Deutsche Unis: Aufkleber gegen sexuelle Belästigung

Heute meldete sich achdomina mit einem guten Text zurück. An diesen Text will ich zumindest zu einem Aspekt kurz anschließen. achdomina beschreibt dort einen Besuch der Bibliothek der Humboldt-Uni Berlin:

Das erste, was man im Foyer sah, war wenige Schritte hinter den Türen ein etwa brusthoher Aufsteller mit einem Schild. Das Schild war rot, nahe am Feuerwehrrot, aber noch knalliger. Darauf stand in großen, weißen Lettern “Kein Raum für Übergriffe”, darunter kleiner der Hinweis, dass sexuelle Übergriffe in den Räumen der Bibliothek nicht geduldet würden, und dann eine Aufzählungsliste, was alles unter sexuelle Übergriffe falle.

Ich habe dort in den Kommentaren gesagt, es wäre interessant zu wissen, ob diese Schilder oder Aufkleber auch anderswo zu finden wären. Schließlich hätte ich kürzlich selbst eine solche Aufkleberkampagne in einer deutschen Hochschule beobachtet (Mein Kommentar ist noch nicht freigeschaltet).

Da ich mich gerade vor schwierigeren Aufgaben drücke, habe ich kurz mal Google angeworfen. Ja, es gibt diese Hinweiskampagnen auch an anderen Unis. Ich glaube, hier tut sich ein wichtiges Thema auf.

Hier findet sich ein Beispiel. Der Hinweiszettel oder -aufkleber ist harmlos. Aber die Darstellung deutet auf interessante Zusammenhänge hin:

– Erwähnt wird ein Rahmenprogramm zur Frauenförderung der Universität

– Sodann gibt es einen offiziellen Gremienbeschluss zum Thema sexuelle Belästigung

– Schließlich wird ein mittelbarer Bezug zum Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz hergestellt.

– Dieses wiederum wird als Umsetzung einer EU-Richtlinie beschrieben

Das Ganze ist also ein politisch in Gang gesetztes Ding. Ich kann noch aus meiner Kenntnis hinzufügen, dass Landeshochschulgesetze Gender Mainstreaming festschreiben und dass dort verlangt wird, die Bemühungen um Frauenförderung zu evaluieren, also auch nachzuweisen. Der Fisch stinkt hier also vom Kopf her.

achdomina verlinkt auf einen Flyer der HU Berlin zum Thema Sexuelle Belästigung. In dem Flyer wird aufgezählt, was alles als Belästigung zählt (nahezu alles). Und dann werden wir mit dem Definitionsmacht konfrontiert:

“Es gibt keine Definition, die festschreiben, was sexualisierte
Diskriminierung und Gewalt umfasst und was nicht. Die betroffene Person selbst entscheidet über die Grenzziehung.”

Sexuelle Belästigung ist also ein Gegenstand ohne Kriterien, letztendlich. Dann ist alles möglich. Vor Gericht und auf Hoher See sei man in Gottes Hand, heißt es. In der Uni wird Gottes Rolle von vermeintlichen Opfern und ihrer Unterstützer*_I_n*xen eingenommen.

Es ist schwer vorstellbar, dass “Definitionsmacht” zu justiziablen Ergebnissen kommen kann. Sprich: Es kann nicht gelingen, darauf Rechtssprechung aufzubauen. Recht braucht Kriterien, um entscheiden zu können, ob ein Gesetz verletzt worden ist oder nicht. Das legt es durchaus nahe, für Feministinnen, ihren Kampf in eine andere Arena zu verlegen. Der Rechtsstaat kann hier nicht eingreifen, es gibt zu viele Grauzonen. Aber eine Organisation wie die Universität kann hier aktiv werden, indem sie von ihrem Hausrecht Gebrauch macht. Sie kann Bedingungen formulieren, die auch das Verhalten von Menschen regulieren. Sie kann solche Menschen aus ihrer Organisation ausschließen, die sich diesen Bedingungen nicht fügen.

Ich hatte kürzlich in Kommentaren gemutmaßt, dass die Rape Culture Hysterie an amerikanischen Unis nicht einfach emotional getragen ist, sondern eine Graswurzelstrategie. Ich spekuliere mal weiter: Gewisse Ziele des Feminismus, nämlich den umerziehenden Zugriff auf Männer, lassen sich nicht politisch verwirklichen, weil sie nicht justiziabel sind oder weil der Staat hier zu übergriffig wäre und gegen Verfassungsgebote verstieße. Daher hat sich der Feminismus auf Organisationspolitiken und -ethiken verlagert, über die der Zugriff auf Persönlichkeit und Verhalten deutlich besser möglich ist. Immerhin kann die Organisation sehr viel wirksamer als der Staat das Verhalten steuern, weil sie die unmittelbare Abhängigkeit ihrer Mitglieder von der Organisation ausnutzen kann (als Arbeitgeber oder als Verteiler von Zertifikaten). Es ist also durchaus vorstellbar, dass die Genderisierung der Universität und die Durchführung solcher Aufkleber-Aktionen Teil einer geordneten, wohlüberlegten Strategie sind.

Edit:

Ich habe noch ein bisschen herumgesucht im Netz. Bislang ist der HU-Berlin-Flyer derjenige, der am deutlichsten das Konzept Definitionsmacht mit einbringt. Andere Universitäten bilden häufig nur die offenbar gesetzlich festgeschriebenen Merkmale für “sexuelle Belästigung” ab.

Den ersten Preis für Einseitigkeit sollte dieses Plakat der TU Berlin bekommen (keine Ahnung, von wann das ist): “Es kann jede treffen!” ==> http://www.tu-berlin.de/fileadmin/i31/Publikationen/Plakat_Typo_DRUCK_QR.jpg

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67 Responses to Deutsche Unis: Aufkleber gegen sexuelle Belästigung

  1. “Es ist also durchaus vorstellbar, dass die Genderisierung der Universität und die Durchführung solcher Aufkleber-Aktionen Teil einer geordneten, wohlüberlegten Strategie sind.”

    Klingt ein wenig nach Verschwörungstheorie. Ist nicht eine generelle Einstellung bei den Aktivisten, die nichts voneinander wissen und die deshalb nach Gelegenheiten sucht, und immer dieselben findet, wahrscheinlicher?

    • suwasu says:

      Ja, natürlich ist das wahrscheinlicher. Und gewiss klingt das nach Verschwörungstheorie. Andererseits würde ich die Strategiefähigkeit des Feminismus nicht unterschätzen. Der Feminismus ist eine tradierte und jahrzehntealte Bewegung und durchaus mit einer politischen Theorie ausgestattet. Diese Theorie sagt etwas darüber aus, wie man die eigenen Ziele erreichen kann. Als Bewegung wird der Feminismus sich auch mit den verschiedensten Einflussmöglichkeiten befasst haben: Graswurzelbewegung, Lobbyismus, Marsch durch die Institutionen.

      Das Ziel der Verhaltensänderung bei Männern ist wiederum recht offenkundig.

      Ein weiteres Indiz für die Strategiefähigkeit der Feministinnen: So etwas wie “male tears” hat meist Kampagnencharakter, ist nicht spontan, sondern eine flächendeckende Diskursstrategie. Der Feminismus arbeitet oft mit einem spin und diskutiert da nicht mehr frei von der Leber weg.

      Deshalb bleibe ich mal bei meiner steilen These, in dem Sinne, dass sie zumindest zu interessanten Fragen verleitet, auch wenn man die These am Ende aufgeben muss.

      • Ok, dann müßten sich die Feministen irgendwie organiseren – wie? Geschieht das alles über private Verteiler?

      • suwasu says:

        Sie organisieren sich über Medien: zumindest bekommen sie dort Spins geliefert. Sie kriegen dort auch Beispielaktionen vorgesetzt. Es gibt gewiss Köpfe, die auch politische Strategien entwerfen und die das in öffentlichen Vorträgen darlegen. Asta-Referentinnen sind Menschen, die gezielt politische Veränderungen anstreben. Diese werden sich bestimmt auch untereinander vernetzen.

        Man muss sich das nicht immer als zentral koordiniert vorstellen, dezentral geht auch, gerade in Bewegungen. Nichtsdestotrotz können sich typische Aktionsformen und typische Kampfarenen herauskristallisieren.

      • @LoMi

        “Sie organisieren sich über Medien: zumindest bekommen sie dort Spins geliefert.”

        Unterscheidet sich diese Idee wesentlich von der, die djadmoros vorgetragen hat?

      • suwasu says:

        Ja.
        Djadmoros insinuiert Menschen, die im vorauseilenden Gehorsam etwas umsetzen, was von oben propagiert wird.

        Ich rede von einer politischen Bewegung, die nicht irgendwie Erfüllungsgehilfe von etwas ist, sondern die Ziele verfolgt. Mein Thema ist, dass sich eine solche Bewegung schrittweise koordinieren kann, ohne eine zentrale Planungsstelle zu haben. Und ich will darauf hinaus, dass deshalb die einzelnen, dezentralen Teile der Bewegung dennoch eine gemeinsame Strategie entwickeln kann, wo und wie sie ihre Ziele verfolgt.

        Die “Erfüllungsgehilfen” setzen einfach nur um bzw. beschreibt Djadmoros die Motive dieser Leute. Ich interessiere mich eher für die Art, wie Wissen gemanaged wird und wie das Handeln getrennter Gruppen sich koordiniert, also insgesamt für die “technische” Seite.

