Zahlenspiele um weibliche und männliche Mordopfer

SPON wartet mit interessanten Zahlen auf, nämlich zu Mordopfern. Arne hatte auf diesen Artikel hingewiesen und ironisch kommentiert, dass SPON trotz der weitaus höheren männlichen Opferzahl die Gewalt gegen Frauen wieder zum Extra-Thema gemacht worden ist. Und hier ist dann der Teil, der Stein seines Anstoßes war:

Für Frauen ist ihr Zuhause ein gefährlicher Ort

Während männliche Mordopfer meistens von jemandem umgebracht werden, den sie nicht oder nicht so gut kennen, fallen Frauen meistens jemandem aus ihrem näheren Umfeld zum Opfer. Fast die Hälfte der Fälle, die von ihrem Lebenspartner oder einem Familienmitglied umgebracht wurden, waren Frauen.

Die Rhetorik ist spannend. Der erste Eindruck sagt: Den Frauen geht es schlimmer zu Hause als den Männern. Auf dem zweiten Blick war ich irritiert: “Fast die Hälfte der Fälle, die von ihrem Lebenspartner oder einem Familienmitglied umgebracht wurden, waren Frauen.” Was heißt das? Wer sind dann die anderen 50 Prozent plus x? Eine Möglichkeit: Es werden da noch Kinder eingerechnet. Oder entferntere Verwandte. Dann würde die Zahl dafür sprechen, dass Frauen eher auffällig häufig zu Hause ermordet werden würden. Aber wenn die anderen “Fälle” nun doch Männer waren? War dann das Zuhause für diese Männer nicht noch gefährlicher als für Frauen? Die Implikationen solcher Auslegungen hat der SPON-Praktikant wohl nicht bedacht. ^^

Dieser Satz braucht Aufklärung. Wer hier Genaueres weiß, möge sich bitte melden. Wie hoch ist die Zahl männlicher Mordopfer, die durch Familienmitglieder oder Partner starben? Der erste Satz der zitierten Passage ist ja recht suggestiv. Da dermaßen viele Männer außerhalb von zu Hause ermordet werden, fällt der prozentuale Anteil der häuslichen Mordopfer an der Gesamtmenge nicht so hoch aus. Daraus zu schließen, dass dann das Heim für Männer weniger gefährlich ist, ist irgendwie schief. Da stimmt die Vergleichsebene nicht (ja ja, echte Argumente bringt mein müder Kopf heute nicht mehr. Ich mache diesen post mehr als Notizzettel für später).

Auch ist die Satzbildung allerliebst: Anstatt Menschen werden zu Hause also “Fälle” umgebracht und zwar von ihren Familienangehörigen. ;D

Die wesentliche Zahl findet sich ohnehin am Anfang des Artikels:

Die Auswertung zeigt, dass Männer deutlich häufiger umgebracht werden als Frauen. Rund 80 Prozent der insgesamt 437.000 Opfer von Mord und Totschlag waren männlich.

Anmerkung 11. April: In dem SPON-Artikel findet sich gar keine Angabe zu ermordeten Kindern. Das ist auch merkwürdig. Fallen diese Fälle nicht ins Gewicht, weil die Zahlen so niedrig sind, dass sie mit Prozentwerten nicht mehr zu erfassen sind? Auch das wäre eine interessante Zahl, um den Sinn des oben zitierten Satzes zu erhellen, sprich: die Frage zu beantworten, wer dann “mehr als die Hälfte” der häuslichen Opfer eigentlich sind.

Im Übrigen glaube ich, dass der SPON-Artikel tatsächlich eher von einem Praktikanten zusammengeschustert wurde. Wirklich recherchiert hat der Autor jedenfalls nicht. Es gibt keinen link zur Studie. Und es gibt diesen O-Ton eines Vertreters der für die Studie verantwortlichen UNO-Büros:

Jede zweite europäische Frau, die 2012 ermordet wurde, fiel einem Bekannten aus ihrem nähren Umkreis zum Opfer. “Das Zuhause kann für eine Frau der gefährlichste Ort sein”, sagte Jean-Luc Lemahieu vom in Wien ansässigen Uno-Büro für Drogen- und Verbrechensbekämpfung.

