“Frauengewalt? Das glaube ich nicht!”

Gewalt ist ein Skandalthema. Hier kochen die Emotionen hoch. Die Diskussion zu versachlichen, ist darum meist schwer. Nicht wenige Menschen haben einen falschen Eindruck von der Häufigkeit der Gewalt und ihrer Opfer. So fürchten Alte und Frauen oft, die Hauptopfer von Gewalt zu sein. Tatsächlich sind die meisten Gewaltopfer männlich und keine Rentner. Wenn ich das in die Diskussion einbringe, schlägt mir oft ärgerliche Abwehr entgegen. Auch wenn ich darauf hinweise, dass das Gefühl einer ständig ansteigenden Gefahr keinerlei Basis hat in den tatsächlichen Zahlen, wird darauf oft mit Empörung reagiert. Die liebgewonnene Kriminalitätsfurcht möchte man offenbar nicht gerne aufgeben.

In letzter Zeit habe ich aber auch öfters in Diskussionen erwähnt, dass häusliche Gewalt keine reine Männerdomäne ist. Ich habe eingeworfen, dass manche Studie sogar ein Gleichgewicht der Geschlechter behauptet. Auf diese Aussagen wurde nicht mit Empörung reagiert. Vielmehr gab es ein intensives und ausdauerndes Kopfschütteln. “Das kann ich nicht glauben!”, hieß es. Dieser Satz wurde wieder und wieder gesagt. Eine Person reagierte gar zunächst mit Sprachlosigkeit. Erst dann der Zweifel: “Das glaube ich nicht. Ist das wirklich so? Das kann ich mir nicht vorstellen.” Der dann häufig wiederholt wurde.

Interessanterweise war dieser Zweifel ansteckend. Ich wurde unsicher. Schließlich bin auch ich mit der Vorstellung aufgewachsen, dass Männer ihre Frauen schlagen. Der umgekehrte Fall war auch für mich die längste Zeit undenkbar. Ich bin kein Experte für dieses Thema und habe meine Weisheiten auch nur aus den einschlägigen Blogs. Die anerzogene Wahrheit (die mir auch nicht über Statistiken oder Studien, sondern über Behauptungen vermittelt worden ist) ist nicht selten stärker als das, was Blogger berichten.

Ich kann hier im Moment keine für den Maskulismus interessante Schlussfolgerung daraus ziehen. Es sind ja auch Einzelfälle, die ich hier schildere. Spannend war eben das wahrhaftige Erstaunen und daher wohl auch das Ausbleiben der Empörung. Im Falle der Gewalt allgemein gelten meine Aussagen vielen schlicht als falsch und darum als Ärgernis. Aber die Aussage über häusliche Gewalt gilt ihnen offenbar nicht als falsch, sondern als irrsinnig. Das Kopfschütteln wäre vermutlich ähnlich, hätte ich von einer Begegnung mit Außerirdischen gesprochen. Relativiere ich die gefühlte Gewaltbedrohung, gilt das als “Kleinreden” oder “Schönfärberei” und das wird von meinen Diskussionspartnern offenbar als politische Hinterhältigkeit interpretiert. Wenigstens fühlen sie sich in ihrer Wahrnehmung, die sie absolut setzen, nicht ernst genommen. Das macht die Wut zumindest nachvollziehbar. Aber diese Wut bleibt beim Thema “Häusliche Gewalt” aus. Hier ist es eher so, dass die Leute mich dann nicht ernst nehmen. Was ich sage, ist nicht falsch, sondern abwegig. Es ist offenkundig mein Problem, denn ich hänge dann aus der Sicht dieser Leute einer abstrusen Meinung an, es ist eine Verirrung, die wohl auch Fremdschämen auslöst. Das Kopfschütteln könnte auch Ausdruck der Verwunderung sein, dass ein intelligenter Mensch wie ich solch einem Irrglauben anhängen kann.

Ich weiß nicht, ob diese wenigen Erlebnisse irgendwie repräsentativ sind. Hat jemand von Euch das ähnlich erlebt?

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36 Responses to “Frauengewalt? Das glaube ich nicht!”