      • suwasu says:

        Ist denn der Unterschied jetzt kenntlich, Elmar?

      • Ich denke schon: du meinst, die lokalen Feministen wissen, wie das Spiel läuft und brauchen daher keine Koordination, um einander in die Hände zu arbeiten.

        Aber ist “das Spiel” einfach genug, um das voraussehen zu können?

        djadmoros Idee finde ich gut, weil sie erklärt, wie man die ganze Sache startet. Das tut dein Ansatz nicht, er setzt “erst später an”.

      • suwasu says:

        Mir ging es ja auch um eine Erklärung, warum das Thema Rape Culture gerade an Unis so hochgejazzt wird (in Amerika). Zentral für meine Erklärung war der andere Zugriff, den die Organisation auf ihre Mitglieder hat.

      • djadmoros says:

        @suwasu

        Der hierarchische Aspekt spielt heute sicher keine vergleichbare Rolle. Was ich meinte, war aber mehr die alle Teile der »Bewegung« verbindende Idee. Ich denke, dass ohne die »von oben« generierte Legitimität auch heute nicht die Eigeninitiative zustande käme, die wir beobachten.

        Zumal wir es heute anders als zum Beginn der Neuen Frauenbewegung mit einem weitgehend medial inszenierten Phänomen zu tun haben: ohne die ständige Wiederholung feministischer Glaubenssätze in der Echokammer der Mainstream-Medien wäre überhaupt keine sachliche Substanz mehr da, aus der politische Ziele generiert werden könnten. Die »Bewegung« hat m. E. durch ihre Institutionalisierung im Bildungs- und Mediensektor ihren Bewegungscharakter weitgehend verloren, beziehungsweise weist die Besonderheit auf, dass die »Netzgemeinde« mit den institutionalisierten Teilen der Bewegung gleichgereichtet ist, während bei anderen Themen »das Netz« eher gegen den medialen Mainstream steht.

        (Der Begriff des »Erfüllungsgehilfen« scheint mir im historischen Kontext eher für die gehorsamen Mitläufer passend, aber nicht für die höheren Chargen, die damals ein beträchtliches Maß an selbständiger Eigeninitiative entfaltet haben.)

      • suwasu says:

        Gut, eine von oben verordnete Legitimität gibt es dank des Gender Mainstreamings und des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes. Das erlaubt solche Initiativen an den Universitäten. Also sind diese Initiativen auch keine rein selbstorganisierten Aktivitäten mehr.

        Interessant für mich ist vor allen das Zusammenspiel von schwammigen Definitionen sexueller Belästigung und des Ortes, wo diese unerwünschten Verhaltensweisen bekämpft werden. An der Uni lässt sich eben einiges durchsetzen, was der Staat nicht durchsetzen kann.

        Wenn man ein bisschen weitergoogelt zum Thema, kommt einen ein ganzer Schwall entgegen zum Thema Belästigung: Interviews mit Damen, die uns erzählen, dass so und so viele Studentinnen bereits Opfer von Übergriffen gewesen seien z.B. Das macht alles keinen Spaß. Ich habe zwar für meinen Laden das Gefühl, dass es keine Rolle spielt im Alltag. Aber da wiege ich mich auch vielleicht in falscher Sicherheit.

      • mitm says:

        “Andererseits würde ich die Strategiefähigkeit des Feminismus nicht unterschätzen.”

        Völlig richtig. Man unterschätzt die Strategiefähigkeit deswegen so leicht, weil vieles im Untergrund passiert und öffentlich nicht sichtbar ist. Ich habe jetzt meine Seite über die Die Feministische Infrastruktur noch einmal komplett überarbeitet und erweitert und dort zumindest einige wichtige Strukturen benannt, die für die strategische Planung und Koordination zuständig sind. Leider fehlt mir die Zeit, das noch genauer zu untersuchen, vieles ist auch im Netz nicht auffindbar.

        “Sie organisieren sich über Medien”

        Mag sein, das ist aber Nebensache. Wirklich relevant sind z.B. Strategietagungen des Deutschen Frauenrats, Treffen aller Gleichstellungsbeauftragten eines Bundeslandes, bestimmte Konferenzen usw. Die Selbstbezeichnung als “Think Tank” für solche Arbeitstagungen ist korrekt. Und davon dringt so gut wie nichts nach außen. Wenn das Patriarchat existieren würde, müßte es genau so etwas machen!

        “Man muss sich das nicht immer als zentral koordiniert vorstellen, dezentral geht auch, gerade in Bewegungen”
        Schon richtig, beides (zentral / dezentral) existiert parallel. Nur sind die dezentrale Aktivitäten wegen ihrer Vielzahl optisch dominierend, die zentralen sind fast unsichtbar, aber viel wichtiger. Ich erinnere nur an den CDU-Beschluß zur Einführung der Frauenquote, als vdL mit dem “Gegner”, also SPD und Grünen, paktiert hat. Das ist denen nicht eingefallen, als sie zufällig mal gerade in der Kantine im Bundestag nebeneinander standen.

      • petpanther says:

        @mitm

        Denke das ist eine ziemlich gute und m.E. auch richtige Einschätzung.

        Das müsste man mal deutlich in einer Abhandlung zusammenstellen.

        Wird auch Zeit, dass das ernster genommen wird. Sehr viel ernster. Denn auch das nicht ernst nehmen ist eine Folge einer solchen subversiven Strategie. Nämlich, dass es unter den Augen einer das nicht beachtenden nicht argwöhnsichen Bevölkerung geschieht. Obwohl es tatsächlich langsam sichtbar wird und viele sich auch persönlich negativ betroffen sehen.

    • djadmoros says:

      @Elmar:

      »Klingt ein wenig nach Verschwörungstheorie.«

      Ich wähle mal ein ganz häßliches Beispiel: den Einstieg in die Massenvernichtung der Juden. Das war nicht ausschließlich von oben angeordnet, sondern gerade bei der Entwicklung der Tötungstechniken gab es auf untergeordneter Ebene vorauseilenden Gehorsam, auf dessen Resultate später aufgebaut wurde. Aber die »Innovatoren« konnten der begründeten Annahme sein, dass sie im Sinne der von oben propagierten »Idee« handeln.

      Von daher ist der Begriff der Verschwörungstheorie wenig hilfreich, da er ohnehin meistens als Kampfbegriff verwendet wird. Es ist soziale Arbeitsteilung: wenn es eine Gruppierung gibt, die eine Idee im »offiziellen« Wertekodex einer Gesellschaft installiert hat, dann wird es auch Menschen geben, die sich darum reißen, dieser Idee einen Gefallen zu tun. Zentrale Steuerung ist dazu nicht vonnöten.

      Davon abgesehen ist das wohl der Türöffner in amerikanische Campus-Verhältnisse.

      • suwasu says:

        Wie gesagt, man darf die Strategiefähigkeit von politischen Bewegungen nicht unterschätzen. Vermutlich gibt es und braucht es dafür keine zentrale Koordination. In manchen Subkulturen werden Strategieelemente einfach tradiert. Man denke an das Repertoire von Umweltgruppen. Auch andere Bewegungen haben wenigstens rudimentäre Vorstellungen, wie man politische Forderungen artikuliert und deren Umsetzungen “erzwingen” kann.

        Bezogen auf die Universität agieren nun auch noch Profis: die Gleichstellungsbeauftragte, vermutlich die entsprechenden Asta-Referenten und die Theoretikerinnen des Feminismus in Gestalt der Gender-Professorinnen.

        Der Bezug zu Foucault und seinem Diskursbegriff ist im Übrigen durchaus als strategische Ressource gedacht, als Anleitung, wie man Diskurse bestimmt. So kenne ich das jedenfalls aus berufenem Munde.

      • @djadmoros

        “Das war nicht ausschließlich von oben angeordnet, sondern gerade bei der Entwicklung der Tötungstechniken gab es auf untergeordneter Ebene vorauseilenden Gehorsam, auf dessen Resultate später aufgebaut wurde.”

        Ja, das hab ich neulich auch gelesen.

        “Aber die »Innovatoren« konnten der begründeten Annahme sein, dass sie im Sinne der von oben propagierten »Idee« handeln.”

        Ich dachte bisher, der Feminismus sei nicht hierarchisch organisiert. Aber ich versteh schon die Idee dahinter.

        “Von daher ist der Begriff der Verschwörungstheorie wenig hilfreich, da er ohnehin meistens als Kampfbegriff verwendet wird.”

        Richtig – aber wir sollten schon mal probieren, uns dagegen zu wehren, oder?

        “Es ist soziale Arbeitsteilung: wenn es eine Gruppierung gibt, die eine Idee im »offiziellen« Wertekodex einer Gesellschaft installiert hat, dann wird es auch Menschen geben, die sich darum reißen, dieser Idee einen Gefallen zu tun. Zentrale Steuerung ist dazu nicht vonnöten.”

        Diese Abwehr des Verschwörungstheorievorwurfs gefällt mir ziemlich gut, denn er zeigt, inwiefern der Verschwörungstheorievorwurf propagandistisch und darüberhinaus völlig weltfremd ist.

      • Nick says:

        Davon abgesehen ist das wohl der Türöffner in amerikanische Campus-Verhältnisse.

