War on women?

Bekenntnis-Kampagnen scheinen en vogue zu sein in den Staaten. Jemand hält ein Schild mit einem Statement vor sich und schaut in die Kamera. Das landet dann im Internet als Teil einer Reihe von Statements. So auch jetzt wieder, als Begleitmusik der Twitterkampagne #yesallwomen. 36 Männer zeigen Gesicht und einen Zettel, auf den sie mit dem Edding schlaue Sachen geschrieben haben. Mein Favorit im Moment: “Stop war on women”.

Krieg, das ist das Wort, das gegenwärtig im Zusammenhang mit der Ukraine öfters fällt. Dazu passen dann auch die Bilder: Barrikaden, Bewaffnete, Panzer, Tote und Verletzte. Gibt es einen Krieg gegen Frauen, der diesen Bildern gleicht? Ich finde diese Begriffswahl eigentlich entlarvend. Zunächst ist das eine Reaktion auf den Amoklauf von Rodger: Wenn dieser aber einen Krieg gegen Frauen führte, so ist das ein Feldzug, der mehr Männern das Leben kostet als Frauen. Aber selbst wenn Rodger als Krieger gegen die Frauen antrat – passt die Kriegsmetapher wirklich?

Ich sehe keine Truppen marschieren, kein schweres Gerät im Einsatz. Ich sehe keine Frauen im Graben vermodern oder durch Granatsplitter verrecken. Dagegen sehe ich viele Frauen, denen es recht gut geht, die körperlich unversehrt sind, die von niemandem gejagt und beschossen werden und die sich frei im öffentlichen Raum bewegen.

Seltsam genug, dass Männer ihre “Feinde” oft auch heiraten und mit ihnen in eine Wohnung ziehen. Und dass sie in Depressionen verfallen, wenn der “Feind” sich zurückzieht und so gewissermaßen die “Schlacht” beendet ist.

Ein Feldzug gegen die Frauen sähe wahrlich anders aus. Was sollen also diese überzogenen Metaphern? Was soll diese Dramatisierung? Und warum geschieht dieser Aufmerksamkeitsgewinn immer auf Kosten der tatsächlichen Kriegsopfer? Heute morgen bin ich noch nicht in der Lage zu einer geistreichen und brillanten Widerlegung. Ich belasse es mal beim Kopfschütteln.

 

 

 

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9 Responses to War on women?

  1. tom174 says:

    War is Peace
    Ignorance is Truth

  2. Matze says:

    “War on Women”, “War on Christmas”, “War on Carbon”, “War on Purim” (jüdischer Feiertag?), “War on Poor”, usw.

    Das ist in den USA wohl so eine Masche. Video:

    http://sprawwling.blogspot.de/2012/04/jon-stewart-war-on-everything-except.html

    • Nick says:

      Kommt halt auch auf den Kontext an. Ursprünglich bezog sich meines Wissens “War on Women” auf jüngere Bestrebungen Konservativer, Abtreibungsrechte zu beschränken. Da ist “War” natürlich eher metaphorisch gemeint.

      Nun kriegt das Schlagwort aber einen ganz anderen Spin – in etwa so, dass explizit alle Frauen unter einer pervasiven Gewaltbedrohung zu leiden hätten. Schon das Gefühl einer Bedrohung wird dabei sehr ausdrücklich “Gewaltbetroffenheit” geframt – “Männergewalt” als Terror, ganz im Sinne Brownmillers:

      Man’s discovery that his genitalia could serve as a weapon to prehistoric times, along with the use of fire and the first crude stone axe. From prehistoric times to the present, I believe, rape has played a critical function. It is nothing more or less than a conscious process of intimidation by which all men keep all women in a state of fear.

      Jeder beliebige Gewaltakt gegen irgendeine Frau ist demzufolge Ausdruck eines gezielten Terrors. Nur so kommt man ja auch zu “yesallwomen”. (Frau möge bitte niemals nicht für ihre irrationalen Kriminalitätsängste verantwortlich sein müssen)

      Gefühlte 90 Prozent dieser Tweets beklagen folgerichtig auch Kriminalitätsangst – und nicht: Kriminalitätserfahrungen. Und zu Kriminalitätsangst in den USA muss man wohl nicht viel sagen – obgleich die Kriminaltität in den USA tatsächlich sehr hoch ist. Was aber nach meiner Auffassung daran liegt, dass dort insbesondere Männer sehr brutal aussortiert werden. Die Kriminalitätsangst steht aber wohl auch dazu in keinem Verhältnis.

      Insofern eine ziemlich gefährliche Sache, das. Wenn sich unsere amerikanischen Freunde nicht langsam einkriegen, dann sehe ich schwarz. Sehr schade auch, weil gerade eine Bewegung im Wachsen war, die die massive Einknastungspolitik gründlich in Frage stellt. In einem Krieg gegen einem Krieg wird man sich solche “Zimperlichkeiten” nicht mehr leisten wollen.

  3. Wieso? Ich kann schon verstehen warum die das machen. Zumindest können sie so über die Begriffe bestimmen die in Zukunft in dieser Debatte verwendet werden.

    Es wird nicht lange dauern und auch Männerrechtler werden mit Unverständnis solchen Wortklaubereien, wie Du sie betreibst, gegenüberstehen. Dann wird nämlich wirklich aus Frieden Krieg.

    So wie schon aus Gleichberechtigung Gleichstellung wurde …

  4. Pingback: War on women? | NICHT-Feminist

  5. Graublau says:

    Ich bin dafür, die Schwachsinnigkeit von Argumentationsmustern zu zeigen, indem man sie – korrekt angewandt – in anderem Kontext präsentiert:

    “Nicht jede Frau beschuldigt Männer, anfällig für Mord und Vergewaltigung zu sein. Aber (fast) jeder Mann wurde schon einmal beschuldigt, Mördern und Vergewaltigern nur aufgrund seines Geschlechtes nahezustehen.

    Und wenn es nicht geschehen ist, dann ist es die Angst davor, dass es geschehen könnte, die Männer in ihrem Leben so einschränkt. Also, unterschiedslos ALLE Frauen der Welt: Distanziert Euch davon, oder Ihr seid gaaanz böse bzw. stärkt diese bösen Frauen durch Eure Weigerung, Euch von ihnen zu distanzieren.

    P.S.: Und ja, liebe Frauen, bitte kommt nicht mit Argumenten und Abwägungen. Liest einfach ungebremst alles, was wir unter diesem Etikett raushauen.”

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