Unis und sexuelle Belästigung

Und weiter im Thema. Von 2008 stammt dieser Flyer der Uni Mannheim und er informiert uns darüber, dass sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz offenbar ein flächendeckendes Phänomen ist:

2004 ergab eine Befragung des Bundesministeriums
für Familie, Senioren, Frauen und
Jugend, dass 73-93% der befragten Frauen
bereits sexuelle Belästigung an ihrem Arbeitsplatz
erfahren haben.

Nimmt man diese Zahl ernst, ist eigentlich kaum eine Frau von dieser Erfahrung ausgenommen. Es herrschen also schreckliche Zustände am Arbeitsplatz. Mir fällt es doch schwer, das so zu glauben.

Die Palette der Untaten ist auch auf diesem Flyer breit angelegt. So gehört auch folgendes bereits zur sexuellen Belästigung:

Hinterherpfeifen, taxierende Blicke

Wie aber misst man justiziabel “taxierende Blicke”? Es ist vermutlich sehr subjektiv, ob jemand Männerblicke als taxierend empfindet oder als angenehme Form der Aufmerksamkeit. Männer schauen Frauen hinterher und natürlich haben sie dabei auch ein erotisches Interesse. Das kann Mann auch nicht immer verbergen. Ist nun jeder ansatzweise interessierte Blick ein Problem?

Zugegeben, wenn die Angestellte zum Chef kommt, sollte dieser sein erotisches Interesse im Zaume halten. Es ist vorstellbar, dass offen vorgetragenes Interesse bzw. eben ein “taxierender Blick” tatsächlich als unangenehm empfunden werden kann.

Allerdings glaube ich, dass die Uni Mannheim hier weit übers Ziel hinausschießt, denn das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, die Grundlage für diese Uni-Kampagnen, scheint die Blicke an sich nicht zum Problem zu erheben:

Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG):

Nach dem AGG ist der Tatbestand der sexuellen Belästigung wie folgt definiert:

„Sexuelle Belästigung ist eine Benachteiligung, wenn ein unerwünschtes, sexuell bestimmtes Verhalten wozu auch unerwünschte sexuelle Handlungen und Aufforderungen zu diesen, sexuell bestimmte körperliche Berührungen, Bemerkungen sexuellen Inhalts sowie unerwünschtes Zeigen und sichtbares Anbringen von pornografischen Darstellungen gehören, bezweckt oder bewirkt, dass die Würde der betreffenden Person verletzt wird, insbesondere wenn ein von Einschüchterungen, Anfeindungen, Erniedrigungen, Entwürdigungen oder Beleidigungen gekennzeichnetes Umfeld geschaffen wird“.

Ich interpretiere diese Passage so, dass es schon auf vermachtete Kontexte ankommt und dass hier ein Bündel von Aktivitäten seitens des Belästigers vorliegen muss. Einmalige Aktionen fallen vermutlich nicht unter die Geltung dieses Gesetzes, sondern es muss schon erkennbar sein, dass dieses ” von Einschüchterungen, Anfeindungen, Erniedrigungen, Entwürdigungen oder Beleidigungen gekennzeichnetes Umfeld geschaffen wird“. Und die Schaffung dieses Umfeldes ist ein Prozess mit einer gewissen Zeitdauer.

Vermutlich wäre der Tatbestand der sexuellen Belästigung sonst juristisch auch gar nicht definierbar. Man braucht überprüfbare Kriterien, um ein Urteil fällen zu können.

Die Info-Kampagnen der Gleichstellungsbüros der Universitäten scheinen dies aber sehr unterschiedlich anzupacken und oft sehr weit auszulegen.

Hier z.B. die LMU München:

Was ist sexuelle Belästigung?

“Sexuelle Belästigung beginnt dort, wo signalisierte Grenzen überschritten werden”

Sexuelle Belästigung ist jedes sexuell belegte Verhalten, das von den Betroffenen nicht erwünscht und von ihnen als beleidigend und abwertend empfunden wird. Sie kann sich in Worten, Gesten und Handlungen ausdrücken, durch ausfallende Bemerkungen über Aussehen oder Privatleben, Erzählen anzüglicher Witze, Zeigen von pornographischen Darstellungen, taxierende Blicke, unerwünschte Berührungen und Annäherungsversuche bis hin zu strafrechtlich relevanten Tatbeständen wie Stalking, sexueller Nötigung und Vergewaltigung. Insofern es stets ein einseitiges Verhalten ist, das von den Betroffenen als entwürdigend erlebt wird, unterscheidet es sich grundlegend von Flirts oder Komplimenten.

Das ist übrigens ein Textbaustein, den ich auch bei anderen Unis gefunden habe. Was auffällt: Die vom Gesetz gezogenen Grenzen werden hier nicht aufgegriffen. Man kann das Gleichbehandlungsgesetz gut oder schlecht finden, aber es hat versucht, die sexuelle Belästigung so zu fassen, dass es ein greifbares Phänomen ist. Im Grunde wurde ein Äquivalent zum Mobbing beschrieben, indem man diese Belästigung als ein Dauerproblem beschrieb im Kontext eines Machtverhältnisses.