  1. Martin Domig says:

    Ich habe es genau umgekehrt erlebt: als ich erzählte, dass es hunderte Studien dazu gibt, dass Häusiche Gewalt etwa gleich oft von Männern und Frauen ausgeht, war die Reaktion:

    Ja klar, hast du das etwa nicht gewusst?

    Der Unterschied war vermutlich, dass ich mit Psychologen darüber gesprochen habe. Die sind es gewohnt, dass sehr vieles von dem, was die meisten Menschen über manche Themen denken, völlig falsch sind.

    • suwasu says:

      Stimmt, das ist interessant.

      Ich habe mal mit einer feministisch inspirierten Wissenschaftlerin darüber gesprochen, die hat mir bestätigt, dass das Thema Frauen und häusliche Gewalt unterbelichtet ist. Auch das war mal eine spannende Reaktion.

      Ich muss zugeben, ich habe es auch sehr lange nicht gewusst. Ich habe zum Thema “Gewalt” Seminare gemacht und war der Annahme, dies sei ein reines Männerthema. Die vorbereitende Lektüre hat dann einiges aufbrechen können von diesen Vorstellungen. Zur häuslichen Gewalt habe ich allerdings im wesentlichen die Beiträge von Genderama gelesen. Und ich kenne Männer, die diese Gewalt zu spüren bekamen.

  2. evilmichi says:

    Meinst du häusliche Gewalt oder allgemein Gewalt, die von Frauen ausgeht?

    • suwasu says:

      Erlebt habe ich das im Zusammenhang von häuslicher Gewalt durch Frauen.

      Dass Frauen Gewalt ausüben, ist da noch eher akzeptiert, als dass sie das gegenüber ihren Männern tun. Meine Überschrift spitzt daher unzulässig zu.

  3. djadmoros says:

    Die Zeit, in der ich solche Themen noch intensiv live diskutiert habe, liegt schon länger zurück, und damals gab es die betreffenden Studien zur häuslichen Gewalt noch nicht, oder ihre Existenz war kaum bekannt.

    Aber genau darum verstehe ich Dein Problem nicht so ganz: *heute* müsste man den Leuten doch eigentlich nur den veränderten Stand der Wissenschaft entgegenhalten, oder? Gegebenenfalls so konfrontativ, dass ein paar kognitive Dissonanzen dabei entstehen.

    Spätestens in dem Moment, in dem mich jemand behandelt, als würde ich an »Außerirdische« glauben, wäre bei mir nämlich der Bock fett und ich würde mich zu dem Thema aus der Literatur sattelfest machen und dann die Lanze einlegen.

    • suwasu says:

      Da meine Erlebnisse jüngeren Datums sind, beginnt gewissermaßen erst jetzt die Phase der Lektüre zu dem Thema. So ich denn zeitlich dazu komme. Hier wird es sehr kompliziert, denn Beruf und Familie und lange Fahrtzeiten machen strikte Selektion notwendig.

      Ein konkretes Problem habe ich damit ja auch nicht beschreiben wollen. Ich staune einfach über diese Reaktion.

  4. petpanther says:

    Ich glaube mich zu erinnern, dass viele seriöse Studien auch aussagen, dass Frauen häufiger als Männer die sog. Gewaltspirale instigieren. Meist mit zunehmend relationaler Gewalt (Black Mailing, aggressive Unterstellungen gepaart mit Verleugnungen eigener Handlungen, …) und nicht mehr hinnehmbare Grenzverletzungen.

    Da gibt es offenbar eine grundsätzliche Enthemmung hin zu eher gewalttätiger Konfliktbewältigung bei Frauen. Scheint mir an der immer schlimmer werdenden Befreiung von Konsequenzen ihres Handelns zu liegen (Mann immer Täter etc., erziehungsmäßig wie auch dann gesellschaftlich).

    Denke das ist langsam auch ein größeres Problem.

    • @petpanther

      Die meisten Frauen, die Männer als Quelle körperlicher Gewalt sehen, geben spontan zu, daß Frauen in der Regel die Quelle psychischer Gewalt sind.

      Die Sache mit der Enthemmung sehe ich genauso – ist lebenslange Erfahrung.

      • petpanther says:

        @elmar

        Yup.

