Die seltsame Dominanz weiblicher Werte

Meine persönliche Erfahrung und Beobachtung ist die, dass Frauen oft tonangebend sind in Beziehungen, was die Gestaltung des Alltages angeht. Frauen nehmen oft für sich die alleinige Expertise in Sachen Kindererziehung und Haushaltsführung in Anspruch. Gleichzeitig sprechen sie Männern ab, davon etwas zu verstehen. Damit beanspruchen Frauen für sich das Recht, die “Richtlinien” von Erziehung und Haushalt zu bestimmen. Sie nehmen diesbezüglich eine dominante Rolle ein, weil sie verlangen, dass Männer in diesen Bereichen nach ihren Vorstellungen zu handeln hätten. Diese zunächst ja bloß individuelle Form der Rechthaberei hat sich nach meinem Empfinden aber kulturell weit durchsetzen können. Weibliche Dominanz ist nicht nur ein Nischenphänomen, sondern – so behaupte ich – eine weit verbreitete Tatsache.

Wenn ich hier meine Erfahrungen und Beobachtungen heranziehe, mache ich natürlich nichts weiter als “Bekanntensoziologie”, die sich nur auf anekdotisches stützt. Allgemeingültigkeit kann das nicht beanspruchen. Dennoch scheint es mancher ähnlich zu beobachten und so meine subjektiven Eindrücke zu bestätigen. So z.B. Crumar in einem Kommentar bei Schoppe:

Das “nicht genügen” bezieht sich insbesondere auf a. das Bild des Mannes, insofern er den Erwartungen von Frauen zu genügen hätte (Frauenbediener – siehe Pauer vs. Stiehler), b. Erwartungen, die als weibliches DEFAULT in eine Perspektive auf das Ziel einer Beziehung eingehen (siehe vorliegendes Buch S. 278-279 meine Lesart: die private Spaghetti ist politisch;)) c. natürlich Haushalt und Kindererziehung.

Wer hier den “weiblichen Blick” als default setzt, der als Maßstab gilt, hat natürlich im gesellschaftlichen Binnenbereich der “Keimzelle” der Gesellschaft Macht, insofern *sie* das Stöckchen beliebig hoch hängen kann, über dass *er* springen muss. Ergo ihren Erwartungen genügen.

Die Auseinandersetzungen kennt doch jeder Mann: (möglichst öffentlich) als Haushaltstrottel hingestellt zu werden, der von Kindererziehung keine Ahnung hat und auch noch völlig unromantisch den fünften Jahrestag des ersten Treffens vergessen hat.
Wo auch immer das “geheime weibliche Wissen” zur Bewältigung von Haushalt, Beziehung und Kindererziehung herrühren mag (ich hoffe sehr, nicht aus den Genen).

Crumar hat hier kurz und knapp auf den Punkt gebracht, was ich auch schon oft gedacht habe: Die recht einseitigen Erwartungen von Frauen an Männer, die durchgesetzt werden durch die Infragestellungen der männlichen, insbesondere väterlichen Kompetenz. Männer scheinen diese Erwartungen zu akzeptieren, während Frauen nicht hinterfragen, auf welcher empirischen Basis sie eigentlich die höhere Kompetenz beanspruchen. Beide Seiten scheinen sich in diese Geschlechterklischees zu fügen.

