Fragen an den feministischen Weltgeist

Könnt Ihr die These des Patriarchats empirisch belegen? Habt Ihr z.B. untersucht, welche Gestaltungsmöglichkeiten Frauen haben und inwiefern das der These der einseitig unterdrückten Frauen widerspricht?  Kann es sein, dass Macht nie etwas einseitiges ist, das nur einer besitzt, während der andere vollkommen machtlos ist?

In einer Gesellschaft, in der kaum eine Organisation nicht an mangelnder Planbarkeit und Steuerbarkeit scheitert, soll es tatsächlich eine umfassende systematische Herrschaft eines Kollektivs der Männer geben, die auch noch reibungslos und hochwirksam funktioniert? Warum gelingt das Millionen gar nicht organisierer Männer besser als den meisten durchgeplanten und auf Effizienz getrimmten Unternehmen, Armeen, Bürokratien?

Können Sozialwissenschaften überhaupt etwas beweisen? Können Sie gesetzesförmiges und darum unstrittiges Wissen schaffen? Müssen sozialwissenschaftliche Denkrichtungen nicht immer damit leben, dass es berechtigte alternative Perspektiven gibt? Warum sind Eure “Forschungsergebnisse” immer so vorhersehbar? Ist die Wirklichkeit tatsächlich so durchstrukturiert, dass es nur diesen einen Zusammenhang gibt, den Ihr behauptet? Wie kriegt Ihr eigentlich diese Komplexität in den Griff, wie schafft Ihr das, hinter den Millionenfachen Handlungsverkettungen samt Zufällen, kombinatorischen Effekten und freien Entscheidungen ein einziges dominantes Prinzip zu finden?

Sollte man auf der Grundlage unbewiesener Behauptungen Menschen verurteilen, sie durch Gesetze benachteiligen, ihnen böse Absichten und Handlungen unterstellen? Ist es nicht verantwortungslos, das politische Handeln nach einer Denkschule auszurichten, die aber nur eine einzige von vielen plausiblen Schulen ist? Ist es nicht unethisch, Millionen von Menschen zu diskriminieren und das nur auf der Basis von nicht beweisbaren Annahmen?

Warum seid Ihr gottverdammtnochmal nicht bescheidener?

 

 

 

 

 

 

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23 Responses to Fragen an den feministischen Weltgeist

  1. Leser says:

    Das die These “wir leben in einem Patriarchat” falsch ist sieht man schon anhand daran wie viel Frauenförderung in diesem Land betrieben wird. Wäre es so würde es ausschließlich Männerförderung geben.

  2. me says:

    “Warum seid Ihr gottverdammtnochmal nicht bescheidener?”

    Es sind Prinzessinnen.
    Da ist es nicht-hinreichende, aber notwendige Bedingung, unbescheiden zu sein.

    • suwasu says:

      Zweifellos. Über diese Form des Narzismus hatte ich anderswo schon was gesagt. Feminismus läuft oft so: Man stellt eine These auf. Man will, dass wir diesen Thesen zuhören und ihnen zustimmen. Also will man Anerkennung. Aber man erlaubt uns nicht, eine abweichende Meinung zu haben, denn die ist ja sowieso schon verkehrt. Neurotische Kommunikation.

    • Warum sollten sie bescheidener sein? Dazu haben die keinen Grund, Die Gesellschaft, Politik und auch gerade die Sozialwissenschaften kriechen denen doch hinten rein. Die Sozialwissenschaften wollen doch Genda und Feminismus, sonst würden sie doch mal ernsthaft was sagen. Tun sie aber nicht.

      Michael Klein fasst es mal wieder fein zusaammen:

      ” Ein Wissenschaftler analysiert all die Doktortitel, die im Rahmen von Genderstudiengängen vergeben werden und zeigt, dass sie auf keinerlei wissenschaftlicher Basis stehen, keine Methode umfassen, keinerlei Erkenntnis erbringen und darüber hinaus irrelevanten Firlefanz zusammenschreiben. Ob die beiden fiktiven Gestalten dann mit einem Ehrendoktortitel aus Rostock rechnen können?”

      http://sciencefiles.org/2014/05/23/rostocker-ehrendoktorposse-showdown-um-snowden/

      Warum untersuchen Sozialwissenschaften diese Zusammenhänge nicht? Kann man sowas nicht untersuchen? Geben die Methoden der SW das nicht her?