Diese Deutung hat der SPON-Autor ja unhinterfragt übernommen. Vermutlich hat er letztlich alles übernommen, also eine Pressemitteilung zur Studie abgeschrieben. Was natürlich jede mühsame Recherche erspart. Die seltsame Tendenz des Artikels stammt dann nicht aus dem – ausgeschalteten – Hirn des SPON-Autoren, sondern aus der Feder der UN-Vertreter. SPON ist da also nur der Durchlauferhitzer.

Nach wie vor finde ich den Vergleich seltsam. Jede zweite Frau wurde also zu Hause ermordet. Das macht laut der Logik des Artikels eine Ermordungswahrscheinlichkeit von 50 Prozent. Wenn frau ermordet wird, dann mit 50prozentiger Wahrscheinlichkeit zu Hause. Was für ein Skandal. Denn die “Benachteiligung” zeige sich ja sogleich im erschreckenden Maße, weil nur ein sehr viel geringerer Prozentanteil männlicher Mordopfer zu Hause getötet wird. Das erscheint mir wie eine grobe Verzerrung. Der Bezug auf die Gesamtmenge Mordopfer ist falsch. Vielleicht wären die absoluten Zahlen eine bessere Vergleichsebene: Wieviele Frauen und wieviele Männer werden im Familienumfeld umgebracht?

Die Lesart des UN-Menschen (oben zitiert) ist auch skandalisierend. Sie ließe sich nämlich auch umdrehen: Die Öffentlichkeit ist für Frauen KEIN so gefährlicher Ort! Aber positive Nachrichten sind in den Medien nicht gerade beliebt. Gut möglich, dass man hier wiederum mit Absicht eine eigentlich eher positiv lesbare Tatsache zu einer negativen umgewertet hat, um Schlagzeile zu machen.

Advertisements
This entry was posted in Uncategorized. Bookmark the permalink.

5 Responses to Zahlenspiele um weibliche und männliche Mordopfer

  1. DarkynanMP says:

    Den Rest, der nur noch aus Männern und Kindern beiderlei Geschlechts bestehen kann, kann man anhand der Opferstatistik abschätzen, aus der auch hervorgeht, daß 5 von 6 getöteten Kindern von Frauen/Müttern umgebracht worden sind.

  2. Matze says:

    Natürlich kann bei SPON Artikel nicht kommentiert werden. Wahrscheinlich bewusst zu viele Falschdarstellungen drin. Ein Schelm, wer dabei denkt, dass die versuchen Meinungen zu beeinflussen.

    Wahrscheinlich sind Frauen erst sicher wenn sie auch nicht mehr bei Autounfällen streben und keine Selbstmorde mehr begehen.

    Vielleicht sollte man die Männer doch lieber alle wegsperren, in Arbeitslager oder so. Nachdem die Menschen sich gemeinsam in Millionen von Jahren an die Spitze der Nahrungskette gekämpft haben und kein Tier mehr fürchten müssen, sind heutzutage die Männer die mit Abstand größte Gefahrenquelle für Frauen. Und da Frauen ja anscheinend mehr Wert sind, müssen die auch beschützt werden.

    Ich muss gestehen, dass diese penetrante Manipulation mich ein bißchen sauer macht! Was denken die Leute die sowas schreiben eigentlich dabei? Haben die Spaß? Kriegen die kein schlechtes Gewissen? Bei eine Notlüge ist es vielleicht nicht so schlimm, aber bei sowas? Warum? Ist die Männer=Täta&Frauen=Opfa-Lobby so groß? Oder ist das Ideenlosigkeit?

  3. Pingback: Morgendliche Gedanken um Mordopfer, Gender & Co. « p e l z blog

  4. petpanther says:

    Das durchzieht mittlerweile alles. Vor allem die Medien, aber auch die gesamte Haltung, emotional wie rational, gegenüber Männern und vor allem auch Jungen.

    Und es wird heftiger.

    Es ist m.E. die Folge und Ausdruck von bewusst akzeptierter und unbewusst verankerter Misandrie. Dafür könnte man auch ein anderes Wort wählen, dass wir gern meiden.

    Wir wissen ja wer das schürt. Aber das beiseite. So etwas bleibt nicht ohne Folgen. Und es sind wohl keine guten.

  5. Mirco says:

    Es wird noch schlimmer werden. Die Frauenquote ist nur der Anfang! Frauen waren und sind wertvoller als Männer. Männlicher Wert bemisst sich alleine anhand ihrer Funktionalität gegenüber Frauen und in der technisierten Welt erlebt dieser Wert nunmal seine gallopierende Inflation.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s