Möglicherweise spielt eine gewisse Aggressivität eine Rolle. Ich beobachte zuweilen, dass Frauen ihre Forderungen recht selbstbewusst und stark konfliktiv vortragen. Sie signalisieren, dass eine Verweigerung sofort einen Streit nach sich zieht. Es würde Vorwürfe hageln, wenn der Mann nicht tut, was sie sagt. Er geht dem Streit aus dem Wege und erfüllt ihre Wünsche, wohl um des lieben Friedens (= seine Ruhe) willen. Ich hätte das natürlich nicht beobachten können, würden Frauen diese Forderungen nur privat äußern, hinter verschlossenen Türen. Aber allzu oft taten sie das vor Publikum, sogar eben vor den Freunden ihres Mannes. Ich habe diese Beobachtung nicht alleine gemacht, sie können auch bei Astrid von Friesen nachgelesen werden in dem Buch “Schuld sind immer die anderen”. Sie beschreibt darin eine Reihe von Beispielen, die sie einerseits selbst erlebt hat und andererseits in Therapiegesprächen zu hören bekam: Frauen forderten vom Mann, etwas zu tun, und sie putzten sie öffentlich vor anderen Leuten herunter als Personen, die es immer falsch machen. Auch das habe ich persönlich oft erlebt und gesehen. Wenigstens wird man belächelt. Oder während man etwas tut, spottet die eigene Frau gegenüber einer anderen, wie Mann sich anstellt oder welche Schwierigkeiten er mit den Tätigkeiten hat. Oder aber der Mann wird herrisch zurechtgewiesen.

Wohlgemerkt: Auch Frau von Friesen kann das nur anekdotisch zeigen. Insofern kann ich hier keine Aussage treffen über “DIE Frauen”.

Interessant bleiben diese Fälle dennoch, zeigen sie doch, wie sehr weibliche Normen präsent sind. Ein anderes Beispiel für die Dominanz weiblicher Normen ist mir in einem anderem Zusammenhang begegnet: Es ging um den Umgang mit Trauerfällen. Die Frage war, wie man in beruflichen Kontexten auf Trauerfälle von Schutzbefohlenen reagiert. Die Mehrheit der im Raum anwesenden Leute waren Frauen – und alle waren sich letztlich darin einig, dass es richtig sei, Gefühle zu zeigen. Komplementär dazu sahen sie es unhinterfragt als Schwäche an, wenn ein Mann hier lieber Selbstbeherrschung übte. Aus weiblicher Sicht war klar: Männer hätten größte Mühe, Gefühle zu zeigen. Mein Einwand, dass dies eine Stärke sei, weil man so in der Lage ist, sich zu schützen in Kontexten, wo auch Macht existiert, wurde vom Tisch gewischt: Ausrede, Rationalisierung. Die Damen waren fest davon überzeugt, dass ihre Tränen Symbol der einzig richtigen Umgangsweise mit dem Thema waren. Die Idee, das Zurückhalten von Gefühlen und das Bemühen um eine sachliche Atmosphäre als Stärke zu lesen, wenigstens vorschlagsweise, erschien ihnen absurd. Sie waren es offenbar nicht gewohnt, ihre auch von sich aus als definitiv weiblich beschriebene Sichtweise auf Trauerfälle, einmal zu hinterfragen. Stattdessen haben sie diese absolut gesetzt, obwohl sie selbst ihre Sichtweise als partikulare gekennzeichnet haben. Deutlicher kann man die Dominanz weiblicher Werte nicht demonstrieren.

Nicht zuletzt im Zusammenhang mit der Jungenkrise in der Schule (siehe Michael Klein und Heike Diefenbach) wurde von der Feminisierung der Schule gesprochen (nicht von Klein und Diefenbach, aber von anderen Autoren). Die Überhöhung weiblicher Wertvorstellungen sei es, die zu einer Abwertung männlichen Verhaltens und der Schlechterbewertung von Jungen in der Schule führe. Ich kann zumindest dazu auch wieder eigene Beobachtungen hinzufügen: Ich habe selbst oft gehört in Seminaren, wie Frauen männliche Jugendkulturen als “gewalttätig” be- und verurteilten und damit komplett missverstanden. Dies haben sie später durchweg auch eingesehen. Aber wo solche Vorurteile nicht reflektiert werden, ist es nicht weiter verwunderlich, wenn sie später in der Schule zu unterschiedlicher Behandlung von Mädchen und Jungen führen.

