M&Ms – die vergiftete Logik

Derzeit gibt es einen neuen spin zum Mem #notallmen: Die Metapher der vergifteten M&Ms. Die Gefahr für Frauen, die von Männern ausgehe, lasse sich mit einer Schale M&Ms vergleichen, von denen 10 Prozent vergiftet seien. Wer könne da noch guten Gewissens einfach reingreifen und ohne Reue naschen?

Dieses Bild ist verglichen worden mit rassistischen Vorurteilen, weil diese auch von einer Minderheit auf die gesamte Gruppe schlössen. Doch diese Kritik trifft nicht ganz. Rassismus ist die Behauptung, dass die gesamte Gruppe die beklagten negativen Eigenschaften aufweise. Sie werden als Wesensmerkmal gedacht. Das Bild der vergifteten M&Ms ist geschickter konstruiert, weil es ausdrücklich anerkennt, dass tatsächlich nur eine Minderheit der Männer problematisch ist. Insofern werden Männer in der Tat nicht generell als gewaltättig oder sexuell übergriffig beschrieben. Das Problem sei aber, dass man nicht wisse, welcher Mann so ist.

Wie ich anderswo schon schrieb, hat diese Logik des Verdachts und des Misstrauens einen rationalen Kern. Dieser Kern findet sich in anderen Handlungsbereichen wieder, wo er abseits des Geschlechterverhältnisses nicht so sehr als skandalös empfunden wird. Ich selber habe dieses Misstrauen auch schon praktiziert: Als vor Jahren sich zumindest nach Medienbild die Kampfhundeattacken häuften, bin ich vorbeugend allen Kampfhunden aus dem Weg gegangen. Dabei habe ich ausdrücklich zuerkannt, dass eben nicht alle Hunde gefährlich sind. Handlungsleitend war aber der Wunsch, jegliches Risiko auszuschließen und nicht bei jedem Hund die unsichere Wette einzugehen, er könne einer von den “Guten” sein. Im Übrigen funktioniert der “War on Terror” ebenso: Da von Terroristen eine unmäßig hohe Gefahr für Menschenleben ausgehe, müsse man vorbeugend handeln, etwa durch Überwachung, auch wenn man damit nicht sagen wolle, alle Muslime seien Terroristen.

Diese Logik des Verdachts zu widerlegen, erfordert einige argumentative Anstrengung. Deshalb ist das M&Ms-Bild auch hochwirksam. Natürlich ist es für Frauen rational, die Gefahr der Vergewaltigung zu vermeiden, ihr wo möglich aus dem Wege zu gehen. Jeder, der sagt, eine Frau müsse eben ein gewisses Risiko in Kauf nehmen, weil es keine absolute Sicherheit gäbe, steht auf argumentativ wackligem Boden. Es mag so stimmen, doch wirklich schlagkräftig ist eine solche Entgegnung nicht.

Worin besteht nun das Problem dieser Metapher?

Man kann sie zunächst als Begründung einer individuellen Vermeidungsstrategie lesen. Jemand will um keinen Preis einem gefährlichen Mann begegnen und meidet darum Männer insgesamt. Das ist an sich nicht verwerflich, sondern steht jeder Frau frei. Derartige Vermeidungsstrategien haben dann zunächst nur Folgen für die betreffende Frau selbst, weil sie sich selbst einschränkt.