Was macht das Gleichstellungsbüro daraus? Es steigt ein mit einem Zitat, dass noch jede Grenzverletzung als Belästigung definiert. Das kann dann auch eine einmalige Aktion sein. Anschließend wird alles Mögliche als Ausdruck einer solchen Belästigung aufgefasst. Das entspricht dem Gesetz, zum Teil, weil die Grenzziehung des Gesetzes nicht wiederholt wird. Alleinige Grenzziehung des Flyers ist die Unterscheidung von Flirt und Kompliment.

Auf diese Weise laden diese Frauenbüros dazu ein, “sexuelle Belästigung” sehr weit zu definieren und alles mögliche darunter zu fassen. Sie suggerieren Frauen damit auch, dass sie schon bei einmaligen unangenehmen Erfahrungen rechtliche Handhabe hätten, um gegen den tatsächlichen oder vermeintlichen Belästiger vorzugehen. Auch laden sie erotische Signale aller Art mit einer negativen Wertung auf. Junge Frauen bekommen das Gefühl, dass Anbandelungsversuche von Männern falsch sind und sie bekommen das Gefühl, dass sie im Recht sind, wenn sie diese Männer als “Belästiger” verdammen.

Damit wird einerseits ein Klima der Angst geschaffen: Alles ist Belästigung! Es ist eine Illusion geschaffen: Du kannst gegen alle Männer, die Du als lästig empfindest, vorgehen! Und es wird das Selbstbewusstsein geschaffen, dass die eigene Bewertung eines erotischen Signals oder eines Verhaltens als erotisches Signal sowohl vom Staat als auch von der Zivilgesellschaft uneingeschränkt geteilt wird und dass man als Frau Anspruch hat, bei der Durchsetzung dieser Bewertungen institutionelle Unterstützung zu erhalten.

 

 

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Deutsche Unis: Aufkleber gegen sexuelle Belästigung

Heute meldete sich achdomina mit einem guten Text zurück. An diesen Text will ich zumindest zu einem Aspekt kurz anschließen. achdomina beschreibt dort einen Besuch der Bibliothek der Humboldt-Uni Berlin:

Das erste, was man im Foyer sah, war wenige Schritte hinter den Türen ein etwa brusthoher Aufsteller mit einem Schild. Das Schild war rot, nahe am Feuerwehrrot, aber noch knalliger. Darauf stand in großen, weißen Lettern “Kein Raum für Übergriffe”, darunter kleiner der Hinweis, dass sexuelle Übergriffe in den Räumen der Bibliothek nicht geduldet würden, und dann eine Aufzählungsliste, was alles unter sexuelle Übergriffe falle.

Ich habe dort in den Kommentaren gesagt, es wäre interessant zu wissen, ob diese Schilder oder Aufkleber auch anderswo zu finden wären. Schließlich hätte ich kürzlich selbst eine solche Aufkleberkampagne in einer deutschen Hochschule beobachtet (Mein Kommentar ist noch nicht freigeschaltet).

Da ich mich gerade vor schwierigeren Aufgaben drücke, habe ich kurz mal Google angeworfen. Ja, es gibt diese Hinweiskampagnen auch an anderen Unis. Ich glaube, hier tut sich ein wichtiges Thema auf.

Hier findet sich ein Beispiel. Der Hinweiszettel oder -aufkleber ist harmlos. Aber die Darstellung deutet auf interessante Zusammenhänge hin:

– Erwähnt wird ein Rahmenprogramm zur Frauenförderung der Universität

– Sodann gibt es einen offiziellen Gremienbeschluss zum Thema sexuelle Belästigung

– Schließlich wird ein mittelbarer Bezug zum Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz hergestellt.

– Dieses wiederum wird als Umsetzung einer EU-Richtlinie beschrieben

Das Ganze ist also ein politisch in Gang gesetztes Ding. Ich kann noch aus meiner Kenntnis hinzufügen, dass Landeshochschulgesetze Gender Mainstreaming festschreiben und dass dort verlangt wird, die Bemühungen um Frauenförderung zu evaluieren, also auch nachzuweisen. Der Fisch stinkt hier also vom Kopf her.

achdomina verlinkt auf einen Flyer der HU Berlin zum Thema Sexuelle Belästigung. In dem Flyer wird aufgezählt, was alles als Belästigung zählt (nahezu alles). Und dann werden wir mit dem Definitionsmacht konfrontiert:

“Es gibt keine Definition, die festschreiben, was sexualisierte
Diskriminierung und Gewalt umfasst und was nicht. Die betroffene Person selbst entscheidet über die Grenzziehung.”

Sexuelle Belästigung ist also ein Gegenstand ohne Kriterien, letztendlich. Dann ist alles möglich. Vor Gericht und auf Hoher See sei man in Gottes Hand, heißt es. In der Uni wird Gottes Rolle von vermeintlichen Opfern und ihrer Unterstützer*_I_n*xen eingenommen.

Es ist schwer vorstellbar, dass “Definitionsmacht” zu justiziablen Ergebnissen kommen kann. Sprich: Es kann nicht gelingen, darauf Rechtssprechung aufzubauen. Recht braucht Kriterien, um entscheiden zu können, ob ein Gesetz verletzt worden ist oder nicht. Das legt es durchaus nahe, für Feministinnen, ihren Kampf in eine andere Arena zu verlegen. Der Rechtsstaat kann hier nicht eingreifen, es gibt zu viele Grauzonen. Aber eine Organisation wie die Universität kann hier aktiv werden, indem sie von ihrem Hausrecht Gebrauch macht. Sie kann Bedingungen formulieren, die auch das Verhalten von Menschen regulieren. Sie kann solche Menschen aus ihrer Organisation ausschließen, die sich diesen Bedingungen nicht fügen.