Die Frage ist für mich allerdings offen, wie diese Dominanz weiblicher Werte und damit der Frauen selbst möglich werden konnte.

 

 

 

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29 Responses to Die seltsame Dominanz weiblicher Werte

  1. @LoMi:

    Was mich interessieren würde:

    1. Könnte man vielleicht solche Beispiele weiblicher Dominanz protokollieren? Denn ansonsten bleibt der Vorwurf irgendwie zahnlos und ist letztlich genauso schwer zu verstehen, wie der feministische Vorwurf des Patriarchats.

    2. Vermutlich gibt es für jede Behauptung zu Geschlechterverhalten mindestens ein Beispiel. Vermutlich wird kein Maskulist bestreiten, daß es auch herrische Männer gibt, was aber allein nichts beweißt. Überhaupt relevant wird es doch erst dann, wenn man geltend machen kann, daß ein bestimmer Verhaltenstyp wenigstens massenhaft auftriftt. Welche Optionen siehst du, Argumente bereitzustellen von Beispielen auf Masseneffekte zu verallgemeinern?

    3. Große Sorgen macht mir deine Verwendung des Terms “Wert”. Vielleicht kannst du mal nachreichen, wie etwas zu einem Wert wird und welche Folgen das deiner Meinung nach hat.

    • suwasu says:

      Hallo Elmar,

      Deine drei Punkte sind alle sehr berechtigt.
      Punkt 1 ist vermutlich am leichtesten zu erledigen durch schnelle Notizen in oder nach einer entsprechenden Situation.

      Punkt 2 zeitigt die größten Probleme: Derartiges kann man nur empirisch und mit einer breiten Datengrundlage belegen. Eine wesentlich schwächere Variante wäre eine Diskursanalyse, in dem man in verschiedenen Feldern nachweist, dass es solche Behauptungen weiblicher Kompetenz und männlicher Inkompetenz gibt. Ein Beweis für ein flächendeckendes Phänomen ist das freilich nicht.

      Aber ein Weg wäre es: Man könne hier verknüpfen:
      – was gilt als speziell weiblich? (z.B. “Empathie”)
      – Welche Verhaltenserwartungen werden z.B. an Schulkinder oder auch Ehe-Männer gerichtet?
      – Wie werden diese Verhaltenserwartungen erhoben, mit welchem Geltungsanspruch und mit welcher institutionellen Absicherung?
      – Wessen diskursive Position wird durch ein solches Arrangement gestärkt und wessen Position gerät in die Defensive?

      Punkt 3: Als Wert würde ich (naiv und untheoretisch) ansehen, was von Menschen als wünschenswert, positiv angesehen wird. Das ist etwas tautologisch. Vielleicht wird es deutlicher durch den Bezug auf Moral, also die Einteilung in “erwünscht/ abgelehnt”. Werte sind dann diejenigen Verhaltensweisen oder Zustände, die als “erwünscht” gekennzeichnet werden und deren Abwesenheit nicht nur “betrauert” wird, sondern als ein Problem oder Skandal verurteilt wird. Das “Erwünschte” ist nicht fakultativ, sondern etwas, was als Norm verwirklicht werden MUSS. Die Normabweichung ist etwas, was verhindert und bestraft werden muss.

      Ein solcher Wert wäre der der “Friedfertigkeit”. Es gilt dann nicht nur als erfreulich, dass sich Kinder auf dem Schulhof nicht prügeln, sondern diese Friedfertigkeit muss auch durchgesetzt werden. Prügeln sich Kinder, wird das nicht einfach nur subjektiv als beklagenswert gesehen, sondern als “objektiv falsch”.

