Die Störerin führt, die Männer schweigen

Nach wie vor ist die Frage interessant, warum Männer schweigen, während der Feminismus den Marsch durch die Institutionen vollführt.

Ich sehe einen wesentlichen Grund in dem Mechanismus der Störerführung.

Der Störer führt auf zweierlei Weise: Einerseits kann er durch dauernde Kritik Aktionen der Gruppe verhindern. Andererseits kann er durch permanente Forderungen Zugeständnisse der Gruppe erreichen. In beiden Fällen ist es die hohe Konfliktbereitschaft des Störers, die die Anderen zum Rückzug bewegt. Die Anderen wollen ihre Ruhe bzw. sich anderen Dingen zuwenden und deshalb ihre Energie nicht in einen anstrengenden Konflikt mit dem Störer investieren. Also gehen sie um des lieben Friedens Willen einen falschen Kompromiss ein und machen dem Störer Zugeständnisse. Die Hoffnung dahinter ist die, dass der Störer dann Ruhe gibt und den Anderen erlaubt, sich mit anderen Themen zu befassen.

Im Fall des Feminismus ist diese Rechnung offensichtlich nicht aufgegangen. Vielmehr folgte dem anfänglichen Zugeständnis die nächste Forderung und damit begann das Spiel von vorn. Diese Steigerungsdynamik zeigt sich auch in aktuellen Fällen.

Bei Christian hat mich der Kommentator Carnofis darauf aufmerksam gemacht, dass Feministinnen anfangs nicht aggressiv auftraten:

Damals wurden die Weichen gestellt, indem uns einige Frauen immer wieder machohaftes und militantes Verhalten vorwarfen. Das Ganze noch eher mit einem Grinsen, so dass wir abends noch zusammen auf ein Bier zum Griechen gehen konnten.
Aber auf diese Weise erreichten sie im Verlaufe der Jahre immer mehr Sonderstati, die irgendwann schlicht nur noch undemokratisch waren. Aber da hatten wir es schon mit aeinem anderen Typ Frau zu tun, radikal, hysterisch. Und mit dem wir garantiert nie zum Griechen gegangen wären

(Kommentar in dem thread: http://allesevolution.wordpress.com/2014/06/24/wenn-du-kritik-an-meiner-meinung-auserst-dann-gehorst-du-zur-gegenseite/)

Einfallstor der Erfüllung der Forderungen sei das schlechte Gewissen gewesen, dass die Frauenbewegten den Männern eingeredet hätten. Dadurch fühlten sie sich veranlasst, Frauen in der Partei der Grünen (der Carnofis in der Frühzeit nach eigenen Angaben angehört hatte) gewisse Vorrechte einzuräumen. Vermutlich aus diesen Sonderstati heraus ließen sich weitere Forderungen stellen, die vielleicht sonst nie Gehör gefunden hätten. Laut Carnofis übernahmen aber dann eher aggressiv auftretende Feministinnen die Regie.

Wie im Märchen vom Fischer und seiner Frau hat man diesen Feministinnen offenbar weiterhin Forderungen erfüllt. Man ist vor dem Konflikt zurückgewichen und hat letztlich getan, was die Feministinnen verlangten. Was um des lieben Friedens Willen geschah, brachte keinen Frieden. Stattdessen wurden die Forderungen unmäßiger. Schon das alte Märchen lehrt, dass Kooperation nicht hilft. Stattdessen hätte der Fischer bzw. hätten vernünftige Politiker oder die Männer per se ab einem Punkt schlicht “nein” sagen müssen. Ohne diese Grenzziehung ist die Steigerungsdynamik offenbar nicht aufzuhalten. Die Störer lernen schließlich, dass ihre Taktik erfolgreich ist. Es gibt mithin keinen Grund, sie aus freien Stücken aufzugeben.

Das Problem daran ist, dass der Feminismus die Männer nicht aus der Nummer “Männer sind Unterdrücker” entlässt. Vermutlich haben Männer versucht, die Vorwürfe des Machotums und der Frauenunterdrückung ernst zu nehmen und darum haben sie sich bemüht, Frauenpolitik und Frauenförderung zu betreiben. Sie hofften, dass die Frauenbewegten dies auch anerkennen würden. Das Gegenteil ist der Fall: Unablässig wurde betont, wie patriarchalisch die Gesellschaft nach wie vor sei. Gerade auch jene, die glaubten, keine Machos zu sein, wurden als Vertreter des Patriarchats kritisiert. Es gibt viele Beispiele, wo jene, die sich dem Feminismus andienen, von Feministinnen heftig kritisiert werden: Sie wollten ja bloß besondere Anerkennung dafür, sprich: sie täten es doch bloß für ihre männlichen Egos.