Ich hatte kürzlich in Kommentaren gemutmaßt, dass die Rape Culture Hysterie an amerikanischen Unis nicht einfach emotional getragen ist, sondern eine Graswurzelstrategie. Ich spekuliere mal weiter: Gewisse Ziele des Feminismus, nämlich den umerziehenden Zugriff auf Männer, lassen sich nicht politisch verwirklichen, weil sie nicht justiziabel sind oder weil der Staat hier zu übergriffig wäre und gegen Verfassungsgebote verstieße. Daher hat sich der Feminismus auf Organisationspolitiken und -ethiken verlagert, über die der Zugriff auf Persönlichkeit und Verhalten deutlich besser möglich ist. Immerhin kann die Organisation sehr viel wirksamer als der Staat das Verhalten steuern, weil sie die unmittelbare Abhängigkeit ihrer Mitglieder von der Organisation ausnutzen kann (als Arbeitgeber oder als Verteiler von Zertifikaten). Es ist also durchaus vorstellbar, dass die Genderisierung der Universität und die Durchführung solcher Aufkleber-Aktionen Teil einer geordneten, wohlüberlegten Strategie sind.

Edit:

Ich habe noch ein bisschen herumgesucht im Netz. Bislang ist der HU-Berlin-Flyer derjenige, der am deutlichsten das Konzept Definitionsmacht mit einbringt. Andere Universitäten bilden häufig nur die offenbar gesetzlich festgeschriebenen Merkmale für “sexuelle Belästigung” ab.

Den ersten Preis für Einseitigkeit sollte dieses Plakat der TU Berlin bekommen (keine Ahnung, von wann das ist): “Es kann jede treffen!” ==> http://www.tu-berlin.de/fileadmin/i31/Publikationen/Plakat_Typo_DRUCK_QR.jpg

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“Frauengewalt? Das glaube ich nicht!”

Gewalt ist ein Skandalthema. Hier kochen die Emotionen hoch. Die Diskussion zu versachlichen, ist darum meist schwer. Nicht wenige Menschen haben einen falschen Eindruck von der Häufigkeit der Gewalt und ihrer Opfer. So fürchten Alte und Frauen oft, die Hauptopfer von Gewalt zu sein. Tatsächlich sind die meisten Gewaltopfer männlich und keine Rentner. Wenn ich das in die Diskussion einbringe, schlägt mir oft ärgerliche Abwehr entgegen. Auch wenn ich darauf hinweise, dass das Gefühl einer ständig ansteigenden Gefahr keinerlei Basis hat in den tatsächlichen Zahlen, wird darauf oft mit Empörung reagiert. Die liebgewonnene Kriminalitätsfurcht möchte man offenbar nicht gerne aufgeben.

In letzter Zeit habe ich aber auch öfters in Diskussionen erwähnt, dass häusliche Gewalt keine reine Männerdomäne ist. Ich habe eingeworfen, dass manche Studie sogar ein Gleichgewicht der Geschlechter behauptet. Auf diese Aussagen wurde nicht mit Empörung reagiert. Vielmehr gab es ein intensives und ausdauerndes Kopfschütteln. “Das kann ich nicht glauben!”, hieß es. Dieser Satz wurde wieder und wieder gesagt. Eine Person reagierte gar zunächst mit Sprachlosigkeit. Erst dann der Zweifel: “Das glaube ich nicht. Ist das wirklich so? Das kann ich mir nicht vorstellen.” Der dann häufig wiederholt wurde.

Interessanterweise war dieser Zweifel ansteckend. Ich wurde unsicher. Schließlich bin auch ich mit der Vorstellung aufgewachsen, dass Männer ihre Frauen schlagen. Der umgekehrte Fall war auch für mich die längste Zeit undenkbar. Ich bin kein Experte für dieses Thema und habe meine Weisheiten auch nur aus den einschlägigen Blogs. Die anerzogene Wahrheit (die mir auch nicht über Statistiken oder Studien, sondern über Behauptungen vermittelt worden ist) ist nicht selten stärker als das, was Blogger berichten.

Ich kann hier im Moment keine für den Maskulismus interessante Schlussfolgerung daraus ziehen. Es sind ja auch Einzelfälle, die ich hier schildere. Spannend war eben das wahrhaftige Erstaunen und daher wohl auch das Ausbleiben der Empörung. Im Falle der Gewalt allgemein gelten meine Aussagen vielen schlicht als falsch und darum als Ärgernis. Aber die Aussage über häusliche Gewalt gilt ihnen offenbar nicht als falsch, sondern als irrsinnig. Das Kopfschütteln wäre vermutlich ähnlich, hätte ich von einer Begegnung mit Außerirdischen gesprochen. Relativiere ich die gefühlte Gewaltbedrohung, gilt das als “Kleinreden” oder “Schönfärberei” und das wird von meinen Diskussionspartnern offenbar als politische Hinterhältigkeit interpretiert. Wenigstens fühlen sie sich in ihrer Wahrnehmung, die sie absolut setzen, nicht ernst genommen. Das macht die Wut zumindest nachvollziehbar. Aber diese Wut bleibt beim Thema “Häusliche Gewalt” aus. Hier ist es eher so, dass die Leute mich dann nicht ernst nehmen. Was ich sage, ist nicht falsch, sondern abwegig. Es ist offenkundig mein Problem, denn ich hänge dann aus der Sicht dieser Leute einer abstrusen Meinung an, es ist eine Verirrung, die wohl auch Fremdschämen auslöst. Das Kopfschütteln könnte auch Ausdruck der Verwunderung sein, dass ein intelligenter Mensch wie ich solch einem Irrglauben anhängen kann.