        Ich kann mir gut vorstellen, dass man sich das so denkt. But this is not america, in Kontinentaleuropa fehlt dafür der historisch-kulturelle Nährboden, denke ich.

        Als Indiz dafür würde ich auf die Mißbrauchshysterie der 1980er/1990er verweisen. Natürlich gab es die auch “bei uns”, allerdings hat man sich hier nach dem Debakel der Wormser und Montessouri-Prozesse einigermaßen schnell wieder eingekriegt. Kein Vergleich zu dem, was in den USA abging. Im Endeffekt hat das, nach meiner Auffassung, dem Feminismus großen Schaden zugefügt. Feminismus als Massenbewegung ist damit untergegangen, ganz im Gegensatz zu den USA.

        USA/UK hat eben eine sehr lange Tradition der regelrechten sex-paniken, in die schon immer die Frauenbewegungen tief verstrickt waren. (auch in die Panik der 1950er gegen Homosexuelle)

        Natürlich kann das Ganze auch hier so einige äußerst unangenehme Irrungen mit sich bringen. Aber wir haben ja aktuell die US-Unis als abschreckendes Beispiel. Man müsste nur irgendwie die Connection Wizorek – Friedman/Valenti – US-Unis deutlicher machen können. Die US-Prüderie ist doch hier Legion, das ist doch schon ein tiefes Ressentiment.

      • djadmoros says:

        @Nick:

        »But this is not america, in Kontinentaleuropa fehlt dafür der historisch-kulturelle Nährboden, denke ich.«

        Ja, diesen Unterschied sehe ich auch. Solche moralischen Hysterien sind in den USA ausgeprägter. Die Gesellschaft der USA ist anders geprägt, da spielt das Ethos der »self reliance«, eine viel größere Rolle, die moralische Selbststeuerung der Individuen und unmittelbaren Bezugsgruppe als der gegenüber dem Staat einzig »verlässlichen« Instanz.

        Dementsprechend sind diese sozialen Bausteine der amerikanischen Gesellschaft auch anfälliger gegen moralische »Abweichler« und weltanschauliche »Bedrohungen«.

        Möglicherweise ist das aber auch ein Grund, warum die Männerbewegung in den USA breiter aufgestellt ist und offensiver auftritt. In Deutschland (vielleicht generell in Kontinentaleuropa) sind viel mehr Verhältnisse durch den Staat mediatisiert, und wer in Deutschland mit einem Auge auf den Nachbarn schielt, schielt mit dem zweiten Auge auf den Staat. Damit sich in Deutschland was bewegt, muss man mit dem Staat *und* dem Nachbarn unzufrieden sein. 🙂

        Dass es die Mißbrauchshysterie war, die den Feminismus als Massenbewegung beendet hat, möchte ich bezweifeln. Ich denke, der Feminismus als Massenbewegung hat sich schlicht aus Mangel an Substanz erschöpft, weshalb wir uns jetzt mit den Kapriolen seiner Institutionalisierungsprodukte herumschlagen müssen.

        Lomi hat schon recht, wenn er den Blick auf die deutschen Universitäten richtet: sie sind ein strategischer Schlüssel im Kampf um kulturelle Hegemonie, diejenige Institution, in der sich staatliche und bürgerliche Ideologien kreuzen, und zugleich diejenige, in der der geistige Habitus eines wesentlichen Teils der nächsten Generation geprägt wird.

  2. emannzer says:

    Ohne eure philosphischen Kreise stören zu wollen (meine ich nicht ironisch):

    Ich denke nicht, dass da etwas zentral gesteuert wird, meine aber, dass die Frauenbetroffenheit etwas macht, was man in der Werbung Me2 (ich auch) nennt. Man kupfert ab und versucht damit sein Produkt zu verkaufen.

    Nichts anderes erleben wir in unser deutschen Empörungs-Kultur und erlebten es bei diesem #Aufkreisch-Dingens.

    Aktuell hechelt die HUB (Humbold Universität Berlin) dem Opferkult aus den USA hinterher und versucht sich im Campus der Männerabwertung – indem einfach aufs geradewohl kopiert wird und, wie soll ich sagen, hinterherhechelt.

    Das ist nicht zentral gesteuert, denke ich, sondern eine Art Massenhysterie mit bedenklichen Auswirkungen. Dummerweise steht dahinter aber eine ganze Armada von Gleichstellungs-, Gender- und sonstwas für Expertinnen. Alle im behaglichen Bett der universitären Forschung gelegen bzw. platziert.

    Insofern kann man dem wohl nur gegensteueren, indem man eigene Dinge auf die Beine stellt und hofft, dass diese von Anderen übernommen werden. “400” von Agens war z.B. so etwas, was dann auch prompt von Heinrich Bölls Stiftung schon im Vorwort torpediert wurde.

    Dort sollte man ansetzen und parallel solche HUB-Plakate einfach vor Ort konterkarieren (es reicht ja eine Fußnote dazu).

    Anders ist dem nicht beizukommen.

    • suwasu says:

      Du störst doch nicht!

      Die Plakate irgendwie zu kommentieren oder mit weiteren Aufklebern zu zieren ist keine schlechte Idee.

      • emannzer says:

        Danke 🙂

        Du schriebst: “.. ich will darauf hinaus, dass deshalb die einzelnen, dezentralen Teile der Bewegung dennoch eine gemeinsame Strategie entwickeln kann, wo und wie sie ihre Ziele verfolgt. ..”

        Ich denke, man sollte der Schwarmdummheit endlich eine entsprechende -Intelligenz entgegen setzen. Und das funktioniert nur, wenn die Idee gut ist (und genug ‘Nichtdoofe’ mitmachen).

        Das kann (und sollte vielleicht) auch mal durchaus plakativ sein und u.a. ebenfalls provokant. Ich habe mir dieses Plakat mal angesehen und denke, dass ein kleiner Aufkleber schon eine größere Wirkung haben könnte. Vorschlag:

        “Wer als Mann beschnitten werden möchte – der rennt ins Frauenbüro”

        Ist etwas plump, gebe ich zu, ist aber auch nur aus der Hüfte geschossen.

      • suwasu says:

        Wo gibt es denn dieses Plakat zu sehen?

        Meine Idee war, dass man darüber schreibt:
        “Dagegen können nur Nazis und Massenmörder etwas haben”.

        Hintergedanke: Jemand, der das Plakat nicht gutheißt, soll denken, dass er doch kein Nazi ist, aber das Plakat trotzdem nicht gut findet.

        Nun ja, ist auch noch aus dem Ärmel geschüttelt…

      • emannzer says:

        Ups, war wohl mein Fehler. Ich hatte dieses hier im Kopf:

        http://www.frauenbuero.uni-mainz.de/758.php

        Und habe aktuell wohl zuviel Tabs geöffnet.

  3. Seitenblick says:

    @Emanzer
    Dein Link hat es aber auch in sich: Ich lese dort staunend im Abschnitt unter dem Motto “Gemeinschaft schafft Sicherheit” :

    “Studierende und Beschäftigte sind aufgerufen, sich nach Einbruch der Dunkelheit auf und im Bereich des Campus in Gruppen zu bewegen.”

    Was ist das – die Bronx? Vielleicht sicherheitshalber während des Marsches auch noch Händchen halten, Notfalltelefonnummern mit Edding auf die Hände schreiben und mit einem Campus-Überquer-Seil (demnächst für 10,89 Euro bei eurem Frauenreferat) die Gruppe sichern? Ja ja, der dunkle, gefährliche Mainzer Campus …
    Und was ist, wenn sich trotz dieses Aufrufs einer traut, allein durch dieses Gefahrengebiet zu gehen – ist der dann verdächtig?
    Und nebenbei: haben die dort eigentlich keine Beleuchtung mehr? Auch weggespart?

    Was manche Menschen so als Tätigkeitsnachweis in die Welt setzen …

  4. aranxo says:

    Wenigstens geben sie ganz am Ende zu:
    “Nach Aussage der Polizei weist die Kriminalstatistik zum Gutenberg-Campus hinsichtlich sexueller Belästigungen auf dem Campus keine zunehmenden, sondern eher rückläufige Zahlen auf. Die universitären Anlaufstellen bei sexueller Belästigung vermerken ebenfalls keine zunehmenden Zahlen.”
    Wahrscheinlich führen sie das dann messerscharf auf ihre mega-tollen Schutzmaßnahmen zurück. Im Absatz davor:
    “Insgesamt investiert die Johannes Gutenberg-Universität Mainz jährlich über eine Million Euro in Maßnahmen, die der Sicherheit auf dem Campus dienen.”
    Wow, was für ein Aufwand. Aber wenn man da natürlich jeden Glühbirnenwechsel für die Gehwegsbeleuchtung dazuzählt, und die anteiligen Hausmeisterkosten, kommt man schon auf solche Summen.

  5. petpanther says:

    “Daher hat sich der Feminismus auf Organisationspolitiken und -ethiken verlagert, über die der Zugriff auf Persönlichkeit und Verhalten deutlich besser möglich ist. Immerhin kann die Organisation sehr viel wirksamer als der Staat das Verhalten steuern, weil sie die unmittelbare Abhängigkeit ihrer Mitglieder von der Organisation ausnutzen kann (als Arbeitgeber oder als Verteiler von Zertifikaten). Es ist also durchaus vorstellbar, dass die Genderisierung der Universität und die Durchführung solcher Aufkleber-Aktionen Teil einer geordneten, wohlüberlegten Strategie sind.”