        Seltsam dann auch, die sogar offene Leugnung der eigenen Verantwortlichkeit daran.

        Da verbirgt sich enorm viel dahinter. Viele Frauen zerstören ihre Beziehungen damit. Aber das ist auch noch weiter und tiefer reichend. Eine Art sozialer Dysfunktionalität auf interner intimer Bindungs- wie auch gesellschaftlicher Ebene. Die dann nicht nur Männer, sondern auch Kinder trifft (siehe z.B. Russell’s Video unten) und sich so selbstverstärkend und rekursiv fortsetzt.

      • @petpanther

        Das hier soziale Dysfunktionalität genannte Problem sehe ich bei Frauen genauso: Viele Frauen kriegen ja nicht mal ein flüssiges und freundliches Gespräch hin, von einer Kontaktaufnahme zu fremden Menschen ganz zu schweigen.

        Aber es ist mir noch immer völlig unklar, woher das eigentlich kommt – obwohl ich natürlich die üblichen These dazu (Hypoagency, Weiblichkeit, soziale Erwünschtheit) kenne. Die Sache ist im Moment einfach zu komplex und ich weiß nicht, wie ich analytisch aufrüsten kann.

      • suwasu says:

        Hier stellt sich aber auch die Frage, inwiefern man diese Dinge für den Maskulismus ergründen muss. Braucht man das, um anschließend politisch aktiv zu werden?

        Hypoagency wirkt zwar überzeugend auf dem ersten Blick, ist aber letztlich bloß deskriptiv, ein Sammelbegriff, der gewisse Beobachtungen bündelt, labelt und bewertet. Das gilt vermutlich für die anderen Konzepte ebenso.

        Wahrscheinlich muss man doch mehr auf nichtlineare Wechselwirkungen achten, also auf das, was beide Seiten tun und wie man aufeinander reagiert. Gewalt ist auch eine Form der Kommunikation. Vielleicht muss man die Botschaft der Gewalt entschlüsseln, jenseits der üblichen Generalthesen (= Gewalt als Ausdruck patriarchaler Macht).

        Hier wäre auch ein Wort von David mal interessant, um die eher pathologischen Fälle zu identifizieren, in denen also Personen mit psychischen Problemen durch Gewalt auffällig werden. Nicht jeder Vorfall ist ein gesellschaftliches Problem.

      • petpanther says:

        @Elmar

        Also Hyopagenz und sozial konsequenzlose, ggf. erwünschte, Verdrängung (vor sich selbst und auch extern ins soziale Umfeld gerichtet, d.h. eigentlich lügen) sind doch schon einmal “analytische” Ansatzpunkte.

      • suwasu says:

        Ich finde eher, dass Hypoagenz das zu Erklärende ist.

      • @petpanther

        Na ja, ich seh das Problem eher darin, daß hypoagency oder Verdrängung Tendenzen im intentionalen Verhalten beschreiben. Was ich viel lieber hätte, wären Handlungsgründe. Aber dafür brauchen wir vermutlich eine elaborierte Theorie der Weiblichkeit.

        Allerdings … das ist mehr geraten als vermutet.

      • petpanther says:

        @LoMi

        Ja. Auch da ist etwas dran.

        Zumindest ist es ein Kontroll- und Dominazverhalten, dass dann auch zur Gewaltform werden kann und wird. Mit unterschiedlicher Methodik.

        Es wird damit häufig ein Erpressungsszenario aufgebaut.

  5. Arne Hoffmann says:

    Ich habe diese Reaktionen selbst nicht erlebt. Vor zwei Jahren sagte sogar einer meiner Freunde, der nur grob mitbekommt, worüber ich schreibe, auf einer Geburtstagsparty zu mir: “Hey, wusstest du, dass die meiste häusliche Gewalt von Frauen ausgeht?” Der Betreffende ist in der Geschlechterdebatte nicht sehr firm; wegen seiner zeitintensiven Managementposition kommt er ohnehin selten dazu, populärwissenschaftliche Bücher etc. zu lesen – trotzdem war dieses Wissen irgendwie zu ihm durchgesickert. In den letzten Jahren haben ja auch die unterschiedlichsten Medien bis hin zu Spiegel Online über die tatsächliche Häufigkeitsverteilung berichtet.

