Unis und sexuelle Belästigung

Und weiter im Thema. Von 2008 stammt dieser Flyer der Uni Mannheim und er informiert uns darüber, dass sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz offenbar ein flächendeckendes Phänomen ist:

2004 ergab eine Befragung des Bundesministeriums
für Familie, Senioren, Frauen und
Jugend, dass 73-93% der befragten Frauen
bereits sexuelle Belästigung an ihrem Arbeitsplatz
erfahren haben.

Nimmt man diese Zahl ernst, ist eigentlich kaum eine Frau von dieser Erfahrung ausgenommen. Es herrschen also schreckliche Zustände am Arbeitsplatz. Mir fällt es doch schwer, das so zu glauben.

Die Palette der Untaten ist auch auf diesem Flyer breit angelegt. So gehört auch folgendes bereits zur sexuellen Belästigung:

Hinterherpfeifen, taxierende Blicke

Wie aber misst man justiziabel “taxierende Blicke”? Es ist vermutlich sehr subjektiv, ob jemand Männerblicke als taxierend empfindet oder als angenehme Form der Aufmerksamkeit. Männer schauen Frauen hinterher und natürlich haben sie dabei auch ein erotisches Interesse. Das kann Mann auch nicht immer verbergen. Ist nun jeder ansatzweise interessierte Blick ein Problem?

Zugegeben, wenn die Angestellte zum Chef kommt, sollte dieser sein erotisches Interesse im Zaume halten. Es ist vorstellbar, dass offen vorgetragenes Interesse bzw. eben ein “taxierender Blick” tatsächlich als unangenehm empfunden werden kann.

Allerdings glaube ich, dass die Uni Mannheim hier weit übers Ziel hinausschießt, denn das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, die Grundlage für diese Uni-Kampagnen, scheint die Blicke an sich nicht zum Problem zu erheben:

Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG):

Nach dem AGG ist der Tatbestand der sexuellen Belästigung wie folgt definiert:

„Sexuelle Belästigung ist eine Benachteiligung, wenn ein unerwünschtes, sexuell bestimmtes Verhalten wozu auch unerwünschte sexuelle Handlungen und Aufforderungen zu diesen, sexuell bestimmte körperliche Berührungen, Bemerkungen sexuellen Inhalts sowie unerwünschtes Zeigen und sichtbares Anbringen von pornografischen Darstellungen gehören, bezweckt oder bewirkt, dass die Würde der betreffenden Person verletzt wird, insbesondere wenn ein von Einschüchterungen, Anfeindungen, Erniedrigungen, Entwürdigungen oder Beleidigungen gekennzeichnetes Umfeld geschaffen wird“.

Ich interpretiere diese Passage so, dass es schon auf vermachtete Kontexte ankommt und dass hier ein Bündel von Aktivitäten seitens des Belästigers vorliegen muss. Einmalige Aktionen fallen vermutlich nicht unter die Geltung dieses Gesetzes, sondern es muss schon erkennbar sein, dass dieses ” von Einschüchterungen, Anfeindungen, Erniedrigungen, Entwürdigungen oder Beleidigungen gekennzeichnetes Umfeld geschaffen wird“. Und die Schaffung dieses Umfeldes ist ein Prozess mit einer gewissen Zeitdauer.

Vermutlich wäre der Tatbestand der sexuellen Belästigung sonst juristisch auch gar nicht definierbar. Man braucht überprüfbare Kriterien, um ein Urteil fällen zu können.

Die Info-Kampagnen der Gleichstellungsbüros der Universitäten scheinen dies aber sehr unterschiedlich anzupacken und oft sehr weit auszulegen.

Hier z.B. die LMU München:

Was ist sexuelle Belästigung?

“Sexuelle Belästigung beginnt dort, wo signalisierte Grenzen überschritten werden”

Sexuelle Belästigung ist jedes sexuell belegte Verhalten, das von den Betroffenen nicht erwünscht und von ihnen als beleidigend und abwertend empfunden wird. Sie kann sich in Worten, Gesten und Handlungen ausdrücken, durch ausfallende Bemerkungen über Aussehen oder Privatleben, Erzählen anzüglicher Witze, Zeigen von pornographischen Darstellungen, taxierende Blicke, unerwünschte Berührungen und Annäherungsversuche bis hin zu strafrechtlich relevanten Tatbeständen wie Stalking, sexueller Nötigung und Vergewaltigung. Insofern es stets ein einseitiges Verhalten ist, das von den Betroffenen als entwürdigend erlebt wird, unterscheidet es sich grundlegend von Flirts oder Komplimenten.