    Das nennt man auch Subversion. Und ich denke du liegst da richtig.

    (Hatte dazu auch ein Video von ehemaligien KGB Mann Yuri Bezmenov, einem Vortrag aus den 80ern zu Zeiten des Eisernen Vorhangs auf den “Sexuelle Belästigung und Gruppenschuld der Männer” EvoChris Seiten gepostet)

    Dazu auch ein Eigenzitat von mir zunächst mit Anleihen aus einem der letzten Ulfig Artikel

    “Menschen werden eben genau nicht mehr als Individuen in ihrer Individualität, sondern als Repräsentanten von Kollektiven betrachtet und sie werden auch in rechtlicher Hinsicht nicht als Individuen, sondern als Angehörige von Kollektiven angesehen. Das Antidiskriminierungsprinzip wird damit vollständig außer Kraft gesetzt.”

    und meiner Schlussfolgerung

    “Genderismus ist ein Herrschaftsinstrument, dass alles und jedem in beliebiger Auslegung vorgeschaltet werden kann.”

    Diese Leute fahren eine Subversionsstrategie zur umfassenden Macht- und Kontrollausübung. Und das das komische Leute sind, hat auch schon eine Dame namens Dale O’Leary auf der damaligen UN Konferenz bemerkt.

    Professor Buchholz hat ja schon einen Link gepostet. Hier noch mal explizit ein Auszug aus dem in den verlinkten Artikeln zitierten:

    “[Beobachtungen, die] Dale O’Leary 1995 auf der Weltfrauenkonferenz in Peking gemacht hat. Dale O’Leary war überrascht darüber, welche Geister sich damals dort trafen und fasste in ihrem Buch The Gender Agenda (1997) fünf Thesen zusammen, die „im UN-Establishment die Mehrheit haben“:

    1. In der Welt braucht es weniger Menschen und mehr sexuelle Vergnügungen. Es braucht die Abschaffung der Unterschiede zwischen Männern und Frauen sowie die Abschaffung der Vollzeit-Mütter.

    2. Da mehr sexuelles Vergnügen zu mehr Kindern führen kann, braucht es freien Zugang zu Verhütung und Abtreibung für alle und Förderung homosexuellen Verhaltens, da es dabei nicht zur Empfängnis kommt.

    3. In der Welt braucht es einen Sexualkundeunterricht für Kinder und Jugendliche, der zu sexuellem Experimentieren ermutigt; es braucht die Abschaffung der Rechte der Eltern über ihre Kinder.

    4. Die Welt braucht eine 50/50- Männer/Frauen-Quotenregelung für alle Arbeits- und Lebensbereiche. Alle Frauen müssen zu möglichst allen Zeiten einer Erwerbsarbeit nachgehen.

    5. Religionen, die diese Agenda nicht mitmachen, müssen der Lächerlichkeit preisgegeben werden.”

    Hier ist es explizit.

    • suwasu says:

      Diese Agenda klingt abenteuerlich. Wäre ich Weltfrauenbeauftragter 😉 hätte ich sie gewiss anders formuliert. Ist das, was die zitierte Dame da wiedergibt, wirklich belastbar?

      Einen Willen zur Macht gibt es freilich, aber der resultiert alleine schon aus dem theoretischen Ansatz. Ob sie nun die Weltherrschaft wollen, sei mal dahin gestellt ^^

      Eines kann man aber wohl getrost sagen: Feminismus ist eine Bewegung (wenn nicht gar schon mehr). Diese Bewegung ist angetreten, um etwas durchzusetzen. Darin drückt sich natürlich ein Wille zur Macht aus.

    • Leszek says:

      @ LoMi

      “Diese Agenda klingt abenteuerlich. Wäre ich Weltfrauenbeauftragter 😉 hätte ich sie gewiss anders formuliert. Ist das, was die zitierte Dame da wiedergibt, wirklich belastbar?”

      Dass das die übliche rechtskonservative Verblödungspropaganda ist, ist doch offensichtlich. Die Dame ist im englischsprachigen Raum sowas wie ein Äquivalent zu dem, was Gabriely Kuby bei uns ist.
      Die “5 Gender-Thesen” haben wenig mit den tatsächlichen theoretischen Grundlagen und Zielen der Gender-Ideologie zu tun, sondern haben die Funktion der Mobilisierung Konservativer gegen die Gender-Ideologie zu dienen – konservativer/rechte Political Correctness.

      • petpanther says:

        @Leszek

        Glaub jetzt nicht das O’Leary irgendwas mit deinen politischen Einordnungen zu tun hat.

        Die hat einfach ihren Eindruck wiedergegeben.

      • Leszek says:

        @ Petpanther

        Ist ja jetzt nicht so, dass es keine Zusammenfassungen ihres Buches im Netz gäbe und ich nicht darüber informiert wäre, was da diesen Zusammenfassungen zufolge so drin steht.

        Zu den genannten “5 Gender-Thesen”:

        Folgende beiden Sätze:

        “Es braucht die Abschaffung der Unterschiede zwischen Männern und Frauen sowie die Abschaffung der Vollzeit-Mütter.”

        und

        “Alle Frauen müssen zu möglichst allen Zeiten einer Erwerbsarbeit nachgehen.”

        sind zwar etwas seltsam formuliert, weisen aber zumindest Bezüge zu den theoretischen Grundlagen der Gender-Ideologie auf. Diese beiden Sätze lasse ich also mal gelten.

        Alles andere in den “5 Gender-Thesen” ist bestenfalls Halbwahrheit, meistens Propagandalüge.

      • Nick says:

        Die hat einfach ihren Eindruck wiedergegeben.

        Ja, sie hat ihre _Deutung_ der _impliziten_ Agenda wiedergegeben. Insofern ist da gar nichts “explizit”.

        Tut mir leid, ich sehe da nichts subversives. Das radikal- und/oder genderfeministische Ideologiegebäude ist bekannt und allgemein zugänglich und die Aktivistinnen handeln dementsprechend.

      • Nick says:

        “Daher hat sich der Feminismus auf Organisationspolitiken und -ethiken verlagert, über die der Zugriff auf Persönlichkeit und Verhalten deutlich besser möglich ist.

        So wie die Ideologie gestrickt ist, ist eben alles legitim und auch unabwendbar notwendig, um den unerträglichen Zustand des ubiquitären Patriarchates zu “transformieren”.

        Da der dumme Plebs “noch nicht so weit ist” dass er bereit wäre, beispielsweise den Rechtsstaat zugunsten der DEFMA abzuschaffen muss man eben dort, wo man es schafft, “safe spaces” etablieren – “Schutzräume, in denen sich Frauen der Kontrolle des Patriarchates entziehen können und zur (feministischen) Besinnung kommen können.

        Gemäß (radikal)feministischer Ideologie sind sexuelle Belästigungen keine Fehlhandlungen einzelner Männer, sondern Elemente eines konzertierten Vorgehens zur Beherrschbarmachung von Frauen. Susan Brownmiller: “[rape is] a conscious process of intimidation by which all men keep all women in a state of fear.”

        Natürlich ist es leichter, sich gesellschaftliche Teilräume vorzunehmen, um sie mit vereinten politischen Kräften zu “safe spaces” zu machen. Und jeder neue “safe space” ist eben ein weiterer Sargnagel für das Patriarchat.

        Alles tausendfach postuliert. Nach meiner Auffassung nimmt sie einfach nur nicht ernst.

      • petpanther says:

        @Leszek

        Diese Thesen halte ich nicht für Propaganda. U.a. auch deshalb, weil das ein Event von Weltrang war. Zu dem passt weitreichend umfassendes.

        Und es war eine radikalfeministische Elite, die da mit unterwegs war.

        Das ist schlüssig. Auch wie sie diese “komischen” Leute beschreibt.

        @Nick

        Ja das ganze wird nicht ernst genug genommen. Sehen wir ja.

        Find allerdings schon das es sich langsam deutlich herausschält das Feminismus subversive Taktiken fährt. Hinter Vielem steht erkennbar untermenierende Absicht bei gleichzeitiger Rhetorik für Gegenteiliges bzw. dem Anstreben vollständiger Deutungshoheiten unter Werteverschiebung.

        Das sind typische Methoden aus dem linken Arsenal. Bezmenov stellt es auch dar.

      • Günter Buchholz says:

        Meinung hin oder her: dies sind die Quellen:
        http://frankfurter-erklaerung.de/2014/10/die-gender-agenda/

      • Leszek says:

        @ Petpanther

        “Diese Thesen halte ich nicht für Propaganda. U.a. auch deshalb, weil das ein Event von Weltrang war. Zu dem passt weitreichend umfassendes.
        Und es war eine radikalfeministische Elite, die da mit unterwegs war.
        Das ist schlüssig. Auch wie sie diese “komischen” Leute beschreibt.”

        Aber sicher, Petpanther. Problem ist nur, dass du bisher ja so ziemlich jede konservative/rechte Verschwörungs- und Sündenbockideologie “schlüssig” fandest, die in irgendwelchen zeitgenössischen konservativen/rechten Zirkeln kursiert, auch wenn diese – bei einer um Objektivität bemühten Betrachtung – noch so pseudowissenschaftlich, argument- und belegfrei, ethisch fragwürdig sowie begründet anfechtbar und wissenschaftlich widerlegbar war.