      • @LoMi: Problem Verallgemeinerung

        ” Eine wesentlich schwächere Variante wäre eine Diskursanalyse, in dem man in verschiedenen Feldern nachweist, dass es solche Behauptungen weiblicher Kompetenz und männlicher Inkompetenz gibt. Ein Beweis für ein flächendeckendes Phänomen ist das freilich nicht. ”

        Was du mit Diskursanalyse meinst, weiß ich leider nicht. Aber man kann das kommunikative Verhalten analysieren und geltend machen, daß kommunikative Akte auf einer Art impliziten Statistik über alle bisherigen Kommunikationen beruhen, weil man sich offenbar auch problemlos mit denjenigen Menschen erfolgreich unterhalten kann, die an noch nie zuvor gesehen hat.

        Letzteres verstehe ich als Projekt sofort. Als alter Analytiker bin ich aber leider mit Habermas und Konsorten überhaupt nicht vertraut.

      • suwasu says:

        Immerhin nutzt Du Habermas, ohne es zu wissen: Du sagst, alle Kommunikation basiert darauf, man wolle verstanden werden. Kommunikation sei nur durch Kooperation möglich. Das sind Ideen, die man auch bei Habermas findet. Das nur als Tipp.

        Diskursanalyse geht auf Foucault zurück: Untersuchung der Herausbildung von Begriffen, die dann auch bestimmte Handlungsweisen anleiten.

      • @LoMi: Problem Wert

        “Als Wert würde ich (naiv und untheoretisch) ansehen, was von Menschen als wünschenswert, positiv angesehen wird.”

        Dann wären Wert kulturrelativ und man könnte z.B vom moralischen Standpunkt nicht gegen einen Holocaust argumentieren. Es fehlt da auf jeden Fall noch eine Bedingung.

        ““Erwünschte” ist nicht fakultativ, sondern etwas, was als Norm verwirklicht werden MUSS. ”
        Verstehe ich das richtig, daß du einer Koinzidenz der Interessen eine Bedingung des Müssens hinzufügst? Welche ist das?

        “Ein solcher Wert wäre der der “Friedfertigkeit”.”

        Natürlich müßte man hier Notwehr- und Nothilfeklauseln ergänzen, aber das ist eine Formalität. Keine Formalität ist die Frage der Vergeltung. Friedfertigkeit kann rein physisch gemeint sein, Vergeltung aber kann auch verbal erfolgen. Wie würdest du an diesem Punkt weitermachen?

      • suwasu says:

        Nur kurz noch:
        “Dann wären Wert kulturrelativ und man könnte z.B vom moralischen Standpunkt nicht gegen einen Holocaust argumentieren.”

        Ja, Werte sind kulturrelativ. Zumindest aus soziologischer Perspektive. Bei der Ideologiekritik muss man kulturrelativistisch sein, denn es geht dabei nur darum, zu schauen, welche Weltsicht eine bestimmte Gruppe hat. Diese wird aber nicht wiederum ethisch beurteilt. Erst einmal wird nur geschaut: Was denken sie, in welchem Kontext denken sie das und wie erfolgreich verbreitet sich dieses Denken?

        Alles andere später…

      • suwasu says:

        “Natürlich müßte man hier Notwehr- und Nothilfeklauseln ergänzen, aber das ist eine Formalität. Keine Formalität ist die Frage der Vergeltung. Friedfertigkeit kann rein physisch gemeint sein, Vergeltung aber kann auch verbal erfolgen. Wie würdest du an diesem Punkt weitermachen?”

        Diese Frage zielt mehr auf mein persönliches Werturteil. Vergeltung ist meiner Meinung nach problematisch. Aber interessant ist, dass sie im Rahmen einer wohl weltweit zu findenden Orientierung an Reziprozitätsnorm entspricht: Wie du mir, so ich Dir – im Guten wie im Schlechten.

        Aber insgesamt missverstehen wir uns: “Friedfertigkeit” ist einfach ein weibliches Selbstlob, die Behauptung, Frauen brächten den Frieden, Männer den Krieg. Behauptet wird von manchen Leuten, dass solche vermeintlich universalen Werte eben als eigentlich weibliche Werte in der Schule handlungsbestimmend geworden seien. Aus dem Blickwinkel dieser weiblichen Urteile würde das Verhalten von Jungen oft schlicht missverstanden als “gewalttätig” oder als “hegemoniale Männlichkeit” und dies deswegen bekämpft. Darum geht es, um die These der Feminisierung der Schule.