Problematisch wird diese Logik aber dann, wenn sie in Politik übersetzt werden soll. Dann werden präventive Maßnahmen gefordert. Diese Prävention trifft vermutlich pauschal alle M&Ms = Männer. Der Maßnahmestaat übernimmt die individuelle Risikovermeidung und beschränkt oder reguliert Kontakte zu Männern. Wenigstens im privaten Bereich gibt es das ja bereits, nämlich dann, wenn aus reiner Vorsicht Kinder in Flugzeugen nicht neben alleinreisende Männer platziert werden. Ein anderes Beispiel ist das Misstrauen gegen männliche Erzieher. Offenbar haben einige Eltern höchste Sorge, wenn der Erzieher ihren Kindern aus ihrer Sicht zu nahe kommt. Genau das ist der Umschlagpunkt, wo eine individuelle Vermeidungsstrategie toxisch wird. Denn nun kommt es zu Aktivitäten, die eben auch Unschuldige treffen. Den Erziehern soll die Nähe zu Kindern untersagt werden. Das Flugzeugbeispiel weist in die gleiche Richtung. Diese Vorsorgemaßnahmen greifen also in das Leben von Männern ein, was nicht folgenlos bleibt. Mit hoher Wahrscheinlichkeit leiden vor allem Unschuldige unter diesen Eingriffen, das räumt das M&Ms-Bild ja auch ein: nur 10 Prozent (ohnehin eine willkürliche Zahl) seien ja vergiftet. Insofern trifft es in 90 Prozent der Fälle die genießbaren.

Damit stellt sich aber die Frage, wie weit ich aufgrund meines individuellen Risikovermeidungsbedürfnisses eingreifen darf in die Freiheiten Anderer. Im Falle der Kampfhunde gab es seinerzeit den gesetzlichen Leinen – und Maulkorbzwang. Auch das ist bereits als Eingriff empfunden worden. Welche Reichweite legitim ist, ist wohl eine eigene Debatte. Wichtig ist, dass diese Debatte auf dem Tisch liegt. Wer Prävention vom Staat oder von der Gesellschaft fordert, muss begreifen, dass er beginnt, aktiv zu werden, Folgen zu bewirken, in die Lebensbedingungen Anderer einzugreifen. Er beginnt, seine Interessen auf Kosten der Interessen dieser Anderen zu verfolgen. Daher muss er eigentlich, moralisch gesehen, mindestens abwägen, welches Gewicht den Eigen- und Fremdinteressen zukommt. Derjenige, der die Präventionslogik zur politischen Agenda macht, verliert seine Unschuld, weil er Folgen schafft. Der Boden, von dem er aus Forderungen erhebt, ist nicht sehr tragfähig: Weil einige Personen gefährlich sein könnten, soll die Prävention die gesamte Gruppe der Anderen betreffen. Frauen empfinden die vorstellbare Gefahr sexueller Gewalt als Beeinträchtigung ihrer Lebensqualität. Fordern sie politisches Handeln, sorgen sie selbst dafür, dass die Lebensqualität von Männern beeinträchtigt wird. Sie argumentieren mit einem potenziellen Risiko, mit einer schlichten Möglichkeit, aber schaffen dann ganz reale, sich dauerhaft gegen alle Männer richtende Beschränkungen. Diese sind dann nicht mehr Risiko, das einen nicht treffen muss. Sondern die vorbeugende Maßnahme trifft einen auf jeden Fall und man kann ihr nicht aus dem Weg gehen. Hier zeigt sich ein gravierendes Ungleichgewicht: Der Möglichkeit auf der einen Seite steht die Unausweichlichkeit auf der anderen Seite gegenüber.

Angesichts solcher denkbarer Auswirkungen, die teilweise schon Wirklichkeit sind, wäre Selbstkritik der Mem-Produzenten mehr als angebracht.

 

Advertisements
This entry was posted in Uncategorized. Bookmark the permalink.

16 Responses to M&Ms – die vergiftete Logik

  1. Roger says:

    Danke!

  2. djadmoros says:

    I beg to differ! Das Bild ist auch als individuelle Vermeidungsstrategie völlig schief, weil auch in diesem Fall die Reduzierung auf *einen einzigen* Faktor, nämlich das biologische Geschlecht, völlig sinnlos ist. Gewalt findet in bestimmten *Situationen* statt, und auch im Sinne einer individuellen Vermeidungshaltung muss ich bestimmte *Situationen* vermeiden, nicht Männer (oder »Neger«)!