        Da du offensichtlich in psychodynamischer Hinsicht ein Bedürfnis nach solchen Ideologien hast und es mit deinem kritischen Denken, sobald du auf eine entsprechende Ideologie triffst, die dieses Bedürfnis scheinbar befriedigt, in der Regel nicht weit her ist, scheint es keine so gute Idee zu sein, sich darauf zu verlassen, was du so als “schlüssig” empfindest.

        Ich werde mir dann die “5 Gender-Thesen” bei Gelegenheit mal einzeln und systematisch vornehmen, wenn ich mal mehr Zeit habe.
        Dass es sich um Propaganda handelt, ist freilich leicht zu erkennen, wenn man nur eine minimale Bereitschaft hat, das kritische Denken einzuschalten.

        Aus These 4.: “Die Welt braucht eine 50/50- Männer/Frauen-Quotenregelung für alle Arbeits- und Lebensbereiche.”

        Der Genderismus strebt also 50/50- Männer/Frauen-Quotenregelungen für ALLE Arbeits- und Lebensbereiche an. Wirklich, Petpanther? Auch bei gefährlichen und schweren Berufen, in denen weit überwiegend Männer arbeiten? Auch im Kindergarten und Schulsystem? Wo kann ich mir diese Forderungen nach Frauenquoten in schweren und gefährlichen “Männerberufen” so wie die Forderungen nach Männerquoten für Kindergarten und Schule denn mal ansehen?

        Wie allgemein bekannt, bin ich kein Fan von Quoten, da ich sie für männer – und frauendiskriminierend halte, es sollte aber wohl klar sein, dass der Genderismus keineswegs 50/50- Männer/Frauen-Quotenregelungen für alle Arbeits- und Lebensbereiche anstrebt, sondern lediglich Frauenprivilegierung und diese sogar nicht selten für ohnehin bereits ökonomische privilegierte Frauen aus der Oberschicht, die einen erleichterten Zugang zu Aufsichtsräten und Vorständen anstreben.

        Diese “Gender-These” ist also klar falsch und verschleiert nur die tatsächlichen Zielsetzungen des Genderismus, die es zu kritisieren gilt.

        Oder nehmen wir die “Gender-These 5”:

        “5. Religionen, die diese Agenda nicht mitmachen, müssen der Lächerlichkeit preisgegeben werden.”

        Also Petpanther, du wirst dich schon für eine kohärente Form von Gender-Kritik entscheiden müssen. Man kann nicht einerseits dem postmodernen Gender-Feminismus seine Verbandelung mit dem kulturrelativistischen Multikulturalismus sowie seine unkritische Haltung gegenüber dem orthodoxen Islam vorwerfen und dann andererseits behaupten, die Gender-Ideologie würde sich gegen jede Form von traditionalistischer Religiosität richten.

        Ich fände es ja gut, wenn der Gender-Feminismus die autoritären Aspekte prämoderner, mythologischer Formen von Religiosität in allen Religionen aus einer aufklärerisch-menschenrechtlichen Perspektive heraus kritisieren würde, allein er tut es eben nicht.

        Und natürlich darf auch der Bezug zu homophoben Verschwörungstheorien nicht fehlen. (Wenn ich hier kritisch von Verschwörungstheorien spreche, meine ich natürlich IRRATIONALE Verschwörungstheorien).

        So heißt es in “Gender-These 2” allen Ernstes:

        “2. Da mehr sexuelles Vergnügen zu mehr Kindern führen kann, braucht es freien Zugang zu Verhütung und Abtreibung für alle und Förderung homosexuellen Verhaltens, da es dabei nicht zur Empfängnis kommt.”

        Das Recht von Frauen auf Verhütung und Abtreibung wird von allen feministischen Strömungen gefordert, auch von gemäßigten, auch von pro-maskulistischen feministischen Strömungen. Hinter diese Forderung fällt der Gender-Feminismus natürlich nicht zurück, aber das ist nichts spezifisch Gender-Feministisches.

        Dass es aber im Allgemeinen kein Bestandteil des Gender-Feminismus ist, “mehr sexuelle Vergnügungen” zu fördern, der Gender-Feminismus vielmehr mit einer repressiven Sexualmoral einhergeht (man denke an das sexualfeindliche radikalfeministische Zustimmungsprinzip, Critical Hetness, Dämonisierung männlicher Sexualität, das derzeitige sexual-repressive Klima an US-amerikanischen Universitäten etc.), davon solltest du vielleicht schonmal etwas gehört haben.

        Es ist zwar zutreffend, dass der Gender-Feminismus aufgrund seiner theoretischen Fundierung in poststrukturalistischer Theorie im Gegensatz zum klassischen Radikalfeminismus nicht die sex-negativen Einstellungen gegenüber Sex-Arbeit oder BDSM vertritt, die für den klassischen Radikalfeminismus typisch sind. In dieser Hinsicht – aber nur in dieser – hat der Gender-Feminismus die Forderungen des sex-positiven Feminismus z.T. integriert. Das hat er aber nicht getan, weil er von seinen theoretischen Grundlagen her ebenfalls sex-positiv wäre – der Gender-Feminismus ist keine Form von sex-positivem Feminismus – sondern weil es zu seinen poststrukturalistischen theoretischen Grundlagen im Widerspruch steht, zur Ausgrenzung (vermeintlich oder tatsächlich) diskrimierter Gruppen beizutragen bzw. sich über die Sichtweisen der Betroffenen hinwegzusetzen. Aus diesem Grunde unterstützt der Gender-Feminismus (im Gegensatz zum klassischen Radikal-Feminismus) u.a. die Sexarbeiter-Bewegung und wendet sich gegen die Diskriminierung von Menschen mit BDSM-Neigungen sowie gegen die Diskriminierung anderer sexueller Minderheiten.
        Das tut der Gender-Feminismus nicht deshalb, weil er an sich besonders sex-positiv wäre, sondern weil die poststrukturalistische Theorie darauf beruht, sich für alle (vermeintlich oder tatsächlich) durch bestimmte kulturelle Normen diskriminierte und ausgegrenzte Gruppen einzusetzen.
        An sich ist der Gender-Feminismus aber sex-negativ, die Bewahrung der sexuellen Freiheit für Männer und Frauen ist nicht sein Ziel.

        Gender-Feministinnen sind selbstverständlich nicht daran interessiert “homosexuelles Verhalten zu fördern, da es dabei nicht zur Empfängnis kommt”, sondern sie setzen sich für die Rechte Homosexueller ein 1. weil es den theoretischen Grundlagen poststrukturalistischer Theorie entspricht sich für alle (vermeintlich oder tatsächlich) durch bestimmte kulturelle Normen diskriminierte und ausgegrenzte Gruppen einzusetzen und 2. weil es unter Gender-Feministinnen selbst einen erhöhten Anteil an lesbischen Frauen gibt.

        (Ich bejahe voll und ganz den Kampf gegen die Diskriminierung Homosexueller, halte die gender-feministische Theoriebildung hierzu aber z.T. für falsch und für die berechtigten Anliegen von Schwulen und Lesben nicht wirklich hilfreich, aber das ist ein anderes Thema.)

        Das waren jetzt mal drei Beispiele für Sätze aus den “5 Gender-Thesen”, die sich auf Anhieb bei näherer Betrachtung als Unsinn herausstellen.
        Es handelt sich jedoch nicht um “zufälligen Unsinn”, sondern um bewusste konservative/rechte Propaganda, die auf die Wertepräferenz von Konservativen für den Wert Sicherheit abzielt. Political Correctness von rechts – Lügenpropaganda im Dienste konservativer/rechter Ideologie.

        Von solchen Formen konservativer/rechter Propaganda sollten sich linke und liberale Männerrechtler m.E. deutlich distanzieren.
        Die linke und liberale männerrechtliche Gender-Kritik beruht auf fundierten Argumenten, Kenntnissen und Fakten, ist frei von homophoben und sexualfeindlichen Tendenzen und hat mit solchem rechtskonservativen Unsinn nichts zu tun.

      • petpanther says:

        @Leszek

        Du bringst hier immer wieder deine politischen Ansichten hinein. Und vernebelst damit alles. Das ist für uns alle eher hinderlich.

        Deine “Belegungsforderungen” sind absurd. Die Konferenz ist lange vorbei und es ist größtenteils aus Gutgläubigkeit und gegebenen aber offenbar nicht verdienten Vertrauen nicht beachtet worden, wer da eigentlich tagt und was die tatsächlichen Ziele waren.
        O’Leary halte ich für glaubwürdig. Deine “Analysen” halte u.a. auch deswegen kontraproduktiv, weil sie alle eher verwirren und vieles auch Unsinn ist.

        Und Genderismus ist ein totalitäres Herrschaftsinstrument, dass alles und jedem in beliebiger Auslegung vorgeschaltet werden kann.

        Auf diese einfache Formel lässt es sich bringen. So ist auch das umfassend gemeint an dem du unsinnigerweise herumkrittelst. Und alle umgebende Rhetorik ist daraufhin abgestellt. Darauf sollte man sich konzentrieren. Denn das ist die wesentliche Essenz und Ergebnis der verfolgten Strategie.

      • Leszek says:

        @ Petpnather

        “Du bringst hier immer wieder deine politischen Ansichten hinein.”