Das ist übrigens ein Textbaustein, den ich auch bei anderen Unis gefunden habe. Was auffällt: Die vom Gesetz gezogenen Grenzen werden hier nicht aufgegriffen. Man kann das Gleichbehandlungsgesetz gut oder schlecht finden, aber es hat versucht, die sexuelle Belästigung so zu fassen, dass es ein greifbares Phänomen ist. Im Grunde wurde ein Äquivalent zum Mobbing beschrieben, indem man diese Belästigung als ein Dauerproblem beschrieb im Kontext eines Machtverhältnisses.

Was macht das Gleichstellungsbüro daraus? Es steigt ein mit einem Zitat, dass noch jede Grenzverletzung als Belästigung definiert. Das kann dann auch eine einmalige Aktion sein. Anschließend wird alles Mögliche als Ausdruck einer solchen Belästigung aufgefasst. Das entspricht dem Gesetz, zum Teil, weil die Grenzziehung des Gesetzes nicht wiederholt wird. Alleinige Grenzziehung des Flyers ist die Unterscheidung von Flirt und Kompliment.

Auf diese Weise laden diese Frauenbüros dazu ein, “sexuelle Belästigung” sehr weit zu definieren und alles mögliche darunter zu fassen. Sie suggerieren Frauen damit auch, dass sie schon bei einmaligen unangenehmen Erfahrungen rechtliche Handhabe hätten, um gegen den tatsächlichen oder vermeintlichen Belästiger vorzugehen. Auch laden sie erotische Signale aller Art mit einer negativen Wertung auf. Junge Frauen bekommen das Gefühl, dass Anbandelungsversuche von Männern falsch sind und sie bekommen das Gefühl, dass sie im Recht sind, wenn sie diese Männer als “Belästiger” verdammen.

Damit wird einerseits ein Klima der Angst geschaffen: Alles ist Belästigung! Es ist eine Illusion geschaffen: Du kannst gegen alle Männer, die Du als lästig empfindest, vorgehen! Und es wird das Selbstbewusstsein geschaffen, dass die eigene Bewertung eines erotischen Signals oder eines Verhaltens als erotisches Signal sowohl vom Staat als auch von der Zivilgesellschaft uneingeschränkt geteilt wird und dass man als Frau Anspruch hat, bei der Durchsetzung dieser Bewertungen institutionelle Unterstützung zu erhalten.

 

 

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14 Responses to Unis und sexuelle Belästigung

  1. Ein nicht präzise zum Thema gehörender Hinweis:

    Privat bekomme ich in letzter Zeit immer öfter von Frauen zugetragen, daß wir alle ein “Genderproblem” hätten: Frauen würden von Männer immer weniger angesprochen, in den Clubs feiern die Männer immer stärker nur unter sich und in anderen Kontexten findet eine Kontaktaufnahme ebenfalls immer weniger statt. Wörtlich: “Ich träume ja davon, mal auf der Strasse angesprochen zu werden.”. Vor allem Frauen, die Kinder bekommen wollen und sich der Altergrenze nähern, reagieren zunehmend panisch darauf und drängen Männer dazu, aus Affairen und lockeren Beziehungen Ehen zu machen – als würde das die Präsenz von Männern auf lange Sicht in ihrem Leben garantieren.

    Gegen Letzteres gibt es bereits eine erhebliche Abneigung unter Männern, vor allem, die sich in den Aufbaujahren befinden – und fast niemals wissen sie etwas über Maskulismus und Männerrechtler.

    • petpanther says:

      @Elmar

      ” … – und fast niemals wissen sie etwas über Maskulismus und Männerrechtler.”

      Das ändert sich gerade.

      In meiner Wahrnehmung ein gesellschaftlich gute und notwendige Entwicklung gegen den von LoMi am Schluß auch benannten, und m.E. sehr erheblichen wie auch bewusst organisierten Missbrauch mit diesem Themen.

    • suwasu says:

      Wäre mal spannend, zu erfahren, ob das wirklich flächendenken so ist, Elmar.

      Aber eins ist wohl klar: Überall, wo undifferenziert alles Mögliche zu “sexueller Belästigung” hochstilisiert wird, also eine Art von Sexualpanik veranstaltet wird, wird Mann sich zunehmend zurückhalten. Es ist zu gefährlich.

      Tja und dann denken wir mal an diese Frau Pauer und ihre Sehnsucht, er solle sie einfach an die Wand drücken und küssen. Er, der echte Mann, den es natürlich nicht mehr gibt, weil er heute vorher fragt…

      • @LoMi

        “Wäre mal spannend, zu erfahren, ob das wirklich flächendenken so ist, Elmar.”