Ich weiß nicht, ob diese wenigen Erlebnisse irgendwie repräsentativ sind. Hat jemand von Euch das ähnlich erlebt?

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Solche und solche

Zu meinen subjektiven Äußerungen über Frauen haben etliche Kommentatoren geschrieben, dass sie ganz andere Frauen kennen. Sie haben meinen Erfahrungen teilweise diametral widersprochen. Das ist auch gut so, erinnert es doch daran, dass Menschen unterschiedlich sind.

Heute morgen ging ich an einer Frau vorbei, die mich ebenfalls daran erinnerte. Sie trug Lederhose. Zusätzlich hatte sie ein farbenfrohes und wirklich großes Tattoo auf dem Arm. Insgesamt wirkte sie recht herb. Ihr Anblick weckte Assoziationen zu Begegnungen mit ähnlichen Frauentypen.

Das Internet hat ja das Potenzial, den Nutzer aus seinem angestammten Milieu herauszulocken. Für gewöhnlich hat man ein recht gut sortiertes Umfeld und nicht selten findet man Freunde, mit denen man vieles teilt: Den Geschmack, den Bildungsgrad, gewisse politische Orientierungen usw. Das führt schnell zu einem Tunnelblick, weil die eigene erlebte Normalität letztlich nur die Normalität des eigenen Milieus ist. Vielleicht ist diese Tunnelblickgefahr in der Großstadt noch größer, wo man zuweilen in  sehr milieugeprägten Umfeldern wohnt. In meiner Umgebung dominiert die jüngere Generation, akademisch gebildet, biomarkt- und kinderladengestählt. Alte gibt es fast gar nicht. BILD-Zeitungslesende Kleinbürger fallen kaum ins Gewicht.

Natürlich weiß ich, dass das nicht alles ist. Aber im Alltag bleiben die Begegnungen mit anderen Milieus meist aus. Doch über das Internet habe ich recht viele Menschen mit ganz unterschiedlichen Prägungen kennengelernt. Darunter war auch eine Reihe von Frauen, die der Dame von heute morgen ähnelten, vom Schlage der herben Arbeiterin.

Diese Damen stehen in einem auffälligem Gegensatz zu dem bürgerlichen Frauenideal, das Frauen eher in romantischer Weise beschreibt: Eher zierlich als stämmig, eher zurückhaltend als vorlaut, eher fürsorglich als eigensinnig. Diese Damen hingegen sind vom Auftreten her eher robust, meinungsstark, eher laut und haben einen Hang zur Direktheit. Die für Dienstleistungsberufe eher typische bürgerliche Tugend der Diplomatie und Zurückhaltung liegt ihnen nicht. Sie halten das im Gegenteil für eine Form der Verlogenheit. Daher geizen sie nicht mit ihrer Meinung und sie tragen sie auch selbstbewusst und kämpferisch vor. Ihre Umgangsformen sind rauh, aber herzlich, aber die Herzlichkeit kann nur der Eingeweihte erkennen – gewiss nicht der Vertreter meines Herkunftsmilieus, der diese Raubauzigkeit bereits als skandalös einzustufen gewohnt ist. Es sind zugleich Damen, die eher in Ausbildungsberufen arbeiten, kein Abitur haben, also auch keinen Hochschulabschluss haben und die – so vermute ich – auch aus eher arbeiterlichen Elternhäusern stammen. Ich spreche hier allerdings auch von einer bestimmten Altersgruppe, nämlich um die 40+.

Milieus

Es ist immer wieder faszinierend zu erleben, wie unterschiedlich Menschen sind. In der Soziologie gibt es “Milieu” als Konzept, um solche Unterschiede zu systematisieren. In Milieus werden Menschen zusammengefasst sowohl nach Bildung und Einkommen als auch nach Alltagsgeschmäckern und Lebenseinstellungen. Es gibt – wenn das noch aktuell ist – demnach in Deutschland so um die neun verschiedenen Milieus, also Großgruppen, die sich voneinander in wesentlichen Dingen unterscheiden, die Menschen versammeln, die über die Milieugrenzen hinweg Schwierigkeiten miteinander haben, weil sie zu gegensätzliche Geschmäcker und Werthaltungen haben.

Das gilt natürlich nicht nur für Frauen, sondern auch Männer. Mein Lieblingsbeispiel ist der Vergleich zwischen Gerüstbauern und Philosophiestudenten. Es mag für Biologen ein ausgemachtes Ding sein, dass alle Männer irgendwie nach festgelegten Schemata agieren. Dennoch sind die Verhaltensunterschiede ungemein hoch und genauso ist es das Konfliktpotenzial. Das gilt vor allem auch für die Verkörperung von “Männlichkeit”. Der Gerüstbauer (oder nehmen wir den Fitnessstudiobesucher) ist dabei sehr körperbetont, ähnlich wie die oben beschriebenen Damen sehr direkt und durchaus konfrontativ. Der Philosophiestudent ist hingegen eher bemüht, seine körperliche Präsenz zu minimieren und er versucht sich in Diplomatie (idealtypisch). Schließlich wird er auch nicht über schlüpfrige Altherrenwitze lachen können, die auf der Baustelle lautes Gröhlen verursachen.