        Irrtum, Petpanther. Ich habe lediglich den Anspruch in geistes- und sozialwissenschaftlichen Fragen um Objektivität bemüht zu sein, eine Haltung, die dir leider weitgehend fremd ist.
        Daneben habe ich natürlich auch noch eine politische Meinung, so wie du übrigens auch.

        “Und vernebelst damit alles. Das ist für uns alle eher hinderlich.”

        Keineswegs, Petpanther. Das Bemühen um fundierte und realistische Analysen anstattt trivialer konservativer/rechter Propagandalügen erscheint dir nur deshalb als hinderlich, weil du eben ein Bedürfnis nach solchen Verschwörungstheorien hast. Vielleicht solltest du dich einmal damit auseinandersetzen, woher das kommt.
        Wer hingegen um Objektivität bemüht ist, für den sind Versuche zu einer fundierten und realistischen Analyse zu gelangen, meist interessant und potentiell bereichernd.

        “Deine “Belegungsforderungen” sind absurd. Die Konferenz ist lange vorbei und es ist größtenteils aus Gutgläubigkeit und gegebenen aber offenbar nicht verdienten Vertrauen nicht beachtet worden, wer da eigentlich tagt und was die tatsächlichen Ziele waren.”

        Ach, man darf den Blödsinn, der in diesen “5 Gender-Thesen” offensichtlich z.T. verbreitet wird, nicht kritisch analysieren, weil die Konferenz vorbei ist? Diese Ansicht wird von mir leider nicht geteilt.

        “O’Leary halte ich für glaubwürdig.”

        Ich nicht.

        “Deine “Analysen” halte u.a. auch deswegen kontraproduktiv, weil sie alle eher verwirren und vieles auch Unsinn ist.”

        Doof nur, dass es scheinbar so schwer fällt, meinen “Unsinn” mittels Argumenten und Belegen zu widerlegen, nicht wahr?

        “Und Genderismus ist ein totalitäres Herrschaftsinstrument, dass alles und jedem in beliebiger Auslegung vorgeschaltet werden kann.”

        Na, dann ist doch eine realistische und fundierte kritische Analyse seiner ideengeschichtlichen und theoretischen Hintergründe umso wichtiger. Wir wollen den Kampf gegen den Genderismus doch nicht auf Grundlage falscher Behauptungen führen, die uns eventuell zu falschen Strategien bringen oder auf Grundlage leicht widerlegbarer Behauptungen, die bewirken, dass wir wie Idioten darstehen, die keine Ahnung haben, sondern wir wollen doch auf Grundlage von fundierten Kenntnissen und ausgestattet mit den besseren Argumenten den Einfluss des Genderismus wirksam zurückdrängen, oder?

        “Auf diese einfache Formel lässt es sich bringen.”

        Also um die autoritären Tendenzen im Genderismus zu erkennen, brauche ich eigentlich keine konservative/rechte Politpropaganda.

        “So ist auch das umfassend gemeint an dem du unsinnigerweise herumkrittelst.”

        Nun, ich gehe von dem aus, was da wirklich steht und das ist z.T. falsch sowie offensichtlich als konservative/rechte Political Correctness erkennbar.

        “Und alle umgebende Rhetorik ist daraufhin abgestellt. Darauf sollte man sich konzentrieren. Denn das ist die wesentliche Essenz und Ergebnis der verfolgten Strategie.”

        Humbug, um den Genderismus aus den medialen, akademischen und politischen Diskursen zurückzuschlagen und ihn durch ein neues geschlechterpolitisches Paradigma zu ersetzen, das die berechtigten Anliegen aller Geschlechter (Frauen, Männer, Intersexuelle, Transgender) theoretisch, wissenschaftlich und politisch berücksichtigt – von mir als “Integraler Antisexismus” bezeichnet – braucht es Analysen und Kritiken, die ernst zu nehmen sind, die auch von Journalisten, Sozialwissenschaftlern, Pädagogen, Politikern etc. ernstgenommen werden können, weil sie nicht einfach nur aus Phrasen, Oberflächlichkeiten, Halbwahrheiten und Lügen bestehen und auf irgendwelche fragwürdigen Quellen Bezug nehmen.

        Darüber hinaus scheinst du nicht ganz verstanden zu haben, dass ich kein Interesse daran habe in einer rechtskonservativ geprägten Gesellschaft zu leben, ich will weder in einer radikalfeministisch/genderistisch geprägten Gesellschaft leben, noch in einer rechtskonservativen – beides neo-patriarchalische Ideologien, die keinen Sinn für persönliche Freiheit und eine universalistisch verstandene Gerechtigkeit haben.
        Ein Grundsatz des libertären Sozialismus lautet: Wo immer möglich, sollte man nicht zwischen zwei Übeln wählen, sondern beide bekämpfen.
        Gewöhn dich also besser dran, dass ich eure konservativen Propagandalügen und Diskursstrategien auch in Zukunft auseinander nehmen werde. Ich habe kein Interesse daran, der nützliche Idiot für euch zu sein, der euch irgendwie dabei behilflich ist, in den Mainstream zu gelangen.

      • Günter Buchholz says:

        Hier nochmals die mir bekannten Quellen:
        http://frankfurter-erklaerung.de/2014/10/die-gender-agenda/

        Wer diese Quellen nicht für verläßlich hält, der möge Quellenkritik üben. Das ist legitim – und ggf. notwendig. Behauptungen und Verdächtigungen und Diffamierungen sind aber keine Quellenkritik. Bevor man urteilt, sollte man erst einmal lesen, z. B. das Buch von O´Leary. –
        Es mag sein, dass es weitere Quellen zur Konferenz von Beijing (1995) gibt; sie wären für einen Historiker höchst interessant und wichtig.

        Im übrigen gilt m. E.: es kommt nicht darauf an, w e r etwas sagt, sondern w a s er sagt, und w i e das begründet und belegt ist. Zu sagen, dies oder das könne d e s h a l b nicht richtig sein, weil es ja von dort – von d o r t – komme, einem Ort den i c h doch a b l e h n e – das ist intellektuell unredlich und führt nicht weiter. Denn Irren ist menschlich, und eben deshalb können auch alle etwas erkennen. Und es ist eben nicht so, dass alle Erkenntnis h i e r auftritt, wo i c h gerade jetzt bin, und alle Verblendung d o r t, nein: das alles tritt gemischt auf. An der Erkenntnis wie an der Verblendung haben a l l e ihren Anteil. Und deshalb sollte man m. E. bescheiden bleiben und alles so gut es geht prüfen, bevor man urteilt. Und man sollte sich der Vorläufigkeit des eigenen Urteils bewußt bleiben, denke ich.

      • petpanther says:

        @Leszek

        “Doof nur, dass es scheinbar so schwer fällt, meinen “Unsinn” mittels Argumenten und Belegen zu widerlegen, nicht wahr? ”

        Da ist nichts zu widerlegen. Du führst häufig Strohmann-Argumente und Unterstellungen an, die nicht zutreffen. Und leistest damit einen Bärendienst.

      • Leszek says:

        @ Petpanther

        “Da ist nichts zu widerlegen.”

        Mit anderen Worten: Du findest, ich habe die besseren Argumente.
        Das finde ich auch. 🙂

      • petpanther says:

        @Leszek

        Nein. Ich habe genau das kritisiert was du jetzt mit dieser Rhetorikfigur versuchst. Du schadest dem Anliegen mit deinen politisierten Ablenkungen bzw. Strohmann Argumentationen, Suggestionen und deinen willkürlichen Kategorisierungen und Zuschreibungen.

      • Leszek says:

        @ Günter Buchholz

        “Wer diese Quellen nicht für verläßlich hält, der möge Quellenkritik üben. Das ist legitim – und ggf. notwendig. Behauptungen und Verdächtigungen und Diffamierungen sind aber keine Quellenkritik. Bevor man urteilt, sollte man erst einmal lesen, z. B. das Buch von O´Leary.”

        Das sehe ich anders. Man kann schon anhand eines Vergleichs der “5 Gender-Thesen” mit der tatsächlichen Theorie UND Praxis des Gender-Feminismus erkennen, dass da etwas nicht stimmt und auf dieser Grundlage begründet kritisieren.

        Dass es für eine fundiertere kritische Analyse notwendig ist, das Buch zu lesen, sehe ich allerdings auch so und habe es bereits auf meine Liste zu kaufender Bücher für dieses Jahr gesetzt.
        Meiner bisherigen Erfahrungen nach enthalten solche rechtskonservativen Propaganda-Schriften entweder gar keine Belegquellen oder nur solche, die die zentralen Aussagen nicht belegen, ich bin also mal gespannt, wie es sich diesbezüglich mit dieser Schrift verhält.

        “Es mag sein, dass es weitere Quellen zur Konferenz von Beijing (1995) gibt; sie wären für einen Historiker höchst interessant und wichtig.”

        Zu einer Annäherung an eine wahrheitsgemäße Einschätzung dürfte man hier wohl am ehesten kommen, wenn man mehrere Personen aus den verschiedenen weltanschaulichen Lagern, die dabei waren, intensiv befragen würde.

        “Im übrigen gilt m. E.: es kommt nicht darauf an, w e r etwas sagt, sondern w a s er sagt, und w i e das begründet und belegt ist.”