  6. petpanther says:

    Hatte das schon einmal EvoChris Seiten gepostet, da es auch Passagen zum Thema sexueller Gewalt von Frauen gegenüber Jungen enthält. Zu sehen ist ein Youtuber namens Russell Lindquist, der Themen um gesellschaftliche Gewalt und Rassismus im Fokus hat.

    Er spricht ein dann auch ein Thema an, dass wie ich finde noch sehr stark tabuisiert ist. Über das nicht so häufig gesprochen wird, aber das m.E. sehr einflussreich ist, nämlich die weitgehend bagatellisierte Gewalt durch Mütter und die Konsequenzen in Richtung was dann Kinder für Lehren daraus ziehen.

    Hier würde ich auch ergänzen, dass z.B. die gar nicht so seltene Problematik bzw. größere Rolle von mehr oder weniger bindungsgestörten verunsicherten Frauen auf der unausweichlichen Ebene, nämlich der zu ihren eigenen Kindern (vor allem dann auch im Baby- und Kleinkindalter), in dieser Hinsicht fast gar nicht wahrgenommen wird. Ein Unvermögen Bindung aufzubauen, dass sich dann in Gewaltverhalten äußert. Nicht unbedingt immer physisch.

    Russell erwähnt u.a. auch die Research Gruppe Suzanne Steinmetz, Murray Strauss und Richard Gelles, die dieses Thema näher (feminismusfrei und nicht politisch korrekt, d.h. tatsächlich seriös) untersucht haben.

    Das Video ist am Anfang etwas langatmig an Beispielen, die auch recht graphisch sind (Trigger!) und insofern weh tun. Aber seine Darstellung ist wie ich meine zu dem Thema lohnenswert anzusehen (z.B. ab 7:38).

  7. Seitenblick says:

    >Das Kopfschütteln könnte auch Ausdruck der Verwunderung sein, dass ein intelligenter Mensch wie ich solch einem Irrglauben anhängen kann.

    Ich kenne solche Reaktionen ebenfalls.
    Ich vermute, die Abwehr bzw. der Unglaube hat mit einem Mechanismus zu tun, der quasi ubiquitär ist: Wir haben einen gesellschaftlich verankerten Reflex, bei Punkten, die mit dem propagierten Frauenbild kollidieren (friedfertig, sorgend, etc), automatisch in einen Entschuldigungs- und Relativierungsmodus umzuschalten.

    Ich erinnere mich noch an einen Vergleich zwischen Zeitungsberichten über Gerichtsverhandlungen, bei denen es um die gleichen Straftaten ging, die mal von Männern und mal von Frauen begangen wurden. In den Berichten mit den Frauen als Tätern kamen standardmäßig entschuldigende Formulierungen wie “war überfordert/wusste nicht mehr weiter/aus Hilflosigkeit tat sie schließlich …” etc vor. Bei den Berichten über die männlichen Täter gab es diese deutlich weniger oder gar nicht.
    Hier gibt es m.E. einen Reflex, der zur weiblichen hypoagency gehört: Sie werden in dem Fall nicht als voll verantwortlich für ihre Taten wahrgenommen – im Interesse der Bewahrung des Idealbildes. Damit werden sie natürlich im Bedarfsfall infantilisiert, aber diesen Preis macht sich kaum jemand klar.

    Ich denke, dass solche Entschuldigungs- und Abmilderungsmechanismen bei dem Unglauben im Hintergrund stehen.

  8. Wie hieß doch gleich diese Künsterlin … ich versuche schon ewig ihren Namen rauszubekommen … die mal in einer Ausstellung (war es London?) eine performance gemacht hat, bei der sie sich selbst gefesselt zum Quälen angeboten hat … war sie nicht irgendwie asiatischer Herkunft? … das Ergebnis war, daß Männer das kopfschüttelnd zur Kenntnis genommen haben und das Angebot, der Künstlerin Schmerzen zuzufügen, durch die Bank abgelehnt haben. Aber einige Frauen haben ihre Männer dazu gebracht, stellvertretend für sie selbst die Künstlerin zu quälen, sie selbs haben das nicht gemacht …. das muß in den 70igern gewesen sein … kann da jemand weiterhelfen?