Beide Personengruppen begegnen einander tendenziell mit Verachtung. Der Philosoph hält die anderen für potenziell gewalttätig, für laute Rüpel, ungebildete BZ-Leser, für aufdringlich und unhöflich. Der Gerüstbauer hält den Philosophen für feige, eingebildet, schwächlich, für zu zögerlich, denn der Philosoph ist für ihn kein Macher, keiner, der zupackt, wenn es ernst wird (auch das jetzt mal etwas zugespitzt).

Was folgt nun aus dieser Betrachtung?

Sowohl Feminismus als auch Maskulismus können mit ihren Konzept von Weiblichkeit und Männlichkeit an dieser Vielfalt nur scheitern. Dabei hat der Maskulismus – noch- eine gewisse Ahnung davon, dass es “den” Mann nicht gibt. Der Feminismus hat bei aller Betonung des Geschlechts als soziale Konstruktion doch ein monolithisches Frauenbild, dass er in den vermeintlichen Rollenvorgaben des Patriarchats zu erblicken meint. Diese Ideale spielen in gewissen Segmenten der Gesellschaft aber so gar keine Rolle. Im Kreise der herben Arbeiterfrauen haben Prinzesschen wenig Chance. Sie selber sind keine Prinzesschen, sondern wehrhafte gestandene Frauen, die sich nicht die Butter vom Brot nehmen lassen. Wo sie in Leder und Tattoos gewandet sind (was wirklich nicht so selten ist), zeigen sie deutlich, dass Barbie-Ideale für sie absolut belanglos sind. Weil also diese Damen gar keine Relevanz solcher Ideale empfinden, sind sie für feministische Unterdrückungsszenarien gar nicht ansprechbar.

Der Maskulismus wiederum dürfte meist übersehen, welche Konflikte zwischen Männern unterschiedlicher Milieus existieren. Diese Konflikte berühten auch das eigene Selbstverständnis als Mann und es führt auch zu einer gewissen Plausibilität der Kritik an Männlichkeit – wenn der Philosoph Kritik an hegemonialer Männlichkeit äußert, meint er die Rüpel vom Schulhof, die ihm seine Kindheit versauert haben. Hier gibt es also einen gewissen Anschluss an feministische Ideen.

Dem Gerüstbauer dürfte der Maskulismus wiederum ziemlich schnurz sein, weil er eher traditionelle Männlichkeitsvorstellungen vertritt. Er wird Maskulisten, vor allem die theoretischen und die, die männliche Leidenserfahrungen thematisieren, eher als Weicheier einstufen.

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Heute: Eine Prise Misogynie

Dieser Blog heißt nicht umsonst “Offene Flanke”. Er steht damit für die Schwachstellen, für Positionen, die nicht genug gegen Kritik gedeckt und daher leicht angreifbar sind.

Hier zu schreiben, heißt auch, die Gedanken erst kennenzulernen, indem ich sie aufschreibe (so hat es Only_Me mal beschrieben, das fand ich passend).

Zu diesen Schwachstellen gehört die emotionale Seite und dazu auch die Aufwallungen gewisser pauschalisierender Ressentiments. Eines dieser Ressentiments, die ich manchmal verspüre, beschreibt Frauen als Wesen ohne eigene Interessen. Derjenige, der dieses Vor-Urteil am knackigsten auf den Punkt bringt, ist üblicherweise Adrian: Frauen interessieren sich allenfalls für Shopping, aber ansonsten geht ihnen Kultur und Politik oder auch Sport am A…. vorbei. In meiner – vermutlich stark selektiven – Wahrnehmung trifft das zu. Wenn Menschen sich für den Zustand unserer Gesellschaft interessieren, sind das meist Männer. Frauen halten das für Zeitverschwendung. Ich bin auch damit aufgewachsen, dass Frauen viele männliche Interessen belächelt haben als kindisch oder dumm: Männer, die sich für Fußball oder Technik interessierten, konnten sie nicht verstehen. Dieses Interesse war ihnen irgendwie zu profan. So entstand dann auch das Zerrbild von “meinem Karlheinz”, der im Hobbykeller hockt, was an sich bereits unsexy und lächerlich zu sein schien. Vermutlich ist die Bastelei an der Modelleisenbahn wirklich nicht sonderlich sexy, zugegeben. Aber mir kam der Verdacht, dass Sexiness letztlich nur um den Preis zu haben war, dass Mann sich mit gar nichts Profanem mehr beschäftigt.

Die dies belächelnden Frauen wirken nämlich ihrerseits meist desinteressiert an allem. Sie haben kein Hobby (außer shoppen), die “Gesellschaft” oder der “Staat” sind ihnen schnurz, sie beschäftigen sich in ihrer Freizeit mit wenig (außer vielleicht Klatschzeitschriften?). Kurz: Sie haben eigentlich nichts, was sie sonst noch lieben. Der einzige Lebensinhalt ist damit die Beziehung. Dann ist der Partner das einzige Ereignis, das einzige Hobby, der einzige Quell irgendwelcher Freude, der einzige inhaltliche Input. Problematischerweise haben diese Damen dann aber auch nichts zu sagen und schweigen eben mehr. Sie können den thematischen Interessen der Männer nichts entgegensetzen, seinem Gesprächsbedarf werden sie so kaum gerecht.