Psychologisierung von gesellschaftlichen Phänomenen ist immer so eine Sache. Aber letztens hatte ich eine Diskussion, die ein ähnliches Muster aufzeigte: Sie begann mit einem Vorwurf gegen mich, bezogen auf einen politischen Irrtum. Alle Vermittlungsversuche und Zugeständnisse, alle Differenzierungen konnten an dem Ausgangsvorwurf nichts ändern. Er wurde mit unverminderter Schärfe aufrecht erhalten. Für mich als von der Kraft der Argumente ausgehende Person war das schwer zu begreifen. Ein unbeteiligter Dritter jedoch meinte lapidar, dass mein Diskussionsgegner sich schlicht zwanghaft verhalte und die Empörungssituation durch Ignoranz aufrechterhalte. Dieses Verhalten als zwanghaft zu betrachten, dazu war ich gar nicht in der Lage, denn ich folgte der Illusion, Argumente könnten generell und immer etwas bewegen.

Das ist offenbar falsch. Die Steigerungsdynamik im Umgang mit dem Feminismus folgt eigentlich ähnlichen zwanghaften Mustern, das durch Argumente allein nicht aufzubrechen ist. An Stelle der Argumente hätte eine harte Grenzziehung stehen müssen. So wie ich persönlich die Diskussion hätte schlicht beenden müssen, hätte man an einem gewissen Punkt auch die Diskussion mit einem bestimmten Teil des Feminismus beenden müssen. Theorien hin oder her.

Aus meiner persönlichen Erfahrung kenne ich weitere Parallelen: Ich habe diesen Mechanismus in Beziehungen wirken sehen, wo Frauen Forderungen erhoben, die dann von Männern um der Ruhe willen erfüllt worden sind, was aber zu weiteren Forderungen führte und so weiter (Vermutlich geht das genauso gut umgekehrt, Männer sind diesbezüglich kaum bessere Menschen). Vielleicht haben alle diese Phänomene schon etwas damit zu tun, dass man weibliche Forderungen für legitim hält, während man männliche Interessen eher delegitimiert als “egoistisch”. Und so könnte es kommen, dass die eine Seite nicht an ihrem Recht zweifelt, immer mehr vom Manne zu verlangen, während die andere Seite immer glaubt, es den Frauen irgendwie recht machen zu müssen. Angesichts permanent steigender Forderungen entwickeln diese Frauen jedoch immer das Gefühl, dass sie ins Hintertreffen geraten. Sie sehen nicht mehr die erfüllten Forderungen, sondern vielmehr das, was noch lange nicht erfüllt worden ist. Und darum bleibt in ihren Augen das Bild des faulen, egoistischen, unengagierten Mannes plausibel.

 

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11 Responses to Die Störerin führt, die Männer schweigen

  1. Da könnte gut auch das unterschiedliche Streitverhalten von Männern und Frauen reinspielen. Dazu habe ich hier etwas geschrieben:

    http://allesevolution.wordpress.com/2014/03/13/manner-streiten-um-sachverhalte-frauen-um-beziehungen/

    Danach wollen Männer eher konkrete Probleme lösen und Frauen die Beziehung ändern. Da die Beziehung hier durch “das Patriarchat” gestört ist (welches gar nicht existiert) ist der tatsächliche Grund nie behoben. Man arbeitet dann an verschiedenen Problemen (er: “gut, dann sorgen wir dafür, dass mehr Frauen in Führungspositionen kommen, dann haben wir das erledigt” sie:”ich fühle mich im Mann Frau verhältnis immer noch unterdrückt! Ändere das!” er”gut, mal sehen, was wir noch machen können”)

    • suwasu says:

      Ja, das in Klammern beschriebene Beispiel bringt es gut auf den Punkt.

      Obwohl ich – ganz ehrlich- nicht erkennen kann, dass Männer so sachbezogen sind. Aber da ist mein Blick vermutlich verzerrt durch diverse Internetdebatten.

      • Es ist wie häufig in solchen Fällen natürlich ein “Im Schnitt” und kein “absolut”. Und es meint ja auch nicht zwangsläufig sachlicher, sondern eher auf das Sachproblem ausgerichtet, während Frauen mehr auf der Beziehungsebene denken. Im beiden Fällen kann man unsachlich sein.