      • ” Orientierung an Reziprozitätsnorm entspricht: Wie du mir, so ich Dir – im Guten wie im Schlechten. ”

        Im Rahmen von Beleidigungen ist das z.B. sogar Teil der gültigen Rechtsordnung. Wenn Gemäßigte das ablehnen, dann verlassen sie diesen Rahmen.

        Man kann das tun, aber sollte das Begründen und zugleich erklären, wie man Gesellschaften stabiliieren will. Denn der wesentliche Unterschied zum Rechtsstaat ist doch, daß ein Unparteiischer die Vergeltung staatlicherseits übernimmt. Zwar gibt es noch weitere Strafzwecke, aber der Vergeltungsgedanke ist nicht antiquiert, sonder hätten wir keine schuldabhängigen Strafzumessungskriterien.

      • Foucault … furchtbar … na ja

        “Immerhin nutzt Du Habermas, ohne es zu wissen: Du sagst, alle Kommunikation basiert darauf, man wolle verstanden werden. Kommunikation sei nur durch Kooperation möglich. Das sind Ideen, die man auch bei Habermas findet. Das nur als Tipp.”

        Das hier

        “Du sagst, alle Kommunikation basiert darauf, man wolle verstanden werden.”

        sage ich übrigens nicht. Ich vertrete eine epistemische Kommunikationstheorie.

        In der Philospohie ist die Idee von Kommunikation als Kooperation weit verbreitet z.B. bei David Lewis, der den auf H.P. Grice zurückgehenden Ansatz der Intionalisten weiterentwickelt hat.

        Habermas und Foucault sind Leute aus dem Dunstkreis der kontinentalen Philosophie. Das wird ne Menge Überwindung kosten….. puuuhhh

      • suwasu says:

        Du unterschätzt beide Autoren. Habermas hat seine Macken, aber er ist ein fleißiger Leser und er hat die angelsächsische Sprachtheorie breit rezipiert, also britische als auch amerikanische.

        Foucault ist methodisch interessant. Man muss nur diesen französischen Intellektuellen-Gestus ertragen bei ihm.

      • Mag sein. Ich werde versuchen, meine Defizite zu beheben.

        Was meinst du mit angelsächsischer Sprachtheorie?

      • suwasu says:

        Im Moment denke ich an George Herbert Mead, Charles Sanders Pearce, Wittgenstein und alles in dieser Richtung.

      • Mead und Pearce sind eher rudimentäre Vorläufer. Wittgenstein, Frege, Tarki, Quine, Davidson, Strawson, Grice, Dummett, Kaplan oder Perry sind sicherlich nicht einfach Leute, die Habermas akzeptiert.

        Aber das kann ich versuchen rauszufinden.

      • suwasu says:

        Das weiß ich leider so genau auch nicht. Aber er liest alles, was er unter die Finger kriegt und setzt sich mit den Leuten auseinander. Kommunikation ist bei Habermas zentral, der Grundgedanke des Kooperierens in der Kommunikation wohl auch.

        Aber der Typ schreibt leider etwas überkompliziert.

        Ansonsten bin ich da ohnehin mehr bei Luhmann.

      • Oh, Luhmann würde ich mir gerne mal referieren lassen. 😉

      • suwasu says:

        Luhmann wäre übrigens der absolute Anti-Fundamentalist 😉 Eine einheitliche Lehre von der Gesellschaft ist nicht möglich. Vielmehr zerlege sich die Gesellschaft in funktional differenzierte Systeme, die jeweils ein spezifisches Verständnis von der Welt hat und alle diese Beobachtungsweisen sind nicht miteinander vereinbar und das sei auch durch Philosophie nicht zu integrieren, weil diese dann ja einen gottgleichen Standpunkt außerhalb der Gesellschaft einnehmen müsste.