      Ich glaube denen ist das wurst-egal, Hauptsache das Gehalt kommt …

      • suwasu says:

        Was Du immerfort vergisst: Michael Klein ist Soziologe. Teil der kritisierten Gruppe. Also kritisieren Sozialwissenschaftler offenbar doch derartige Verfehlungen. Wie ich auch. Und andere.

        “Die Sozialwissenschaften wollen doch Genda und Feminismus, sonst würden sie doch mal ernsthaft was sagen.”

        Ein Teil will das. Der weitaus größte Teil will das nicht und bearbeitet ganz andere Fragen. Gender ist eine Minderheitenposition im Fach. Freilich eine, die vom Staat gepusht wird ohne Ende.

      • Ich vergesse nicht, daß Klein Soziologe ist. Klein ist mit einer der Gründe warum ich SW nicht komplett für Spinnerei halte. Das hatte ich Dir, so glaube ich, schonmal gesagt.

        Was ich mich aber frage ist, warum sagt die Mehrheit der Soziologen (woher weißt Du das eigentlich? Hast Du Untersuchungen darüber?) dann nix? Das ist es was Deine Ausführungen noch komischer macht. Ich denke M.Klein fragt sich ähnliches.

        Also, einfach gefragt, warum lassen die Soziologen ihre Wissenschaft zu Genda verkommen und sei es nur in der Aussenwahrnehmung, wie Du behauptest.

      • suwasu says:

        Der Tag hat 24 Stunden, der Tisch ist voller Arbeit, blöder Sitzungen, Bürokratie. Eigentlich will man forschen und nutzt jede knappe freie Minute dafür. Also lässt man eben die anderen reden, falls man die Gendervertreter überhaupt zur Kenntnis nimmt, weil man nun einmal im Wesentlichen in der Szene unterwegs ist, die auf dem selben Gebiet forschen wie man selbst. Man vertut seine Zeit nicht damit, alle paar hundert Spezialisierungsrichtungen der Soziologie auf problematische Entwicklungen abzuklopfen. Denn täte man das, hätte man für nichts anderes mehr Zeit.

        In den Blogs hier wird die Bedeutung der Gender-Leute maßlos hochgejazzt. Klar, sie sind Eckpfeiler einer feministischen Infrastruktur. Für das Fach selbst sind sie nur eine Gruppe von sehr, sehr vielen. Kein Mensch überblickt heute mehr alles, was in einem Fach läuft, auch Physiker und Biologen nicht. Dazu wird einfach zu viel publiziert, dazu sind die Spezialisierungen viel zu ausdifferenziert usw.

        Die Blogs, meiner auch, funktionieren letztlich auch wie Medien: Sie reißen Dinge aus dem Zusammenhang und lassen sie größer wirken, als sie sind. Das liegt einfach auch an der Perspektive der Feminismuskritik. Diese Perspektive blendet alle anderen Themen aus, die man in seinem Dasein auch noch beackert. Und sie blendet eben auch alles aus, was nicht durch Feminismus bestimmt wird an Vorgängen in der Gesellschaft. So kann aber der Eindruck entstehen, es gäbe nur noch FEminismus und jeder Winkel sei davon beherrscht.

      • @ derdiebuchstabenzaehlt

        Ich studiere an einer Universität, die deutschlandweit eines der größten Soziologieinstitute beherbergt. Es zählt nicht weniger als 54 Professoren und wissenschaftliche Mitarbeiter. Von diesen 54 geben gerade einmal zwei, also weniger als 4% (!) an, sich unter anderem (!) auch für das Geschlechterverhältnis zu interessieren. Nur bei einer dieser zwei taucht das Wort feministische Theorie auf.

        Würde deine These zutreffen, dass die Sozialwissenschaften “ihre Wissenschaft zu Genda verkommen” lassen würde, wie du sagst, müsste man in einem so großen und thematisch vollumfänglich aufgestellten Institut also ein erheblicher Anteil mit diesem Thema beschäftigt sein. Das ist offensichtlich nicht der Fall.
        Es gibt zig Themen, die viel öfter in den Tätigkeitsbeschreibungen auftauchen.

        Mein Eindruck ist: Du bist ein Opfer deiner Filterbubble.

      • Mir ist es recht, wenn Gender kein Problem ist. Ich befürchte nur Ihr unterschätzt das Thema gewaltig. Da ist es dann die Frage wer in einer Filterblase sitzt.