    Google spuckt nichts Verwertbares aus.

    Und vermutlich kennen das einige auch aus ihrer Kindheit: Mütter drohen ihren Kinder mit dem Vater, sie versprechen ihnen, daß sie ihren Ehemann zu der Gewaltausübung bringen werden, die sie selbst nicht ausüben.

    LoMi … deine posts sind etwas seltsam in letzter Zeit.

    • petpanther says:

      @Elmar

      Das ist die typische hypoagente Ausprägung weiblicher Gewalt “Violence by Proxy”. So sind sie immer unsichtbar.

      “LoMi … deine posts sind etwas seltsam in letzter Zeit.”

      Find ich jetzt nicht. Das ist eigentlich ein wichtiges und spannendes Thema. Das auch mehr zur Sprache kommen sollte.

      • @petpanther

        Was das Thema häusliche Gewalt angeht, kann man das bei Arne in extenso nachlesen. Meiner Meinung nach müssen wir das in den blogs nicht immer wieder durchorgeln, denn blog sind mehr dazu da, Ideen zu entwickeln.

        Was aber die sozialen Quellen weiblicher und männlicher Gewalt angeht, wäre es schon interessant, wackeligen Boden zu betreten. Denn diese Quellen müssen nicht gleich sein und wenn sie es nicht sind, dann sagt das etwas darüber aus, welche Faktoren im Leben der Geschlechter wirklich dominant sind. Denn der Feminismus mißversteht ja nach wie vor die Geschlechterrollen und Maskulisten haben dem im Moment noch nichts entgegenzusetzen.

    • suwasu says:

      Meine posts sind im Moment eher subjektiv und weniger analytisch. Muss ab und an auch mal sein. Für analytische Texte fehlt mir derzeit die Muße und die innere Ruhe.

  9. HansG says:

    Die Tatsache, dass Frauen bei häuslicher Gewalt nicht zurückhaltender sind und sogar deutlich häufiger zu »Waffen« wie Nudelholz, Messer und Bratpfanne greifen wird in den Medien größtenteils verschwiegen. Wer sich nicht aktiv mit dem Thema beschäftig wird also nur selten über die wahren Verhältnisse aufgeklärt. Im Gegenteil wird überwiegend das Bild vom Mann als TäterIn und der Frau als Opfer gezeichnet.

    Wir haben es hier demnach mit einem erlernten und ständig wiederholten Weltbild zu tun. Wenn du den Menschen jetzt völlig gegenteiligen Ansichten erörterst musst du mit entsprechender Dissonanz rechnen.

    Hätte man mich vor drei Jahren mit seriösen Studien konfrontiert hätte ich ebenfalls den Kopf geschüttelt. Woher sollen den die vielen gewalttätigen Frauen, quasi aus dem Nichts, plötzlich auftauchen? Schließlich hat man doch erst letzte Woche in Medium X lesen, hören oder sehen können, dass praktisch ausschließlich Frauen die Opfer sind.

    Das sehe ich nicht als grundsätzliches Problem an. Allerdings muss die Diskussionsstrategie überdacht werden. Ich halte es für notwendig den Gesprächspartnern klar zu machen, dass man ihre Haltung versteht und vor einiger Zeit selbst eingenommen hat. Dann haben sich die eigenen Ansichten geändert, da man sich intensiver mit dem Thema beschäftigt hat und über Informationslücken gestolpert ist. Demnach gibt es mittlerweile weltweit einige hundert Studien die andere Tatsachen belegen. Auch zeigte sich dabei, dass viele aktuelle Studien ein »bestelltes« Bild zeichnen sollen, indem zum Beispiel ausschließlich Frauen zu ihren Gewalterfahrungen befragt werden. Und darüber hinaus wird in diesen Studien der Begriff Gewalt soweit bagatellisiert, dass er praktisch bedeutungslos und Gewalterfahrungen zwangsläufig alltäglich werden.

    Natürlich wird sich auch damit nicht jeder von seiner gefestigten Meinung abbringen lassen. Ich halte es aber für deutlich wahrscheinlicher, dass zumindest ein Denkprozess einsetzt der die Dissonanz nicht einfach beiseite wischen sondern mit Fakten und Belegen auflösen will.

