Wie ich Feminismuskritiker wurde

Christian hat heute die Frage zum Thema, “Wie man zum Männerrechtler wird”.   Er zitiert einen Kommentar, der eine schrittweise Entwicklung weg von einer feministischen Grundeinstellung beschreibt. Vermutlich gilt das für viele aus meiner Generation, die in Zeiten des etablierten Feminismus geboren worden sind. Der Weg zum Männerrechtler ist gekennzeichnet durch die Emanzipation von einer Denkweise, die man einst für gültig hielt und heute stark hinterfragt. Das ist wahrscheinlich auch ein Grund, warum sich Männerrechtler oder Maskulisten (oder wie auch immer) stark mit dem Feminismus auseinandersetzen (wie es Robin Urban beklagt und womit sie die identitätsprägende Kraft des feministischen Umfeldes des Aufwachsens stark verkennt).

Soweit ich meinen Weg rekonstruieren kann, war er vielfältig und nicht linear. Ich bin mit dem Feminismus aufgewachsen. Ich hatte aber bereits als Junge meine Sorge damit, dass Männer anscheinend für alles Böse verantwortlich sind: Krieg, Verbrechen und was sonst noch von Übel war – immer hatte das was mit Männern zu tun. Das war ein unangenehmes Gefühl: Ich gehörte also einer gefährlichen Gattung Mensch an. Auch galt es als gesetzt, dass Frauen ein schweres Leben haben, schon deswegen, weil Männer sie “ausbeuteten”, eben im Haushalt nichts taten.

Gleichzeitig herrschte spätestens in der Jugend Skepsis vor: Gewisse “Emanzen” waren irgendwie anstrengend. Nebenbei kam die Phase der Aufklärung und meine bevorzugte (die halt greifbare) Literatur beschrieb Männer und Frauen unterschiedlich: Frauen hätten viele erogene Zonen, Männer nur eine (was für ein Irrtum). Männer seien egoistisch und kümmerten sich nicht um die Bedürfnisse von Frauen. Irgendwann wurde das Thema “weiblicher Orgasmus” zum Medienthema. Wieder das gleiche Lied: Männer sollten endlich mal begreifen, um was es bei den Frauen geht. Ein Mysterium wurde erschaffen, eine hohe Kunst propagiert und eine Pflicht für Männer, dies zu erlernen. Das habe ich zwiespältig wahrgenommen: als Verpflichtung und als Last. Zumal ich Frauen begegnete, die ihrerseits sich nicht die Bohne um männliche Bedürfnisse scherten.

Dennoch blieb ich “Feminist” und hielt die Benachteiligung von Frauen für eine Tatsache. Andererseits schrieb ich noch als Jugendlicher ein Lied, dass die Behauptung “Männer sind Schweine” auf die Schippe nahm (lange vor den Ärzten). An der Uni setzte sich das fort: Gender-Studies sorgten für Unbehagen, weil ein männerfeindliches Klima herrschte. Dennoch blieb die Frauenunterdrückung für mich vorläufig Tatsache.

Ich glaube, das bröckelte mit den Äußerungen von Erziehungswissenschaftlern zur Benachteiligung von Jungen im Schulsystem. Diese Aussagen passten zu meinem eigenen Schulerleben. Wir Jungs haben desöfteren das Gefühl gehabt, dass Mädchen von Lehrerinnen bevorzugt worden sind. Weiteres Bröckeln erfolgte durch Texte zur Gewaltforschung: Man stellte dort fest, dass Mädchen und Frauen weniger streng für die gleiche Tat verfolgt worden sind als Jungen oder Männer. Aber immer noch war ich irgendwie Feminist, nur lange nicht mehr richtig überzeugt.

Natürlich kam die Lebenserfahrung hinzu. Frauen erwiesen sich nicht als die Engel, als die sie immer wieder angepriesen worden sind. Irgendwann kam dieser Diskurs auf, dass Frauen sozial kompetenter, intelligenter und überhaupt besser seien als Männer. Schon diese Behauptungen alleine empfand ich als herabsetzend. In der Lebenswirklichkeit konnte ich diese Sozialkompetenz nicht finden. Da verhielten sich Frauen wie alle Menschen und Sensibilität war da eigentlich selten. Oft erlebte ich Frauen anderer Männer und sie wirkten auf mich sehr autoritär und dominant. In einem bestimmten Milieu erlebte ich den Hang von Frauen zur Esoterik und Homöopathie und ihre Unbelehrbarkeit in diesen Dingen. Hier verband sich ein Hang zur Dominanz mit Irrationalität. Nicht selten wurde Esoterik und Homöopathie als Opposition zur “Männerwissenschaft” begriffen bzw. wurde jeglicher wissenschaftliche Einspruch damit abgewehrt, dass das ja Männerdenken sei. Oder das Denken “Alter Säcke”, bekanntlich ebenfalls Männer. Die Ausdauer und Kritikresistenz in Sachen Pseudowissenschaften passte gut zu einem allgemeinen Anspruch, immer Recht zu haben. Nicht selten sah ich, wie Frauen sich als “geborene Mütter” betrachteten, die alles besser wussten als der Vater – auch wenn sie selber noch nie ein Kind erzogen hatten. Dennoch musste alles nach ihrem Willen gehen. Gleichzeitig wurden Väter belächelt. Kochen können sie nicht und Kinder wickeln auch nicht. Sagten die Mütter gerne.

Schon bevor ich Trennungsvater wurde, habe ich Arne Hoffmann gelesen, zufällig, da ich auf seinem anderen Blog (“Hinter meinem Schreibtisch”) zunächst ganz andere Themen verfolgte. Genderama entdeckte ich nebenbei, empfand die Lektüre aber als Bestätigung vieler Dinge, die ich für mich auch schon gedacht hatte.