      • Ich sage gar nicht, dass das kein Problem wäre.
        Ich sage nur, und belege das durch eine ad-hoc durchgeführte quantiative Erhebung, dass deine These, die Sozialwissenschaften würden zu nichts als Genderwissenschaft verkommen, so nicht zutrifft.

      • Ich glaube, die Diskussion hier geht etwas am Punkt vorbei. Die Frage ist nicht, ob alle Sozialwissenschaften von Genderisten unterwandert sind oder ob man aus der Anzahl und der Denomination von Soziologie-Lehrstühlen auf das Ausmaß der Unterwanderung schließen kann. Wie so oft, fehlt manchen Sozialwissenschaftlern der Blick für das organisatorische Ganze, dafür, dass man einen Umbruch nicht am Status Quo erkennt, sondern an dem, was Verwaltungsprozesse bestimmt. Verwaltungsprozesse, insbesondere wenn sie sich nicht mit sich selbst, sondern mit der Verteilung von Ressourcen befassen, stehen vollständig unter dem Diktum des Genderismus. Von der Hochschulrektorenkonferenz über die KMK und das BMBF, von MINT bis Professorinnenprogramm, bis zu Familienfreundlicher Hochschule findet sich die selbe Isomorphie zu einer Entprofessionalisierung der Universitäten und Sozialwissenschaften. Soziologen sind hier die Vorreiter, weil sie schon immer eine Fraktion beherbergt haben, die mehr am Schwall als an der Empirie interessiert war und ihren Schwall gerne genutzt hat, um ihre Gesinnung zu transportieren. Die Lessenichs sind ein Beispiel dafür.
        Zusammen führen diese Prozesse dafür, dass man nur noch mit der Gleichstellungsbeauftragten Bewerbungsverfahren durchführen kann, dass Fakultäten Anreize haben, über das Professorinnenprogramm und somit ausschließlich weiblich, zu besetzen. Es gibt Kopfprämien (z.B. an der LMU) dafür dass weibliche Bewerber und nicht männliche Bewerber berufen werden und die Qualifikation, die Professionalität tritt immer weiter in den Hintergrund, hinter Maßnahmen der Familienfreundlichkeit, die in der Außenwerbung von Universitäten prominent sind, etwas, womit man bei uns, in der angelsächsischen Welt deutlich machen kann, dass man keine Universität sein will. Es sind diese vielen Einzelprozesse, die sich vereinen und Universitäten von innen heraus zerstören, sie verbinden sich mit dem Verfall methodischer und theoretischer Kenntnisse, der abermals von der Gesinnungsfraktion protegiert wird und dazu führt, dass Soziologen Arbeiten in einer Qualität verfassen, die alte Professoren wie KD Opp, die sich in die USA geflüchtet haben, Aufschreien lassen, würden sie sie nicht ignorieren so gut es geht und Altmeister wie René König vermutlich zu der Art von Aussagen bringen würden, für die sie berühmt geworden sind.

        Wir dokumentieren auf ScienceFiles diesen Verfall, nicht weil wir das unbedingt wollen, sondern weil es kaum möglich ist, soziologische Arbeiten zu finden, die ein bestimmtes Niveau nicht unterschreiten. Wenn jemand gute neuere Arbeiten kennt, her damit, wir lechzen danach wie der Verdurstende in der Wüste nach Wasser…

        P.S.
        Ich bin studierter Politikwissenschaftler, Wissenschaftstheoretiker und Ökonom und Soziologe per Selbststudium. Dr. habil. Heike Diefenbach ist der Soziologe bei uns.

      • suwasu says:

        “Soziologen sind hier die Vorreiter, weil sie schon immer eine Fraktion beherbergt haben, die mehr am Schwall als an der Empirie interessiert war und ihren Schwall gerne genutzt hat, um ihre Gesinnung zu transportieren.”

        Ich würde das ein wenig anders interpretieren. Schließlich kommt der Genderismus aus der Philosophie und den Literaturwissenschaften, was anzeigt, dass Schwall sehr wohl auch in benachbarten Disziplinen zu Hause ist. Nur kann die Soziologie bessere Legitimation bereitstellen, weil sie einen technokratischeren Jargon hat und weil sie mit Zahlen hantiert. Literaturwissenschaftler können das nicht genauso gut. Insofern sind Soziologen für den Aufbau der Fassade der Evidenzbasierung nützlich und werden entsprechend mit Auftrags”forschung” geködert.