    Oder um es kurz zu formulieren: Wenn du den Menschen offen und direkt ins Gesicht sagst, dass sie keine Ahnung haben werden sie ihre Haltung immer verteidigen.

    • @HansG

      Das ist richtig, Psychologen wissen das längst: Je konträrer die Meinungen sind, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, daß man sich gegenseitig in einer Diskussion nicht überzeugt, sondern noch stärker radikalisiert.

      Mäßigung im Ton, was die linken Maskulisten ständig predigen, nützt da gar nichts. Man muß den Leuten Zeit geben, sich an die neue Meinung zu gewöhnen, sie langsam der alten Position entfremden. Und die vom linken Maskulismus als Einziges aufgebotenen Symmetrieargumente sind nun wirklich nicht für eine Salamiescheibentaktik geeignet.

      Man braucht eine Art Nebenkriegsschauplatz auf dem man als erstes die psychologische Seite eines Geschlechterkrieges gewinnen kann. Meiner Meinung nach muß das ein positiver Freiheitsbegriff sein, aber der einen Schulterschluß mit Equifeminismus anstrebenden linken Maskulismus kann das natürlich niemals leisten.

      • djadmoros says:

        @Elmar:

        »Man braucht eine Art Nebenkriegsschauplatz auf dem man als erstes die psychologische Seite eines Geschlechterkrieges gewinnen kann.«

        Oder anders formuliert: man braucht eine »Offene Flanke« … 🙂

      • @djadmoros

        Nein, eigentlich nicht. Was man wirklich braucht, ist ein alternatives Thema, bei dem man den Kontrahenten überzeugen und dann zeigen kann, daß, was der Kontrahent zum eigentlichen Streitthema vertritt, nicht mit der gemeinsam gefunden Lösung auf dem Nebenkriegsschauplatz kompatibel ist. Denn genau und nur das führt nicht nur zu einem Widerspruch, sondern zu dem Nachweis, daß die Überzeugungen des Kontrahenten nicht widerspruchsfrei sind.

        Falls es bei diesen Überzeugungen um die Wahrheit ging, sie das Motiv dahinter war, dann wird der Kontrahent einen Ausweg zu suchen – und der Weg ist frei für den Lernprozeß.

        Dieses Thema (können auch mehrere sein) muß eigentlich jeder unter seinen Bordmitteln zur Verfügung haben, denn ein direktes Überzeugen in einem Schritt, die es die linken Maskulisten mit ihren Symmetrieargumenten erreichen wollen, ist so gut wie nie zu haben und ist ähnlich weltfremd wie Martin Domig mit seiner jüngsten “Wer Selbstbewußtsein hat, kann solange von seinem eigenen Standpunkt abweichen, bis sogar ein Kompromiß mit Nazis oder Stalinisten möglich ist.”-Konfliktmanagementstrategie.

        By the way … schön, wenn die linken Maskulisten sich jetzt im Netz selber lächerlich machen, da können wir auf die schlechte Presse aus den mainstream-medien gleich ganz verzichten: Glückwunsch.

      • djadmoros says:

        @Elmar:

        »By the way … schön, wenn die linken Maskulisten sich jetzt im Netz selber lächerlich machen«

        Wen genau meinst Du jetzt damit? Hab’ ich was verpasst?

      • djadmoros says:

        P.S.: Oder bezog sich das auf Deinen vorhergehenden Absatz?

  10. wollepelz says:

    Ich habe mehrfach über dieses Thema gebloggt. Habe ja recht intensive Erfahrungen mit diesem Thema gemacht. Dabei lässt sich auch feststellen, dass nicht nur psychisch erkrankte Frauen zu Gewalt neigen, sondern auch viele vermeintlich gesunde.

    Ich gehe die letzte Zeit sehr offen mit diesen Themen um. Wenn ich bei Behörden bin und die Sprache kommt zufällig auf soziale Dinge in diesem Bereich, spreche ich sie direkt an. Ich habe ja einen “eigenen” Fundus.