    In den USA gibt es »No-Go-Areas«, etwa bestimmte »Ghettos«, in denen die Wahrscheinlichkeit, vergewaltigt, ausgeraubt und ermordet zu werden, ziemlich groß ist. Solche Zonen vermeide ich als Frau *und* als Mann.

    Oder man nimmt das Bild mal wörtlich: eine Frau, die eine Schüssel von Männern »frißt«, ist eine Frau, die mit vielen unterschiedlichen Männern sexuellen Umgang pflegt, entweder als Sexarbeiterin, oder weil ihr das Spaß macht. In beiden Fällen muss sie natürlich stärker als andere Frauen darauf achten, von wem sie sich an die Wäsche fassen lässt. Sollte dieser Kontext aber *nicht* gemeint sein, dann ergibt das Bild mangels Spezifität erneut keinen Sinn.

    Sollen Frauen nicht mehr einkaufen gehen, weil sich in der Shopping-Mall auch eine größere Anzahl von Männern befindet? In der Weigerung, *Situationen* zu spezifizieren, in denen Gewalt mit erhöhter Wahrscheinlichkeit auftritt, und nach der *Mit*verantwortung der Frau zu fragen, die sich in eine solche Situation *begibt*, liegt die eigentliche Infamie des Vergleichs. Denn auch *Männer* müssen analoge, verantwortliche Kalkulationen anstellen, in welche Situationen potentieller Gewaltausübung sie sich begeben.

    Das Mem von den vergifteten M&Ms ist daher in *jeder* Hinsicht rassistische Hetze und als solche zu behandeln!

    • suwasu says:

      Ich stimme Dir weitestgehend zu, was die Situation und die Mitverantwortung angeht. Bei Schoppe hatte ich ja gesagt: Diese Metapher verwischt auch die Unterscheidung zwischen Ausnahme und Regel. Sie überhöht den Ausnahmefall und verleugnet die Möglichkeit, zu erkennen, wie solche Fälle entstehen, wann und wo und was dagegen der Regelfall ist. Das hast Du ja mit der “Situation” schon benannt.

      Dennoch: Von einem echten Rassismus, oder besser gesagt, von einem expliziten Rassismus unterscheidet sich diese Metapher doch. Das Eingeständnis, dass der “gefährliche Mann” eigentlich ein Ausnahmefall ist, ist sozusagen ein vorweggenommenes coping des Vorwurfes, Stereotype und Pauschalurteile zu fällen. Insofern ist diese Metapher auch systematisch anders als der Vorwurf “Alle Männer sind Schweine”. Ich denke, genau diesen Kniff muss man argumentativ angreifen können, sonst kann man dieses Mem nicht entkräften.

      Selbst Dein Einwand mit der Reduktion auf das biologische Geschlecht sticht nur bedingt. Ja, das biologische Geschlecht ist angesichts der Tatsache einer nur kleinen Gruppe gewalttätiger Männer offenbar ein zu unspezifischer Faktor für die Vorhersage eines Risikos. Eine vernünftige Prognose braucht zusätzliche Informationen. Aber nein, das biologische Geschlecht spielt nun einmal eine Rolle, weil es um das für die Geschlechter typische Begehren und Wollen geht und sich das Handeln der sexuell Übergriffigen eben vor allem auf Frauen bezieht. Deshalb kann man auch fürchten, dass einige dieser Männer irgendwann auch mal Frauen attackieren. Das ist ein hinreichender Grund, sich speziell als Frau speziell von Männern potenziell bedroht fühlen zu können. Weil es ein Mann-Frau-Ding ist.

      Und noch ein Einwand. Es mag eine gewisse rassistische Logik hinter diesem Mem stecken. Das ist aber kein gutes Argument. Das Problem dieser Art latenter Rassismen ist, dass sie mit Plausibilitäten arbeiten und damit sehr effektiv darüber hinwegtäuschen, dass sie ein gruppenbezogenes Vorurteil transportieren. Genau da muss man auch ansetzen, will man solche Meme entkräften. Man muss ihnen die Plausibilität nehmen.