        Die Frage war übrigens nicht, ob die Administration genderisiert ist, sondern ob die Soziologen Gender gut finden – so die ursprüngliche Behauptung vom Buchstabenzähler. Da bleibt es Fakt: Nein, in der Mehrheit interessieren sie sich nicht dafür.

      • Die Frage war übrigens nicht, ob die Administration genderisiert ist, sondern ob die Soziologen Gender gut finden – so die ursprüngliche Behauptung vom Buchstabenzähler. Da bleibt es Fakt: Nein, in der Mehrheit interessieren sie sich nicht dafür.

        Woher wissen Sie das? Haben Sie eine Vollerhebung unter Soziologen durchgeführt.

        Das Genderismus aus der Literaturwissenschaft kommt, war mir bislang nicht bekannt, aber immerhin befinde ich mich in guter Gesellschaft, George Ritzer weiß davon augenscheinlich auch nichts:
        http://www.amazon.co.uk/Sociological-Theory-George-Ritzer/dp/0078027012

      • suwasu says:

        “Woher wissen Sie das? Haben Sie eine Vollerhebung unter Soziologen durchgeführt.”

        Nein. Aber ich erlaube mir, diesen Schluss aus der Lektüre von Texten zu ziehen und aus der Sichtung dessen, was Soziologen so schreiben. Darüber kann man sich etwa in Verlagsprogrammen oder Zeitschriftentiteln informieren.

        Wir können ja mal ne Vollerhebung machen. Ich würde wetten, dass ich recht habe. Das ist auch der Eindruck, den ich durch Kollegen bekomme.

        Was den Genderismus angeht: Leute wie Butler und Irigaray sind keine Soziologen. Wesentliche Texte des Genderismus sind in den Geisteswissenschaften geschrieben worden. Die Soziologie hat Gender nicht wirklich erfunden, sondern adaptiert. Ich bin wesentlich häufiger in der Philosophie mit Gender zusammengestoßen als in der Soziologie. Gut, ich bin kein Lexikon der soziologischen Theorie. Ich kann nur meine eigenen Lektüre- und Studiererfahrungen wiedergeben. Mein Eindruck: Die Kategorie “Gender” ist erst nach und nach in den 1990ern in der Soziologie in Deutschland etabliert worden (Ja, die deutsche Soziologie ist nicht “Die” Soziologie, ich weiß). Und meiner Erfahrung nach wanderte das aus Philosophie und Literaturwissenschaften ein. Gut möglich, dass das im angelsächischen Raum anders gelaufen ist.

        Und mal zum von Ihnen vermissten Blick aufs Ganze: ja, die Entprofessionalisierung gibt es. Unsoziologish ist Ihre Behauptung, bei den Soziologen tummeln sich eben viele Schwaller. Die Frage ist: Warum geht das? Welche Strukturen erlauben das? Ich denke, da hätte man noch jede Menge Stoff für Nachforschungen. Fakt ist wohl, dass die ökonomisch erfolglosen Soziologen karrieretechnisch sicher nach vielen Strohhalmen greifen, dass die schmalen Institute weder finanziell noch strukturell eine tiefgehende Forschung erlauben und dass eben Einzelkämpferdissertationen diese strukturellen Mängel ebenfalls aufweisen: keine REssourcen für wirklich anspruchsvolle Projekte, die man ja nur arbeitsteilig realisieren könnte (z.B. größere Umfragen).

      • Eine Vollerhebung wäre schön: Günter Buchholz hat etwas Ähnliches probiert. Leider wurde es von den Genderisten in der Soziologie torpediert, anders formuliert: seine schriftliche Befragung an Genderisten in der Soziologie hat KEINEN Rücklauf. Anyway, wie ich bereits sagte, glaube ich nicht, dass es darum geht, durchzuzählen, wer die meisten Genderisten in seinem Nest schmarotzen hat. Es geht um das, was Genderisten durch ihre Verbreitung auslösen, die Entprofessionalisierung u.a. Insofern sollten wir diesen Nebenschauplatz einfach begraben, da weder Sie noch ich die Daten dazu haben und auf Kollegen verlasse ich mich nicht so gerne, schon wegen Framing und Group Think und so …

        Ihr Argument mit Judith Butler kann ich nicht nachvollziehen, denn verallgemeinert man es, dann wird die Soziologie ein leeres Fach, Durkheim war Ethnologe, Max Weber Nationalökonom, Hartmut Esser Volkswirt, Michael Hechter Historiker, usw. Es ist sicher kein Zufall, dass Genderismus für viele von außen Betrachter mit der Soziologie verbunden ist. Es kommt mehr auf den Inhalt als auf die Verpackung an…