Die ganze Sache hat eine tragische Tendenz: Eine solche Frau wird massiv abhängig vom Partner. Würde er sie verlassen, hätte sie sofort sämtliche Freizeitinhalte verloren. Es bleibt nichts übrig. Dem Manne bliebe sein Hobby, seine thematische Neugierde und das damit verbundene Wissen. Er hat etwas, wofür es sich außerhalb der Beziehung auch noch zu leben lohnt. Selbstverständlich führt eine  Trennung immer zu starkem Leiden, aber die Fähigkeit, dann irgendwann alleine zurecht zu kommen, hängt auch ab von der Fähigkeit, sich für etwas zu interessieren. Ich habe nun oft beobachtet, dass manche Frauen von einer Beziehung in die nächste gleiten, ohne Atempause. Das passt womöglich zum inhaltlichen Desinteresse. Aber weiter zur tragischen Tendenz: Während sie also sich an ihren Partner als Lebensinhalt klammert, von dem sie dann auch stimulierende Ereignisse erwartet, wird er sich unerfüllt fühlen. Seine Interessen werden von ihr nicht geteilt. Er kann mit ihr nicht darüber reden, denn bei diesen Themen bleibt sie indifferent und meinungslos. Er fühlt sich einerseits Erwartungen ausgesetzt, findet aber selber zu wenig Anregendes in der Beziehung. Das sind Widersprüche, die letzten Endes ziemlich konflikthaft enden können.

Ich weiß natürlich, dass das jetzt etwas pauschal daher kommt. Aber irgendwie habe ich gerade den Antrieb, dieses Phänomen mal zu ergründen.

 

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Das “Patriarchat” als Selbstüberforderung des Feminismus

Zentrale Annahme des modernen Feminismus ist die Existenz eines Patriarchates als eines Systems männlicher Herrschaft. In der Gegenwart herrscht die Annahme vor, dass dieses Patriarchat umfassend ist. Es findet sich noch in den privatesten Winkel der Gesellschaft und beherrscht folglich das Leben insgesamt, ob in Politik, Wirtschaft oder in der Familie.

Dieses “Patriarchat” möchte ich im folgenden als ein Konstrukt begreifen, indem ich spielerisch die Annahme übernehme, dass Realität sozial hergestellt wird. Auf dieser Basis können wir überlegen, wie das Konstrukt “Patriarchat” Wirklichkeiten formt, kurz: in welcher Welt Feministinnen leben.

Wenn alles Ursache ist, ist nichts erklärt

Auffällig am Patriarchats-Konstrukt ist die erwähnte Absolutheit. Damit steht das “Patriarchat” im Gegensatz zu anderen Herrschaftsformationen, die in anderen Theorien beschrieben werden. Der Marxismus z.B. behauptet, dass das Eigentum an Produktionsmitteln Herrschaft über die Besitzlosen ermöglicht. Das erlaubt es dem Marxisten, genau anzugeben, wer aufgrund welcher Ressourcen Herrschaft ausübt. Der Marxist ist in der Lage, eine herrschende Klasse, gar eine herrschende Elite zu identifizieren und er kennt eine relativ einfache Lösung, nämlich die Vergesellschaftung des Eigentums an Produktionsmitteln.

Das feministische “Patriarchat” aber ist erheblich diffuser. Gewissermaßen fungieren hier die Männer als herrschende Klasse. Aber nunmehr lässt sich nur noch schwer sagen, mit welchen Ressourcen das geschieht. Die männliche Herrschaft im Patriarchat werde ja überall und bei jeder Gelegenheit ausgeübt, so dass jeder Mann durch jede seiner Aktivitäten bereits Teil eines Unterdrückungssystems ist. Anders als der Privatbesitz an Produktionsmitteln lässt sich nun nicht mehr genau sagen, über welche konkreten Ressourcen der angeblich herrschende Mann verfügt, um dadurch Macht zu gewinnen. Weil alles Ressource ist, verliert das Konstrukt “Patriarchat” seine Erklärungskraft. Es ist überdeterminiert, weil keine einzelnen Ursachen mehr isoliert werden, sondern alles, was Männer tun und sind, als Ursache gilt. Man kann jetzt also weder eine herrschende Elite ausmachen noch die wirklich wesentlichen Ursachen, auf denen ihre Herrschaft beruht.

Selbsterzeugte permanente Erfolglosigkeit

Dies führt notwendigerweise zu einer Selbstüberforderung des Feminismus. Es ist dem Feminismus so im Grunde kaum noch möglich, eine stringente Theorie der Beseitigung der “männlichen Herrschaft” zu formulieren. Der Feminismus müsste überall, bei Milliarden von Männern und bei allem, was sie sind und tun, ansetzen. Das kann zahlenmäßig relativ kleinen Bewegung aber kaum gewinnen. Schließlich führt die Absolutheit des Patriarchatskonstrukts auch dazu, dass der Feminismus keine Prioritäten setzen kann, worauf er vordringlich seine Energien zu konzentrieren gedenkt.