        Davon sagte ich nichts, das ist ganz subjektiv. Ich persönlich kann auch nicht den Eindruck von petpanther bestätigen.

        Worauf ich eigentlich hinauswollte, war die Beobachtung, wie träge Frauen scheinbar reagieren: sie bleiben bei ihrer passiven Rolle und halten lieber die Männer fest, mit denen es eigentlich gar nicht so flutscht – beziehungsmäßig.

        Ich meine: Erfolgreiche Strategien sehen anders aus. Daher ist das schon so eine Art Schlaglicht auf die Prioritäten gewisser Frauen. Denn Menschen versteht man immer dann gut, wenn sie etwas tun bzw. sich gegen andere Optionen entscheiden.

        “Es ist zu gefährlich.”

        Natürlich.

        “Er, der echte Mann, den es natürlich nicht mehr gibt, weil er heute vorher fragt…”

        Noch mehr off topic: Mir ist völlig unklar, warum es Männlichkeit definieren soll, daß das Verhalten eines Mannes einer Frau Gelegenheit zu autoerotischer Betätigiung gibt. Denn wie im Fall der Überwältigungsphantasien geht es hier darum, daß es eine Frau toll findet und erregt, wenn sie den Mann durch ihre Ausstrahlung (oder was auch immer) dazu bringen kann, daß er völlig die Kontrolle verliert.

        Ich meine: Diese Art Definitionsversuche muß zurückgewiesen werden, Männlichkeit wird unter keinen Umständen so definiert, daß männlich ist, wsa Frauen gefällt.

      • suwasu says:

        Männlichkeit wird eben leider in Form von Erwartungen definiert. Das ist selbstverständlich falsch.

        Mir kam auch eine off topic Assoziation zu Deinen Anmerkungen: Shades of Grey und die SM-Welle.

        Einerseits: Hier wird die Überwältigungsfantasie zum kollektiven Frauenwunsch erhoben. Vielleicht, weil nur noch hier in der definierten SM-Situation die erwünschte Rückhaltlosigkeit männlichen Begehrens erlebt werden kann?

        Andererseits ist der dominante Part beim SM ein Gratwanderer. Erstens muss er sich selbst kontrollieren, denn er darf nicht zu hart zu schlagen z.B. Er muss ja sicherstellen, dass der submissive Part sich ganz auf ihn verlassen kann. Also trägt er Verantwortung und das heißt: Selbstkontrolle.
        Zweitens muss er, um wirklich der dominante Part zu sein, immer aufpassen, dass er nicht zum Wunscherfüller wird, also eigentlich der dominierte Part ist, der bloß funktioniert. Denn er bereitet dem submissiven Part Lust, indem er ihn dominiert. Der submissive Part kann den Dominanten durchaus steuern, dass der genau das macht, was sich der submissive wünscht. Auch dann wird der Mann mehr oder minder zum Sexspielzeug.

      • @LoMi

        “Männlichkeit wird eben leider in Form von Erwartungen definiert. Das ist selbstverständlich falsch.”

        Vielleicht könnte man daraus ein systematisches Argument machen: “Wären Männlichkeit/Weiblichkeit über Erwartungen definiert, dann entstünde folgendes Problem: …”.

        “Shades of Grey und die SM-Welle”

        Darüber weiß ich wenig. Aber meine Vermutung ist, daß für einige Frauen mit SM-Neigung, die devote Rolle der einzig verbliebene, weil einzig bekannte Weg ist, Nähe zu Männern aufzubauen – denn ansonsten beherrschen sie nur Verhaltensweisen der Verachtung gegenüber Männern.

        “Vielleicht, weil nur noch hier in der definierten SM-Situation die erwünschte Rückhaltlosigkeit männlichen Begehrens erlebt werden kann?”

        Auch solche Fälle gibt es sicher: BDSM ist vermutlich ein komplexes Gebiet.

        “Er muss ja sicherstellen, dass der submissive Part sich ganz auf ihn verlassen kann.”

        Für sowas gibt es code-Wörter.

        “Auch dann wird der Mann mehr oder minder zum Sexspielzeug.”

        Nun ja, wenn er was weiß und wenn er das will … dann ist das doch sein Problem, oder? Anders ist es, wenn er getäuscht wird, dann wird seine sexuelle Würde verletzt.

      • suwasu says:

        ““Er muss ja sicherstellen, dass der submissive Part sich ganz auf ihn verlassen kann.”

        Für sowas gibt es code-Wörter.”

        Code-Wörter alleine genügen nicht. Es muss das grundsätzliche Vertrauen existieren, dass die Code-Wörter auch so interpretiert werden wie abgesprochen. Und es muss der Dom schon im Vorfeld wissen, wie weit er gehen kann, ohne seine Sub zu verletzen oder ihr zuviel zuzumuten.

