zur Abwehr von Grenzverletzungen. Das ist eigentlich eine gesunde normale Abgrenzungsreaktion, bei Männern wie bei Frauen.

        Es kommt dabei auf wohl immer auf das Auftreten des Gegenübers an. Als wie offensiv und grenzeindringend – u.a. auch im Sinne von zunächst ungerichtet – es gemeint ist.

        Als Mann werde ich dann ja auch objektifiziert und ungewünscht persönlich benutzt. Wie soll ich mich verhalten, wenn das passiert? Da ist noch weniger Spielraum als für Frauen. Denn jeder Kommentar würde fälschlicher Weise als sexistisch wahrgenommen werden, da Frauen doch gern ihre Übergriffigkeiten wegleugnen und gern selbstbequem projezieren.

        “Was soll ich denn tun, um nicht als “erotisierend” wahrgenommen zu werden? Wie soll ich mich verhalten, um nicht objektifiziert zu werden”

        Dazu muss ich erst auch einmal feststellen, dass man mit Menschen, die man nicht kennt keine sonderliche Bindung hat. Da ist Distanz und schon in diesem Sinne eher eine “Objektbeziehung”. Deshalb gibt es wohl auch so etwas wie Höflichkeit/distanzierten Respekt im Umgang miteinander, um diese unweigerliche Form der Objektifizierung zu überbrücken.

        Dennoch. Zunächst, wann fühl ich mich nicht objektifiziert? Es liegt nur zum Teil an der Kleidung. Wichtig ist auch das Auftreten, der ganze Habitus dazu. Eine Frau die sich durchaus etwas erotisierend kleidet, aber nicht dismissive oder arrogant auftritt, wird jedenfalls von mir nicht so in diesem Sinne negativ empfunden. Dies gilt ganz besonders im Berufsumfeld. Hier ist mit erotisierend nicht das dann lächerlich wirkende gemeint, sondern schon auch der sexy Damen-Businesssuit etc.

        Verhalten, damit Du Dich nicht objektifizierst fühlst? Ich pfeife eigentlich nie Frauen nach. Vielleich sollte ich das einmal probieren 🙂 Dennoch beobachte ich das auch schon einmal hier und da. Meist ist es sogar nett neckisch gemeint und die Damen reagieren auch mit Humor. Eigentlich eine in diesem Sinne gute leichte Situation. Kann aber wohl auch nerven. Dann gibt es auch die anderen. Nämlich die, die ich anfangs versucht habe zu beschreiben. Da ist dann spürbar, dass das nicht ganz so nett gemeint ist. Und die Grenzverletzung in diesem Sinne absichtlich erfolgt. Ist hier ein die Kleidung auschlaggebend. Wohl nur bedingt. Meist habe ich so etwas mitbekommen, wenn sich die Frau betont arrogant sexy gekleidet hat. Eine Provokation für manche und entsprechend die Reaktion. Meist aus sicherer Entfernung.

        “Ein Freund von mir dreht fast durch vor Geilheit, wenn er rot lackierte Nägel sieht. Sollten sich Frauen in seinem Umfeld deshalb keine roten Nägel mehr lackieren? Um ihn nicht zu provozieren und den Freundeskreis nicht zu sehr sexuell aufzuladen?
        Den einen Vorgesetzten lässt ein enges T-Shirt völlig kalt, der andere Vorgsetzte kann sich bei diesem Anblick kaum konzentrieren. Ist es dann meine Aufgabe als Angestellte, all diese “Risikofaktoren” abzuklopfen, um bloß nicht als “sexualisierend” rüberzukommen?”

        Sehr stark hervortretende rote Fingernägel würde ich mir in einem Corporate Environment gut überlegen. Wirkt sehr aggressiv in einer dazu unangebrachten Situation, in der es auf nicht-Aggression und Sachlichkeit, vielleicht noch in sich ruhende beitragende Stärke, ankommt (daher auch bei Männern die entsprechende Garderobe). Bei der anderen Situation, na ja, wenn gefällt. Ist aber auch da eine Message, für die Du dann auch einstehen musst. Kannst eigentlich nicht immer von anderen verlangen wie sie Dich zu interpretieren haben. Denn auch das ist übergriffig.

        “Wie ist es in der Sauna, wo alle nackt sind und quasi der komplette Bereich sexualisiert ist?”

        Genau hier nicht. Asexuell. Komisch nicht?

        “Ist es dort dann okay, einem Mann/einer Frau permanent zwischen die Beine zu starren? Schließlich hätte er/sie ja ein Handtuch über sein/ihr Geschlecht legen können.”
        Genau, ist nicht ok. Und man/frau sollte es wohl nicht jedem geradezu ins Gesicht reibend/steckend präsentieren. Wieder kommt es auf die Haltung zum Gegenüber an. So etwas nennt man wohl auch Achtung, Respekt und Höflichkeit im Umgang miteinander. Zumindest früher einmal in meiner Umgebung.

        “Darf ich dem Typ mit dem geilen Arsch denn wenigstens hinterher pfeifen?”
        Ja. Fänd’ ich auch mal ganz gut. (Aber auch nur im obigen Sinne)

        Meine 5 Cents.

    • petpanther says:

      Es wird ja dann anstrengend, wenn Männer damit verunglimpft und als Geschlecht an sich dämonisiert werden.