Eine sich politisierende Bewegung kann nicht auf eine halbwegs rationale bis sozialtechnologische Theorie verzichten. Sie muss eine Reihe von Stellschrauben benennen, durch die sie maßgebliche und “messbare” Veränderungen herbeiführen kann. Dazu braucht sie eine Vorstellung von Ursache-Wirkungs-Zusammenhängen, die diese Stellschrauben lokalisiert. Nur so kann sie eigentlich ihren Anhängern Erfolge versprechen. Und nur, wenn Erfolge möglich sind, kann sie ihre Anhänger bei der Stange halten.

Alles das kann dem Feminismus nicht gelingen. Vereinfachende und orientierende Kausalitätsannahmen fehlen ihm. So genügt es im “Patriarchat” ja nicht, Frauenrechte politisch durchzusetzen, denn die Bosheit der männlichen Herrschaft zeige sich sowohl im Ehebett als auch in der informellen Realität am Arbeitsplatz. Der politische Erfolg der Verankerung eines Frauenrechts im Gesetz kann darum niemanden motivieren. Laut der Patriarchatsthese ist damit nämlich noch gar nichts gewonnen und radikale Feministinnen werden alle Frauenrechtlerinnen als naiv beschimpfen, wenn sie ein solches Gesetz als Sieg feiern. Das Grundmuster kann hier nur die Frustration sein, das Gefühl, eigentlich noch gar nichts erreicht zu haben. Hinzu kommen Grabenkämpfe, weil die Radikalen die Naiven als uneinsichtig und dumm bekämpfen werden, die die Hinterhältigkeit männlicher Herrschaft einfach nicht begreifen. Wie wir wissen, geraten die “Naiven” aus der Sichtweise der Radikalen allzu schnell in Gefahr, sich dann letztlich mit dem Patriarchat zu identifizieren – aus Unwissenheit.

Die Verachtung der Experten für die Laien

Auch das erzeugt Frust, weil das Patriarchatskonstrukt mit seiner Absolutheit die Gefahr nährt, dass die “Schwestern” sich blenden lassen und nichts wirklich begreifen.ur wenigen Leuten mit dem absoluten Durchblick können dem Patriarchats-Konstrukt zufolge die Perfidie männlicher Herrschaft wirklich verstehen. Die Erkenntnis des Patriarchats und seiner verborgenen Verzweigungen gelinge ja nur auf dem Boden der Wissenschaft, der Gender Studies, und diese muss mühsam den Anschein dekonstruieren, durch den das Patriarchat sowohl Männer als auch Frauen täuscht und sie in Unwissenheit hält. Aber wenn die Einsicht in die Herrschaftsmechanismen derart expertenabhängig ist, geraten die Experten immer wieder in Konflikt mit den Laien, die nach Expertenmeinung nicht begreifen oder gar nicht begreifen wollen. Die Experten bleiben tendenziell einsam, zumal ihr akademischer Habitus die Laien nicht selten überfordern wird. Am Ende werden nicht wenige Expertinnen Frust und Ohnmachtsgefühle erleiden, weil die doch so einleuchtende Wahrheit einfach nicht zu den Frauen durchdringt, obwohl das doch so notwendig wäre.

Das Scheitern eines überhöhten Heilsversprechens

Der Vorteil des verabsolutierten Patriarchatskonstrukts ist sicher der, dass es eine permanente Revolution nötig macht. Immer gibt es noch etwas zu tun, daher rechtfertigt das Konstrukt die dauerhafte Einrichtung der Bewegung und seiner Eliten. Doch die Kehrseite ist, dass das versprochene Heil, die endgültige Befreiung der Frau, nahezu unmöglich erscheint nach menschlichen Maßstäben und dass auch niemand recht weiß, wie man das Heil erringen kann. Niemand hat eine schlüssige Methode und niemand weiß, wo man beginnen soll. Schließlich ist das Heil für Frauen verkompliziert worden, da noch jeder Lebensaspekt als Produkt des Patriarchats gedacht wird: jedes Problem mit dem Gewicht, mit dem Aussehen, mit dem Freund, mit dem Beruf, jede kleine Ungemütlichkeit im Umgang mit Männern wird als Ausfluss der männlichen Herrschaft gedacht. Da ist also unfasslich viel zu tun, um diese Frauen glücklich zu machen. Nicht wenige werden ahnen, dass ein solcher Glücksanspruch gar nicht realistisch ist und dass er durch eine politische Bewegung in keiner Weise einlösbar ist. Das Versprechen dieser Bewegung folgt zwar extrem hohen Idealen, aber bleibt in seiner Umsetzung gleichwohl sehr vage. Das kann auf Dauer nur demobilisierend wirken, während jene, die treu weiter kämpfen, verbissen ausblenden müssen, dass sie einem Phantasma folgen.

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Männer: Auch nur Menschen?

Denken wir einmal über politische Korrektheit nach. Wir wissen, dass es hier bestimmte Empfindlichkeiten gibt. Man soll über “Ausländer” nichts böses sagen, über Angehörige von Religionsgruppen nicht. Wer sich pauschalisierend über Frauen aufregt, gilt als frauenfeindlich und erntet Kritik.