      • djadmoros says:

        (1) »von einem expliziten Rassismus unterscheidet sich diese Metapher doch. Das Eingeständnis, dass der “gefährliche Mann” eigentlich ein Ausnahmefall ist«: Dieses Eingeständnis ist oberflächlich, weil das Bild *weiterhin* darauf besteht, dass es *außer* der Geschlechtszugehörigkeit kein weiteres Merkmal gibt, um die guten von den schlechten zu unterscheiden. Die M&Ms sind *oberflächlich* nicht unterscheidbar – aber genau diese Oberflächlichkeit des Blicks *ist* der Rassismus.

        (2) »das für die Geschlechter typische Begehren und Wollen«: das *kennzeichnet* aber bereits eine spezifischere Gruppe von Situationen, nämlich solche, in denen »Begehren und Wollen« ein Rolle spielt. Darum ist der Mythos von der »Rape Culture« insbesondere an den (amerikanischen) Universitäten lokalisiert, denn die sind nicht nur Bildungsinstitute, sondern zugleich Partnerschaftsmärkte. Ähnliches gilt in gemischtgeschlechtlichen Freizeitsituationen am Wochenende (»Disco«). Am Arbeitsplatz wiederum dürfte das deutlich weniger gelten (hängt aber von der Firmenkultur und dem Durchschnittsalter der Beschäftigten ab).

        Solche Situationen sind *inhärent* nicht völlig sicher, aber genau hier setzt die amerikanische Campus-Hysterie an: wann immer eine *uneindeutige* Situation vorliegt, wird dem Mann die Verantwortung zugeschrieben, während die Frau als Opfer gilt. Das Hauptrisiko des Manne besteht nicht darin, vergewaltigt zu werden (obwohl auch *das* vorkommt), sondern darin, an eine narzisstische Beziehungsparasitin zu geraten, die sein Leben ruiniert – kurzfristig mit einem erfundenen Vergewaltigungsvorwurf oder langfristig mit physischer und struktureller Beziehungsgewalt. Da kann man den Spieß umdrehen und eine weibliche Giftschüssel konstruieren. Das Mem tut aber so, als wären entsprechende Gefährdungslagen geschlechtsspezifisch völlig einseitig.

        (3) Bleibt das pragmatische Argument: wie nimmt man dem die Plausibilität? Meiner Meinung nach: nur offensiv! Indem man das vergiftete Zugeständnis (»not all men«) zurückweist und darauf besteht, dass die Infamie hier nur über Bande gespielt wird! Indem man also – Fazit – Rassismus weiterhin Rassismus nennt.

      • suwasu says:

        Antwort 1) und 2) leuchten mir ein. Antwort 3) finde ich schwierig, weil das vor allem Abgrenzung ist, aber nicht überzeugen kann. Überzeugen kann man eher mit 1) und 2). Das wären meiner Meinung nach die wesentlichen Einwände gegen das Mem.

        “Solche Situationen sind *inhärent* nicht völlig sicher, aber genau hier setzt die amerikanische Campus-Hysterie an: wann immer eine *uneindeutige* Situation vorliegt, wird dem Mann die Verantwortung zugeschrieben, während die Frau als Opfer gilt”

        Das entspricht in etwa meinem Argument, dass die Logik des Verdachts, umgesetzt in Maßnahmen, ungerechte Folgen zeitigt. Deshalb wird diese Logik zum Problem. Aber vermutlich gründet das Problem dann auch in dem oberflächlichen Blick, der auf Differenzierungen und damit auch auf eine Klärung der Schuldvorwürfe verzichtet, sondern präventiv auf den potenziellen Täter einwirkt. Vermutlich dürfte das auch mit Vorbeugung begründet werden: Man mag dem Manne vielleicht Unrecht tun, aber schützt die Frau vor dem Ernstfall.