      • Wie kommst du darauf, daß Fundamentalismus etwas mit einer einheitlichen Lehre der Gesellscahaft zu tun hat?

        Kein Fundamentalist hat das je behauptet.

        Ich hatte gehofft, daß nur EvoChris so blöd ist, bei Wikipedia Fundamentalismus nachschlägt, und dann behauptet, er wüßte, was wir vertreten – anstatt zur Kenntnis zu nehmen, was wir sagen.

      • suwasu says:

        Ich habe Deinem Artikel einen gewissen universellen Geltungsanspruch entnommen für die “fundamentalistische” Maskulismustheorie. Und Du positionierst Dich gegen Kulturrelativismus. Das ist mit Luhmannscher Systemtheorie unverträglich. Aber anders als die eher “gutmenschliche” Prägung des Relativismus (Leben und leben lassen) sagt Luhmann bloß: Geht einfach nicht anders.

      • “Ich habe Deinem Artikel einen gewissen universellen Geltungsanspruch entnommen für die “fundamentalistische” Maskulismustheorie.”

        Interessant, wo hast du denn das gefunden?

        “Und Du positionierst Dich gegen Kulturrelativismus.”

        Ja, aber weißt du auch wieso? Nein? Woher kommt die Sache mit dem Geltungsanspruch?

        “Das ist mit Luhmannscher Systemtheorie unverträglich. ”

        Das will ich nicht bestreiten, leider weiß ich nichts von Luhmann.

      • suwasu says:

        Hier zum Geltungsanspruch:
        “Fundamentalisten positionieren sich gegen Relativismus und Konstruktivismus und es wird hierfür nach einer geeigneten Argumentation gesucht”

        Das heißt: Du glaubst, standpunktunabhängige Erkenntnisse gewinnen zu können. Du glaubst ferner – gegen den Konstruktivismus – Erkenntnisse über eine objektive Realität gewinnen zu können. Das ist, wenn auch nicht offen ausgesprochen, ein universaler Geltungsanspruch, nicht im theorieimperialistischem Sinne, aber erkenntnistheoretisch.

        “Das will ich nicht bestreiten, leider weiß ich nichts von Luhmann”

        Der Clou bei Luhmann ist, dass er zwar ein Relativist und Konstruktivist ist, erkenntnistheoretisch, aber dass man aus dieser Theorie niemals einen Feminismus bauen könnte.

      • @LoMi

        “Ja, Werte sind kulturrelativ.”

        Ok, damit bist du auf keinen Fall ein Fundamentalist, die diese Kulturrelativität ablehnen.

        “Bei der Ideologiekritik muss man kulturrelativistisch sein, denn es geht dabei nur darum, zu schauen, welche Weltsicht eine bestimmte Gruppe hat.”

        Moment, die These, daß Werte kulturrelativ sind, bedeutet, daß es keine sinnvolle Konkurrenz von Werten gibt. Das abzulehnen, bedeutet nicht, daß man sich die Position anderer nicht ansehen kann.

      • suwasu says:

        Ich glaube, Du missverstehst mich. Ich denke schon, dass es universale Werte geben kann und die Gültigkeit meiner Werte mache ich nicht davon abhängig, dass unterschiedliche soziale Gruppen unterschiedliche Werte vertreten.

        Die Kulturrelativität ist schlicht eine empirische Beobachtung der Alltagswirklichkeit jenseits aller philosophischer Reflektion. Und sie ist methodische Prämisse. Sonst machte es auch keinen Sinn, von “weiblichen Werten” zu reden. Diese “weiblichen Werte” sind ja Zuschreibung mehr denn Wirklichkeit, sie sind Geltungsanspruch, der vor allem von einer Gruppe und deren Interessen getragen wird.