        Richtig. Deshalb befasste sich der größte Teil meiner bisherigen Kritik ja auch damit, aufzuzuzeigen, dass die “5 Gender-Thesen” offensichtlich mit der tatsächlichen Theorie und Praxis des Gender-Feminismus in wesentlichen Aspekten nicht im Einklang sind.
        Wer sich mit den theoretischen und ideengeschichtlichen Grundlagen von Gender-Feminismus und Political Correctness befasst hat – die wesentlich in einer einseitigen, selektiven und dogmatischen US-amerikanischen Rezeption des französischen Poststrukturalismus zu finden sind und NICHT im Marxismus/Neo-Marxismus – der kann m.E. über viele der Behauptungen in diesem Text zu den “5 Gender-Thesen” sowie in den Zusammenfassungen zu dem Buch von O´Leary nur den Kopf schütteln.

        Allerdings enthalten der Text und die Buchzusammenfassungen viele der typischen Elemente der Political Correctness von rechts, mit denen rechtskonservative Propagandisten gemeinhin ihre Basis zu manipulieren und zu mobilisieren versuchen.
        Ich befasse mich schon seit über einem Jahr u.a. mit einer Analyse und Kritik der linken und der rechten Variante der Political Correctness und kenne die jeweiligen typischen Muster inzwischen ziemlich gut.

      • Günter Buchholz says:

        Frau Dr. Vornholt hat das O´Leary Buch offenbar gelesen und in längeren Auszügen in deutscher Sprache wiedergegeben. Ich hab den link ja genannt. Das kann man ja erst mal zur Erkenntnis nehmen, anstatt bei diesen fünf Punkten hängen zu bleiben. Ich habe auch die links zu den Ergebnisdokumenten von Beijing angegeben. Die Auseinandersetzung zu den fünf Punkten führt m. E. nicht weiter. Man wird bei näherer Beschäftigung schon sehen, was da wirklich gesagt und gemeint wurde.

      • petpanther says:

        @Leszek

        “Allerdings enthalten der Text und die Buchzusammenfassungen viele der typischen Elemente der Political Correctness von rechts, mit denen rechtskonservative Propagandisten gemeinhin ihre Basis zu manipulieren und zu mobilisieren versuchen.
        Ich befasse mich schon seit über einem Jahr u.a. mit einer Analyse und Kritik der linken und der rechten Variante der Political Correctness und kenne die jeweiligen typischen Muster inzwischen ziemlich gut.”

        Hör auf den Rat von Prof. Buchholz und mach die an die Arbeit, anstelle deine polarisierten Politschemata und Zuschreibungen zu verbreiten.

        Nicht jeder der dir widerspricht ist rechts oder Rechtsradikaler.

      • Leszek says:

        @ Günther Buchholz

        “Frau Dr. Vornholt hat das O´Leary Buch offenbar gelesen und in längeren Auszügen in deutscher Sprache wiedergegeben. Ich hab den link ja genannt. Das kann man ja erst mal zur Erkenntnis nehmen, anstatt bei diesen fünf Punkten hängen zu bleiben.”

        Die entsprechenden Texte von Frau Vornholt sind mir schon seit längerem bekannt.
        Ich habe natürlich bereits zum Thema recherchiert, wobei diese positive Rezension des Buches aus christlich-fundamentalistischer Perspektive, aus der zudem deutlich hervorgeht, dass das Buch von Dale O’Leary auf konservative antimarxistische Diskursstrategien rekurriert, mich in meinem negativen Eindruck nur bestärkt hat.
        Aber wie gesagt: Ich werde mir das Buch noch besorgen, überprüfen, ob und inwieweit es Belegquellen enthält und was für welche und dann wird eine fundiertere Beurteilung möglich sein.

      • Günter Buchholz says:

        Man kann solche Bücher u. U. auch dann mit Gewinn lesen, wenn man nicht mit allem übereinstimmt. Dann abstrahiert man eben von dem, was einem inakzeptabel erscheint. Und die zugrunde liegenden Fakten, die man so kennen lernt, lassen sich womöglich auch ganz anders interpretieren. Man sollte sich als Leser möglichst nicht selbst im Wege stehen, finde ich.

      • david says:

        Da du offensichtlich in psychodynamischer Hinsicht ein Bedürfnis nach solchen Ideologien hast und es mit deinem kritischen Denken, sobald du auf eine entsprechende Ideologie triffst, die dieses Bedürfnis scheinbar befriedigt, in der Regel nicht weit her ist, scheint es keine so gute Idee zu sein, sich darauf zu verlassen, was du so als “schlüssig” empfindest.

        Gut auf den Punkt gebracht und auch ansonsten mal wieder scharf argumentiert.

        Ich sollte mehr auf anspruchsvollere Blogs wie dieses hier ausweichen, wo Trollerei noch einem Korrektiv unterliegt. Aber irgendwie scheine ich selbst den Trash und Krawall auf Christians Biologisten-Blog zu brauchen. Was das wohl über mich aussagt? 🙂

      • petpanther says:

        @David

        Auch das ist kein guter ernsthafter Beitrag.

        Ich finde z.B. nicht, dass meine Beiträge Trollen sind.

        Wenn man meine Diskussion hier mit Leszek verfolgt ist, gehen die Diskreditierungen nicht von meiner Seite aus. Ich kritisiere dies unnötige Politisieren und aus meiner Sicht die eigentlich kindlich naive aber auch recht destruktive Ebene dieses Zweckentfremdens.

        Die Kilo an “Argumentation” und “Belegen” sind selten im tatsächlich kausalen Zusammenhang und geben immer nur eine politisch völlig einseitige Sicht wieder. So etwas ist tatsächlich ideologisch.

        Zwar manchmal recht unterhaltsam und ich steige dann ja auch auf so manches mal mit ein, aber es ist nicht gut, immer wieder politisch zu polarisieren und dann taktisch die “Dieb, der haltet den Dieb schreit” Projektionsnummer zu fahren. Das überstrahlt dann auch die darin vielleicht tatsächlich gültigen Argumente, weil sie in dieser Unredlichkeit eingebettet sind.

    • Leszek says:

      @ Petpanther

      “Du schadest dem Anliegen”

      Soll das etwa ein Aufruf zu jener ideologischen Geschlossenheit und Kritiklosigkeit sein, wie sie für “kollektivistische” Ideologien (wie du es gerne nennst) wie den Gender- Feminismus typisch ist? (Ich bin übrigens kollektivistischer Anarchist, aber in diesem Kontext hat kollektivistisch eine andere Bedeutung.)

      “mit deinen politisierten Ablenkungen bzw. Strohmann Argumentationen, Suggestionen und deinen willkürlichen Kategorisierungen und Zuschreibungen.”

      Nein, begründete und fundierte kritische Analysen.
      Du weißt aber schon, dass viele unserer Diskussionen sich gerade darum drehen, dass du selbst gerne mit solchen Diskursstrategien wie den genannten arbeitest, oder?
      Besonders bei “willkürlichen Kategorisierungen” musste ich lachen, denn auf zutreffende Kategorisierungen achte ich meist ziemlich genau, du hingegen überhaupt nicht.
      Möchtest du diese Kritik auch mal auf dich selbst anwenden?
      Ich werde dich bei deiner nächsten “willkürlichen Kategorisierung” gerne an deine Worte erinnern.

      • petpanther says:

        @Leszek

        Du solltest das wirklich lassen. Es schadet.

        Beschränke dich auf deine Analysen. Und trag damit positiv bei.

      • Leszek says:

        @ Petpanther

        “Du solltest das wirklich lassen. Es schadet.”

        Es soll ja der rechtskonservativen Lügenpropaganda auch schaden.

        Darüber hinaus: Möchtest du etwa darauf hinaus, dass ich Wissenschaftlichkeit und Bemühen um Objektivität den von dir gewünschten pragmatischen Zweckmäßigkeiten unterstellen soll?
        Und möchtest du etwas darauf hinaus, dass ich moralische Beurteilungen nicht gemäß der Werte und Prinzipien des libertären Sozialismus, die ich für richtig halte, vornehmen soll, sondern gemäß den von dir gewünschten pragmatischen Zweckmäßigkeiten?

        Wissenschaftlichkeit und Gewissensfreiheit sollen also “der Sache” geopfert werden, genau wie es in autoritären Ideologien wie dem Gender-Feminismus üblich ist?
        Aber Petpanther, du weißt doch, dass ich das nicht tun werde. 🙂

        Wobei pragmatisches Denken und Handeln ja allerdings gewöhnlich nicht so deine Stärke ist. Wenn es darum gehen soll, berechtigten männerrechtlichen Anliegen

        http://www.vaetersorgen.de/Maennerbewegung.html

        schnellstmöglich zur Anerkennung zu verhelfen und sie in den Mainstream zu bringen, dann bist du ja nun kein besonders gutes Beispiel dafür, wie diesbezüglich vorzugehen ist. Tatsächlich gibt es ja so einige Beiträge von dir im Netz, die keine andere Wirkung haben können als der Männerrechtsbewegung den Eingang in den Mainstream zu erschweren, worauf ich dich ja auch mehrfach hingewiesen habe.
        Insofern mal wieder amüsant, dass ausgerechnet du jetzt anfängst “schädliche Verhaltensweisen” zu unterstellen.