        Natürlich gibt es auch viele Männer, die sehr auf der Beziehungsebene argumentieren

  2. Matze says:

    “Ich habe diesen Mechanismus in Beziehungen wirken sehen, wo Frauen Forderungen erhoben, die dann von Männern um der Ruhe willen erfüllt worden sind, was aber zu weiteren Forderungen führte und so weiter (Vermutlich geht das genauso gut umgekehrt, Männer sind diesbezüglich kaum bessere Menschen). Vielleicht haben alle diese Phänomene schon etwas damit zu tun, dass man weibliche Forderungen für legitim hält, während man männliche Interessen eher delegitimiert als “egoistisch”. Und so könnte es kommen, dass die eine Seite nicht an ihrem Recht zweifelt, immer mehr vom Manne zu verlangen, während die andere Seite immer glaubt, es den Frauen irgendwie recht machen zu müssen.”

    War ja gerade bei Genderama und ich musste daran denken als ich diesen Abschnitt sah:

    “The women were also more likely to use controlling behavior such as banning their partner from seeing certain people, including friends and family.

    A lecturer in applied psychology Elizabeth Bates conducted the study and said about the findings: “This study found that women demonstrated a desire to control their partners and were more likely to use physical aggression than men.”

    http://genderama.blogspot.de/2014/06/neue-studie-bekannte-ergebnisse-frauen.html

    Dieses anscheinende Bedürfnis der Kontrolle und Erziehung des Partners kenne ich aus meinem Freundeskreis zuhauf. Ihre Freunde werden seine Freunde und für seine Freunde ist keine Zeit mehr. Oder Kontrollanrufe durch die Frau wenn er mal ohne sie los ist. Es ist die Minderheit, aber diese meine Freunde tun mir manchmal ehrlich leid.

    • suwasu says:

      Solch starke Kontrollfixierung habe ich so in jüngerer Zeit nicht erlebt. Vielmehr habe ich eben diesen Zirkel aus Forderungen, Erfüllung, stärkeren Forderungen gesehen, wobei sie eben die Fordernde war und er derjenige, der wie bei Hase und Igel lief und lief und trotzdem immer verlor.

      Astrid von Friesen hat in ihrem Buch “Schuld sind immer die anderen” ähnliches beschrieben und Beispiele gebracht, wo Frauen von ihren Partnern Tätigkeiten forderten. Wenn der Partner tat, wie geheißen, wurde er heruntergemacht, wie falsch er das gemacht habe. Das ist der Klassiker und das kenne ich nur zu gut, vor allem im Bereich Erziehung.

      Erst heißt es: mach Du auch mal. Aber sobald man Hand anlegt: Nein, so doch nicht! Sondern so! (Wie ich das will und wie ich das für richtig halte, wie kannst du es wagen, eine eigene Vorstellung davon zu haben, was richtig udn falsch ist)

    • petpanther says:

      Dieses Verhalten hat sich zum Mainstream entwickelt. Privat wie öffentlich.

      Es zeigt eine entgrenzte Aggression, die keiner sozialen Kontrolle mehr unterliegt. Eigentlich ein anti-soziales Verhalten, dass niemand tolerieren ksm und auch nicht sollte. Das ist meist auch verdeckt und entwickelt hier so auch seine Destruktivität.

      Viel der sog. Häuslichen Gewalt hat hier vermutlich auch seinen Ursprung. Das geht meist von Frauen mit genau diesen Aggressionsmustern aus. Viele Beziehungen enden auch genau daran.

      Da dieses eigentlich kindlich gestörte Verhalten sozial nicht geahndet wird, sollten Männer heutzutage möglichen Beziehungen sehr viel reservierter gegenüberstehen geschweige denn heiraten. Viele Frauen sind auf diese Weise weder menschlich für gute Beziehungen geeignet noch vertrauenswürdig genug tatsächliche Nähe zuzulassen, da genau dies der Angriffspunkt ist, um damit Männer für sich selbst gewinnbringend in so etwas hineinziehen. Und sich selber dann als Opfer zu stilisieren.

      Ich würde sogar soweit gehen, dass sich viele Frauen heutzutage dessen sogar bewusst sind.

  3. Was ich grundsätzlich richtig finde, ist die Idee, daß Feminismus im Privatleben startet und gestartet ist.

    Ob der Rest deines postes stimmt …..

    …. aber das ist vielleicht im Moment auch gar nicht so wichtig.

    • suwasu says:

      “Ob der Rest deines postes stimmt …..” weiß ich natürlich auch nicht 😉

      Im Moment halte ich es aber für plausibel. Rein aus der Selbstbeobachtung heraus: Ich merke, dass ich versuche zu argumentieren mit Personen, die für Argumente gar nicht zugänglich sind. Das Argumentieren ist ein vollkommen untaugliches Mittel in diesen Fällen. Der dahinter liegende Glaube, dass mit besseren Argumenten so etwas wie Einsicht beim Gegenüber entstehen könne, ist aber gleichzeitig genau das, was dem Gegenüber ermöglicht, mir Themen aufzudrängeln. Rechtfertigungspflichten z.B. Oder was auch immer.