        Die Strukturen, die das erlauben, sind sehr einfach zu benennen. Feminismus hat keinerlei Basis in irgendeiner Methodologie. Was Paul Feyerabend völlig missverständlich als “against method” bezeichnet hat, ist im Feminismus vorhanden: Anything goes. Man setzt sich hin, behauptet, man sei Feminist, schätzt drauflos und verkauft das Geschwätz als Wissenschaft und genau hier treffen sich Feministen und Soziologen vom Schlage der Gesinnungs-Schwaller, die ich oben genannt habe. Beide haben keine Idee von systematischer Forschung, Abscheu vor empirischen Daten und nur eines im Sinn: Ihre Ideologie zu verbreiten und solange sich Soziologen, die noch Soziologie betreiben, nicht hinsetzen und ein methodologisches Curriculum, eine Art Mindestanforderung an soziologisches Arbeiten entwickeln, das es erlaubt, Pseudo-Soziologen auszusondern, wird sich daran und an der Attraktivität der Soziologie für Genderimus nichts ändern.

        Dazu mal ein paar Daten, damit wir etwas informierter über die Verbreitung von Genderismus in der Soziologie reden:

        Mit 27 Lehrstühlen für Gender XY führt die Soziologie, die Genderhitliste an Universitäten mit weitem Abstand an, vor Erziehungs- und Literaturwissenschaften mit jeweils 15 Lehrstühlen.

        Beeindruckend – oder? Und etwas im Widerspruch mit dem Urteil der Kollegen…

        Mehr Daten zu Genderlehrstühlen haben wir hier zusammengestellt:
        http://sciencefiles.org/2014/04/22/vom-land-der-dichter-und-denker-zum-land-der-schwatzer/

      • suwasu says:

        “Feminismus hat keinerlei Basis in irgendeiner Methodologie. Was Paul Feyerabend völlig missverständlich als “against method” bezeichnet hat, ist im Feminismus vorhanden: Anything goes.”

        Das hat der Feyerabend nicht verdient, aber leider wird er immerfort nur noch unter “anything goes” gelabelt. Spätere Generationen wissen gar nicht mehr, was er wirklich gesagt hat. Wie Sie schon sagen, ist es ein Missverständnis.

        Ich stimme Ihnen zu. Zumindest nach meinem Eindruck entbehrt der Feminismus einer echten Empirie im Sinne einer ergebnisoffenen Forschung, einer Haltung gegenüber dem Forschungsgegenstand. Echte Empirie wäre eine Forschung, die ihre Hypothesen an der Wirklichkeit prüft und die entsprechend solche Hypothesen aufstellt, die sich auch widerlegen lassen. Das tut der Feminismus nicht. Er riskiert nicht, durch Empirie widerlegt zu werden. Was auch langweilig ist, denn so entdeckt er nichts Neues. Daher sind auch alle “Forschungen” feministischer Art komplett vorhersehbar in ihren Ergebnissen. Das liegt vermutlich schon am Theorietyp, den der Feminismus bevorzugt. Insofern kommt jetzt eben doch Butler als Philosophin ins Spiel, zumal die Philosophie eben keine empirische Wissenschaft ist. Der Feminismus wählt sich die passende Philosophie und deutet dann die Wirklichkeit danach. Wenn man so will, machen diese Leute keine Soziologie im eigentlichen Sinne. Sie entwickeln lediglich ein Interpretationsmuster, das alle Phänomene in eine Weltsicht integriert. Das Interpretationsmuster ist so formuliert, dass es nicht als Hypothese überprüfbar ist.

        Sie sagen, es bräuchte ein Curriculum methodologischer Art. Das ist richtig. Aber es ist eigentlich einfacher. Man kann selbst mit methodologisch unvollständiger empirischer Forschung schon erreichen, dass feministische Theoreme kippen. Dazu muss man nur der Empirie hinreichend Tribut zollen und eben “irritierende” Informationen auch aufnehmen, statt sie zu ignorieren. Ein grundlegender Standard würde es freilich einfacher machen, solche Fehlentwicklungen auch institutionell zu korrigieren.