      • petpanther says:

        Ach Leszek. Schwafel …

      • Leszek says:

        @ Petpanther

        “Ach Leszek. Schwafel …”

        Nix Schwafel.
        Freu dich lieber, dass ich stets um deine Weiterentwicklung bemüht bin. 🙂

      • petpanther says:

        @Leszek

        Es ist rührt mich fast wie du um mich bemüht bist 🙂

  6. Nick says:

    Aber eine Organisation wie die Universität kann hier aktiv werden, indem sie von ihrem Hausrecht Gebrauch macht. Sie kann Bedingungen formulieren, die auch das Verhalten von Menschen regulieren. Sie kann solche Menschen aus ihrer Organisation ausschließen, die sich diesen Bedingungen nicht fügen.

    Hmm. Bei uns sind Unis aber Anstalten des öffentlichen Rechtes, sie unterliegen damit dem Verwaltungsrecht. Beispielsweise ein Verweis aus der Bibliothek ist ein anfechtbarer Verwaltungsakt, für den man letztlich dann doch wieder objektive Kriterien zur Begründung braucht. Zumindest theoretisch, die Allerwenigsten dürften sich zu wehren wissen wenn die quasiamtliche Büchereitante vor die Tür setzt..

    Ich denke aber auch, dass man die feminstische organsisations- strategie- und Kampagnenfähigkeit keinesfalls unterschätzen sollte. “Verschwörung” ist sicher der falsche Begriff, aber die Gender-Bürokratie ist tatsächlich ein ziemlich gut durchorganisierter regelrechter Staat im Staate. Das ist doch ein offenes Geheimnis.

    Das Ganze ist also ein politisch in Gang gesetztes Ding.

    Selbstverständlich! Dem vorausgegangen sind EU-weit zig (offizielle!) Koordinierungstreffen und Konferenzen. Da gab es doch neulich diese EU-Studie zu sexueller Belästigung an Unis, was wir jetzt sehen sind die daraufhin beschlossenen Maßnahmen. Man wird ähnliches an jeder Eurpäischen Uni finden.

    Wir haben es hier mit einer ganzen Amanda an Berufsfeministinnen zu tun, die dafür bezahlt werden dass sie sich den ganzen Arbeitstag mit solchen Netzwerken, Kampagnen und letzlich Maßnahmen beschäftigen.

    Im Verhältnis zu den aufgewendeten Ressourcen sind sie nmE aber wiederum eigentlich ziemlich uneffektiv. Möglich, dass sie ein paar Studenten der Bibliothek verweisen, wenn sie das allerdings öfter tun spricht sich schnell herum, dass es im Verwaltungsrecht sowas wie einen Ermessenspielraum, der im Sinne der Defma nutzbar wäre, nicht gibt. Das sind doch eher nur Maßnahmen zur Legitimation der Existenz dieser Pöstchen.

    Krasser finde ich da sowas wie beispielsweise die Tatsache, dass die staatliche Intervetionspolitik zu häuslicher Gewalt von einem Netzwerk aus altgedienten Radikalfeministinnen sehr nachhaltig bestimmt wird. (->Duluth-Modell) Nach dieser Agenda werden beispielsweise Polizeibeamte “geschult”. Nicht nur bei uns, das Duluth-Modell, welches häusliche Gewalt grundsätzlich und ausschließlich als patriachales Instrument zur systematischen Unterdrückung von Frauen betrachtet, hat sich in fast allen Industrienationen durchgesetzt. Hier hat die feministische Netzwerkerei ganze Arbeit geleistet. Staatliche Politik wird hier, an demokratischen Willensbildungsprozessen vorbei, von Aktivistinnen auf deren internationalen Konferenzen gestaltet. So ist die ganze Genderkratie strukturiert, EU-Weit.

    Der Berliner Verein BIG e.V. ist jedenfalls wohl ein Lehrstück für die Verflechtung von radikalfeministischem Aktivismus mit staatlichen Institutionen. Frau Schweikert sitzt mittlerweile im Frauenministerium und koordiniert sämtliches staatliches Handeln zu diesem Thema und Frau Baer sitzt im Bundesverfassungsgericht. Natürlich werden auch sämtliche staatlich finanzierten Studien aus dem Fundus der Aktivistinnen aquiriert. Das sind eben die “Expertinnen” und “Gleichstellungsakteurinnen”. Carol Hagemann-White ist da auch so eine zentrale Figur:

    Aber ist es nicht an der Zeit, dass man auch Männer nach ihren Gewalterlebnissen befragt? So suggeriert man, Frauen würden nie Gewalt anwenden.

    Im Prinzip haben Sie recht. Wir diskutierten zwei Jahre im Beirat des Familienministeriums(!), wie man eine Studie zu Gewalterfahrungen von Männern anlegen könnte. Das Problem ist: Soll man ihnen die gleichen Fragen stellen wie Frauen? Eine Pilotstudie hat gezeigt, dass Männer anders Gewalt erfahren, es geht öfter um Waffen oder auch um Militärerfahrungen.

    http://www.taz.de/!135020/

    Die “Expertinnen” aka altgedienten Aktivistinnen machen das eben unter sich aus.

    Das ist keine Verschwörung, sondern ist eine aus dem “cultural feminism” (aus radikalfeministischen Subkulturen) hervorgegangene, gewachsene Struktur. Ein Staat im Staate, eben. Das strukturelle Problem liegt darin, dass man meint “Frauen” bräuchten zu ihrer Interessenswahrung unabwendbar besondere Strukturen, die “normalen” politischen Willensbildungsprozesse würden “Frauen” nicht angemessen vertreten/repräsentieren. Da _kann_ eigentlich nur ein sich unkontrollierbar verselbständigender und sich seine Legimation selbst schaffender Apparat bei herauskommen.

    • petpanther says:

      @Nick

      “Krasser finde ich da sowas wie beispielsweise die Tatsache, dass die staatliche Intervetionspolitik zu häuslicher Gewalt von einem Netzwerk aus altgedienten Radikalfeministinnen sehr nachhaltig bestimmt wird. (->Duluth-Modell) Nach dieser Agenda werden beispielsweise Polizeibeamte “geschult”. Nicht nur bei uns, das Duluth-Modell, welches häusliche Gewalt grundsätzlich und ausschließlich als patriachales Instrument zur systematischen Unterdrückung von Frauen betrachtet, hat sich in fast allen Industrienationen durchgesetzt. Hier hat die feministische Netzwerkerei ganze Arbeit geleistet. Staatliche Politik wird hier, an demokratischen Willensbildungsprozessen vorbei, von Aktivistinnen auf deren internationalen Konferenzen gestaltet. So ist die ganze Genderkratie strukturiert, EU-Weit. ”

      Du sagst hier sehr wesentliches. Noch heftiger finde ich, dass das offiziell unter dem Deckel gehalten aber angewendet wird. Auch dies ist ein Mißbrauch und Willkür ausgehend staatlichen Institutionen. Wahrscheinlich auch ein recht heftiger Verfassungsbruch.

      Wer kennt denn hierzulande das Duluth-Modell? Obwohl alle Männer tatsächlich und nicht unwesentlich mit der darin enthaltenen nicht mehr rechtsstaatlichen Gewalt und Willkür auch hierzulande bedroht sind!!

      • Nick says:

        Noch heftiger finde ich, dass das offiziell unter dem Deckel gehalten aber angewendet wird.

        Nein, das Janze ist hochoffizielle Politik und die entsprechenden Informationen sind für jeden interessierten Bürger sehr leicht zugänglich. Es wird da regelrecht geprahlt:

        http://www.big-berlin.info/geschichte

      • petpanther says:

        @Nick

        “BIG e.V.: Vorbild USA

        Daran arbeitet BIG seit 1995 – und konnte dabei aufbauen auf die Initiativen der deutschen und internationalen Frauenbewegung, die das Problem bereits Anfang der 70er Jahre aufgriffen und zum Thema machten. Vorbild und Modell für die Ziele und Wege, an denen sich BIG orientiert hat, war das Domestic Abuse Intervention Project (DAIP), das 1979 in Duluth/Minnesota, USA, gegründet wurde.”

        Meinst du das?

      • petpanther says:

        … hab noch ein bisschen weiter geblättert.

        Bei denen (und wahrscheinlich ähnlich bei anderen) hat sich das zur subversiven Bekämpfung des Mannes unter Aushöhlung rechtstaatlicher Strukturen erweitert.

        Ja. Damit wird regelrecht geprahlt. Ohne Unrechtsbewusstsein.

      • petpanther says:

        Dazu eventuell auch wie die Psychologie misandrisch wurde (und so Grundlage für das Duluth Modell wurde durch Ellen Pence and Michael Paymar, die die Thesen von Robert William Connell , später durch Geschlechtsumwandlung sich Raewyn Connell nennend):

        http://de.wikipedia.org/wiki/Raewyn_Connell
        http://de.wikimannia.org/Raewyn_Connell

        Der Psychologe Tom Golden hat das in 4 Artikeln dargestellt. Hier aus dem letzten der Reihe, der die geschichtliche Entwicklung und Einordnung darstellt:

        “Apparently academic psychologists in the U.S. have taken Connell’s theories of hegemonic masculinity and siphoned out the negative traits and distilled it down to what they now call “Toxic Masculinity” which is characterized by: ruthless competition, violent domination, inability to express emotions other than anger, unwillingness to admit weakness or dependency, devaluation of women and all feminine attributes in men, and homophobia.”

        http://www.avoiceformen.com/series/tom-goldens-mental-health-misandry/mni-misandry-in-psychological-research/

      • Günter Buchholz says:

        Die Duluth Kritik findet sich gründlich im:
        “Handbuch Familiäre Gewalt im Focus”

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