      Vielleicht in dem Sinne auch ein “viktoriansiches Erbe”. Passt ganz gut. Und m.E. steckt das nicht nur tief in den Köpfen, sondern da wird eine ansonsten positive Instinktdisposition missbraucht, die uns allen sozial nicht gut tut.

      Der ganze Feminismus nutzt bzw. missbraucht dies ja. Es verändert sich ganz und gar nicht in Richtung Freiheit, sondern spießt diese geradezu PC-mäßig in Richtung Viktorianisches auf. Ich hab mal ein Video von einer den männerrechtlern nahestehenden YouTube Nutzerin Razorbladekandy2 im Word-to-Text Format gesehen, wo sie argumentiert, dass so die Geschlechtsverhältnisse im moslemischen Kulturraum entstanden sind. Das Ironische dabei ist (falls dies denn so stimmen sollte), dass es offenbar die Frauen selbst waren, die dies ähnlich wie beim Feminismus, fabriziert hatten.

      (Man sollte nicht unbedingt Zäune niederreißen, bevor man gecheckt hat warum die da waren:)

    • Graublau says:

      Ich hatte bei Erzählmirnix einmal geschildert, warum es für mich so ein entspannter Abend war:

      “Als ich neulich in einem Club war, liefen die Damen durch die Bank (99%) hochgeschlossen herum, sehr hübsche, aber nicht aufreizende Kleidung, alles wirkte gepflegt, man hätte die auch so direkt ins Museum oder eine Kunstausstellung mitnehmen können. Und das ist die Frauenwelt Anfang 20… herrlich. (Es war schon der spezielle Laden, der eben sein etwas unprolliges Publikum hat, in derselben Stadt gibt es auch die üblichen Schuppen… aber trotzdem ein tolles Erlebnis.)”

      Für einen Punkt kann ich es also definitiv bejahen: Ein tief ausgeschnittenes Oberteil ist ein Blickfang.

      Eine genaue Grenze für alles zu ziehen halte ich für sehr schwierig. Das ist allerdings auch nicht notwendig, um festzustellen, dass es in einigen Situationen einfach zuviel des Guten ist. Das bedeutet keineswegs, dass sich dieses Problem in jedem Kontext zweifelsfrei lösen läßt. Es wäre glaube ich schon viel gewonnen, die Extremsituationen zu vermeiden (bzw. aus Männersicht ansprechen zu können).

      Eines sehe ich aber gleichzeitig: Es muss aus Frauensicht schwierig sein, auf eine Forderung wie “nicht zu erotisierend anziehen” angemessen zu reagieren, wenn selbst “normale Alltagskleidung” Reaktionen bei Männern auslöst. (Schiefer Vergleich: Wenn sich eine Frau von mir bedroht fühlt, nur weil ich ein paar Zentimeter größer bin als sie, kann ich auch fast nichts mehr machen, damit sie sich nicht bedroht fühlt, und extra für sie dann die Straßenseite zu wechseln, halte ich für übertrieben.)

      Interessanterweise finde ich Sauna unerotisch. Natürlich kann ich nackte attraktive Frauenkörper nicht völlig ignorieren, aber ihr Anblick in diesem Kontext löst bei mir keine “Geilheit” aus (was ich als sehr angenehm empfinde). Ich würde es am ehesten mit dem Anblick von nackten Körpern auf Gemälden und Statuen vergleichen: Die kann ich auch nicht einfach ignorieren, aber ich werde dadurch nicht heiß, sondern bin erfreut über diese Schönheit.

  5. Graublau says:

    Klingt ein wenig wie das Thema, das im Dezember bei Alles Evolution angesprochen und diskutiert wurde (ausgelöst vom Kiezneurotiker). Oder bei Erzählmirnix vergangenen September. 😉

  6. Also ich will hier mal anmerken, daß Vergewaltigung nicht durch erotische Reize ausgelöst wird und auch nur sekundär etwas mit Sexualität zu tun hat. Laut Studien treffen Vergewaltigungen ganz normal bekleidete Frauen, da gibt es keine Signifikanz hinsichtlich erotischen Outfits.

    Vergewaltiger wurden in der Kindheit von ihren Müttern sexuell mißbraucht. Ihre verdrängte Ohnmacht können sie als Erwachsene weiter in Verdrängung halten, wenn sie anderen ihr Leid zufügen. Unsere Gesellschaft stellt sich leider immer noch zwanghaft dumm bei diesem Thema. Vergewaltigung ist in erster Linie Machtausübung und Demütigung. Sie stabilisiert den Vergewaltiger, weil er sein inneres Leid anderen zufügen kann. Viele Menschen wollen es sich leider nicht emotional vorstellen, wie es ist, wenn ein unschuldiges Kind seine gesamte Kindheit über vergewaltigt und auch geschlagen oder anderweitig erniedrigt wird. Mit dieser Sprengladung läuft dann solch ein Erwachsener herum.

    Ich persönlich habe nicht den geringsten Impuls, eine erotisch gekleidete Frau anzugrapschen. Ich freue mich einfach darüber und schaue offensiv oder lächle. Und das müssen Frauen tatsächlich auch aushalten. Die meisten Frauen werden sich auch über so viel männliche Aufmerksamkeit und stille Komplimente freuen.

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