      • Das hat der Feyerabend nicht verdient, aber leider wird er immerfort nur noch unter “anything goes” gelabelt. Spätere Generationen wissen gar nicht mehr, was er wirklich gesagt hat. Wie Sie schon sagen, ist es ein Missverständnis.

        Wie Hans Albert gerne sagt: Paule Feyerabend hat bekommen, was er für seine Pseudo-Opposition zu KR Popper verdient hat, Missverständnis und Beifall von der falschen Seite.

        Es gibt keine feministischen Theoreme. Das genau ist das Problem. Gäbe es ein methodologisches Curriculum, dann wäre klar, was als Wissenschaft von der Soziologie gilt, also alles was eine Aussage über soziale Fakten macht, die auch an der Empirie scheitern kann. Und gäbe es dieses Curriculum, dann wäre zudem klar, dass Theorien (oder Theoreme) nur allegemeine Aussagensysteme sein können, aus denen wiederum Aussagen über die Empirie abgeleitet werden können, die an Letzterer scheitern können. Und schon brauchen wir keinerlei Diskussion mehr über Genderismus oder Feminismus führen.

  3. Als Sozialwissenschaftler störe ich mich ganz besonders daran, wie von feministischer Seite der Ruf meiner gesamten Disziplin in den Dreck gezogen wird. Daher möchte ich mal aus einer anderen, aber eben auch sozialwissenschaftlichen Perspektive antworten:

    “Können Sozialwissenschaften überhaupt etwas beweisen?”

    Nein, können sie nicht. Darin unterscheiden sie sich aber kaum von anderen Wissenschaften. Selbst die Evolutionstheorie ist bis heute nicht im engeren Sinne bewiesen. Auch die Physik konnte bislang nicht beweisen, dass die Gravitationskraft jederzeit und überall wirkt. Es gibt in den Weiten des Weltraumes sogar Dynamiken, die sie infragestellen.

    Was die Sozialwissenschaften so gut wie jede andere Wissenschaft vermögen, ist, Theorien aufzustellen, Hypothesen zu formulieren und nach Belegen und Widersprüchen für bzw. gegen diese Theorien und Hypothesen zu suchen. In den Sozialwissenschaften so wie in jeder anderen Wissenschaft gilt: Eine Theorie gilt so lange als gültig, bis sie widerlegt ist.

    Doch die soziale Welt, das Objekt der Sozialwissenschaften, birgt gewisse Probleme, die sie von den Objekten der anderen Wissenschaften unterscheiden. So ist der Wissenschaftler selbst Aktuer in der sozialen Welt und damit Subjekt im Objekt. Das bringt erkenntnistheoretische Schwierigkeiten mit sich. Außerdem ist sie kompliziert. Es gibt kaum deterministische Gesetze, nach denen sie geordnet wäre. Die meisten Mechanismen funktionieren probabilistisch.
    Doch folgt daraus, dass die soziale Welt nicht Gegenstand von Untersuchungen sein darf? Ich denke nicht. Wir brauchen Wissen über die soziale Welt. Allerdings muss man sich dieser Probleme immer bewusst sein, wenn man sie erforscht.

    “Können Sie gesetzesförmiges und darum unstrittiges Wissen schaffen?”

    Ja und Nein. Ja, weil es Erkenntnisse gibt, die so oft und hinreichend belegt sind, dass sie als wahr gelten – auch wenn sie nicht letztgültig bewiesen werden können.
    Und nein, weil selbst die am besten belegten Erkenntnisse ständig der potenziellen Gefahr ausgesetzt sind, durch neue Phänomene umgestoßen zu werden. Doch das gilt grundsätzlich für jede Wissenschaft. Und wir sollten hier im Kopf behalten, dass sie Sozialwissenschaften insgesamt noch eine sehr junge Disziplin sind. Physik wird schon seit Jahrtausenden betrieben, die Sozialwissenschaften im engeren Sinne erst seit knapp 200 Jahren. Ernsthafte empirische Arbeit ist erst im größeren Umfang möglich, seit es Computer gibt, die riesige Datenmengen verarbeiten können.
    Daher ist es sicher verständlich, dass sie noch nicht in dem Maße gefestigt ist, wie andere Wissenschaften es sein mögen.

    “Müssen sozialwissenschaftliche Denkrichtungen nicht immer damit leben, dass es berechtigte alternative Perspektiven gibt?”

    So wie ich meine Disziplin verstehe: Ja.