      “Was ich grundsätzlich richtig finde, ist die Idee, daß Feminismus im Privatleben startet und gestartet ist.”

      ob das schon immer so war, weiß ich nicht. Im Moment setzt der Feminismus aber dort auch an, wenn er über Sexualität, über Persönlichkeit und Geschlechterrolle spricht. Er lässt da keine Privatheit und keine Dunkelzone mehr zu, jede Neigung, jedes Verhalten des Privatmenschen wird zu einem politischen Problem gemacht. Sehr übergriffig.

      Manchmal bin ich aber auch in misogyner Laune geneigt zu sagen: diese “Logik” entspricht dem verbreiteten weiblichen Denken in den Kategorien des sozialen Nahfeldes. Diese “Logik” ist personalisierend wie eine Zeitungsstory über Politiker und sie ist sehr weit entfernt von der nüchternen Rationalität männlicher Logik. Naja, Verallgemeinerungen 😉

      Aber es ist sehr wohl denkbar, dass die Anschlussfähigkeit des Feminismus sich dieser Seifenopern-Logik verdankt.

  4. Pingback: Die Geschlechterdebatte als Beziehungsstreit | Alles Evolution

  5. ReVolte says:

    Ich sehe die Situation ähnlich. Virtual-CD, drüben bei geschlallerlei hat dafür ja kürzlich eine evolutionspsychologische Erklärung bemüht. Jedoch sollte m.E. vor dem Hintergrund gewaltiger kultureller Leistungen hierzulande ausreichend Reflektionsvermögen diesbzgl. vorausgesetzt werden.
    Insofern und auch weil nach aller Erfahrung – und derer gibt es inzwischen reichlich – auf rationaler Basis ganz offensichtlich keine Verständigung GEWÜNSCHT ist, dürfte die Störerstrategie DAS Mittel der Wahl bleiben, um sich der Verfügungsmasse Mann auch weiterhin bedienen zu können. Wir brauchen uns da keinen Illusionen hinzugeben, denn mit jedem naiven Zugeständnis in der Hoffnung das Weib gibt endlich Ruhe, erhöht sich das Maß impertinenter Anspruchshaltung. Aufkommender Misogynie müssen wir uns deshalb nicht verantwortlich fühlen. Sie selbst sind es, die das stereotype Bild zänkisch, launisch, anspruchsvoll auf diese Weise generieren.

    Abschließend die Frage, welche Handlungsoptionen LoMi für wirksam erachtet.

  6. Seitenblick says:

    Die Steigerungsspirale ist m.E. eine zutreffende Beschreibung der Abläufe.
    Ebenfalls einleuchtend finde ich, dass die Zugeständnisse zunächst gemacht wurden, weil man meinte, anschließend kommt man zu anderen Fragestellungen zurück.

    Ein entscheidender Punkt scheint mir das hier zu sein:
    >Schon das alte Märchen lehrt, dass Kooperation nicht hilft. Stattdessen hätte der Fischer bzw. hätten vernünftige Politiker oder die Männer per se ab einem Punkt schlicht “nein” sagen müssen.

    Offenbar fand aber der Lernprozesse “meine Reaktion stoppt den nervigen Ablauf nicht, sondern hält ihn sogar am Laufen, also muss ich etwas anders machen” nicht statt.

    Warum nicht?
    Das eingeredete schlechte Gewissen? Sicherlich ein Grund, der insbesondere für eine bestimmte Gruppe der Männer gilt.
    Dass man die Gegenspieler nicht Ernst genommen hat – also eine Form von Überheblichkeit?
    Oder spielt hier vielleicht Konfliktunfähigkeit eine Rolle? Sind doch mehr Männer harmoniesüchtiger, als die Klischees es vermuten lassen?

    Was ich mich sonst noch frage: Könnte es vielleicht sogar sein, dass sich hinter dieser maßlosen Forderungsspirale eine sinnvolle Anforderung gegenüber “den Männern” versteckt?
    Kinder brauchen zum Beispiel von Erwachsenen, dass diese auch Grenzen setzen, weil sie dadurch ihr Gegenüber auch als stabil erleben. Ein klares Nein steht für Eindeutigkeit, dafür, dass es klare Grenzen gibt, für Positionen. Das ist eine Erscheinungsform von Kraft.

    Ich glaube, wir müssen das Nein der Männer im kollektiven Bewusstsein als Tugend verankern ;-).

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