Die Trennung selbst hat das Bild etwas komplettiert, aber sie war in väterrechtlicher Hinsicht nicht so dramatisch (Glück gehabt). Natürlich wusste ich, dass es auch ganz anders gehen kann. Ich kenne genügend Fälle.

Schaue ich zurück, gab es immer etwas Skepsis und damit eine widersprüchliche Sichtweise. Ich akzeptierte feministische Prämissen und zweifelte zugleich oder wehrte mich gegen männerfeindliche Zuschreibungen. Erst spät vollzog sich der endgültige Bruch mit dem feministischen Denken.

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7 Responses to Wie ich Feminismuskritiker wurde

  1. Joachim says:

    In der tat ein typischer Werdegang. ich bekam Ende der 90er,, als die Frauenüberhöhung in den Medien, einen Höhepunkt erreichte, ernste Zweifel am herrschenden Geschlechterbild.
    Emotional hatte ich meinen Ersten “Zweifel” ebenfalls in der Grundschule in der ich mich über das Gepamper der Mädchen bei gleichzeitig sehr robustem Umgang mit den Jungs bis zum Kinderarztbesuch krank ärgerte.
    Ich konnte den Ärger damals nie adäquat artikulieren , der Kinderarzt tippe aber in die, heute würde man sagen Genderrichtung.

  2. Joachim says:

    Er meinte als ich dann wegen regelmäßiger Hustenanfälle zu ihm ging, daß diese stressbedingt seien, ich organisch gesund sei und fragte worüber ich mich so ärgere. Das war damals der Umstand daß Mädchen im Unterricht, vor allem im Sport, sowohl von Lehrern als auch von den von Mitschülern, wesentlich sanfter und nachsichtiger behandelt wurden. Vom Umstand mal abgesehen daß ich, wenn ich mich gegen Hänseleien von Mädchen wehrte, auch sonst sehr oft gleich eine Horde von Jungs und Mädchen gegen mich hatte.

    Also als Kind habe ich wirklich nicht an die Jungsbevorzugung geglaubt, das wurde mir erst in der Pubertät , leider für einige Zeit mit Erfolg, eingetrichtert.

  3. Mirco says:

    Ich denke, dass es uns allen ähnlich erging.Seit den 70er Jahren war es einfach unmöglich der medialen Dauerberieselung zu entgehen, die uns einhämmerte, dass Männer unsensible Idioten sind, während die Frauen als perfekte Engel dargestellt wurden, die zur Rettung der Welt erschaffen wurden.
    Ich kann mir nur eines nicht erklären:
    Wir alle haben gelernt, dass dies nicht stimmt.
    Wir Männer haben genug gegenteilige Erfahrungen gemacht, und die meisten Frauen haben ein Bild von ihren Geschlechtsgenossinnen für das man als Mann gesteinigt würde. (Was sie natürlich niemals öffentlich zugeben würden)
    Obwohl also 90 % aller Menschen dieses Männer/Frauenbild als falsch erkennen, ist es dennoch die herrschende Meinung in unserer Gesellschaft.
    Wie kann das sein ? Ich kapier´s nicht.

    • HP says:

      Das ist in der Tat seltsam, aber nichts Neues.

      In der DDR etwa hat auch keiner den ganzen Mist geglaubt, der andauernd kolportiert wurde. Deswegen förderte das Regime auch gezielt den Rückzug ins Private, so etwas wie sogar Stammtische war unerwünscht. 1989 hat das dann nicht mehr geklappt, mit bekannten Folgen.

      Es herrschte ein Regime der Angst, das erst Gorbatschow beendete – und dann gab’s kein Halten mehr.

      Auch Mao ermutigte seine Bürger anlässlich des “Großen Sprungs nach vorn”, “tausend Blumen blühen zu lassen”. Als die Intellektuellen dann prompt seine Ideologie kritisierten, machte er sie einen Kopf kürzer.

      Auch ich senke die Stimme, wenn ich öffentlich den Feminismus infrage stelle, passe auf, wem gegenüber ich das tue.

      Als Jugendlicher kritisierte ich einmal am Weltfrauentag in einem alternativ-lesbischen Café die dortige Diskussion, dass Schneemänner sexistisch wären, als Unsinn. Ich wollte (damals noch ganz auf Linie) darauf hinaus, dass es doch viel gravierendere Probleme gäbe als so was Lächerliches, worüber man reden könne.

      Soweit kam ich aber gar nicht, ich wurde gewaltsam aus dem Café entfernt und bekam ein Hausverbot.

      Nur eine Episode von vielen. Und man beachte mal, wie feministische z. B. Blogger mit Kritik umgehen. Inzwischen wird ja diskutiert, ob man Kritik am Feminismus unter Strafe stellen solle, ohne dass etwa die Presse (nach zwei totalitären Ideologien allein auf deutschem Boden seit 1933, die das auch gemacht haben) das beanstandet.

      Für mich ist Feminismus inzwischen nur noch blanker Sexismus, der sich als Bürgerrechtsbewegung tarnt. Gerade die Hetze (insb. angeblicher Sexismus) gegen Kritiker ist nichts anderes als Projektion.

    • Joachim says:

      Hallo Mirco, es ist nicht die herrschende Meinung in der gesamten Gesellschaft, es ist die herrschende Meinung in einem oder einigen machtvollen Netzwerken. Dem gemeinen Volk, uns, fehlen leider weitestgehend die Meinugsmultiplikatoren,

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