        Mit Deiner Antwort 1) habe ich noch ein Problem. Und zwar ist das ein Problem, dass ich das Mem für mich nur ungenügend entkräften kann. Das Stereotyp ist ja, dass der nette Mann von Nebenan sich als Gewalttäter entpuppen kann. Es gehört ja zu den stehenden Narrativen, dass der Mörder/ Amokläufer/Kinderschänder/ Terrorist von den Nachbarn als nett und freundlich und unscheinbar wahrgenommen worden ist. Ich selber habe meine liebe Mühe, mich diesem Stereotyp entziehen zu können. Schließlich behauptet es, man könne Gut und Böse äußerlich nicht unterscheiden (womit der Staat ja seine intensiven Nachforschungen begründet).

      • djadmoros says:

        @suwasu: »ein Problem, dass ich das Mem für mich nur ungenügend entkräften kann«

        In der Praxis halte ich es für eine Frage von geübter Schlagfertigkeit: gerade in diesem Fall passt, wie ich finde, die Faustregel »Männer sind die Neger des Feminismus« ziemlich genau. Würde ich diesem »M&M«-Mem im Alltag begegnen, würde ich auf ironische Weise Verständnis antäuschen: »Ja klar! Wenn ich durch ein Stadtviertel laufe und lauter Neger sehe, dann weiß ich ja auch nicht, welcher von denen mich meiner Brieftasche wegen umbringen möchte! Wie – das ist nicht dasselbe?! Diese Neger sind doch alle schwarz! Wie soll ich die denn unterscheiden?! Vor allem, wenn es Nacht ist?!«

        Davon abgesehen gibt es noch das normale menschliche Mißtrauen: da kann man m. E. nur zeigen, dass man zu seinen eigenen Schrullen ein reflexives Verhältnis hat – so zu tun, als hätte man gar keine, macht einen eher »verdächtig«. Aber das sind Alltagsprobleme mit Alltagsvertrauen, und da wird man immer mal wieder auch auf Leute treffen, denen man in ihrem Mißtrauen eh’ nicht helfen kann.

      • Graublau says:

        @djadmoros: Ich würde das Wort “Neger” nicht verwenden.

        Ansonsten erinnere ich an den Klassiker Ausländerschritte. Ich habe in der Ecke gelegen vor lachen! Ja, es ist eine gute Idee, bei solchen Beispielen “Männer” wahlweise durch “Ausländer”, “Schwarze” und “Juden” zu ersetzen und dann festzustellen, wie es wirkt.

      • djadmoros says:

        @Graublau: Du verfehlst da die Pointe. Selbstverständlich ist »Neger« ein abwertender Begriff. Und genau darum spiegelt er die feministische Verachtung und den Rassismus im Gebrauch des Begriffes »Mann«! Der Gebrauch des Begriffs hat also eine provokative Funktion. In einem analytischen Text würde ich ihn nicht verwenden. In obigem Kontext war es eine simulierte wörtliche Rede.

      • Das Wort Neger passt schon. Damit ist die Abwertung des Mannes im Feminismus gut zu beschreiben, denn es handelt sich bei Feminist.I.nnen oft um eine unfaire, perfide Abwertung.

    • Roger says:

      Imagine a world… Stell die eine Welt vor, in der alle häßlichen Menschen böse und alle bösen Menschen häßlich sind. Es wäre so einfach.

  3. Graublau says:

    Nach dem 11. September 2001 habe ich oft den Spruch gehört: “Nicht alle Moslems sind Terroristen, aber alle Terrorsiten sind Moslems.” Dieselbe Logik, die jetzt gegen Männer verwendet wird, hat man also damals pauchal gegen Muslime angewandt.