        Aber ja, das ist komplex.

        “Nun ja, wenn er was weiß und wenn er das will … dann ist das doch sein Problem, oder? Anders ist es, wenn er getäuscht wird, dann wird seine sexuelle Würde verletzt.”

        Nun, es wird eine Gratwanderung sein, ein Spiel, das nie fertiggespielt ist, denn Subs sind ja nicht per se unterwürfig, sie begehren auf und sie kennen ihre Macht und der Dom weiß das natürlich, was nicht automatisch dazu führt, dass er die Kontrolle über das Spiel hat. Jede Macht muss sich auch beweisen.

        “Vielleicht könnte man daraus ein systematisches Argument machen: “Wären Männlichkeit/Weiblichkeit über Erwartungen definiert, dann entstünde folgendes Problem: …”. ”

        Guter Ansatz!

      • Na ja …. von SM weiß ich wenig. Aurelie könnte weiterhelfen.

      • suwasu says:

        Ich bin da auch kein Experte. Ich kann mich da vorerst nur auf Hörensagen berufen.

      • petpanther says:

        Dazu auch:

        Der AVFM Autor Mumia Ali nimmt sich die Machtstruktur im kalifornischen “Yes Means Yes” Consent Law vor. Und kommt dabei auf aggressive weibliche Sexualität, die sich aus der BDSM-Subkultur entwickelt hat. Transportiert und missbraucht für politische Zwecke, ohne den eigentlichen dafür wichtigen Consent.

        The BDSM origins of “Yes Means Yes”
        http://www.avoiceformen.com/misandry/the-bdsm-origins-of-yes-means-yes/

  2. LoMi says:

    Schaut mal hier: http://www.strafakte.de/sexualstrafrecht/schutzluecke-kampagne/,
    das passt indirekt zum Thema (gefunden bei Arne):

    “Nun mag die grif­fige For­mel „Nein heißt nein“ eine gute Pa­role sein, sie greift nach Ansicht von Fi­scher aber den­noch zu kurz. Wenn schon die Nicht­be­ach­tung des ent­ge­gen­ste­hen­den Wil­lens eine Nö­ti­gung sein sollte, müss­ten zahl­rei­che Teile des Straf­rechts neu ge­dacht und ge­schrie­ben wer­den. Un­sere Ver­fas­sung ver­langt, dass ein Ver­hal­ten, das wir als Ver­bre­chen an­se­hen wol­len, auch ge­setz­lich be­stimmt ist, Straf­bar darf nur sein, was ein ver­meint­li­cher „Tä­ter“ als Straf­tat er­ken­nen und un­ter­las­sen kann. Dies ver­an­schau­licht Fi­scher an ei­nem tref­fen­den Beispiel:

    Neh­men wir an, Herr X er­stat­tet Straf­an­zeige fol­gen­den In­halts: Vor vier Jah­ren voll­zog ich mit der Be­schul­dig­ten Frau Z den Ge­schlechts­ver­kehr. Ich sagte ihr vor­her, dass ich das nicht wolle, aber sie sagte: „Ach komm schon!“, fasste zwi­schen meine Beine und brachte mich schließ­lich dazu, den Ge­schlechts­ver­kehr auszuführen.

    Nach heu­ti­ger Rechts­lage ist (zum Glück) si­cher, dass Frau Z für diese „Tat“ nicht we­gen „Ver­ge­wal­ti­gung“ zu vier Jah­ren Frei­heits­strafe ver­ur­teilt würde. So sollte es blei­ben – selbst wenn man die Rol­len von Mann und Frau ver­tauscht. Nach Ansicht der so­ge­nann­ten Re­for­mer da­ge­gen wäre Frau Z künf­tig we­gen Ver­ge­wal­ti­gung zu verurteilen.”

    Zumindest scheinen da Leute sehr bemüht zu sein, die amerikanische Vorstellung von Vergewaltigung nach Deutschland zu importieren. Damit verbunden ist die Aufweichung von Definitionen.

    Und nun mal ein Stück “Verschwörungstheorie”: Stellt Euch vor, das alles sei von langer Hand geplant. Also schicke ich, gut vernetzt mit allen Gleichstellungsfrauen, meine Leute los, die im akademischen Feld die Definition aufweichen sollen. Sie sollen durch Kampagnen den erweiterten Vergewaltigungsbegriff salonfähig machen. Dazu sollen sie a) ein Klima der gefühlten Bedrohung schaffen und b) eine möglichst weite Definition von sexueller Belästigung als gültig und unbestritten etablieren.