    Feministische Wissenschaft ist wie Marxismus-Leninismus. Das ist keine gute Sozialwissenschaft, das ist Pseudowissenschaft. Sie geht von Grundannahmen aus, die man glauben muss. Diese Grundannahmen können in vielerlei Hinsicht kritisiert werden, aber die feministische Wissenschaft lässt diese Kritik nicht zu.
    Außerdem gilt auch für sozialwissenschaftliche Theorie, dass sie so aufgebaut sein müssen, dass sie potenziell widerlegbar sind. Feministische Theorien sind nicht widerlegbar bzw. Argumente, die gegen die Theorien sprechen, werden so umgedreht, dass sie schlussendlich für die Theorie sprechen.
    Damit widersetzt sich die feministische Wissenschaft grundlegenden Charakteristika von Wissenschaftlichkeit. Sie kann damit nicht als Wissenschaft gelten sondern nur als Pseudowissenschaft.

    • suwasu says:

      Vielen Dank für Deine Anmerkungen! Ich bin selber Soziologe. Ich halte Sozialwissenschaften für möglich und machbar und die Unvollkommenheiten einer Disziplin waren noch nie ein Grund, es nicht zu wagen. Denn dann hätte erst gar keine Wissenschaft entstehen können. Wissenschaftliche Abenteuer warten nun einmal dort, wo es noch kein sicheres Fundament gibt.

      Im Grunde wollte ich lediglich sagen: Sozialwissenschaften brauchen eine gewisse Bescheidenheit, eben weil ihr Gegenstand (der Mensch) letztlich nicht nach Naturgesetzen funktioniert bzw. aufgrund seines freien Willens eben immer wieder die Bedingungen des Handelns verändert und auch seine Handlungsmuster.

      Von dieser Position aus befindet sich der Feminismus nicht mehr auf dem Boden einer reflektierten Sozialwissenschaft, die normalerweise eben solche Grenzen mitbedenkt.

      Mich ärgern in diesem Zusammenhang gleich zwei Dinge: so wie Dich ärgert mich, dass der Feminismus die Sozialwissenschaft diskreditiert. Zweitens ärgert mich, dass dies zum Anlass genommen wird von Einigen, sämtliche Ressentiments gegen die Sozialwissenschaften für bestätigt zu halten und diese als reine Ideologieveranstaltung abqualifizieren zu dürfen.

      • “…dass dies zum Anlass genommen wird von Einigen, sämtliche Ressentiments gegen die Sozialwissenschaften für bestätigt zu halten und diese als reine Ideologieveranstaltung abqualifizieren zu dürfen.”

        Soweit bin ich NOCH nicht. Das ist auch bei mir nicht der Anlass (iS von Vorwand, vorgeschobenem Argument) SW mehr und mehr für eine Pseudowissenschaft zu halten, sondern der Grund das so zu sehen.

      • petpanther says:

        @suwasu

        Das ist genau die seriöse und ethische Position, die ein ernstzunehmender Forscher, eben auch ein Soziologe, einnehmen sollte.

        Hatte das erst neulich versucht auf Christians Seiten zu verdeutlichen.

        Ich sehe das auch so. Der Feminismus diskreditiert durch sein bewusst propagandistisches Benutzen und Fabrikationen, d.h. Mißbrauch, notwendige soziale Forschung. Allerdings ist das mittlerweile offenbar nicht mehr darauf begrenzt. Es gibt Trittbrettfahrer.

        Vielleicht ist eine Abgrenzung dazu im Feld selbst notwendig.

  4. Novalis says:

    Die Anspielung in der Überschrift auf Hegel passt. Er entwarf ein Denkgebäude, das allumfassend, absolut sein sollte und verlor dabei den Einzelnen aus den Augen. Er fand in diesem Gebäude nicht mehr statt. Das System blieb unbewohnt und war damit nicht mehr als eine theoretische Spielerei, über die sich unterhalten, aber in der nicht gelebt werden kann. Man versuchte diese theoretische Spielerei, diesen absoluten Anspruch durch Politik immer wieder durchzusetzen, mit den bekannten Folgen…
    Ich sehe im Feminismus eine ähnliche Entwicklung, eine Gefahr der Gleichgültigkeit gegenüber dem Individuum an sich. Auch jetzt wird wieder versucht, mit Hilfe der Staatsmacht eine theoretische Spielerei, eine im wahrsten Sinne des Wortes aufgehobene Theorie in das Leben zu pflanzen. Und dann wundert man sich über Abstoßreaktionen?

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