Ich bin bekanntermaßen eher ein Gegner von Pirincci und finde nicht, dass man nun alle, mit denen man ein Problem hat, öffentlich dissen sollte, hemmungslos und lustvoll. Insofern macht eine gewisse Achtung vor dem Menschen immer Sinn. Aber wenn ich von Menschen spreche, deute ich bereits an, dass letztlich universelle Werte wichtig sind. Respekt sollte nicht gruppenabhängig sein.

Aber ein Teil der feministischen PC pflegt bekanntermaßen einen Doppelstandard:

Eine lesbische Frau erklärte mir kürzlich, dass Männer Defizite hätten bei der Sozialkompetenz. Männer an sich. Sie berichtete nicht von einigen Deppen, die ihr komisch gekommen sind. Sie sprach einfach von “Männern”, ohne Unterschied. Eine andere Frau beklagte sich über die Geschmacklosigkeit von Männern, insbesondere im Internet, weil diese seltsame Selfies posten. Auch das ein Merkmal “der Männer”, auch hier keine Unterscheidungen. Früher hieß es über die “Sozis”: “Die können es nicht”. Heute, so scheint es, wird der Spruch auf Männer übertragen. Es sind auffälligerweise gerade diejenigen, die in anderen Bezügen schnell den Sprachgebrauch verurteilen, als “sexistisch”, als “übergriffig”, als “rassistisch” usw. Es sind auch diejenigen oft, die eine geschlechtersensible Sprache fordern, die jedem Menschen in seiner Identität gerecht werden soll und die vermeiden soll, dass Menschen aufgrund einiger Eigenschaften pauschal ignoriert oder abgewertet werden. Aber das scheint alles für Männer nicht zu gelten, solange sie weiß und heterosexuell sind. Da scheint es ebenso korrekt zu sein, Pauschalurteile zu fällen, selbstverständlich abwertende. Über “die Männer” Schlechtes zu sagen, gilt diesen Personen offenbar nicht als verwerflich, es ist vollkommen ok.

Ebenfalls in den letzten Wochen hatte ich eine Diskussion mit einer Person, die gewisse Schwierigkeiten mit der sexuellen Identität hat, nicht für sich selbst, aber in der Konfrontation mit anderen Leuten, die ihre Identität nicht verstehen oder aggressiv ablehnen. Diese Person hat mich zunächst scharf angegriffen. Meine Fragen waren womöglich naiv und kenntnisfrei. Aber das habe ich auch gleichzeitig eingeräumt. Das half nichts, mein Verhalten galt ihr als “grenzverletzend” und “etikettierend”. Alle Mühe und Diplomatie waren zunächst vergebens. Ihre Probleme konnte ich freilich verstehen. Aber ich war trotzdem verärgert, denn ich möchte mir keine Motive unterschieben lassen. Was hatte diese Person getan? Sie hatte meine Äußerungen in ihrem Sinne interpretiert und hielt diese Interpretation für wahrer als das, was ich zu meinen Absichten sagte. Von da an galt alles, was ich noch vorbrachte, egal, wie ausgleichend ich es formulierte, als Taktik und als Versuch, diese Person in eine bestimmte klischeehafte Ecke zu drängen.

Das Thema Kommunikation und Interpretation beschäftigt mich ja schon länger. Ich hatte in der letzten Zeit im Zusammenhang mit Feminismus und Biologismus den Anspruch erhoben, mich selber zu definieren. Dieser Anspruch ist verschiedentlich bestritten worden. Vielleicht steht er auch auf wackeligen Füßen. Aber das ist mir vorläufig gleichgültig. In den geschilderten Beispielen war ich stets mit Interpretationen Anderer konfrontiert, die ich für mich nicht akzeptieren konnte. Diese Personen waren felsenfest von ihren Deutungen überzeugt und sahen meine Rechtfertigungen als Symptom von Täuschung, Selbstbetrug, Dummheit oder Boshaftigkeit. Wenn man so will, haben sie mich wegtreten lassen. Ich denke, man braucht keine ausgefeilte Theorie, um zu behaupten, dass sich das sehr negativ anfühlt und dass wir das aus irgendeinem Grund nicht recht akzeptieren mögen. Im Grunde wünschen wir uns, dass man uns zuhört und dem, was wir sagen, eine gewisse Berechtigung zuspricht. Wir lehnen es ab, dass Andere uns rundherum definieren und alle unsere Aussagen als “falsch” wegschieben.

Es muss daher eine Kernforderung sein, dass Respekt nicht vom Geschlecht abhängig gemacht wird. Die Forderung von Feministinnen, man habe schlicht zuzuhören, muss zurückgewiesen werden. Zuhören muss man einander. Feministinnen müssen sich daran messen lassen, ob sie in der Lage sind, zuzuhören. Ein Privileg haben sie nicht. Dass sie dieses gerne in Anspruch nehmen, muss bestritten werden. Feministinnen müssen sich dialogfähig zeigen oder sie müssen mit dem Etikett “fundamentalistisch” leben.

Strukturell interessant ist aber das Verhalten von Feministinnen a la Wizorek schon: Dieses Bedürfnis, als Verkünderin zu agieren, ist auffällig. Sie predigen gerne absolute Wahrheiten, die in ähnlicher Weise wie in Religionen nicht originell sind, sondern von Wiederholungen leben. Was gefällt ihnen an dieser Rolle und wie kommt es, dass deutsche Universitäten nicht in der Lage sind, diese Leute zur Selbstreflektion zu erziehen?

 

 

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