    Wie gesagt, das ist Verschwörungstheorie. Aber vergessen wir nicht, dass Gleichstellungsbüros tatsächlich vernetzt sind und dass sie tatsächlich Kampagnen miteinander abstimmen, auch wenn sie sicherlich nicht die “Weisen von Zion” sind.

  3. HansG says:

    Interessante Gedanken. Aber meiner Ansicht nach »verschwendete« Mühe. Der Tatbestand der »sexuellen Belästigung« findet sich im StGB nicht. Daher kann, zumindest im Strafverfahren, nur Nachstellung(StGB §238) und Nötigung(StGB §240) herangezogen werden. Unter Belästigung versteht man das nachhaltige Einwirken ohne berechtigtes Interesse gegen den Willen und zum Schaden des Opfers.

    Das AGG ist kein Strafrecht sondern ein, vergleichsweise neues, Opferschutzrecht. Hier wird sexuelle Belästigung erstmalig normativ definiert und orientiert sich, wenig überraschend, am Verständnis der Belästigung im Strafrecht.

    Die Definition von Gleichstellungsbeauftragen ist streng genommen genauso bindend wie eine Definition die ich oder jeder Andere aufstellen würde. Im Fall von Universitäten sieht die Sachlage geringfügig anders aus, da hier zusätzlich das Hausrecht greift.
    Ich kann für meine Wohnung durchaus definieren, dass Frauen immer den Blick zum Boden gesenkt halten müssen. Passt das einer Frau nicht muss sie ja nicht zu mir kommen. Ahnden kann ich einen Verstoß freilich nur mit einem Rauswurf. In meinem privaten Fall also keine besonders gefährliche Drohung. Im Fall einer Universität durchaus.

    Zumindest privat würde ich einem willkürlichen Vorwurf der sexuellen Belästigung lediglich mit Schulterzucken begegnen. Es handelt sich dabei so oder so nur um die übliche Beschämungstaktik. In jedem Fall würde ich betreffende Frau allerdings meiden. Wer leicht mit solchen Vorwürfen um sich wirft schreckt möglicherweise auch nicht vor Schlimmerem zurück.

    • suwasu says:

      Da ist einerseits das von Dir erwähnte Strafrecht. Andererseits könnte die Sache zum Arbeitsrecht gehören. Denn das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz scheint auf die Arbeitssphäre mit abzuheben und die Unis formulieren im Anschluss an das AGG Richtlinien für Sanktionen dienstrechtlicher Art gegen Belästiger.

      ” Im Fall von Universitäten sieht die Sachlage geringfügig anders aus, da hier zusätzlich das Hausrecht greift.”

      Das war mein zentraler Punkt: Ich habe vor einigen Tagen die These aufgestellt, dass Unis besser als die staatliche Gesetzgebung geeignet sind, um Verhaltensnormen durchzusetzen. Der Staat kann nur durchsetzen, was irgendwie rechtlich definierbar ist. Eine Organisation mit Hausrecht muss dies nicht so eng sehen, sie kann im Rahmen geltenden Rechts durchaus zusätzliche Definitionen entwickeln, die auch auf das Verhalten des Mitgliedes wirken.

      • HansG says:

        Da geb ich dir auch Recht.

        Studenten fallen aber wohl kaum unter das Arbeitsrecht. Auch kann Keiner behaupten ein Kommilitone würde einen anderen diskriminieren. Dazu fehlt dem Studenten schlicht die notwendige Machtposition. Was also effektiv bleibt ist das Straf- und Hausrecht. Das Strafrecht gibt den gewünschten Tatbestand aufgrund eines einfachen »Übergriffs« einfach nicht her.

        Als Student würde ich mich gegebenenfalls streng an die Vorgaben halten und nach Möglichkeit nicht mit Frauen auf dem Campus sprechen. Sie am Besten nicht einmal ansehen.

        Frauen auf der Suche nach Spaß finden sich auch in Clubs, Bars und Kneipen. Dort kann ein, wie auch immer geartetes, Hausrecht der Universität nicht greifen. Dass die armen Studentinnen dann etwas mehr Mühe investieren müssen um einen potentiellen Partner mit dem üblichen »etwas mehr als der eigene Verdienst« zu finden dürfte schon reichen um solche Bestimmungen schnellsten wieder los zu werden.

        Davon abgesehen könnte eine Kassiererin die auf ihre Karriere verzichtet hat, im Scheidungsfall, deutlich günstiger kommen als eine studierte Afrikanistin.

        Es ist in der Tat ein Male-Privileg, dass Männer mit steigendem Alter und Verdienst attraktiver werden. 😉

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