    Heute habe ich u. a. darüber gesprochen, dass es die s. g. “gläsernen Decken” sehr wohl auch für Männer gibt, wenn sie alleinerziehend sind und in bestimmten Bereichen tätig sind/sein wollen. Da habe ich auch so ein ungläubiges Staunen geerntet, von dem Du hier sprichst. (Gläserne Decken sind ein völlig natürliches wirtschaftliches “Problem” und bezieht sich keineswegs ausschließlich auf die Frau. Es ist geschlechtsunabhängig. Anderes Thema, andere Stelle. ;))

    Beim Jugendamt war sogar eine Mitarbeiterin bewusst, wie sich das mit der Gewalt aufteilt als ich dieses Thema angesprochen habe. Allerdings sitzt die Dame auch in einer Behörde, in der Poster von Schrifstellerinnen, die einen Preis gewonnen haben, neben Postern mit Warnungen vor gewalttätigen Männern hängen.
    So werden Frauen und Kinder geimpft, dass Frauen künstlerisch, schriftstellerisch und Männer gewalttätig tätig sind. 😉

    Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man in “normalen Kreisen” Verständnis erntet. Die Frage ist nur, wo findet man diese “normalen Kreise”? 40 Jahre der feministischen Sozialisierung von Menschen in Deutschland hinterlassen nämlich ihre Spuren.

    Es sind zumeist feministische Kreise, die offen gegen Statistiken kämpfen, sie verfälschen usw. Dass viele Männer ihnen dabei hilfreich zur Seite stehen, steht auf einem anderen Blatt.

    • petpanther says:

      @Wolle

      “Es sind zumeist feministische Kreise, die offen gegen Statistiken kämpfen, sie verfälschen usw. Dass viele Männer ihnen dabei hilfreich zur Seite stehen, steht auf einem anderen Blatt.”

      Yup. Das ist ganz genau so der Fall.

      U.a. ein Grund warum Feminismus konstruktiven Lösungsansätzen im Weg steht. Ja diese sogar nicht nur verhindert, sondern durch den Missbrauch dieser Themen mit ursächlich ist.

  11. “Ich weiß nicht, ob diese wenigen Erlebnisse irgendwie repräsentativ sind. Hat jemand von Euch das ähnlich erlebt?”

    Nun, Gewalt ist ein breites und weites Thema.
    In einem Gespräch kann mann schlecht Zahlen und Studien benennen.

    Ich pflege normalerweise mit Gegenfragen zu arbeiten: “Wenn Dir Deine Partnerin einen blauen Fleck durch ein Küchenwerkzeug produziert, rennst Du zur Polizei? Was meinst Du wie die erste Frage der auf “häusliche Gewalt” geschulte Polizeimitarbeiterin lauten wird: >>Könnte es ein Knutschfleck von Ihrer neuen Freundin sein?<<"

    Wenn diese Taktik noch immer kein Nachdenken verursacht, erinnere ich die denkfaule Person daran, dass ein Gustl Mollath insgesamt 7 Jahre gebraucht hat, um die Vorwürfe seiner Frau zu entkräftigen. Mit anderen Worten, ich versuche dieser Person klarzumachen, dass es ein Mann unheimlich schwerer hat, seine Unschuld zu beweisen, als eine Frau. Das heisst, dass selbst wenn der Mann eindeutige Beweise seiner Unschuld hat, wird er von den Richtern nicht gehört.

    So wie der Richter von Mollath verhält sich also auch eine Person, die ohne Nachprüfung das Märchen der überbordenden männlichen Gewalt glaubt.

    Personen die ich kenne "malträtiere" ich mit Links, wie z. B. die hier verlinkten Studien der Uni Eichstätt: http://mann-om-man.blogspot.de/2014/10/october-is-domestic-violence-awareness.html

    Ebenso immer wieder mit dem Paper von Strauss: http://pubpages.unh.edu/~mas2/V74-gender-symmetry-with-gramham-Kevan-Method%208-.pdf

    Diese Personen habe ich zumindest dahingehend überzeugt, dass meine Zahlen stimmen. Am Märchen, dass Männer viieeeeel aggressiver als Frauen sind glauben sie nach wie vor. Mann will sich ja nicht so schnell vom Weihnachtsmannmärchen trennen.

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