      • Ah, also keine Kulturrelativität von Werten, sondern die Beobachtung der lokal beschränkten Akzeptanz von Werten – verstehe.

      • suwasu says:

        Genau!
        Es ist in der Tat gar nicht so einfach, den Blick einer Disziplin zu verstehen. Soziologen ecken mit diesem vermeintlichen Relativismus immer wieder an, aber als Methode ist dieser Blick zentral. Als Privatmenschen urteilen wir natürlich alle, ohne laufend zu behaupten, unsere Werte würden nur für uns selbst gelten.

        Als Soziologe schaue ich mir z.b. an, welche Werte eine Horde Neonazis hat. Als Privatmann lehne ich diese Werte strikt ab. Aber aus soziologischer Sicht erklären diese Nazi-Werte eben zum Teil, warum diese Leute sich so verhalten.

  2. Matze says:

    “Frauen forderten vom Mann, etwas zu tun, und sie putzten sie öffentlich vor anderen Leuten herunter als Personen, die es immer falsch machen.”

    “Oder während man etwas tut, spottet die eigene Frau gegenüber einer anderen, wie Mann sich anstellt oder welche Schwierigkeiten er mit den Tätigkeiten hat. Oder aber der Mann wird herrisch zurechtgewiesen.”

    Das geht mir auf den Familienfeiern immer ziemlich auf den Senkel: Man merkt wie die Ehefrau schon Luft holt um zu widersprechen, sobald der Ehemann anfängt zu reden. Sehr ärgerlich und fällt mir immer wieder auf. Komischerweise nur mütterlicherseits zu beobachten. Ich wusste auch noch nicht wie ich das ansprechen soll. Wenn ich das in der Runde mache, ist die Frau erstmal total beleidigt und der Mann ist auch ziemlich unglücklich, da er öffentlich als jemand dargestellt wird, der seine Meinung nicht durchsetzen kann oder keine besitzt. Müsste man wohl mit der Frau unter vier Augen machen. Wahrscheinlich kriegt der Mann dann dafür später auch noch eine auf den Sack. 😉

    Im Freundeskreis ist das anders. Da wird niemand runtergemacht. Es kommt einen da eher so vor, als ob die Freundin/Frau die gesamte Freizeitplanung für den Mann übernimmt. Und Biertrinken mit den Kumpels kommt da nur selten bei vor :-/

    • tom174 says:

      Ich bin ganz froh, dass frau sich um die Freizeitplanung kümmert. Bier mit Kumpels mach ich selber, und ich bin auch nicht so verplant, dass das nicht ginge.
      Ob weibliche Werte die dominanten sind? Hmm. Kommt wohl immer auf den Kontext an. In der familie, gerade bei der Erziehung? Na klar, das wird ja auch hauptsächlich von Frauen gemacht, selbstverständlich dominieren da “weibliche” Werte. Im Geschäftsleben? Da doch eher weniger, oder? Jemand der da wegen irgendwas in Tränen ausbricht ist nun nicht wirklich gerne gesehen.

      • suwasu says:

        “Im Geschäftsleben? Da doch eher weniger, oder? ”

        Korrekt. Aber manche fordern es.

        Wichtig ist es im Kontext der Schule, wo es eben zu Abwertungen des Verhaltens von Jungen kommt. Da beginnen die Probleme.

  3. Gerhard says:

    Zumindest bei einem Teil Deiner Beobachtung könnte PU von Nutzen sein, dort nennt man das Phänomen Betaisierung. Der Mann schweigt und überläßt die Planung der gemeinsamen Aktivitäten der Frau. Ihre Aggressivität kann man nun so werten, daß sie eigentlich den Mann auffordert, daß er wieder Führung (und sei es auch nur hälftige) aufnimmt. Daß er sich von ihr nicht die ganze Zeit herbestimmen läßt.

    Der Mann ist zur Beziehungsmaus mutiert und die Frau ist sauer darüber.

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