    Aber zu den M&Ms: Man muss einfach die richtigen Fragen stellen zu dem Modell, um seine Schwächen aufzuzeigen:
    – Bestehen 50% der Nahrungsmittel als M%Ms?
    – Kann man die vergifteten M&Ms vermeiden, indem man den 90% anderen M&Ms ins Gewissen redet?
    – Sind 10% aller Männer Vergewaltiger?
    – Hat eine durchschnittliche Frau mit so vielen Männern Kontakt, wie M&Ms in einer Tüte sind, und wählt sie diese ausschließlich nach einem Kriterium aus, ohne sie genauer zu prüfen (sind in derselben Tüte / wohnen in derselben Stadt z.B.)?
    – Ist die erschöpfendste Prüfmöglichkeit bei Männern, auf das Äußere zu achten, und sehen alle Männer bis auf die Hautfarbe gleich aus?

  4. Henner says:

    Der wesentliche Punkt ist doch, dass die Relationen nicht stimmen. wenn ich 20 Millionen M & Ms habe und davon 1000 vergiftet sind, greife ich vielleicht doch zu, weil die Chance einer Vergiftung eher gering ist. Wenn die Chance, dass ich bei einem Verkehrsunfall ernsthafte Verletzungen /den Tod erleide, äußerst gering ist, bleibe ich dann lieber zu Hause?

  5. Robin Urban says:

    Das Bild ist einfach sowas von völlig schief. Ich bleibe kritikmäßig mal bei der Metapher:

    – 10% sind viel zu viel. Vor allem, was heißt das – “vergiftet”? Man erwischt eine und schon ist man tot (=vergewaltigt)? Oder gibt es da Abstufungen, vielleicht manche, die einem nur ein bisschen den Magen durcheinander bringen, bei anderen liegt man mehrere Tage flach, danach geht es einem aber wieder gut und wieder bei anderen, nämlich den ganz harten, ist es tatsächlich schon nach einem falschen M&M vorbei?
    – Das Bild lässt wirklich die Spezifität vermissen, wie dj sagt, allerdings würde ich das nicht unbedingt nur auf spezielle Situationen münzen, sondern auf individuelles Verhalten. Natürlich gibt es die Psychopathen, die sich eine perfekte Maske der Harmlosigkeit aufgesetzt haben, aber im Normalfall kann man anhand von wahrnehmbaren Merkmalen, sei es nun besondere Aggressivität, dem herausposaunten Weltbild o.ä. darauf schließen, welcher Mensch eher zu Übergriffigkeit und Gewalt neigt und welcher nicht. Sprich, man muss sich möglicherweise nur vor den roten M&Ms in Acht nehmen, weil die zu 10% vergiftet sind, während bei den anderen Farben nur 0,01% vergiftet sind. Das halte ich für ein vertretbares Risiko.
    – Kein Mensch muss M&Ms essen (ich mag sowieso lieber Smarties), aber alle Frauen müssen mit Männern leben. Mehr noch, die meisten Frauen WOLLEN ja mit ihnen leben, weil sie sie lieben. Bei diesem blöden Beispiel kann man locker sagen “Dann fress ich halt was anderes”, aber im echten Leben kann man sich nicht einfach so von allen männlichen Wesen abschotten. Das allein ist ja auch schon eine wirklich ekelhafte Vorstellung.

    “Jeder, der sagt, eine Frau müsse eben ein gewisses Risiko in Kauf nehmen, weil es keine absolute Sicherheit gäbe, steht auf argumentativ wackligem Boden.”

    Lustigerweise sehe ich das durchaus so.

    • Graublau says:

      Volle Zustimmung! Vielen Dank!

    • djadmoros says:

      Ja, das ist richtig: konsequent zu Ende gedacht läuft es auf einzelne Personen und ihr Verhalten hinaus – zumal Situationen erst duch die Anwesenheit bestimmter Menschen konkret und individuell werden. Wobei ich auch Deine weitere Differenzierung von M&M’s nach »Schadensklassen« ziemlich treffend finde.

  6. Pingback: Böse Verallgemeinerungen « jungsundmaedchen

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s